A Spark In The Aether
Autor: Peter Podbrežnik
Künstler: Tangent, The
Label: Inside Out Records
Erschienen: 2015
Laufzeit: 62:09
Wertung: 3.5/5
»A Spark In The Aether« ist das achte Studioalbum der internationalen Prog-Revivalisten The Tangent und die konzeptuelle Fortsetzung ihres Debüts »The Music That Died Alone« (2003), was schon am Cover erkennbar ist. Das ambitionierte Projekt unter der Leitung des englischen Keyboarders und Sängers Andy Tillison hat sich seit der Gründung unerwartet zu einer Band entwickelt, die großen Zuspruch von Fans von Bands wie The Flower Kings und Anhängern des modernen Progrockrevivalismus findet. Tillison ist seit der Gründung das einzige konstante Mitglied der Band, während die restlichen Mitglieder sich ständig abgewechselt haben. In der The Tangent-Besetzung, die »A Spark In The Aether« eingespielt hat, stehen Tillison der kultische Saxophonist/Flötist Theo Travis, Gitarrist Luke Machin sowie zwei schwedische Musiker zur Seite, die Fans von The Flower Kings bestens kennen: Bassist Jonas Reingold und Schlagzeuger Morgan Agren. Mit solch erstklassigen Musikern ist es zumindest im instrumentalen Bereich wirklich nicht schwer, eklektische Musik auf höchstem künstlerischem Niveau zu schaffen.
Die größte Achillesferse von The Tangent ist seit jeher Tillisons extrem dünner und schwacher Gesang, der sein exzellentes Keyboardspiel verdirbt und dafür sorgt, dass ihre Alben nicht ganz in die Spitze der modernen Prog-Rock-Szene vordringen können. So ist es leider auch bei »A Spark In The Aether«, das aus instrumentaler Sicht ein reines Meisterwerk ist, das Liebhaber des Old-School-Progs aus den Siebzigern, allen voran Fans der Canterbury-Szene, mit offenen Armen empfangen werden. Doch sobald Tillison den Mund aufmacht, sinkt die Qualität des Albums mindestens eine Liga. Ein weiteres Kapitel sind seine häufig zynischen und burlesken Texte, die aufgrund ihrer Doppeldeutigkeit ebenfalls nicht jedermanns Geschmack sind und in denen er auf seine ganz eigene Art die moderne Gesellschaft auf die Schippe nimmt.
Auf »A Spark In The Aether« hat sich Tillison die USA und ihre Hollywood-‚Kultur‘ als Zielscheibe seines Spotts ausgesucht, sowie die Art, wie Europäer den ‚Weltpolizisten‘ mitsamt all seinen Klischees erleben. Die besten Stücke der Platte sind »Codpieces And Capes« sowie der 21-minütige Superep »5 The Celluloid Road«, auf dem Tillison und seine Mitstreiter den Hörer auf eine ausgesprochen abwechslungsreiche und witzige musikalische Reise durch San Francisco und die Westküste der USA mitnehmen. Im instrumentalen Bereich kann man das Album gar nicht genug loben, was bei solchen Virtuosen wirklich keine Überraschung ist.
Travis ist wie immer unaufhaltsam bei seinen epischen Blasinstrumenten-Eskapaden, mit denen er der Musik von The Tangent einen Hauch der ‚alten, guten‘ Canterbury-Szene verleiht, während Machins Gitarrenarbeit in Kombination mit Tillisons Keyboards die entscheidende Quelle fantastischer Harmonien ist. Das The Flower Kings-Rhythmusduo ist wie immer ‚tödlich‘, was schon der legendäre Frank Zappa wusste, der Agren in seinen Zwanzigern auf seine letzte Tournee 1988 auf die Bühne einlud. Zu den Höhepunkten zählt auch das abschließende »A Spark In The Aether (Part 2)«, das mit seiner überwiegend instrumentalen Natur, die bis zur Wiederkehr des Hauptvokalthemas andauert, alle Liebhaber der Canterbury-Szene, des Jazz-Rock-Fusion und des symphonischen Prog-Rocks begeistern wird.
»A Spark In The Aether« würde den Titel eines Meisterwerks verdienen, wenn es nicht unter der chronischen The Tangent-Krankheit leiden würde – Tillisons katastrophalem Gesang, der den gesamten Hörgenuss beinahe zunichte macht. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, auch den Live-Mitstreiter Goran Edman (Karmakanic) ins Studio einzuladen, der 2014 als Gastsänger auf Konzerttournee mit The Tangent dabei war. Mit einem richtigen, guten Sänger könnte The Tangent nämlich problemlos mit den besten Vertretern der modernen Prog-Szene mithalten. Die instrumentalen Passagen auf »A Spark In The Aether« sind dagegen brillant und ein echter Balsam für die Ohren, was ganz besonders für »5 The Celluloid Road« gilt, während auch in den übrigen Kompositionen ständig ‚etwas passiert‘, sodass es keine langweiligen oder in die Länge gezogenen Momente gibt. Wer also kein Problem mit Tillisons Gesang hat, wird beim Hören von »A Spark In The Aether« grenzenlos genießen.
Besetzung
Andy Tillison – Keyboards und Gesang
Luke Machin – Gitarre
Jonas Reingold – Bassgitarre
Theo Travis – Saxophon und Flöte
Morgan Agren – Schlagzeug
Produktion
Andy Tillison
Trackliste
1. A Spark in the Aether (4:20)
2. Codpieces and Capes (12:34)
– a. We’ve Got The Music!
– b. Geronimo – The Sharp End Of A Legacy
– c. Trucks & Rugs & Prog & Roll
– d. A Night At Newcastle City Hall, 1971
– e. We’ve Got The Music! (Reprise)
3. Clearing The Attic (9:35)
4. Aftereugene (5:47)
5. The Celluloid Road (21:37)
– a. The American Watchworld
– b. Cops And Boxes
– c. On The Road Again
– d. The Inner Heart
– e. San Francisco
– f. The American Watchworld (Reprise)
6. A Spark In The Aether (Part Two) (8:16)