HairX und Minoutauro in der Kadilnica of Death im Orto bar (2019)
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Donnerstag, 17.01.2019
Neues Jahr, neue Kadilnica of Death. Die Donnerstage im Orto bar. Wie immer. Der zentrale Januar-Donnerstag war in diesem Jahr für zwei Bands aus der Primorska-Region reserviert. Die Görzer Glam-Metal-Revivalisten HairX sowie das küstennahe internationale Power-Metal-Gespann namens Minotauro, in dem slowenische und italienische Musiker zusammenarbeiten.
Als Erste betraten HairX die Bühne. Das Quintett besteht aus Miha Polanec (Gesang), David Gorkič (Rhythmus-/Sologitarre, Backing Vocals), Patrik Drole (Rhythmus-/Sologitarre, Backing Vocals), Tilen Jarc (Bassgitarre) und Kristjan Čuk (Schlagzeug). Mit einer kleinen Besetzungskorrektur: Tilens Bruder ersetzte ihn auf der Bühne. Die Band präsentierte Material des Studio-Erstlings „Animal“ (2017), dazu bereits neues Material, und versuchte das zahlenmäßig überschaubare Publikum mit Coversongs von Roxette und Van Halen zusätzlich anzuheizen. Glam Metal und Sleaze sind bei uns natürlich präsent, fristen aber irgendwie ein Schattendasein. HairX sind eine der wenigen Fahnenträgerinnen dieses musikalischen Phänomens der Achtziger, die es in ihre eigene musikalische Visitenkarte übersetzen. Schaut man sich in Slowenien um, könnten ihnen vielleicht noch Bands wie Shotdown, Tomcat, Street Creeps Gesellschaft leisten – danach werden die naheliegenden Namen schon rar (früher gab’s noch Hotty McKnotty, Wild Crew … wo die heute stecken, weiß nur der Teufel). Solcher Revivalismus regiert seit fünfzehn Jahren mit vollem Schwung im Ausland, und tatsächlich versuchen HairX in dieser Hinsicht die Nomenklatur verschiedener Bands wie Crazy Lixx, Reckless Love, H.E.A.T. aufzugreifen – na ja, Hardcore Superstar und Crash Diet drängen schon eher in Sleaze-Gewässer … Die Band zeigte viel Willen und Einsatz, dennoch störte diese Leere, die zwischen Publikum und Band auf der Bühne klaffte – eine Art Passivität des überschaubaren Publikums, das höflich im Hintergrund applaudierte und nicht mehr. Mehr Wahnsinn hätte es schon gebraucht. Die Band ist korrekt. Man kann sogar sagen: sehr korrekt, und strebt nach Perfektion. Trotz aller Mühe und gezeigter Herzlichkeit waren diesmal einige Unstimmigkeiten im Spiel zu bemerken (Patzer), ebenso ein weniger gut eingestellter Gitarrensound – beide Gitarren klangen leider weniger klar. Die Band wirkte etwas zurückgehalten; vielleicht betrat sie die Bühne mit zu viel Respekt – hätte sich aber sicher mehr aufgetaut, wenn das Publikum mehr Unterstützung geboten hätte, an der es bitter mangelte.
Minotauro gehören im Vergleich zu HairX einem völlig anderen Genre-Strom an, der in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit verliert, da sich der Großteil der neuen Generation von Metal-Fans irgendwie zu extremeren Genre-Ästen verlagert hat, wo Gegrowle statt Gesang fast obligatorisch ist. Deshalb suchen Minotauro vor allem Möglichkeiten für den Durchbruch im Ausland und treten unter anderem regelmäßig in Deutschland auf, wo sie bei Konzerten sicher eine größere Besucherzahl begrüßen können. Minotauro bestehen aus Rudy Berginc (Gesang), Roko Smajlagić (Gitarre), Nik Smajlagić (Gitarre), Enos Zuliani (Bassgitarre), Ales Lavrič (Keyboards) und Emanuele Petrucci (Schlagzeug) und sind dem Power Metal verschrieben, der stark mit symphonischen Arrangements angereichert ist. Minotauro komponieren keine vorhersehbaren Power-Metal-Sturmangriffe, sondern verkomplizieren die Dinge gerne ein wenig. So ist es für die Gruppe charakteristisch, dass sie gerne in komplexere Rhythmen verfällt – innerhalb einzelner Kompositionen, die Elemente von Epik und Bombastik tragen, was im Power Metal nichts Besonderes, sondern geradezu geforderter Inhalt ist. Die Band ist sehr erfahren. Zwar ist sie seit 2010 aktiv, was keine besonders lange Zeitspanne ist, doch bringen die Einzelnen durchaus