Die aufregendsten Power-Metal-Alben des Jahres 2000!
Es war das erste Jahr des neuen Jahrtausends, als Iron Maiden ihr Comeback-Album mit dem wieder zurückgekehrten „Deserteur“ Bruce Dickinson herausbrachten. Es war ein Album der Erlösung, ein Album der Erleichterung, ein Album, das zur richtigen Zeit am richtigen Ort erschien – und anlässlich seines 20. Jubiläums haben wir uns HIER ausführlich darüber ausgelassen. Auch der Judas-Priest-Kreischer, der damals noch unbekümmert seine künstlerische Freiheit genoss, kehrte in die klassischen Metal-Sphären zurück. Rob Halford mit dem Album »Resurrection«. Dieses stellte faktisch den „verlorenen“ Nachfolger des Kultalbums »Painkiller« dar, an den Judas Priest nie mehr heranreichen konnten. Das gilt auch nach Halfords Rückkehr zur Band. Da waren auch Releases von Bands, die zwar aus anderen Genre-Ecken kamen, bei denen man der Musik aber trotzdem anmerkte, dass der Power-Metal-Trend auf sie abgefärbt hatte. Solche waren zum Beispiel »Follow the Reaper« der finnischen Children of Bodom und »Clayman« der schwedischen (damals noch melodischen Death-Metaller) In Flames. Das Ganze erfasste auch Bands, die Progressive Metal spielten. Das bestätigte etwa das in jenem Jahr erschienene Symphony X-Album »V: The New Mithology Suite«, ebenso wie »Universal Migrator pt. II The Flight of Migrator« der niederländischen Ayreon, die sich dem Liebäugeln mit Metal in ihrer Prog-Rock-Spur danach nie mehr so näherten. Sogar das fünfte Studioalbum der Seattler Speed/Thrash-Metal-Düsterlinge Nevermore, das Kultwerk »Dead Heart In A Dead Wolrd«, das in den Augen der Band-Anhänger bis heute am höchsten unter ihren Werken gehandelt wird, trug einige solcher Einflüsse. Sein Studioerstling »Sillicon Messiah« erschien in jenem Jahr vom ehemaligen Iron Maiden-Sänger Blaze Bayley, der in der Metal-Community bis heute als eines seiner besten Werke hoch angesehen ist. Und schließlich – auch wenn das hier nicht reines Metal ist, gehört der Kontext des Ganzen mit einer gehörigen Portion gnadenloser Ironie dazu. Motörhead haben mit dem Album „We Are Motörhead“ in diesem Jahr den Eindruck der „durchgebrannten Sicherungen“ kräftig korrigiert, den der Vorgänger „Snake Bite Love“ (1999) hinterlassen hatte.
Wir dürfen auch einen weiteren Musiker nicht vergessen, der in diesem Jahr ebenfalls sein erstes Solostudialbum veröffentlichte. Das war Vokalist Rob Rock mit dem Album »Rage of Creation«. Rob war bis dahin bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Axel Rudi Pell, Chris Impellitteri und dem Projekt M.A.R.S. (MacAlpine, Aldridge, Rock, Sarzo) – doch 2000 brachte er mit seinem Debüt ein außerordentlich schönes und ausgefeiltes Studioalbum heraus, dessen Texte von christlicher Thematik geprägt sind und das viele Power-Metal-Elemente mitbringt, wobei Roy Z am Produktionspult eine wichtige Rolle spielte. Doch inmitten all dieser Triumphe der Old-School-Metal-Resurrection gab es auch Bands, die damals einige nicht besonders glückliche Entscheidungen trafen. Diese brachten ihnen mehr Schaden als Nutzen. Dazu zählten die legendären Hamburger Metaller Running Wild, die durch die Integration eines Computers unter dem Spitznamen Angelo Sasso auf der Position des festen Schlagzeugers sehr gute Ideen ruinierten, die im Januar 2000 in der Mittelmäßigkeit des Albums »Victory« versickerten.
Im Fokus stand zu dieser Zeit also wieder die Suche nach höherem musikalischen Ertrag, wobei man sich für Inspiration am Erbe des Metals der frühen Achtziger orientierte. Dazu trug in erster Linie eine Phalanx neuer Bands bei, die überwiegend Power Metal pflegten, wenn nicht gar reinrassigen Power Metal. Dazu gehörten auch Bands, die noch aus den Achtzigern stammten, ihren Stil aber durch die Neunziger grundlegend verändert hatten, sowie solche, die erst in den Neunzigern entstanden waren. Letztere vor allem entdeckten mit ihren Platten das musikalische Grundprinzip im Heavy Metal neu und fokussierten sich auf klare, melodische Vocals – was die damaligen Labels als Trend aufgriffen. Darunter befand sich auch eine Band, die genau im Jahr 2000 ein neues Studioalbum herausbrachte und die sich durch die Zeit kaum verändert hatte. Auch nach zwei Dekaden Bandgeschichte nicht. Auch durch Besetzungswechsel nicht wirklich viel. Sie entstand in den Achtzigern und wurde eigentlich zur wichtigsten Band bei der Prägung des Begriffs Power Metal. Helloween.
