Alternative Ego
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Uroš Planinc Group
Label: Multi Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 50:18
Bewertung: 3.5/5
Uroš Planinc ist ein weiterer Zauberer des Instrumentalspiels, und sein Markenzeichen bleibt ohne Frage die ausgefeilte Gitarrentechnik – jene eines präzisen, in der Wahrnehmung musikalischer Information vielschichtig geschliffenen Musikers, der sich zu einem guten Teil an der Gitarrenschule Joe Satrianis orientiert. Seit Neuestem aber auch an den Großmeistern des Blues. Das beweist natürlich auch das neue Album.
Das neue Album – das zweite in Folge nach einer dreijährigen Pause seit dem Debüt »Uroš Planinc Group« (2010) – vertieft zusätzlich das Gefühl, dass neben Uroš – der freilich nach wie vor der unbestrittene Brennpunkt des Albums bleibt – die Rolle der Gruppe als Ganzes im musikalisch-expressiven Charakter immer wichtiger wird. Das Gewicht der Gruppe als Einheit nähert sich der Bedeutung der Gitarre als elementarem Baustein der musikalischen Aussage von Uroš Planinc an – wobei die Gitarre natürlich das tragende Instrument bleibt. Das Gefühl, dass auf dem Album eine Gemeinschaft als homogener musikalischer Körper präsent ist, ist auf »Alternative Ego« gegenüber dem Debüt noch weiter intensiviert und vertieft. Darauf deutet schon die Produktion hin: lebendig, dynamisch, warm, in der Farbgebung der Bausteine wunderbar kontrastiert. Der Sound ist aktiv und außerordentlich elastisch in den Reaktionen der Kommunikation der Instrumentalisten. Du spürst die Wirkung der Chemie zwischen den Musikern der Band!
»Alternative Ego« ist ein Album, auf dem Uroš zwar nach wie vor gern mit den verschiedensten Genres flirtet, der Schwerpunkt aber klar in Richtung Blues verschoben ist. Der eröffnende, verschmitzte Boogie-Blues-Shuffler Burning Fields trägt die klassische Blues-Rock-Schablone, in der Gitarre und Keyboards abwechselnd das Zentrum der solistischen Eskapaden besetzen. Beim Aufbau der Solo-Duelle erreicht der Track ein finales Crescendo. Die Leitmotive, über denen die Solo-Improvisationen liegen, bringen keine musikalische Revolution. Gleich der zweite Track Megalodon bestätigt dann, dass Uroš seine Unterrichtsstunden zur Erkundung der sechssaitigen Gitarren-Terminologie beim Hören von Joe Satrianis Werken verbracht hat. Ein ausgefeiltes Leitmotiv, wirkungsvoll in den Hammond-artigen Klangteppich der Keyboards eingewoben. Der Track entwickelt sich durch eine fürs Ohr köstlich wirkungsvolle Aneinanderreihung von Klanglandschaften und Stimmungen und zählt zu den besseren Kompositionen des Albums, auf denen die kompositorischen Talente von Uroš Planinc besonders kühn aufblitzen.
Der dritte Track Ne morem več ist ein Versuch, eine weibliche Vokalfigur in das Arrangement einzubauen. Im Soul-Blues-Kleid bekommt der Track einen Einschlag radiogängiger Popmusik. Angesichts des starken persönlichen Profils der musikalischen Philosophie von Uroš Planinc, das in klar dosierten Instrumentaltracks verankert ist, bricht dieser Track an Position Nr. 3 die Integrität des Albums – und wäre daher viel sinnvoller ganz ans Ende des Albums platziert worden!
Die Genrevielfalt des Albums wird im weiteren Verlauf durch Dry Sufing weiter ausgebaut! Wer das Repertoire der legendären The Shadows auch nur flüchtig kennt oder mal den Soundtrack zu Pulp Fiction aufgelegt hat, wird sich hier sofort zuhause fühlen. Ein unterhaltsamer Track – auch wenn er keine noch nie gehörten Besonderheiten aufbietet. Midnight Rain ist eine interessante Kombination aus Blues und den klassischen Hard-Rock-Richtlinien, in der Uroš in seinen Solo-Eskapaden Neoklassik und Blues-Rhetorik meisterhaft verbindet. Ein angetriebener Rocker!