einige Kilometer aus früheren musikalischen Betätigungen mit. Die Versiertheit und der feste Fokus des Sextetts belegen zwei sehr hochwertige Werke: der Erstling „Master of the Sea“ (2013) sowie der 2017 erschienene aktuelle Nachfolger „Apocalyptic Sense“, darüber hinaus auch die Mitwirkung anerkannter Musikernamen der internationalen Heavy-Metal-Szene, die als Spezialgäste auf ihre Alben verewigt sind. Die Band spielte erwartungsgemäß eine gemischte Setlist, die Songs beider Platten vertrat: Landless Soldier, All Seeing Eye, Never Loose Your Faith, The Day Of Redemption, Apocalyptic Sense, Master Of The Sea, The Taste Of Freedom, The Idol, Devil’s Sign, This Is What We Need, Braindigger und Hero. Zwischendurch gab’s noch Easy Livin‘ (Uriah Heep) und Burn (Deep Purple). Mit Ausnahme von Another Day hörten wir fast die gesamte Darbietung des Erstlings „Master Of The Sea“. Die Band ist bestens eingespielt. Das Solospiel des jungen Nik verschlägt einem den Atem; ausgezeichnet funktioniert das Wechselfeuer der Soli zwischen ihm und dem erfahrenen Aleš Lavrič an den Keyboards – wobei man zugeben muss, dass diese im Soundmix weniger hörbar waren und besonders schlecht in den Passagen, in denen Minotauro ins Riff-Marschieren beider Gitarren verfielen, was schade ist, da Lavrič ansonsten ausgezeichnet in dem ist, was er tut. Nik Smajlagić hat einmal mehr bestätigt, dass er in Slowenien als echte Entdeckung des Gitarrenspiels gilt. Seine Präsenz auf der slowenischen Szene bedeutet langfristig gesehen die Etablierung neuer Standards im Gitarrenspiel, die der Eintritt einer neuen Generation junger slowenischer Musiker in die Welt des Metals setzt. Verglichen mit der Konzerterfahrung Ende November 2018 im Tolminer MINK wirkten Minotauro diesmal noch ein kleines bisschen geschlossener und kohärenter – kurzum, sie boten eine noch stärkere Konzertvorstellung; vor allem Rudy wirkte noch entspannter und eifriger und machte mehrmals aufmerksam – besonders in den höchsten Lagen –, dass es sich um einen wirklich ausgezeichneten Sänger handelt. Auch wenn sich Zuliani eher im Hintergrund hielt, stach vor allem sein Pero Defformero-Shirt hervor, für das er wahrscheinlich einen Oscar bekäme, wenn die Kategorie der Konzert-Shirt-Wahl jemals existieren würde. Und schließlich unser wackerer Roko, der bei angespitzten Riffs und Soli stets sanft die Rolle des „Aufpassers“ übernimmt, der dafür sorgt, dass auf der Bühne alles stimmt, wie es soll – und natürlich der unglaubliche Schlagzeuger Emanuele, der sich beim Deep-Purple-Stück Burn mit besonderer Wildheit so richtig ausgetobt und reingehängt hat.
Ein ausgezeichneter Auftritt also. Leider muss man auch diesen Bericht mit der Feststellung abschließen, dass der Abend seine Botschaft noch intensiver hätte entfalten können, wenn sich an jenem Abend mehr Menschen im Orto bar eingefunden hätten und nicht nur gut 30 – darunter allerdings auch drei Power-Metal-Enthusiasten aus Jesenice, was alle Anerkennung verdient. Auf jeden Fall werden wir ihnen schon bald beim nahenden Konzert der Bands Brainstorm und Mob Rules am 29.01.2019 im Orto bar wiederbegegnen! Wie auch immer – ein schöner und geselliger Abend mit den ambitionierten und mutigen Glamrock-Metallern aus Görz, HairX, und den ausgezeichneten Minotauro.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik




























Poba hvala za lepe besede 🙂
Power metal je treba podpirati, ker na žalost ta scena v Sloveniji malce peša. Vsaj kar se podpore tiče. Dobrih bandov je kar nekaj.
Maš res Izzy. Vi vsi iz Slovenskega Javornika in Jesenic, ste itak nekej posebnega, pa še Grego Habiča mate tam gor 🙂 Včerej na Brainstorm in Mob Rules v Orto baru je blo pa tudi super, so rešili zadevo tudi obiskovalci s Hrvaške, super energija, je bilo več obiska, kot sem si sprva nadejal glede na to, da je power metal koncert (razen Sabaton in Powerwolf he he) zadnja leta rizično organizirat v Sloveniji