Das Jahr 2000 lieferte also eine neue Ernte außerordentlich guter und qualitativ hochwertiger Werke im Genre des damals heißen Power Metals. Aus den Alben, die in jenem Jahr erschienen, haben wir zehn ausgewählt, die qualitativ noch einmal besonders herausstechen – und an die die Erinnerung, anlässlich des 20. Jahrestags ihrer offiziellen Veröffentlichung, umso süßer ist.
10. Virgin Steele: »The House of Athreus Act II.«
Virgin Steele sind eine altehrwürdige amerikanische Heavy-Metal-Band, die bereits 1981 gegründet wurde. Trotz einer turbulenten Karriere und einem Haufen exzellenter Alben hat diese Band es nie geschafft, die breite Masse der Metaller auf sich aufmerksam zu machen. Die Band fand vor allem nach einer Reihe von Alben ab 1995 zu künstlerischer Kohärenz und wuchs stetig. So erreichte sie 1999 mit dem ersten Teil der zweiteiligen Album-Saga über die Atriden ihren Höhepunkt. Gerade ein Jahr später veröffentlichte Bandchef und Hauptvisionär David DeFeis noch den zweiten Teil der griechischen Mythologie-Geschichte. Auch der zweite Teil dieses Konzepts ist ein sehr qualitativ hochwertiger Beitrag, der auf der anderen Seite aber bereits einen leichten Mangel an ideeller Frische zeigt – was sich in einem weniger konsistenten Gesamtwerk widerspiegelt als beim Vorgänger. Vielleicht hat DeFeis das Ganze sogar zu ehrgeizig angelegt. Der zweite Teil war musikalisch so umfangreich, dass er als Doppel-CD erschien – was beim Hören das Gefühl vertieft, dass die Höhepunkte des Albums eben verstreut sind und das Album als Ganzes nicht so heftig zündet wie der erste Teil der konzipierten Geschichte. Dennoch hat David DeFeis seine Vision der äußerst anspruchsvollen musikalischen Umsetzung des Konzepts triumphierend zur Realisierung des letzten in der Serie von Alben der klassischen Virgin Steele-Ära gebracht – ein Must-have für jeden Fan dieser einzigartigen Variante von heidnisch-wildem Power Metal. Leider ist die Band nach diesem Album nie mehr auf die Pfade des alten Ruhms zurückgekehrt, da sie es nicht schaffte, wieder auf so hohem kompositorischem Niveau anzusetzen.
9. HammerFall: »Renegade«
»Renegade« war das dritte Album einer Band, die gewissermaßen dafür verantwortlich ist, dass die Welt des Metals zu jener Zeit von einer globalen Euphorie namens Power Metal erfasst wurde. Sagen wir lieber, dass HammerFall dabei von Nuclear Blast Records als auserwählte Fahnenträger eingesetzt wurden. Mit »Renegade« haben HammerFall zum dritten Mal sehr geschickt und effektiv ihre musikalische Formel des Debüts »Glory to the Brave« (1997) und des Nachfolgers »Legacy of Kings« (1998) „verkauft“. Das reichte zu einer Zeit, als Power Metal seinen Höhepunkt erreichte, vollkommen aus. Die Euphorie war groß, und die Fans waren mit dem neuen Werk der Band mehr als zufrieden. Dennoch ist »Renegade« ein Indikator dafür, dass HammerFall bis zu diesem Punkt alles gesagt hatten. Von da an haben sie ihre Formel überwiegend mehr oder weniger erfolgreich recycelt. Aber „Renegade“ ist in allem immer noch eine echte, rechtschaffene Power-Metal-Bestie, die einige sehr gute und markante Riffs besitzt – wie im Titeltrack, dem griffigen Way of the Warrior und dem Eröffnungs-Detonator Templars of Steel. Das Recyceln der Formeln funktionierte makellos, und HammerFall haben in ihrer klassischen Ära fleißig das Eisen geschmiedet, solange es glühend heiß war.
