Another War
Autor: Sandi Sadar Šoba
Künstler: Breed
Label: Facefront Records
Erscheinung: 2010
Spielzeit: 44:41
Wertung: 4.9/5
Another War klingt wie Vulgar Display Of Power, Cowboys From Hell oder wie Pantera in ihrer besten Phase, oder auch wie ein Nachbeben von Damageplan. Damage, ehemaliges Mitglied von Violent Power, serviert Dimebag-würdige Gitarrensoli und ungemein giftige rhythmische Spielereien, die dich sofort in Aktionsbereitschaft versetzen. Nicht einen Schritt zurück bleiben die testosterongeladenen Bässe und Schlagzeugexplosionen, auf die Vinnie Paul selbst stolz wäre, und – glaub es oder nicht – auch Mauzs redneck rampage raue, aber melodische Vocals sind makellos. Wenn wir die positiven Punkte aufzählen, dürfen wir die gute und satte Produktion nicht übergehen, die diesmal vom bei uns ziemlich unbekannten Produzenten Jock Loveband (bisher arbeitete er mit Hellbillies, Madrugada und Savoy) und dem stärker ins lautere Metallspektrum gewanderten Børge Finstad verantwortet wurde, der den Alben von Mayhem, Borknagar, Tristania und Sadus Seele eingehaucht hat. Beim Beschreiten des Erfolgspfads macht sich auch die Zusammenarbeit mit Studiotechniker Asgeir Mickelsen bemerkbar (bisher war er Teil der Aufnahmecrew von Testament, Sarke und Borknagar) sowie die Wahl des Mastering-Studios. Fredman Studio war nämlich bisher kreative Zuflucht für Aufnahme und Mastering von Dimmu Borgir, Opeth und Arch Enemy. So viele klangvoll klingende Namen zur Festlegung der Standards, die du auf der Platte Another War genießen kannst, beschreiben noch nicht mal Breed und ihre Einzigartigkeit.
Es geht weniger um Innovativität als um die Tatsache, dass Breed ein fettes, sattes und gut eingespieltes Klangprodukt des überdurchschnittlichen Groove Metal verkörpern, das dich von der eröffnenden Akustik des Stücks Bloodstone umhaut. Sobald du deine Unschuld beim Gitarren-Violin-Intro verlierst, das zeigt, dass Breed sowohl technisch ausgearbeitete Musiker sind (zumindest Gitarrist Damage erfüllt diese Standards bereits beim ersten Hören) als auch des Spaßes und der unbeschwerten Ästhetik eingängiger Songs kundige Sonic-Hedonisten. Explizit hochgestreckte Mittelfinger gegenüber allen Anbietern von Modeerscheinungen und eintönigen Trends sowie kompromisslos brutale, düstere und explosiv-melodische Musik bilden Seele und Körper des donnernden, hochgespannten und riff-massiven Biests namens Breed. Der Testosteron-Extrakt steigert sich beim sehr ansprechenden Stück Hellfire, das den Kopf wegbläst und dich vom ersten Riff bis zum letzten Schlagzeugschlag vor den Lautsprechern fesselt. Kein überflüssiger Kitsch, keine unnötigen Füllmassen! Die hohen Drehzahlen und das Einarbeiten höllischen Vergnügens setzen sich in der Pantera-esken Saga des Stücks Fire fort, das durch völlig entspannte, natürliche und brillant ausgeführte Gitarrensoli glänzt. I Am Not Lost ist der glamourösere Teil der Platte, der dem bisher schon sehr abwechslungsreichen Album aber keine Ungerechtigkeit antut. Erinnern wir uns, dass glamouröse Wurzeln auch zur DNA der ungezähmten Jungs aus Arlington – Pantera – gehören. The Tide beruhigt die Gemüter und serviert balladenhaft einige der besseren Akustikparts der Platte, Breed klingen dabei beinahe grunge-artig bezaubernd, und Mauz zeigt die Vielschichtigkeit seiner schroffen Vocals. Introspektion und Abschied bilden die Grundlage der Texte, doch bereits nach dem Bassintro und den aufschreienden Gitarren zu Beginn des explosiven Prisoner Of Carnage bist du wieder auf dem höllischen Todeszug. Die Kriegstrommeln des Stücks Equilibium bremsen zunächst das zerstörerische Tempo auf Maximaltouren, doch nach HC-mäßigen Vokalstrophen entscheiden sich Breed, wieder in den höchsten Gang zu schalten, der Rock’n’Roll setzt sich auf explizite Hellbilly-Art routinemäßig in Inhale Your Life fort, und nach dem Donnern und den rhythmischen Spielereien des Titelstücks Another War folgt – leider – die Zeit des außergewöhnlichen Abschieds mit dem sludge-fetten Urgewalt-Geschoss – dem Stück End In Slaughter.
Das zerstörerische Stampede vervollständigt eine perfekte Abfolge von Genuss-Eruptionen, und nach dem letzten Ausklingen der giftigen Gitarren merkst du, dass Breed dir den Löwenanteil deines Herzens gestohlen haben und sich dir bereits nach dem ersten Hören unerbittlich ans Herz gespielt haben. Verdammt! Nur Lobeshymnen aus dem Mund – Pardon, von den Fingern auf der Tastatur! Und die Schwächen? Der einzige Mangel ist vielleicht das obskure Design dieses schlagkräftigen Pakets. Der zweite Minuspunkt – wenn es einer ist – besteht darin, dass Breed wie Pantera klingen, aber nach der außergewöhnlichen Arbeit der Gruppe Throwdown auf der Platte Venom And Tears bezeichne ich dieses Kopieren oder Suchen nach Inspiration in solcher Ästhetik nicht mehr als etwas Schlechtes. Wenn Menschen dem Vergleich mit den Begründern des Genres gewachsen sind, ist das nur ein Beweis, dass in diesem außergewöhnlichen Samen des musikalischen Aufstands auch nach 20 Jahren noch genug Saft steckt und dass man auf diesem Trip noch eine Weile bequem gedeihen kann! Another War läuft wie geschmiert, und ihr könnt darauf wetten, dass die explosiven, laut dröhnenden und außergewöhnlichen Breed-Sounds noch eine Weile fröhlich die Lautsprecher in meinem privaten Stückchen Heimparadies im Wohnzimmer erschüttern werden! 666% Hell yeah!!!
Die Rezension entstand in Zusammenarbeit mit Rock Hard Slovenija und Rockline.
Besetzung
Maurice »Mauz« Adams – Gesang
Kjell »Damage« Karlsen – Gitarre
Mads »Max« Mowinkel – Bass
Erik »Core« Engebretsen – Schlagzeug
Gastmusiker:
Otto Unnison – Geige, Begleitgesang auf dem Stück End In Slaughter
Produktion
Jock Loveband & Børge Finstad
Trackliste
1. Bloodstone
2. Hellride
3. Fire
4. I Am Not Lost
5. The Tide
6. Prisoner of Carnage
7. Equilibrium
8. Inhale Your Life
9. Another War
10. End In Slaughter