Carl Verheyen und Momente der Magie mit dem Gitarren-Großmeister in der Bluesiana (2011)

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Ort: Velden Am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Datum: Mittwoch, 7. 9. 2011

Carl Verheyen ist ein Gitarrenzauberer, ein anerkannter, gesuchter und heiß begehrter Studiogitarrist, Konzert-Assistent der Band Supertramp einst (1985–1986) wie auch heute, Gitarren-Tutor, Autor reichhaltiger Kolumnen für das Guitar Magazine, Preisträger als bester Gitarrist,…

Carl Verheyen ist auch Autor von Filmmusik (The Crow, The Usual Suspects). Verheyen hat in seiner Karriere mit Blues-Musikern wie Robben Ford und Joe Bonamassa zusammengearbeitet, mit Westcoast-Rocker Glenn Frey (Eagles), dem Jazz-Schlagzeuger Max Roachspäter, und zahlreichen weiteren Künstlern half er auch als Studiogitarrist. Darunter: Bee Gees, Dolly Parton, Cher, Little Richard und Stanley Clarke.

Der Mann ist einzigartig darin, sein künstlerisches Profil als Gitarrenmusiker zu meißeln. Er gehört in die Liga von Gitarristen wie etwa Steve Lukather, Michael Landau, Eric Johnson,.. Seit 1988, als Carl seine Solokarriere mit dem Album »No Borders« startete, tritt er auf den Bühnen im Format eines schlagkräftigen Trios auf; Kooperationen mit Jazz-Musikern sind für ihn selbstverständlich, wenn nicht geradezu unerlässlich.  

Verheyen hatte die Bühne des Clubs Bluesiana bereits am 26.03.2010 betreten, sodass wir ihn diesmal bereits bei seinem zweiten Besuch in diesem einzigartigen Musiktempel empfangen durften. Im Club konnte man rund 50 Menschen zählen, die sich höflich an den Ecktischen drängten und auf Barhockern saßen. Das scheue österreichische Publikum – nichts Neues, dem vom März 2010 sehr ähnlich. Das Trio: Carl Verheyen (Gitarre), Bassist Dave Marotta (der unter anderem auch bei Phil Collins gespielt hat) und diesmal anstelle von Santanas und Winwoods Schlagzeuger Walfredo Reyes Jr. niemand Geringeres als Chad Wackerman, der von 1983 bis 1988 mit Frank Zappa spielte – daher rührt natürlich auch seine Zusammenarbeit mit Steve Vai.

Diesmal war Verheyens Auftritt in zwei Teile mit einer zwanzigminütigen Pause unterteilt. Im vergangenen Jahr hatte er das Album »Trading 8’s« veröffentlicht, das nach wie vor aktuell ist, daher war es irgendwie selbstverständlich, dass er sich im Repertoire häufiger auf Songs daraus stützte. Schnell brachte er Dave Marotta auf Betriebstemperatur, als er ihm bei The Beatles‘ Tax Man einen langen solistischen Ausflug gönnte, der in den Händen ausgelassener Improvisation schlichtweg bravourös klang. Vom besagten Album gab es außerdem On Our Way; in der zweiten Konzerthälfte nahmen sie sich einen weiteren Höhepunkt des Abends vor – die Ballade New Year’s Day – und würzten das Konzert noch mit dem exzellenten Instrumental Eastern Steppes, das das Album »Trading 8’s« normalerweise beschließt.

Ansonsten überspannte Carl mit seinen Kumpels  die gesamte Diskografie seiner Veröffentlichungen. So genossen wir das kokett-melodisch ansteckende Passing Through (»Slang Justice«, 1996), bei dem Carl zeigte, dass er – verglichen mit Sänger/Gitarristen in Personalunion (wenn man speziell den Gesang heranzieht) – am ehesten an Eric Johnson heranreicht (danke, Jernej, für den Hinweis). Dazu gab es ihre jüngere »Zwillingsschwester« (in der Figuration des Arrangements), das stellenweise herrlich adventiv »aufgebrochene« The Code (»Take One Step«, 2006), bei dem er sich besonders im Mittelteil zusammen mit Wackerman an den Drums ausbreitete, sowie den Titelsong des Albums Take One Step, bei dem sich die Gruppe in der Strophe auf raffinierte Weise klein machte und sich im druckvollen Refrain dynamisch entlud. Solche Arrangements wie dieser Song sie trägt, erinnern an die Energie, die gelegentlich auch Lukathers musikalische Wahrnehmung einfängt. In Take One Step verschlug das Zusammenspiel aller drei erneut den Atem. Perfektes Gespür des »kleinwüchsigen Schildkrötchens« Marotta, der eigentlich schon seit dem Album »No Borders« mit Verheyen zusammenarbeitet. Dazu das »nach Beatles duftende« Missunderstood (Slingshot, 1998) – neue melodisch ansteckende Sounds.

Und Supetramp nicht vergessen! Die Band haute gleich mit dem Hit Bloody Well Right aus »Crimes Of The Century« (1974) rein und überraschte die Anwesenden gehörig! Den ersten Teil beschloss Verheyen allein auf der Bühne  mit einer Bearbeitung von Ray Charles‘ Hard Times und bestätigte mit seinem geistvollen, vielschichtigen Kanalisieren der Informationen des musikalischen Universums, dass Blues eine äußerst interessante Spielwiese sein kann – er hauchte dem Stück den unverwechselbaren Stempel einiger unerwarteter, jazzartig zerlegter Akkorde ein, die der Bearbeitung eine neue Qualität verliehen. Und über ein derart anspruchsvolles Arrangement hinwegzusingen, während die linke Hand am Gitarrenhals keine drei Sekunden auf einem Griff verweilt, kann eine sehr »haarige« Angelegenheit sein – der gute Verheyen trotzt ihr jedoch mit scheinbarer Federleichtigkeit und routinierter Selbstverständlichkeit. Im akustischen Teil (zweite Hälfte) des Konzerts zündete das Trio mit einer rein instrumentalen Version von Peter Gabriels Mercy Street.. Carl Verheyen schloss diesen einzigartigen Abend voller musikalischer Wonnen erwartungsgemäß mit dem Instrumentalstück Highland Shuffle von seinem Debütalbum »No Borders«, das einst durch die Inspiration von Carls Streifzügen durch Schottland entstand.

Ein Abend, der erneut grenzenlos verzauberte und die Anwesenden noch lange nach dem Konzert mit offenen Mündern und offenen Ohren zurückließ. Die hervorragende Mischung aus der richtigen Dosis teuflischer Akrobatik im freien Improvisieren aller drei Meister auf der Bühne und der melodischen Kompaktheit, die vor allem und in erster Linie Carls Gesang ins Zentrum des Gehörs bringt, rückt Carl Verheyen als Künstler mit seiner Band an eine besondere Stelle im musikalischen Universum – Zauberei seines ganz eigenen Artismus! Der Spielstil selbst, die außerordentliche Klangkontrolle, der Griff zu den abgefahrensten Positionen, sogar das Drücken der tiefen E-Saite mit dem Daumen beim Greifen,… Der Besuch seines Auftritts ist Pflicht für alle Gitarren-Gourmets und für diejenigen, die die Freiheiten genießen, die dir das Reich der Musik bietet, wann immer du über den Horizont blickst, wo der Gedanke an Tonleitern aus dem Lehrbuch und jegliche musikalische Begrenzung verschwinden!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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