8. Rhapsody: »Dawn of Victory«
Rhapsody in ihren klassischen Zeiten – als noch keine Verwirrung mit Namen und vielen Inkarnationen und Formationen herrschte, obwohl ihr Gitarrist Luca Turilli genau in dieser Zeit zwei separate Alben herausbrachte – waren schlicht und einfach eine nicht zu fassende Maschine in dem, was sie taten. Auch wenn das Debüt »Legendary Tales« und der Nachfolger »Symphony of Enchanted Lands« bis heute makellose Klassiker des selbst geprägten Begriffs »symphonic epic hollywood metal« sind, zeigte »Dawn of Victory« – ähnlich wie das HammerFall-Album »Renegade« – damals schon das Klon-Syndrom. Rhapsody haben einfach sehr schnell noch ein Album hingelegt, das haargenau der siegreichen Formel der beiden Vorgänger folgt. Sehr schnell, weil es sich gelohnt hat – und weil Power Metal damals gefragtes Gut war. Ein bestialisch und barock verziertes Power-Metal-Album, auf dem wieder Goblin- und Drachenköpfe und sonstiger Abschaum der Fantasywelt rollen und das Blut in Strömen spritzt und fließt – es greift wieder makellos nach dem größtmöglichen Ertrag an Pomp und Bombastik. Theatralisch. Gekreuzt mit einer erstklassigen Dosis Neoklassizismus, wobei sich das Duo Turilli – Staropoli als wunderbares Komponisten-Tandem erwies. Es war also eine Zeit, in der der Triester Power-Metal-Maschinerie einfach alles gelang – und »Dawn of Victory«, auch wenn Rhapsody sich darauf schon ein bisschen wiederholen, gehört zu den besten Studiowerken der Band.
7. Nocturnal Rites: „Afterlife“
1991, als Nocturnal Rites noch unter dem Namen Necronomic Death Metal spielten, hätten sie sich nicht träumen lassen, dass sie schon drei Jahre später Power-Metal-Alben schreiben würden. Das vierte davon, nämlich »Afterlife«, das 2000 erschien, trägt diesen Namen deshalb, weil die Band damals einen kleinen Selbstmord und eine Wiedergeburt durchlief. Mit dem Titel „Leben nach dem Leben“ – das sich so fortsetzte, dass Johnny Lindqvist der Band am Mikrofon beitrat. Er brachte der Band frischen kreativen Wind. Schon allein dadurch, dass er ein deutlich besserer Sänger war als sein Vorgänger Anders Zackrisson. Das ermöglichte der Band, ein deutlich breiteres Arsenal an verfügbaren Ideen beim Schaffen von Riffs einzusetzen. »Afterlife« war bis damals das dunkelste und biestigste Werk, das Nocturnal Rites herausbrachten, und es quoll auch über vor einer außerordentlich gelungenen Dosis markanter Riffs, mit denen Nocturnal Rites den Anschluss an die Kerngruppe der heißen Bands hielten, die damals das Getriebe des Power Metals antrieben.
6. Angel Dust: »Enlighten the Darkness«
Angel Dust sind Legenden des deutschen Metals der Achtziger. Obwohl die Deutschen in den Achtzigern mit einer riesigen Ernte klassischer Heavy-Metal-Bands aufwarten konnten, spielten Angel Dust in ihrer Anfangszeit Thrash Metal und lösten sich nach zwei Alben 1990 erstmals auf. Die Band reaktivierte sich 1998. Damals begann die Ära ihrer größten Stabilität. Mit zwei wichtigen Neuzugängen in der Besetzung – dem Sänger Dirk Thurisch und dem Gitarristen Bernd Aufermann – brachte die Band kurz vor Ende der Neunziger zwei fantastische Alben heraus, die qualitativ gleichwertig, charakterlich aber deutlich verschieden sind: zunächst »Border of Reality« (1998), ein Jahr später dann noch »Bleed« (1999). Diese zwei Alben hatten aber keinerlei Verbindung zum Thrash Metal – stattdessen präsentierten Angel Dust darauf eine eigenständige Formel eines unglaublich bombastischen und musikalisch ansteckenden Power Metals, der stellenweise mit klassischem Hard Rock und auch Progressive Rock geflirtet hat. Das bestätigte vor allem das Album »Bleed«. Sein Nachfolger »Enlighten the Darkness« ist die Fortsetzung dieser Ausrichtung. Er bringt nicht mehr die gleiche schockierend ideenreiche Aufregung beim Hören wie die beiden Vorgänger, entwickelt aber dennoch eine ausgesprochen düstere Atmosphäre, die noch gnadenloser packt als das düstere »Bleed«. Noch ein außerordentlich qualitatives Werk – und das dritte in Folge innerhalb von drei Jahren. Unglaublich.
