Artwork
Izvajalec: Work of Art
Založba: Frontiers Records
Izid: 2008
Ocena: 4/5
So hat mir das Herz schon lange nicht mehr gehüpft, als ich ein AOR-Album gehört habe. Erst recht, wenn es von einer frisch gebackenen Band kommt. AOR ist ein verwöhntes Kind. Es verlangt im Studio extremes Haarspalten. Es gibt unzählige Details, die einen anspruchsvollen Ansatz erfordern, das Zusammenfügen verschiedener Schichten und Fragmente zu einem vielschichtig strukturierten Ganzen, das ganz der klanglichen und melodischen Perfektion untergeordnet ist. Alles muss perfekt zusammenpassen, wie in der Feinmechanik, damit die Sache zünden kann!
Work Of Art sind ein Trio. Schweden! Wirklich. Wer auch sonst, wieder mal Skandinavier. Heiß gebacken auf der Szene. Sänger und Keyboarder Lars Säfsund, Gitarrist Robert Sall und Drummer Herman Furin. Die Band verheimlicht auf ihrem Debüt „Artwork“ ihre Einflüsse nicht, in erster Linie Toto, aber auch die Kniffe von Journey sind zu erkennen. Die Phase der Alben „Toto IV“, „Isolation“ und „Seventh One“ ist zur groben Orientierung sehr maßgebend. Um es gleich klar zu sagen: Die Band ist nicht von der Besessenheit befallen, andere nachzuahmen. Auffällig sind nur parallele Abstecher in Richtung der genannten Band. Vor allem wegen des generellen Sounds und der Art, wie die Keyboards eingesetzt werden, wegen der Soul-Kurven im Gesang, sogar wegen der Rhythmik. Lars hat eine mörderisch gut ausgebildete Stimme. Ideal für melodischen Gesang. Ausdrucksstark in jeder Lage. Weich, wenn es subtil, gefühlvoll und zerbrechlich sein soll, autoritär, wenn es zu explodieren gilt. Eine außergewöhnliche Demonstration! Die Band hat ein Album mit einmaliger Klangproduktion zusammengebracht. Sie ist glasklar und ausgewogen. Der Gesang steht absolut im Zentrum, und wo das Riffing betont wird, hat es durchgehend einen leichten Vorrang vor den Keyboards, die den Hintergrund füllen. Die Melodie der Basslinie ist klar und deutlich. Die Keyboards sind total „retro eighties“, aber die Produktion wirkt für heutige Verhältnisse modern, mit einem größeren Maß an lebendigem Puls (vor allem bei den Gitarren) im Vergleich zum Filtern der Achtziger. Die Drums tragen eine außergewöhnliche Klangtiefe mit sauberem, aber kanonenhaft hallendem Sound.
Auch diese Schweden sind Meister im Schmieden von Melodien. Von Motiven, die einen gleich beim ersten Mal an den Ohren packen. Bei Work Of Art herrschen außergewöhnliche Ordnung und Disziplin, die eine fatal anziehende Kohäsion und Kommunikation zwischen den einzelnen Bausteinen der Musik diktieren. Why Do I? ist ein hervorragendes AOR-Lehrbuch als Opener. Eigentlich offenbart sich bei aller Perfektion darin sofort der Kern des gesamten Albums. Maria ist praktisch sein Doppelgänger, die Songs könnten auch auf den Positionen 1 und 2 getauscht werden, weshalb sich die Band auch entschieden hat, zwischen den beiden keine Pause zu lassen, sondern nur einen kaum merklichen Übergang auf den Synthesizern, der den Verstand des Hörers meisterhaft listig austrickst, sodass er gar nicht merkt, dass schon ein neuer Song läuft. Auch Her Only Lie oder Too Late sind nur eine neue Fortsetzung dieser tollen Kombination aus zündender Melodik auf der Achse Gitarre–Keyboards und phänomenaler Dynamik, was den Gesangsvortrag angeht. Kompaktheit ohne Grenzen. Die Mittelteile der Songs könnten sich nicht schöner in die Basis einfügen als bei Work Of Art. Die Jungs haben ein außergewöhnliches Gespür fürs Komponieren. Auch Piece Of Mind und besonders das härtere Cover Me (letzteres mit einem der schönsten Refrains der Platte) bestätigen das bereits Gesagte. Der echte und einzige Balladen-„Kracher“ der Platte im typisch schwedisch-melodischen Stil, Once In A Lifetime, ist eine Ballade, die sich jede AOR-Band auf ihrem Album wünschen würde!
Flirt mit Toto? Der Song Camelia. Er ist mit zusätzlichen Percussions (Unterrhythmen) unterlegt, die Gitarre mit etwas weniger Distortion und mehr natürlichem Klang, und der Gesang bringt einen Hauch Soul-Würze hinein. Einer der definitiven AOR-Höhepunkte der Platte ist der Song Whenever U Sleep. Im Pre-Chorus beschwört er wieder Toto herauf, dann folgt der Übergang in echten skandinavischen AOR-Melodic-Rock mit einem giftig hörbaren Refrain von fataler Anziehungskraft und hohem Wiedererkennungswert. Dazu kommt Lost Without Love, wo sich neben den Toto-Tricks der Geist von Journey (Refrain) einschleicht, und das verspielte Soul-Abenteuer Like No Other mit mehr Halt auf den Keyboards.
Solange Bands wie Work Of Art Songs vom Typ Cover Me oder Whenever You Sleep schreiben, brauchen wir uns überhaupt nicht zu fürchten, dass wir ewig mit der Nase in den kultigen AOR-Klassikern der Achtziger stecken müssen. Es gibt keinen Teufel, der die aktuelle Invasion der Wikinger offenbar aufhalten könnte. Sie hat im Underground begonnen, wohin sich heute auch der AOR zurückgezogen hat. „Artwork“ ist noch ein wunderschönes AOR-Album, ohne Patzer, mit gleichwertigen Songs, perfekter Produktion, perfekter Umsetzung, einem Gespür für die melodische Vollendung der Kompositionen und der echten, ansteckend bombastischen Drama-Atmosphäre, die nur die Kraft des AOR-Rock servieren kann. Auf skandinavische Art. AOR-Debüt des Jahres?
Zasedba
Lars Safsund – Gesang, Keyboards
Robert Sall – Gitarre
Herman Furin – Drums
GASTMUSIKER:
Andreas Olsson – Bass
Produkcija
Lars Safsund
Seznam skladb
1. Why Do I
2. Maria
3. Camelia
4. Her Only Lie
5. Too Late
6. Whenever U Sleep
7. Once In A Lifetime
8. Peace Of Mind
9. Lost Without Your Love
10. Like No Other
11. Cover Me
12. One Hour
13. Camelia* (akustische Version)
*… Bonustrack
Trainingsdauer: 56.15
Bewertung: 10/10