Accept : Symphonic Terror – Live at Wacken 2017

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Label: Nuclear Blast Records
Veröffentlichungsdatum: 23.11.2018
Albumlänge: 120:04
Wertung: 8.0/10


Während ich diese Zeilen schreibe, ist Peter Baltes seit einigen Tagen bereits Ex-Mitglied der Legenden des teutonischen Metals aus dem deutschen Solingen: Accept. Herz, Blut und Seele der Band. Nach fünf Jahrzehnten mit allen Höhen und Tiefen, dem Schlechten und dem Guten, entscheidet sich der Mann schließlich dazu, die Band zu verlassen. Warum so ein theatralischer Einstieg?

Vielleicht war es gerade die Idee einer Kollision sinfonischer Elemente mit dem Accept-Metal, die den legendären Bassisten zu dieser Entscheidung bewogen hat. Im vergangenen Sommer spielten Accept vor 80.000 Fans beim legendären Wacken Open Air Festival ein Exklusivkonzert, bei dem sie von einem Sinfonieorchester begleitet wurden. Diese Gelegenheit nutzten sie und nahmen das Ganze direkt auf. Die Band ist in ihrem gereiften Alter unglaublich aktiv. Das verdient Respekt. Studioalben veröffentlicht sie quasi am laufenden Band, gleichzeitig ist sie ständig auf Konzertbühnen unterwegs. Von Stillstand also keine Spur. Dieses Konzert ist allerdings nicht so angelegt, dass das Orchester die Band durchgehend begleitet. Es ist eigentlich in drei Teile aufgeteilt. Im ersten hören wir klassisches Accept-Material, ohne sinfonischen Schmuck. Dieser Teil ist sehr kurz. Sie schlagen mit zwei Tracks des aktuellen Albums »Rise Of Chaos« ein (der Opener Die By The Sword, Koolaid), feuern den Klassiker Restless And Wild ab und fügen noch zwei Songs der jüngsten Schaffensperiode hinzu (das weniger interessante Final Journey und das hervorragende Pandemic). Dann bleibt Wolf Hoffmann mit dem Orchester auf der Bühne, und es folgt der eigentliche Hauptteil des Konzerts, in dem Hoffmann sein Soloalbum »Headbanger’s Symphony« vorstellt, das er im Vorjahr veröffentlicht hat. Hier bekommen wir also einen direkten Einblick, woher die Ideen für all die Accept-Klassiker stammen – wenn wir in der beglückenden Gesellschaft sinfonischer Elemente Hoffmanns Neuinterpretationen von Vivaldi, Mussorgski, Beethoven und Mozart lauschen. Tatsächlich hat Hoffmann beim Hören der Klassiker jede Menge Ideen in den Charakter einiger der markantesten Riffs der gesamten Accept-Karriere gegossen.

Brauchen die Fans das wirklich? Ich bezweifle es. Erst der dritte Teil bringt das, was uns am meisten interessiert. Zehn Songs der echten Kollision von Accept-Metal mit hinzugefügten sinfonischen Arrangements. Schon der Opener Princess Of The Dawn beantwortet alles, was im vorherigen Absatz geschrieben wurde – über den Ursprung von Hoffmanns Ideen, die natürlich aus der Inspiration durch die Werke der Klassiker stammen. Diese Stunde des Live-Mitschnitts ist tatsächlich die interessanteste, und das bestätigt sich hier natürlich. Die Kollision: mehr als gelungen. Die Synthese sinfonischer Elemente mit den urtümlichen Riffs der alten guten Schule des Accept-Metals versagt keineswegs. Egal ob es sich um Klassiker handelt (Metal Heart, Breaker,…) oder um neues Material (Dark Side Of My Heart, Shadow Soldiers). Besonders heraus sticht Shadow Soldiers sowie die unglaublich gelungene Verbindung des völlig durchgedrehten Fast As A Shark-Riffs mit klassischen Elementen. Vor allem werden die Mid-Eight-Passagen zum größten Highlight der ganzen Geschichte (neben den Intros), die den Songs eine ganz besondere, eigene Note verleihen. Dort entfaltet sich das Orchester in den Arrangements, und Hoffmann nähert seine Solosprache noch weiter an die klassischen Elemente an. Genial.

Die Band hat bereits eine neue Konzertreihe mit Sinfonieorchester bestätigt. Peter Baltes wird dabei nicht mit von der Partie sein, und das wird sehr seltsam wirken, selbst wenn ihn der heilige Petrus persönlich ersetzen würde. Die Assoziation drängt sich auf, dass sein Ausstieg aus Accept dem Ausstieg von Harris aus Iron Maiden gleicht. Ich sage nicht, dass das der Grund ist, aber es ist durchaus wahrscheinlich. Dass man einfach für eine gute halbe Stunde von der Bühne muss, damit ein Bandkollege sein eigenständiges Studiowerk vorstellt – und das unter dem Namen Accept. Besser wäre es gewesen, wenn Hoffmann eine eigene Soloshow gemacht und das Repertoire mit Accept-Klassikern kombiniert hätte, begleitet von seiner eigenen Gruppe, nicht Accept.

Ich sage damit nicht, dass die ganze Sache nicht funktioniert hätte oder dass die Band an dem Tag, als sie beim Wacken Open Air Festival spielte, nicht in Form gewesen wäre. Performancetechnisch fehlt dem Dokument absolut nichts. Es stellt sich nur die Frage, ob Accept wirklich ein solches Konzertdokument brauchen. Die meisten Fans werden sagen: Überhaupt nicht. Es sei denn, es wäre komplett mit dem Sinfonieorchester gespielt worden. Also von Anfang bis Ende Accept plus Orchester. Volle zwei Stunden. Auf diese Weise hätte sich auch mehr Raum für Überraschungen und die Integration von Songs gefunden, die die Band nicht mehr so oft auf der Bühne spielt.

Aber da ist noch was: Das Anschauen der DVD, die diesem Dokument beiliegt, ist schlicht ein Muss!

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
CD1.:
1. Die by the sword (5:31)
2. Restless and wild (4:31)
3. Koolaid (5:05)
4. Pandemic (6:00)
5. Final journey (5:18)
6. Night on bald mountain (7:08)
7. Scherzo (5:28)
8. Romeo and Juliet (5:46)
9. Pathétique (5:56)
10. Double cello concerto in G minor (3:40)
11. Symphony No.40 in go G minor (4:38)

CD2.:
1. Princess of the dawn (7:36)
2. Stalingrad (6:21)
3. Dark side of my heart (4:40)
4. Breaker (4:30)
5. Shadow soldiers (6:00)
6. Dying breed (5:45)
7. Fast as a shark (4:51)
8. Metal heart (7:32)
9. Teutonic terror (5:43)
10. Balls to the wall (7:56)

Besetzung:
Mark Tornillo – Gesang
Wolf Hoffmann – Gitarre
Uwe Lulis – Gitarre
Peter Baltes – Bass
Christopher Williams – Schlagzeug

Tschechisches Nationales Sinfonieorchester (Prag) – Dirigent Libor Pešek

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