5. Stratovarius: »Infinite«
Als Power Metal in der zweiten Hälfte der Neunziger explodierte, waren Stratovarius tatsächlich auf ihrem kommerziellen Höhepunkt. Stilistisch waren sie in jenem Moment zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Da die Band 1984 entstand, waren Stratovarius gut zehn Jahre später bereits Legenden. Von bescheidenen Anfängen an verfeinerten sie mit jedem neuen Album ihr Handwerk und trugen wesentlich zur Popularisierung des Genres bei. Mit Ausnahme des obskuren Debüts schuf die Band vor allem nach einer Reihe von Veröffentlichungen ab dem Album Episode und besonders mit dem Dreier »Visions«, »Destiny« und »Infinite« ihr Magnum Opus. »Infinite« gilt als letzter in der Serie der goldenen Tage der Band und als brillante Kombination von allem, was die kompositorischen Talente von Timo Tolkki und seiner Truppe auszeichnete. Power Metal mit der Tendenz, mit Elementen des Progressive Metals zu flirten. Bei Bedarf mit bravouröser sonischer Geschwindigkeit gespielt, wo ungezügelte Funken im Kreuzfeuer der makellosen Soli von Jens Johansson und Timo Tolkki fliegen. Vom knallenden und musikalisch sofort packenden Einstieg mit der Stürmerin Hunting High And Low bis zur Geschwindigkeitsmesse in Phoenix und weiter bis zu den epischen Suiten mit progressiver Tendenz wie Infinity und Mother Gaia ist »Infinite« neben »Visions« und »Destiny« einer der drei Kronjuwelen der gesamten Stratovarius-Diskographie. Die Besetzung mit Tolkki an der Spitze veröffentlichte danach noch drei Alben, die solide waren, die Magie der zweiten Hälfte der Neunziger aber nicht mehr erreichten. Tolkki verließ die Band aus gesundheitlichen Gründen. Angesichts der Tatsache, dass dies seine Band war, hätten Stratovarius mit ihm sterben können – doch der Musiker erlaubte der neuen Besetzung die Nutzung des Namens und des Erbes, die unter der Führung von Sänger Timo Kotipelto bis heute noch vier sehr gute, wenn nicht gar ausgezeichnete Alben herausgebracht hat.
4. Demons And Wizards: »Demons And Wizards«
Im Jahr 1998 veröffentlichten Blind Guardian und Iced Earth zwei ausgezeichnete Studioalben, die bis heute als die Karrierehöhepunkte beider Bands gelten. Iced Earth krönten das Ganze noch mit der hervorragenden Dreifach-CD »Alive In Athens« (1999). Blind Guardian-Vokalist Hansi Kürsch und Iced Earth-Chef Jon Schaffer schlossen daraufhin eine kreative Allianz, mit der sie ein gemeinsames Projekt starteten. Als Fans der britischen Rock-Legenden Uriah Heep wählten sie für das Projekt den Namen Demons And Wizards, der eine brillante stilistische Mischung aus den Grundelementen der musikalischen Ausrichtungen der jeweiligen Muttergruppen der Hauptakteure verkörperte. Heraus kam so ein Album voller Bombastik, ausdrucksstark düsterer, theatralischer Dramaturgie, plötzlicher epischer Wendungen und, über allem, einer erstklassigen Verknüpfung aus treibenden Märschen und Mystik. Als solches wurde es zu einem der besten Werke im Power-Metal-Genre des Jahres 2000. Eine besondere Aura verleiht diesem Album auch die „Florida-Produktion“ von Jim Morris.
