Amortean

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Künstler: Silentium
Label: Dynamic Arts Records
Erscheinung: 2008
Laufzeit: 50.30
Bewertung: 4.5/5

„Amortean“ ist das fünfte Studioalbum der finnischen symphonisch-gotischen Power-Metaller Silentium. Es handelt sich um eine Band, die Mitte der Neunziger mit der EP „Illacrimó“ (1996) auf der Szene auftauchte und mit dem Debüt „Infinita Plango Vulnera“ im Jahr 1999 ihren Kahn zu Wasser ließ. Angesichts des Stils und der Zeit, zu der beide Bands auf der Szene erschienen, sowie der damals außerordentlichen Popularität solcher von weiblichem Gesang geprägten Bands, hätten die Rollen von Nightwish und Silentium in der Popularitätshierarchie heute schnell vertauscht sein können. Silentium lässt sich nämlich nicht zu den Bands zählen, die nachgezogen sind, sondern zu jenen, die mit ihrem Erscheinen inspirierten und gewissermaßen als einflussreich gelten dürfen, wenn es um die Popularisierung gotisch-symphonischer Elemente in die Power-Metal-Schablone geht.

Das neue Album bringt jedoch einige Neuheiten. Die erste auffällige: Der männliche Gesang von Bassist Matti Aikio hat sich stärker zurückgezogen als je zuvor. Noch auf „Seducia“ tauchte Mattis — wenn ich es so nennen darf — „Cookie-Monster-Growl“ recht regelmäßig und gleichberechtigt als Gegengewicht zum weiblich-operettenhaften Gesang von Sängerin Riina Rinkinen auf. Diesmal ist er in untergeordneter Position. Auch der reine Gesangsansatz des Bassisten tritt in den Hintergrund (das trauernde Halbballade My Broken Angel). Der neue Klang des Albums kann zudem mit einer moderneren Produktion punkten, mit etwas  mehr Gewicht auf der atmosphärischen tiefen Stimmung eines lawinenhaften Riff-Vorhangs. Die orchestralen Arrangements bleiben zweifellos als hervorragendes und unverzichtbares Dramatisierungsmittel erhalten, das auf dem Aufbau eines Tragödiendramas besteht — dem diesmal jedoch die klangliche Riff-Masse einen Teil der Aufmerksamkeit entreißt, und gleichzeitig stellenweise geschickt platzierte „Klangschleifen“ und Programmierungsmuster. Silentium sind auf dem neuen Album aber definitiv reifer, was einige raffiniert eingesetzte (und effektiv funktionierende) Klangschleifen beweisen, die in der grundlegenden, bewährten Sprache des Silentium-Ausdrucks ausgezeichnet kommunizieren. Ein solches interessantes Abenteuer ist vor allem die motivisch vielschichtige Entfaltung von The Fallen Ones With You Tonight, die in Dynamik und klanglicher Farbigkeit gelegentliche melodische Abweichungen hin zu einem Moment der Psychedelik nicht versteckt.

Silentium bleibt freilich fest im Sattel innerhalb der musikalischen Predigt, die ihren Namen durch das bisherige Opus etabliert hat. Hochmelodische Pomposität, klangliche Produktionsperfektion, ein Hauch notwendiger skandinavischer Melancholie und Pathos hoffnungslosen Trauerns. Das gesamte Konstrukt ist auf „Amortean“ vorrangig darauf ausgerichtet, den starken, autoritativen Gesang von Riina in den Vordergrund zu stellen, der an manchen Stellen buchstäblich mit engelgleicher Reinheit erschüttert. Die Pomposität steigert die Band auch durch den Einbau arabischer Melodielinien, wie eine der Leitmelodien in The Cradle Of Nameless. Die Dramatik heben die mittleren Instrumentalteile, verstärkt vor allem durch den gemeinsamen Vorstoß einer festen Umarmung orchestraler Arrangements in Kombination mit Chorgesang. Die Einbindung symphonischer Orchesterarrangements überwältigt die übrigen Faktoren in ihrer Prätentiösität beim faszinierenden, hochatmosphärischen Abschluss des Albums — dem einleitenden Teil von La Fin Du Monde, der in der Mitte durch eine glänzende, anthemische Melodie mit Riina im absoluten Mittelpunkt veredelt wird, mit beinahe neo-progressiven Gitarrenlinien. Darauf folgt ein bombastischer Abschluss, der die Stimmung des Stücks meisterhaft steigert und das Album gleichzeitig in ein großes finales Crescendo führt, in das man sich beim ersten Hören leicht verlieben kann.

Im Grunde also nichts Neues, könnte man sagen. An bewährten Haltungen klammert sich Silentium also auch auf „Amortean“. Alle Fans von Bands wie Nightwish, Epica oder auf der anderen Seite Kamelot werden auch mit „Amortean“ ihre große Freude haben, während alle Kenner dieser Band dieses Album mit Sicherheit längst in ihren Sammlerregalen stehen haben. Es darf sich auf Abweichungen hin zu einer modernen, riff-mäßig etwas nach vorne gerückten Produktion berufen, auf die Aufgabe des männlich-weiblichen Gesangsdialogs zugunsten Letzterem — das sind die auffälligen Neuerungen —, während es gleichzeitig weiterhin das Streben nach melodischer Vollkommenheit an erste Stelle setzt. Also noch ein sehr schönes klassisches symphonisch-gotisches Power-Metal-Album aus der Feder von Silentium liegt vor euch, das beweist, dass Silentium ein Begriff für Qualität ist, der nicht zu versagen versteht.

Besetzung

Riina Rinkinen – Gesang
Juha Lehtioksa – Gitarre
Toni Lahtinen – Gitarre
Sami Boman – Keyboards, Hintergrundgesang
Elias Kahila – Cello
Matti Aikio – Bassgitarre, Gesang
Jari Ojala – Schlagzeug

Produktion

Kärtsy Hatakka

Trackliste

01. Leave The Fallen Behind
02. The Messenger
03. A Knife In The Back
04. The Fallen Ones With You Tonight
05. My Broken Angel
06. The Cradle Of Nameless
07. Storm Sight Solicitude
08. Embrace The Storm
09. La Fin Du Monde

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