Jason Bieler And The Baron Von Bielski Orchestra: Songs For The Apocalypse

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Label: Frontiers Music Srl.
Veröffentlichungsdatum: 22. 1. 2021
Produktion: Jason Bieler
Albumlänge: 56.49 min
Genre: Progressive Metal / Art Rock
Wertung: 9.0/10


Kann man sich einen noch längeren Künstlernamen ausdenken? Jason Bieler, ein Mann, den alle Fans der Glamrocker Saigon Kick bestens kennen dürften, wollte damit zum Ausdruck bringen – und zwar mit Nachdruck –, dass das Album The Age of Apocalypse ein besonderes Album ist. Dabei hat Bieler im Laufe seiner Karriere jede Menge Songs komponiert, er ist schlicht eine Figur, ohne die man sich Saigon Kick kaum vorstellen kann, und seine Karriere umfasste Zusammenarbeiten mit Karnivool, Sikth und Nonpoint – dennoch ist Songs for the Apocalypse erst Bielers erstes offizielles Soloalbum.

Der Kerl hat das Ding also im Alleingang auf die Beine gestellt. Hat den Großteil selbst eingespielt und eingesungen und dabei ein Aufgebot erstklassiger Musikernamen ins Boot geholt, die im heutigen Metal-Zirkus zur absoluten Crème de la Crème gehören. Kurz die strahlendsten Namen durchgezählt: Todd LaTorre (Queensrÿche), Devin Townsend, Ron Thal »Bumblefoot« (Sons of Apollo), Pat Badger (Extreme), Butch Walker (ex-Marvelous 3), Dave Ellefson (Megadeth), Clint Lowery (Sevendust), Benji Webbe (Skindred) und Kyle Sanders (Hellyeah).

Wie zu erwarten ist das für heutige Zeiten treffend betitelte Album Songs for the Apocalypse ein wahnsinnig abwechslungsreiches Werk, das auch geschickt ausbalanciert ist – sprich: es entwickelt neben der Dynamik auch ein prägnantes Maß an Eingängigkeit und Anziehungskraft. Obwohl der Schwerpunkt (frech gesagt) Progressive Metal ist, sind die kompositorischen Abweichungen derart, dass sie dem Album eine ausgeprägte Art-Rock-Note verleihen. Das überrascht kaum. Bieler ist ein eigenartiger Musiker und eigentlich das Zünglein an der Waage, der den Kompositionen eine Note des Eklektizismus einhaucht. Daher ist dieses Album wohltuend anders als das, was man gemeinhin unter dem Label Progressive Metal erwartet. Musikalisches Pomp gibt es en masse – vor allem durch das Volumen, das Bieler in der Klanglandschaft der Produktion durch die Harmonien der grundlegenden Vokalmelodien erreicht. Solche Manöver der choralen Theatralik findet man zum Beispiel im Arrangements-Stil von Devin Townsend. Bielers Stil werden aber auch alle Saigon Kick-Fans sofort wiedererkennen und lieben, was schon das eröffnende Apology mit seinem ansteckenden Refrain ankündigt. Doch schon das nachfolgende Bring Out Your Dead macht klar, dass uns ein Album bildreicher Arrangement-Abweichungen erwartet. Der Track ist vibrierend düster, noch härter, und für seinen luziden Gehalt sorgt »Crazy Devy« mit seinem Gitarrensolo. Aber das ist erst der Anfang des Albums. Überfliegen wir kurz den Rest. Bei Anthem For Loosers und Alone in the World werden Saigon Kick-Fans des klassischen Schlags schnell wieder auf einer Wellenlänge sein. Obwohl die Songs rhythmisch progressiv »durchgesiebt« sind, führt sie der ausgeprägte Pomp der Vokalmelodien dorthin. In Beyond Hope spielt der Komponist auch mit Salsa- und Latino-Melodie-Impulsen, und an luzidem Spaß mangelt es auch im brillanten, kabarettig und chansonartig ausgerichteten Crab Claw Dan nicht. Stones Will Fly ist zum Beispiel eine rockig abgespeckte Nummer, die sogar Ausflüge in Post-Grunge-Formen enthält – und auch der ein oder andere Foo Fighters-Fan dürfte dabei die Augenbraue heben. Das in der Hauptmelodie rauere Born of the Sun ist hingegen ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Zusammenspiel von Progressivität, Anthem-Qualität und Düsternis eine hochgradig packende Atmosphäre erzeugen kann. Dann gibt es Very Fine People, das das Bild des Werks prima auflockert und auf ein akustisches Singer-Songwriter-Album passen würde. Ein solches Album würde Bieler aber höchstwahrscheinlich zu Tode langweilen.

