Iron Mask: Master of Masters

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Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 4. 12. 2020
Produktion: Dushan Petrossi
Albumlänge: 61.01 min
Genre: Power Metal
Bewertung: 8.5/10


Iron Mask kehren nach vier Jahren mit ihrem insgesamt siebten Studioalbum »Master of Masters« zurück. Der Schöpfer des Albumcovers ließ sich von der Verbindung des Wortes Maske mit der aktuellen Welt(un)ordnung inspirieren und schuf ein Werk, das konzeptionell flüchtig an das Cover des Albums »Masquerade«! (1995) der deutschen Running Wild – einem zeitlos aktuellen Titel – erinnert. Stilistisch sind die beiden Bands freilich weit voneinander entfernt. Das Album ist u. a. auch eine Reflexion über den Zustand der Welt und bringt eine gesellschaftskritische Note mit.

Nun, bei den belgischen barock-symphonischen Power-Metallern gibt es nicht viel Philosophie. Nach wie vor hält Gitarrist Dushan Petrossi alle Zügel in der Hand, der für das neue Album eine gewaltige Menge Material komponiert hat. Elf Songs, ein Interludium und insgesamt 61 Minuten neue Musik. Neu dabei ist Sänger Mike Slembrouck – hoffen wir, dass er dem Quartett länger als nur ein Album erhalten bleibt. Der Gesang ist stark, besitzt die gewünschte Explosivität und Autorität, um mit Petrossis Hauptphrasen und seinem gitarristischen Fanatismus mitzuhalten – ein Fanatismus, der in seiner Supersonik nicht nur in Staunen versetzt, sondern einmal mehr unterstreicht, dass sich der gute Mann einst maßgeblich von Yngwie J. Malmsteen hat inspirieren lassen.

Das Album »Master of Masters« ist vielleicht sogar das reifste Werk der Bandkarriere, die vor gut 18 Jahren begann. Wäre es damals erschienen, würde es heute als bedeutendes Werk im Power-Metal-Genre des Jahres 2002 gelten. Vor allem was die Produktion betrifft, die schlichtweg brillant ist. Das Album steckt voller detaillierter Arrangements, in denen neoklassische Elemente sich versöhnlich mit Heavy/Power-Metal-Elementen die Hand reichen, wobei die Kompositionen in der großen Mehrzahl eine außerordentliche theatralische Bombastik und ein hohes Maß an musikalischer Eingängigkeit erreichen. Dabei wirken sie jedoch weder eindimensional noch starr. Besonders in der ersten Albumhälfte ist es der Band gelungen, eine Reihe von Songs mit außerordentlich gelungenen Refrainmelodien aneinanderzureihen, die die bewusste (barocke) Übertreibung sämtlicher orchestraler Einlagen und solistischen Eskapaden des hemmungslosen Petrossi an der Gitarre geschickt abfedern.

Das einzige Problem ist wieder die Laufzeit. Das Album ist zu lang. Mindestens zehn Minuten zu lang. Es gibt Momente, die anfangen, auch zäh zu werden. Das gilt für die Ballade »A Mother Loved Blue«, die schmalzig und aufgezwungen wirkt, sich nirgendwohin entwickelt und neben den lebendigeren Teilen des Albums schlicht eine graue Maus ist. Ähnlich flach – oder sogar nervig – ist die »Gesangsübung« in »Mist of Loch Ness«. Also: Unterm Strich kann so ein Album eigentlich nie wirklich schlecht sein. Aber übertrieben ist er immer. Die Frage ist nur, wie viel Übertreibung drinsteckt. Und obwohl Übertreibung auf solchen Alben eigentlich eines der Markenzeichen des Künstlers ist – das gilt natürlich auch für die Werke von Y. J. Malmsteen –, wird so ein Album allenfalls lästig wegen übertriebener Übertreibung.

Die vierjährige Pause mit einem Haufen gut geschliffener Ideen, die – bei aller festgelegten und vorhersehbaren kompositorischen Schablone – ein zufriedenstellendes Maß an dynamischer Abwechslung erreichen, bringt also eines der reifsten Werke der Karriere von Iron Mask und zweifellos – nach dem Album »Black As Death« (2011) – einen neuen Karrierehöhepunkt.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Never Kiss the Ring (5:43)
2. Tree of the World (4:47)
3. Revolution Rise (4:28)
4. One Against All (5:31)
5. Nothing Lasts Forever (9:02)
6. Dance with the Beast (5:31)
7. Wild and Lethal (4:31)
8. Mist of Loch Ness (5:38)
9. My One and Only (3:54)
10. A Mother Loved Blue (4:25)
11. Sagittarius A (1:42)
12. Master of Masters (5:45)

Besetzung:
Dushan Petrossi – Gitarren, Orchestrierungen
Mike Slembrouck – Gesang
Vassili Moltchanov – Bass
Ramy Ali – Schlagzeug

Gäste:
Oliver Hartmann – Gesang

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