Die Emotionen brechen in leidenschaftlich erotogener Intensität auf, wenn wir in der Mitte des Albums beim traumhaft-mystisch versonnenen Blues-Walzer Millenium anlangen. Wieder ist der außergewöhnliche chemische Dialog zwischen den Keyboards und der sinnlichen Entfaltung von Uroš‘ Gitarrenspiel da. Melancholie! Doch das ist noch nicht alles! Im zweiten Teil entwickelt sich der Track hin zu angetriebenem Rock, was ihn dem Geist von Midnight Rain annähert. Alone In The Club ist ein intim gestimmter, verlangsamter Rhythm-N‘-Blues-Brocken, bei dem die Gruppe sich in den wollüstig aufgeladenen Improvisationen auf Blues-Basis so richtig auslebt. Eine weitere Nummer, die neben Dry Surfging und Ne morem več absolut aus dem Rahmen fällt, ist die ausgelassene Country-Reiterei in Southern Comfort (»Südliche Lässigkeit«). Es ist eine Ode an die intime Bekanntschaft mit jenem bekannten süßen Whiskey, dessen Flaschenstandfestigkeit Janis Joplin einst ausgiebig an Jim Morrisons Seite auf die Probe stellte. Ein Track, der wieder keine besonders aufregenden konzeptionellen Lösungen in Sachen kompositorischer Tiefgründigkeit bietet – und dennoch eine wichtige Funktion im Vorantreiben der dynamischen Entwicklung des Albums erfüllt. »Hendrixismus« auf dem Album, namentlich Space Orgasms, ist Uroš‘ kleines persönliches »Little Wing« – ein Stück, das die Faszination des Musikers für das Pionierwerk jenes bekannten Anwenders der »linksgedrehten« Fender Stratocaster widerspiegelt. Chain Conveyor liefert als Abschlusstrack noch eine weitere hardrockige Instrumentalsturmattacke, in der – ähnlich wie in Megalodon, Midnight Rain und Millenium – die außergewöhnliche Geschicklichkeit von Uroš‘ gitarristischen Kunststückchen glänzt.
Das Album »Alternative Ego« vertieft die chemische Wirkung der Bindungen zwischen den Bandmitgliedern. Es ist ein außergewöhnlich schönes, kompositorisch aufrichtiges und in puncto Arrangement hochprofiliertes Werk, auf dem Uroš mit seiner Truppe seine musikalische Vision eines instrumentalen Rock-Quartetts vertieft – angetrieben natürlich von seinen handwerklichen Gitarrenkünsten. Es wirkt organisch noch veredelter als das ohnehin schon äußerst ambitionierte und bildhafte Debütalbum – und beweist zugleich, dass Uroš sich in letzter Zeit wieder für die Entdeckung der expressiven Kraft der Gefühle begeistert hat, die die Blues-Elemente bieten, was auch einen guten Teil der Aussage des neuen Albums ausmacht.
Genau hier liegt der kleine Schwachpunkt. In den vorhersehbaren Schablonen der Leitmotive entwickelt die Band jene wesentlichen Charakteristika einer eigenen authentischen kompositorischen Ausstrahlung nicht weit genug – was stellenweise das Gefühl von Beliebigkeit aufkommen lässt. In dieser Hinsicht lieferte das Debüt »Uroš Planinc Group« mehr ideereich interessante musikalische Figuren und aufregende Geschichten eines experimentellen Musikabenteuers als sein im Arrangement kompakterer Nachfolger. Das bluesgeerdete »Alternative Ego«.
»Alternative Ego« ist ein sehr, sehr schönes Werk, in dem die Interpretation der Tracks erneut vor effektiver Gefühlsvermittlung durch das Instrumentalspiel strotzt und in dem die außergewöhnliche Chemie und Kompaktheit der Gruppe als homogen wirkender Körper mit voller Kraft zum Ausdruck kommt. Genau diese Feststellung deutet darauf hin, dass man die Uroš Planinc Group unbedingt bei ihren Live-Konzerten erleben muss! Die Band hat sich auf dem Album „Alternative Ego“ so richtig ausgetobt, alle Hemmungen fallen lassen und die Tracks im Studio mit einer außergewöhnlichen Intensität interpretativer Kompaktheit eingespielt, die Strategie, Explosivität und Feingefühl (Subtilität) vereint. Und das ist ihr siegreicher Ass-Poker!
Besetzung
Uroš Planinc – Gitarre
David Raček – Keyboards, Gitarre
Jalen – Keyboards
Blaž Bizjak – Bassgitarre
Črt Krevh – Schlagzeug
Janez Lupše – Bassgitarre auf Track Nr. 3
Maja Založnik – Gesang auf Track Nr. 3
Sara Česnik – Hintergrundgesang auf Track Nr. 3
Perry Stenback – Gitarrensolo auf Track Nr. 7
Leon Žunec – Klaviersolo auf Track Nr. 7
Jure Kolšek – Schlagzeug
Produktion
Matej Pečaver
Trackliste
1. Burning Fields
2. Megalodon
3. Ne morem več
4. Dry Surfing
5. Midnight Rain
6. Millenium
7. Alone in the Club
8. Southern Comfort
9. Space Orgasms
10. Chain Conveyor