Am Rande Der Welt

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Künstler: Nachtgeschrei
Label: Massacre Records
Erscheinungsjahr: 2009
Spielzeit: 46:37
Wertung: 2/5

Erinnert ihr euch noch an den „Boom“ Anfang des Jahrzehnts, als wir alle In Extremo für uns entdeckt haben? Dann kamen Saltatio Mortis, und Subway To Sally waren ja sowieso immer schon da. Was haben sie gemeinsam? Sie alle singen auf Deutsch, weben Folk- und Gothic-Elemente in ihre Musik, und alle sind deutsche Bands. Die Energie, die auch Nachtgeschrei auf Band einfangen, schießt den Hörer direkt in die Riege der Genannten.

Trotz dieser Feststellungen – und trotz einiger wirklich herausragender Werke, mit denen In Extremo glänzen können – sind Nachtgeschrei noch lange nicht mit ihnen vergleichbar. Stellt euch eine stark vereinfachte Form des Heavy Metal vor, mit minimalistisch gesetzten Gitarrenriffs, die auf einem mitteltempigen, schlichten Schlagzeuggestampfe reiten. Die Band hängt dabei überwiegend Harmonien an, die über Folk-Instrumente wie schottische Dudelsäcke gespielt werden. Dazu gesellen die Jungs ihrem musikalischen Gepräge noch einen Vokalansatz hinzu, der eine pathetisch-trauernde Färbung besitzt, mit Intonationen überwiegend in mittleren Lagen, aber einem Gesang, der vibrierende Harmonik beisteuert – das alles schafft eine ausgesprochen eingängige Zugänglichkeit beim Hören wie auch eine hohe Kompatibilität zur instrumentalen Begleitung. Der Gesang auf Deutsch ist die logische Wahl, die die düstere, melancholische Atmosphäre des Albums stärkt, das damit ein typisch wiedererkennbares deutsches Prinzip trägt.

Das alles wäre super, wenn Am Rande Der Welt nicht in der Monotonie der Selbstwiederholung einiger trivial gewählter Motive verschwinden würde, die geradezu nach Generik und dem Abschreiben von längst Erfundenem und Gesagtem schreien. Wenn du einen Song gehört hast, hast du auf der Platte so gut wie alles gehört. Zuallererst müssten sie die Verhältnisse in der Produktion selbst verschieben, den Vorhang des Metal-Riffings in den Vordergrund stellen und die einstimmigen Motive, die über die Riffs gelegt werden und von den Dudelsäcken diktiert werden, etwas in den Hintergrund rücken. Die Band geht beim Aneinanderreihen dieser harmonischen Verzierungen so weit, dass sie sogar den Gesang in den Refrains begleiten. Das ist reiner generischer Minimalismus, der in den Wiederholungen enorm nervt und lästig wirkt, da man das Geschehen auf dem Album im Nu durchschaut hat. Und doch gibt es etwas. Das akustische Intro Fiur, mit sporadisch eingestreuten Riff-Salven, verleiht dem Album außerordentliche Erwartungsflügel und könnte als Eröffnungsmotiv auch von Metal-Bands genutzt werden, die verschiedene Genres dieser Musikrichtung pflegen. Wenn du nach dem Intro auf Muspili triffst, lässt das Interesse am Album nicht nach – doch im weiteren Verlauf wirken alle Songs wie nach dem Muster von Muspili geschrieben, was die Qualität des Werks mindert, wenn man darin nach künstlerischer Frische und kreativer Einfallsreichtum sucht.

Also keine Besonderheiten, obwohl alle nötigen Ansätze vorhanden wären, aus denen Nachtgeschrei mehr hätten herausholen können. Wenn sie künftig einen größeren Eindruck von der Interessantheit ihres kreativen Schaffens hinterlassen wollen, müssen sie sehr schnell handeln und die Monotonie aufbrechen, die das Wiederholen der trivial vorhersehbaren und millionenfach gespielten Muster der schottischen Dudelsäcke diktiert. Zuallererst: den Anteil der Dudelsack-Harmonien senken, auch mal ein interessantes Übergangs-Drumrolling einbauen, mehr Doppelbassdrum-Attacken, und vor allem mehr Gewicht auf eine stärkere, klangvolle Riff-Wand der Hintergrundgitarren legen – sowie die Dudelsäcke durch weitere Folk-Instrumente ersetzen. Was die Produktion betrifft, sollten sie sich ihre Landsleute In Extremo oder Rammstein zum Vorbild nehmen – genremäßig natürlich unvergleichbar –, und beim Schreiben neuer Songs einen der Übergangsteile ihres eigenen Songs The Totmacher im Zeitraum zwischen 1:45 und 2:15 als Vorlage nutzen.

Besetzung

Holger Franz – Gesang
Tilman Scholz – Gitarre
Sanedin Pepeljak – Gitarre
Joachim Penc – Keyboards
Dominik Stephan – Dudelsack
Oliver Klein – Bassgitarre
Stefan Kolb – Schlagzeug

Trackliste

1. Fiur
2. Muspili
3. Herz Aus Stein
4. Fernweh
5. Niob
6. Lauf!
7. Windfahrt
8. Nur Ein Kleines Stuck Vom Himmel
9. Wahrheit
10. Der Totmacher
11. Glut In Euren Augen

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