Was an diesem Album wirklich zieht, ist die brillante Symbiose der vielfältigen theatralischen Wendungen und Stimmungen, die dieser Schmelztiegel der Genre-Vermischung hervorbringt – wobei Bieler erhebliche Sorgfalt aufwenden musste, um auf dem Werk ein solches Gleichgewicht zu erzielen. Und gleichzeitig eine außerordentliche Eingängigkeit, die über die gesamte Spieldauer dieses durchdacht abwechslungsreichen und aufgelockerten Albums nicht nachlässt. Das spricht allein schon dafür, wie hochtalentiert und musikalisch profiliert dieser besondere Musiker ist. Ganz allgemein, was das Komponieren von Musik betrifft.

Das Album Songs for the Apocalypse ist ein Werk, bei dem dir keine Sekunde langweilig wird. Es ist ein Album, das Bielers musikalische Breite und vollständige künstlerische Freiheit bestätigt und als solches keinerlei gedankliche Einschränkung duldet. Es handelt sich um ein eklektisches Werk, das meistens gerade aufgrund der Genre-Vermischung überrascht und unterhält – wobei Bieler angesichts der stilistischen Sprünge auf meisterhafte Weise die gesamte kompositorische Glaubwürdigkeit aufrechterhält und das Werk dadurch eine hohe ausdrucksstarke Kompaktheit und Prägnanz besitzt.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Never Ending Circle
2. Apology
3. Bring Out Your Dead
4. Annalise
5. Stones Will Fly
6. Down In A Hole
7. Anthem For Losers
8. Horror Wobbles The Hippo
9. Beyond Hope
10. Crab Claw Dan
11. Born Of The Sun
12. Baby Driver
13. Alone In The World
14. Very Fine People
15. Fkswyso

Besetzung:
Jason Bieler – Gesang und alle Instrumente

Beteiligte Musiker:
Jeff Scott Soto – Gesang auf Track Nr. 13
Benji Webbe – Gesang auf Track Nr. 9
Devin Townsend – Gitarrensolo auf Track Nr. 3
Andee Blacksugar – Gitarrensolo auf Track Nr. 2
Butch Walker – Gitarrensolo und zusätzliche Gitarren auf Track Nr. 5
Stephen Gibb – zusätzliche Gitarren auf Track Nr. 6
Emil Werstler – Gitarrensolos und Gitarren-Soundscapes auf Track Nr. 8
Ron ‚Bumblefoot‘ Thal – Gitarrensolo auf Track Nr. 9
Clint Lovely – Gitarrensolo auf Track Nr. 11
David Ellefson – Bass auf Track Nr. 3 und 9
Pat Badger – Bass auf Track Nr. 5
Kevin Scott – Bass auf Track Nr. 2 und 4
Kyle Sanders – Bass auf Track Nr. 6 und 11
Clay Cook – Bass, Klavier, Gitarre auf Track Nr. 7
Todd LaTorre – Schlagzeug auf Track Nr. 2
Edu Cominato – Schlagzeug auf Track Nr. 3, 6 und 11
Ricky Sanders – Schlagzeug auf Track Nr. 5, 7, 9 und 13


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