Žens Hexenzauber beim Festival `Deuje babe` in Cerkno (2018)
Datum: 10.03.2018
Ort: Cerkno / C.M.A.K. / Slowenien
Während dem Autor dieses Beitrags der geplante Besuch in Zagreb und das dortige Konzert der Gruppe Toto im letzten Moment komplett ins Wasser gefallen war, kam es, dass genau einen Tag später drei Zagreberinnen aus Zagreb zum Konzert in den Tempel des Rock’n’Roll in Cerkno, das C.M.A.K., angereist waren. Die Rede ist von den Alternative-Rock-Frauen Žen, die in Cerkno im Rahmen des alljährlichen Festivals »Deuje Babe« aufgetreten sind. Žen besteht aus Eva Badanjak (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Sara Ercegović (Schlagzeug, Synthesizer, Gesang) und Ivona Ivković (Bassgitarre, Synthesizer, Gesang). Im vergangenen Herbst haben die Mädels ihr drittes Studioalbum »Sunčani ljudi« veröffentlicht, und nach 2014 war der erneute Besuch des C.M.A.K. in Cerkno insgesamt ihr zweiter.
Wie gewohnt starten Konzerte im C.M.A.K. in der Regel spät. Auch diesmal war das nicht groß anders. Eine stattliche Besucherzahl – etwa 70 – begrüßte das aufstrebende Trio, das sein Repertoire konsequenterweise der Präsentation des neuen Studioalbums unterordnete. Žen sind Musikerinnen, die genau wissen, was sie wollen. Ihre musikalische Vision ist fest gemeißelt, was der expressive Eklektizismus bestätigt, der ihrer Eigenmusik anhaftet – das macht sie überaus besonders und im Alternative-Rock-Underground einzigartig. Das prägnante und klar bekenntnishafte künstlerische Format der Band hat das neue Album reifungstechnisch weiter ausgebaut und zusätzlich gestärkt, und die Band hat darauf bewiesen, dass sie in ihrer gesunden Evolution ihren musikalischen Charakter erweitert und festigt. Die Band bleibt fest fokussiert auf den Aufbau hypnotischer Atmosphären. In dieser Hinsicht ist das Wesentliche Minimalismus – aber das erfordert gleichzeitig eine äußerst gute klangliche Anordnung der Bausteine eben dieses Sounds sowie bei Konzerten eine äußerst präzise Darbietung. Die Mädels sind mit Synthesizern und zusätzlichem »Bodenzubehör« bewaffnet (Pedale, Pedaleffekte, Pedalboards). Dazu kommt ein Apple-Laptop. Viel wird mit Sound-Loops gearbeitet, Klangschichten werden eine über die andere gestapelt, die Musik gleitet auf rauschenden Synthesizer-Klängen dahin – und darin eingebettet sind als Kern Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug. Den Gesang setzen Žen eher als zusätzliches Instrument ein. Die Texte tragen durchaus eine reichhaltige Aussagekraft, sind aber so in die Musik eingebettet, dass sie in erster Linie als weiterer Baustein der packenden Atmosphäre wirken.
Den Mädels ist alles klar. Da sie Perfektionistinnen sind, haben sie ihren eigenen Tontechniker mitgebracht, der für einen hervorragenden Klang im Raum gesorgt hat. In Kombination mit der Kulisse im Hintergrund und gerade mal zwei Scheinwerfern bescheidener Stärke verlief ihr Konzert beinahe so, als würde man eine Kinovorführung erleben. Du schließt die Augen, und es katapultiert dich irgendwo jenseits der Realität. Du hebst ab vom Boden, fliegst davon, schwebst, gleitest dahin. Ernsthaft. Die Mädels haben überragend gespielt. Untereinander sind sie außerordentlich verbunden, nehmen sich gegenseitig unglaublich gut wahr und spüren sich. Rhythmisch ist bei Žen alles im Lot. Die außerordentlich warme, satt aufgedrehte und organisch durchdringende Basslinie, der kompakte Rock-Anklang der halbakustischen Gitarre und das äußerst präzise Diktieren der Rhythmusstrukturen wirkten im Glanz außerordentlicher Präzision und unglaublicher Kohärenz. Rechne dazu noch das geschickte »Aufhübschen« der Klanglandschaften mit Synthesizern und Sound-Loops – und die perfekte Hypnose auf den Schwingen des Morpheus ist da!
Das Konzert verging wie im Flug. Genau wegen der außergewöhnlichen Überzeugungskraft, mit der Žen bei diesem Konzert aufgewartet haben. Eine Stunde und fünfzehn Minuten. Kurz und knackig. Eine Band, die genau weiß, was sie tut, was sie will und was sie erschafft. Mit so viel Energie und Charakter kann sie ihren Musikerkolleginnen ein leuchtendes Vorbild sein.
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik











