Ain’t Crying For The Moon

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Interpret: Kingdom Come
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 3/5

Auch wenn er Robert Plant und LED ZEPPELIN noch immer nicht ganz entwachsen ist, kämpft sich Lenny Wolf mit KINGDOM COME irgendwie beharrlich durch die Rock-Gewässer – und der Beweis dafür ist das neue Werk namens „AIN’T NO CRYING FOR THE MOON“. Die Anfänge seiner Zeppelin-Verbundenheit reichen zurück ins ferne Jahr 1984, als er sich als Grünschnabel bei STONE FURY die Hörner abstieß und sich dabei offenbar mit dem Zep-Sound angesteckt hat. An ihm habe ich immer geschätzt, dass er sich von den zahllosen Vorwürfen, ein Robert-Plant-Plagiat bzw. besser gesagt ein Klon zu sein, nicht überrollen ließ. Irgendwie hat er es geschafft, die Sache zu seinen Gunsten zu drehen und einen eigenständig wiedererkennbaren Stil und Sound zu formen. Das heißt nicht, dass man diesen Einfluss auf den neueren Alben nicht mehr spürt, aber insgesamt deutlich weniger als früher.

Insgesamt betrachtet könnte man KC als „One-Man-Band“ bezeichnen, denn Lenny ist es, der nach dem Vorbild von Prince, Kravitz u. a. sämtliche Instrumente selbst einspielt, die Texte zu den Songs beisteuert und nicht zuletzt seinen unverkennbaren Gesang draufpackt. Dabei habe ich persönlich das Gefühl, dass das eigentlich der einzige Weg ist, der ihm wirklich liegt. Kompromisslos, keine Frage!

Sein vorletztes Album „Perpetual“ war ein schönes Beispiel dafür, und letztlich hält er sich auch auf dem aktuellen Werk „AIN’T NO CRYING FOR THE MOON“ an dieses sprichwörtliche Rezept.

Für eine Band, die ihre Glanzzeit mit dem Debüt 1988 erlebt hat, hat sich bei Lenny in den letzten anderthalb Jahrzehnten im Grunde sehr wenig verändert. Seine Songs tragen noch immer einen Hauch von pathetischer Düsterkeit, und die besungenen Themen sind insgesamt depressiv gefärbt. Das Ganze wird zusätzlich von seinem „Trademark“-Gesang (nach dem Vorbild von R.J. Dio) untermauert, der ebenfalls schwer depressiv daherkommt. Ein schönes Beispiel für diese Beschreibung ist der Albumsong „Perfect Citizen“, der meiner Meinung nach obendrein einer der besten Songs ist, die er bisher überhaupt gemacht hat. Die übrigen Songs „This Is My Life“, „Not Here To Be Your Friend“ und „Look At You“ haben eine andere Handschrift, als wir sie bei KC bisher gewohnt waren. Statt typisch in sich geschlossener Rocknummern gibt es Mid-Tempo-Groove, und insgesamt gehen sie gut ins Ohr. Nach dem Motto: reinhören, abhaken, ohne großes Kopfzerbrechen.

Auch diesmal hat Lenny uns nicht enttäuscht und auf dem Album für den runden Abschluss und den obligatorischen persönlich-bekenntnishaften, sentimentalen Teil gesorgt. Ich wage zu behaupten, dass es im Rockgeschäft nicht viele gibt, die eine Ballade so locker an den Mann bringen wie ausgerechnet Lenny. Das ist eben Teil des Erbes, das sich bei Lenny seit den STONE-FURY-Zeiten durchzieht. So ein Song auf dem Album ist zum Beispiel „Removed the Sting“, dazu kommt eine hervorragende Coverversion des THE-BEATLES-Songs „Across the Universe“. Den richtigen Knochen wirft er uns aber mit dem knackigen AC/DC-Song „Bon Scott“ hin, der dem ersten, leider tragisch verstorbenen Sänger der genannten Band gewidmet ist. Lennys stimmliche Fähigkeiten (sprich: das Strapazieren der Stimmbänder) bereiteten ihm bei der Imitation von Bon Scott keine übermäßigen Probleme. Noch leichter fiel es ihm, Angus‘ Gitarrenriff zu spielen. „Ein kleiner Schritt für Lenny, ein großer für die Menschheit“ und ein noch größerer für die Rockerszene, wo AC/DC immer zünden. Offensichtlich weiß der Junge, wie man das Ding serviert 😉

Ain’t No Crying for the Moon ist ein kräftiges, solides Rockwerk, das uns zeigt, wo die Band bisher stand und wohin die Reise gehen soll. Mein Vorschlag: ab ins Regal der heimischen Audiosammlung.

Besetzung

Lenny Wolf – Gesang
Eric Foerster – Leadgitarre
Yenz Leonhart – Rhythmusgitarre
George Maycock jr. – Bass
Hendrik Thiesbrummel – Schlagzeug & Percussion

Tracklist

1. Two Legged Sheep
2. Not Here To Be Your Friend
3. Same Old Stars
4. Ain’t Crying For The Moon
5. Perfect Citizen
6. This Is My Life
7. Bon Scott
8. Removed The Sting
9. Friends In Spirit
10. Darkroom
11. Look At You
12. Across The Universe
13. Get It on (2006 Version)

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