Journey: Live In Concert At Lollapalooza

Frontiers Music Srl.
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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 9. 12. 2022
Albumlänge: 98.56 min (2CD/DVD)
Genre: AOR
Bewertung: 9.0/10


Die Zeit rennt und die Jahre fliegen. Die Entstehung des Genres namens AOR erzählt – ob man es will oder nicht – die Geschichte des Rock’n’Roll, und Journey sind eine der Grundformationen, die das Genre überhaupt erst auf die Beine gestellt und es in der ersten Hälfte der Achtziger maßgeblich populär gemacht haben. Journey bleiben auch nach der Jahrtausendwende aktiv. Ungeachtet aller Rechtsstreitigkeiten, die in der Karriere der Band vor allem in den letzten zehn Jahren heimisch geworden sind, ist es bemerkenswert, dass Cain und Schon versöhnlich auf derselben Bühne stehen, während im Hintergrund ihre Anwälte Schach spielen – größtenteils auf eigene Rechnung, was traurig ist, gerade für diesen Vergnügungspark des Rock’n’Roll. Weniger erstaunlich ist, dass diese schlechte Karma-Energie der Band überhaupt nicht anzumerken ist, wenn sie ihre Kultklassiker live spielt. Oder wenn es gilt, ein neues Album einzuspielen. Im Gegenteil: Man merkt ihr gar nichts an.

Journey sind 2021 endlich auf Konzertreise gegangen – in Begleitung von Toto (und Billy Idol). Gespielt wurde natürlich nur dort, wo man uns zeigte, dass es „sicher“ sei. Daher stammt diese kostbare Konzertaufnahme aus den USA. Auf jeden Fall ist es schön, dass wir sie haben und dass sie das Licht der Welt erblickt hat.

Neben den obligatorischen Favoriten des Dokuments bietet dieses einige besondere Zuckerln. Just the Same Way, das einst von Gregg Rolie gesungen wurde, hat Jonathan Cain auf seine Schultern genommen. Der Song ist eine Überraschung der Setlist – aber Cain ist kein Rolie, und Gregg hat das seinerzeit besser hingekriegt (vergleich mal das Konzertalbum »Captured« von 1981). Während Lights und Wheel In The Sky die konzertpflichtigen Eisennummern jedes Journey-Gigs sind, ist das dritte Stück vom Album »Infinity« (1978), das sie in die Setlist aufgenommen haben – Lă Do Dā (mit ausgedehntem zentralem Jam und einem Duell beider Schlagzeuger) – eine ebenso spaßige Abwechslung: Journey haben diesen Song seit Jahren nicht mehr live gespielt. Interessant ist, dass die Band sich nicht dazu entschieden hat, irgendeinen der ganz neuen Songs zu integrieren, die schon für das Album »Freedom« (2022, RockLine Rezension) vorbereitet waren. Dem widmete sie eine eigene Tour im Erscheinungsjahr. Dabei ist auch der Titelsong vom erfolgreichsten Journey-Album »Escape«, der ebenfalls eher selten im Konzertrepertoire auftaucht. Dazu kommt Cains dreiminütiges Klavierinterludium, das Teile von When You Love a Woman, Send Her My Love und After All These Years enthält.

Kurzum: Arnel Pineda bleibt eine vokale Nachtigall – eine glaubwürdige, jugendlich aufgefrischte Version von Steve Perry. Da ist die unentbehrliche Achse zwischen Cain und Schon. Und? Gleich zwei Schlagzeuger! Rückkehrer Deen Castronovo und Narada Michael Walden. Eine einzigartige Konstellation also. Ein einzigartiges Konzertdokument. Eine einzigartige Tour. Dazu noch Marco Mendoza am Bass und der zusätzliche Keyboarder Jason Derlatka. Eine giftige Formation. Mendoza, Castronovo und Derlatka spielen auch bei den Backing Vocals eine Schlüsselrolle – denn Journey ist ohne dieses Element schlicht unvorstellbar. »Live In Concert At Lollapalooza« ist damit ein mitreißendes Konzertwerk. Im instrumentalen Bereich ist es ein besonders glänzendes Dokument. Von Pineda wurde erwartet, dass er seine bewiesene „Makellosigkeit“ hält – und Neal Schon soliert wieder einmal „im Trance“. In der Lockdown-Zeit hatte er wieder zu viel Zeit zum Üben. Kurz gesagt: eine Bombe!

Zwei wesentliche Dinge spielen darauf eine integrale Rolle. Erstens, dass Schon und Cain die Bühne und den Platz in der Besetzung nach wie vor teilen – das gibt überhaupt erst die Grundlage, um auch in neuen Zeiten von der Glaubwürdigkeit des Namens zu sprechen (sonst wären Journey allenfalls noch The Neal Schon oder Jonathan Cain Band). Und zweitens, dass die am Chicagoer Lollapalooza am 31. 7. 2021 versammelte Besetzung das alles schlichtweg fantastisch gespielt und aufgeführt hat – ohne einen einzigen Ausrutscher. Dieses Konzert zu hören ist geradezu ein echter Genuss. Wenn du ein Fan der Band bist, ist »Live In Concert At Lollapalooza« für dich schlicht Pflicht.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Separate Ways (Worlds Apart)
2. Only The Young
3. Guitar Interlude
4. Stone In Love
5. Be Good To Yourself
6. Just The Same Way
7. Lights
8. Still They Ride
9. Escape
10. La Do Da
11. Piano Interlude
12. Who’s Crying Now
13. Guitar Interlude
14. Wheel In The Sky
15. Ask The Lonely
16. Open Arms
17. Lovin‘ Touchin‘ Squeezin‘
18. Faithfully
19. Any Way You Want It
20. Don’t Stop Believin‘

Besetzung:
Neal Schon – Gitarre, Backing Vocals
Jonathan Cain – Keyboards, Lead Vocals auf Track Nr. 6, Backing Vocals
Arnel Pineda – Gesang
Deen Castronovo – Schlagzeug, Backing Vocals
Narada Michael Walden – Schlagzeug
Marco Mendoza – Bass, Backing Vocals
Jason Derlatka – Keyboards, Backing Vocals


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