Appetite For Destruction

0 5

Künstler: Guns N' Roses
Label: Geffen Records
Veröffentlichung: 1987

Am 21. Juli 1987 erschütterte ein schweres Erdbeben das Zentrum von Los Angeles. Nichts Ungewöhnliches, könnte man sagen, Beben sind in dieser Stadt relativ häufig, doch am selben Tag brachte noch ein „Beben“ das Fundament von Los Angeles ins Wanken – „Appetite For Destruction“ erschien, das Schlüssel-Hardrock-Album vom Ende der Achtziger und ohne Zweifel eines der zehn wichtigsten Rock’n’Roll-Alben aller Zeiten.

Wie ein Haufen mehr oder weniger „zugedröhnter“ obdachloser Punks so ein Juwel der Szene aufnehmen konnte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, ganz ohne Hilfe ging es dabei aber sicher nicht. Nachdem sie sich in der Unterwelt von Los Angeles schon einen Namen als gefährlichste Band nach Mötley Crüe gemacht hatten, traute sich kein Label, sie unter Vertrag zu nehmen. Also war es nur logisch, dass Tom Zutaut sie unter seine Fittiche nahm, der Typ, der auch für den Aufstieg der eben erwähnten Mötleys verantwortlich war. Nach mühsamen Anstrengungen, einen Produzenten zu finden, und nach einer veröffentlichten Live-EP haben die Jungs im Studio ganz still und leise die Platte aufgenommen, die sie für immer unter die Unsterblichen des Rock’n’Roll eingereiht hat.

Schon das erste Riff dieses Albums ist anders, ungewöhnlich. Das sich steigernde Rumspielen mit der Les Paul und dem Hall entwickelt sich zum delinquenten Abfeiern des Klassikers Welcome to the Jungle. Höhepunkt des Stücks ist der Mittelteil, in dem Adler manisch einen „Tribal“-Rhythmus hämmert und Axl hysterisch brüllt: „You know where you are?You’re in the jungle baby, you gonna die!“ Klassiker! Kaum ist der Dschungel vorbei, packt uns schon die Bassline zu Beginn von It’s So Easy fest am Kragen, eine perfekte lyrische Fortsetzung mit plastischen Beschreibungen von Prostituierten, Säufern und Delinquenten der Stadt der Engel. Das Ding rollt unaufhaltsam weiter, und da sind auch schon das alkoholgetränkte Nightrain über die Schönheit und Kraft des billigsten „Liters“ (auch wenn Slash es bei einem Konzert im Ritz, NY, 1988 so abtat: „This song is basically about a walk in the park.“) und das schizophrene Out To Get Me, in dem Axl zum ersten Mal die innere Wut rauslässt, die ihn verfolgt, und Slash dieses Gulasch mit einem richtig giftigen Solo würzt. Der legendäre Mr. Brownstone ist ein Stück, das in den Achtzigern, als fast alle Drogen nahmen, von Ronald Reagan über Madonna bis zum letzten Penner, fast unerhört, aber ehrlich über die Schattenseiten des Drogenkonsums sprach, besonders von Heroin. Entgegen der landläufigen Meinung war Axl, anders als die restlichen Bandmitglieder, nie von illegalen Drogen abhängig. Paradise City ist die Perle des Albums. Glanz und Elend des „Hairmetal“-Hollywoods wurden nie schöner beschrieben als in genau diesem Song. Mörder-Refrain, scharf geschliffenes Solo und ein großartiger Text bringen das ganze Potenzial, das diese Jungs vor 21 Jahren verkörperten, endgültig auf den Punkt. Der Song ist bis heute ein Klassiker jeder Rockparty geblieben und wird für immer in die Herzen der abgerissenen Rocker auf der ganzen Welt eingebrannt sein. My Michelle, noch so einer über das Elend des Straßenlebens gescheiterter Models und Groupies auf den Straßen von L.A., woraufhin die Wende folgt – die textlich zarten (aber immer noch nicht übertrieben schmalzigen) Songs Think About You und Sweet Child O’Mine. Der erste gilt als verlorene Perle des Albums, denn musikalisch ist er ziemlich kraftvoll, fast schon metallisch unterfüttert; über den zweiten muss man gar keine Worte verlieren, den kennt der Großteil der westlichen Welt zwischen 10 und 70. Wir nähern uns dem Ende der Platte, You’re Crazy und Anything Goes sind die durchschnittlichsten Stücke des Albums. Angetrieben werden sie von nichts anderem als der erneut bewährten Formel der Band: „Sex und Flüche“. Der erste der beiden Songs wirkt in seiner akustischen Version, erschienen auf der Vinyl-Single „Welcome To The Jungle“, viel überzeugender, und das gilt auch für eine weitere Version dieses Songs auf dem Album „Lies“. Eine monumentale Platte wäre das jedenfalls nicht, würde zum Schluss nicht noch eine richtig echte Sex-Sauerei namens Rocket Queen folgen. Obwohl dem Song schon Axl Rose selbst mit seinem witzigen Wortspiel-Ansatz etwas mitgibt, stechen hier besonders Duff McKagan und Steven Adler heraus, denn sie schaffen einen tiefen und besonders penetranten „Groove“, der den Song so intensiv zum Leben erweckt, dass sein Klang noch lange in den Ohren nachhallt, wenn die Platte längst zu Ende ist.

25 Millionen verkaufte Exemplare der Platte (die Zahl steigt noch immer steil), drei ewige Rock’n’Roll-Hits, zahlreiche Wahlen zum besten Hard’n’Heavy-Album aller Zeiten – das beweist, dass sich Guns N‘ Roses mit 53 Minuten Tonaufnahme ein ewiges Denkmal gesetzt haben, das kaum jemand in den Schatten stellen kann, und das Etikett „the dirtyest pearl in rock’n’roll history“ sitzt hier wie angegossen. Appetite for destruction hat vor 25 Jahren die ganze Musikszene weggefegt und die Guns zu unumstrittenen Königen der Rockmusik gekrönt. Im weiteren Verlauf der Karriere hörten sie Alt und Jung, und sie wurden zu so starken Pop-Ikonen, dass die Jugend noch heute in ihren T-Shirts durch die Welt läuft, obwohl es sie seit 15 Jahren praktisch nirgends mehr gibt. Die Platte selbst hat unzählige Jungs und Mädels inspiriert und tut es noch, die sich beim Versuch, die ersten Akkorde zu schrammeln, die Finger brechen; sie hat das Fundament des Sleaze Metal gelegt, der erst heute, 20 Jahre später, im Norden des alten Kontinents so richtig aufgeblüht ist, und nicht zuletzt hat sie uns eines der bekanntesten und meistgenudelten Gitarren-Intros aller Zeiten geschenkt
Lang lebe sie!

Besetzung

Axl Rose: Gesang
Slash: Gitarre
Izzy Stradlin: Gitarre
Duff McKagan: Bass
Stevena Adler: Schlagzeug

Produktion

Mike Clink

Tracklist

1.Welcome To The Jungle
2.It’s So Easy
3.Nightrain
4.Out Ta Get Me
5.Mr. Brownstone
6.Paradise City
7.My Michelle
8.Think About You
9.Sweet Child O‘ Mine
10.You’re Crazy
11.Anything Goes
12.Rocket Queen

Spielzeit: 53.26

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies