Alkohol-Platzregen in Podlipa (2011)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Gasilski dom (1922 – 1985) / Podlipa / Slowenien
Konzertdatum: 21.10.2011
Besucherzahl: 500
Eintritt: 5,00€
„Koli“ ist zu The Drinkers zurückgekehrt! Die Neuigkeit ist nicht mehr ganz frisch – aber der Auftritt in Podlipa (am Rand des Podlipa-Tals, einem Ausläufer des Ljubljanaer Moores, nahe Vrhnika) war einer der ersten Auftritte der Band, die nun wieder mit Sandi Kolenc antritt – also mit der lang vermissten, legendären The-Drinkers-Ikone „Koli“ – sowie mit Keyboarder Primož Trebec „Šegrt“.
Gasilski dom in Podlipa! Es ist spät, vom Himmel prasselt der Regen. Alles ist nass, rutschig, brrrrr…. Am nassesten und rutschigsten sind die Kehlen. The Drinkers traten diesmal im Rahmen eines Fünf-Bands-Pakets auf. Die Auftritte der beiden Vorbands, die fremdes Repertoire präsentierten, kamen vor allem den Bands selbst zugute – als Chance, ihren Bühnenradius auszuloten. Unterhaltsam, aber wenig spannend – erst recht, wenn die Jungs in Skimützen auf die Bühne marschieren, auch wenn sie Tom Petty punktgenau draufhaben.
Die Hauptattraktion des Abends war natürlich der Auftritt von The Drinkers. Der proppevolle Saal im Obergeschoss des Gasilski dom – bevölkert vor allem von 17- bis 20-jährigen milchzähnigen Ausreißern aus Podlipa und den umliegenden Dörfern, die nach echter Unterhaltung lechzen – roch bereits gehörig nach allerlei Alkohol-Derivaten. Das Torkeln, Umkippen und unkontrollierte Herumfuchteln der Anwesenden wollte kein Ende nehmen. Chaos. Vor dem Tresen und hinter dem Tresen. Es ist nicht gerade alltäglich, dass dir betrunkenes Personal das Bier serviert – vor allem, wenn es sich um eine Kellnerin handelt.
Wie auch immer – ein Ambiente, das zum auftretenden Band mehr als passt! The Drinkers zünden mit Mat. K, und im Nu ist die ganze Halle dabei. Im Fokus stand natürlich vor allem Koli. Ihr könnt beruhigt sein: Der Mann hat nicht ein Fünkchen von dem verloren, was alle als den typischen Koli kennen – und worauf die einstige Glaubwürdigkeit dieser Band beruhte. Er brüllt immer noch bestialisch, als hätte er eine Metalldrehmaschine im Hals verbaut. Born for the stage. Wo zum Teufel hat er sich eigentlich die letzten Jahre rumgetrieben?
Der Einstieg zeigte ein paar Inkonsistenzen. Vor allem Likars Gitarre brummte gedämpft vor sich hin wie eine erkältete Biene. Mist! Angeblich hatte bei Likar einer der Gitarren-Effekte den Geist aufgegeben – aber an Spiel und Performance war leicht zu erkennen und zu hören, dass „Lit’r“ diesmal, bevor er die Bühne betrat, seinen Blick ein paarmal zu tief in die mit Alkohol gefüllten Gläser gesenkt hatte. Technische Probleme mit dem Verstärker hatte während des Konzerts auch Bassist Miro Mutvar. Witzig war außerdem, dass es auf der Bühne „zu viele“ Keyboards gab, während man sie im Klangbild mitten im Saal vermisste.
Koli hat The Drinkers diesmal also tatsächlich fest zusammengehalten und das Maximum aus dem Konzertauftritt herausgeholt. Auf der Bühne reihten sich Songs aneinander, von denen wir bei The-Drinkers-Konzerten zwischen 2005 und 2010 nur träumen konnten! Darunter Gnus, Rjava podmornica, Privat bog, Na stol se bom privezal, Kralj hoste – mit dem obligatorischen Motorsägen-Gebrüll in Kolis Händen –, Še vedno sem tu, Mafalda,…
Der Auftritt von The Drinkers in Podlipa war wegen der Logistikprobleme vielleicht nicht der gelungenste – aber Koli ist eine so starke und charismatische Figur, dass er das Geschehen mit dem kleinen Finger der linken Hand im Griff hat. Das Publikum fraß ihm aus der Hand und verschmolz gleichzeitig mit der Band zu einer unvergesslichen Party – bestätigt durch das nahezu fanatische Mitsingen der Texte während des gesamten Konzerts.
So schaut’s aus. Der Tausch von Maki gegen Koli resultiert in der Geburt einer neuen Band. Eigentlich einer alten Band. Der Unterschied ist unvergleichbar. Es genügt schon die Tatsache, dass die Band auf der Bühne wieder völlig anders funktioniert als mit Maki. Performativ – und zweifellos auch visuell, aber entscheidend ist die Performance. Die Klassiker, die The Drinkers zwingend im Gepäck haben müssen – Deset majhnih jagrov, I love alkohol, Ko to tamo peva?, Pijemo ga radi, Lit’r vina und/oder Jawohl – funktionieren wieder nach den alten Maßstäben. Völlig anders und gottlob nach den alten Maßstäben, die der Band ihre volle Glaubwürdigkeit zurückgeben – und, wenn wir einen etwas härteren Begriff verwenden wollen: ihre Legitimität!
The Drinkers würzten den Abschluss mit dem Queen-Klassiker One Vision. Den spielten sie natürlich nach ihrem eigenen Prinzip, webten etwas slowenischen Polka-Duft hinein, und Koli zerriss auch in diesem Track den Raum mit seinem zerstörerischen Gesang. Der Mann ist wirklich donnermächtig – an Statur wie an Stimme. Und wir dürfen noch einen weiteren wichtigen Faktor nicht übergehen: den Schlagzeuger Klemen Markelj. Seine Rolle im Hintergrund war diesmal nicht weniger wichtig als Kolis in der vordersten Frontlinie. Dieser fantastische Schlagzeuger und musikalische Perfektionist hat mit seiner Finesse und großem Engagement entscheidend dazu beigetragen, den Songs – und damit dem Auftritt der Band insgesamt – ihre Konsistenz zu geben. Angesichts der technischen Schwierigkeiten der Band war sein Beitrag diesmal umso wichtiger. Bei One Vision gaben ihm die Jungs eine Schlagzeug-Solo-Einlage, die auf Anhieb zeigte, wie hoch das Talent von Klemens Schlagzeugcharakter reicht. Und vergessen wir nicht: Das ist ein Charakter, der sich unter dem wachsamen Mentor-Auge des hochverehrten Simon Phillips (Toto) geschmiedet hat.
Willkommen, Koli, an Bord der Rjava podmornica – und willkommen zurück, The Drinkers! Wieder Lepi in trezni. Hübscher definitiv; was der Faktor Nüchternheit nach diesem Re-Union mit sich bringt, das wird die nahe Zukunft schon bald zeigen! The Drinkers haben uns in Podlipa also nicht durstig über den aufgewühlten Alkohol-Ozean geschippert – vor allem Koli war jener Faktor, der uns reinen Wein eingeschenkt hat!
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1. Mat K. 2. Lepi in trezni 3. Alkohol je moj idol 4. Gnus 5. I love alkohol 6. Lit’r vina 7. Rjava podmornica 8. Jawohl 9. Na stol se bom privezal 10. Privat bog 11. Fa fa fa 12. Kralj hoste 13. Še vedno sem tu 14. Ko boš prišla na Bled 15. Slovenac 16. Pijemo ga radi 17. Deset majhnih jagrov 18. Ko to tamo peva? —Zugabe— 19. Mafalda 20. Žeja me muči
Bildergalerie



