3. Nightwish: »Wishmaster«
»Wishmaster« ist zweifellos eine der besten Platten der gesamten Nightwish-Karriere – für viele sogar die beste. Das dritte Album der klassischen Bandtage unter der charismatischen und unvergesslichen Mezzo-Sopranistin Tarja Turunen. Hand aufs Herz – eingefleischte Fans der Band werden ihren Abgang bis ans Ende ihrer Tage nicht verwunden haben. Dieses Album belegt das außerordentliche Engagement, den Willen und die große Courage der Band, das Beste aus sich herauszuholen. Und die Chemie der Truppe funktionierte damals fantastisch. In jeder Hinsicht. Eine Truppe außerordentlicher musikalischer Talente, der es so gelang, die Vorgänger »Angels Fall First« (1997) und »Oceanborn« (1998) künstlerisch zu übertreffen und – wie sich später zeigte (auch dank »Wishmaster«) – sehr bald den Kult der weltweit führenden Symphonic-Power-Metal-Band zu begründen. Das konnte der Band später, als sie sich von Tarja trennte, niemand mehr nehmen. In kompositorischer Hinsicht, mit dem noch markanter zusammenwirkenden Verschmelzen von Opern-Elementen mit Power Metal, begründete die Band mit Abstand ihren Status als Vorreiterfigur in der Popularisierung der Verbindung von Elementen klassischer Musik mit Metal – dem immer mehr Bands folgten. »Wishmaster« prägen vor allem der stürmische, endlos bombastische und furiose Titelsong, das ultra-hypnotische She is My Sin und The Kingslayer sowie das mystische und unter Fans zum Klassiker gewordene A Deads Boy Poem. »Wishmaster« ist nach Tempo, Lärm, musikalischem Ertrag und dem richtigen Verhältnis von Klassik und Metal der Kronjuwel des klassischen Nightwish.
2. Helloween: »The Dark Ride«
»The Dark Ride« ist das Abschlussalbum der Bandbesetzung, die zwischen 1994 und 2000 vier fantastische Alben aneinanderreihte. Unter all diesen vieren ist es stets diskutabel, welches das bessere ist. Das liegt daran, dass sie deutlich verschieden sind. Beim Abwägen würde dieser schmeichelhafte Titel dennoch dem Album »The Dark Ride« zufallen. »The Dark Ride« ist ein Album, das eine außerordentlich gelungene Kombination der wesentlichen Elemente der musikalischen Formel der Band mit einer für jene Zeit sehr modernen, düsteren, leicht dreckigen Produktion bot, die den massiven Sound des Gitarren-Riffings intensivierte. Nicht so zerstörerisch wie beim Vorgänger »Better Than Raw«, aber in dem Sinne, dass „The Dark Ride“ zur wahren Verkörperung des dunkelsten Albums der gesamten Helloween-Diskographie wurde. Songs wie If I Could Fly oder Escalation 666, dazu The Departed (Sun is Going Down) sowie der ausgesprochen düstere abschließende Mini-Titel-EP hätten nie so angesprochen, wenn nicht Gitarrist Roland Grapow und Schlagzeuger Uli Kusch auf dem Album leicht die kompositorische Initiative übernommen hätten. Leider ist »The Dark Ride« auch ein stilles Wegweiserschild auf das, was kurz danach passierte. Beide gerade genannten Musiker mussten Helloween verlassen, und die neuen Ideen, die sie für das nächste Helloween-Album vorbereiteten, wurden auf dem Debüt ihrer neuen Band Masterplan lebendig. Helloween kamen nach diesem Album und mit der neuen Besetzung nie mehr an so hochqualitatives Komponieren heran.
1. Jag Panzer: »Thane to the Throne«
»Thane to the Throne« ist ohne Umschweife das beste Album der gesamten Jag Panzer-Karriere. Alles, was davor veröffentlicht wurde, gilt als schrittweiser künstlerischer Aufstieg bis zum Zenit – was Jag Panzer danach herausbrachten, ist eine qualitativ würdige Fortsetzung, aber nicht mehr. Es handelt sich um ein Meisterwerk, das auf brillante Weise allen Pomp und alle Dramatik, die man aus Power Metal herausholen kann, vereinte, um das gewählte Konzept zu vertonen. Nach dem Fehlschuss namens »Dissident Alliance« (1994) und der grundlegenden Korrektur des musikalischen Geschmacks mit »The Fourth Judgement« drei Jahre später liebäugelten Jag Panzer stärker auch mit den Trends des europäischen Power Metals, entwickelten aber nach wie vor einen völlig einzigartigen Sound und Stil. Colorado-Metal im klanglichen Gewand der Florida-Produktion von Jim Morris. Allein schon diese Tatsache bringt dem Hörer eine Band nahe, die in allem besonders ist. Das Konzept, das Jag Panzer für das Album »Thane to the Throne« wählten, entstammt Shakespeares Tragödie Macbeth. Die gesamte Geschichte vertonten sie mit einer Serie von 17 Akten, wobei es nicht überraschen würde, wenn die Band bestätigen würde, dass sie damals als Vorbild für die Konzeptualisierung des Albums das Blind Guardian-Meisterwerk »Nightfall in the Middle-Earth« (1998) heranzog. War der Vorgänger »The Age of Mastery« (1998) eine Sammlung hervorragender Songs, ist »Thane to the Throne« ein ganz anderes Album, das sich dem Konzept anpasst und eine Reihe außerordentlicher Stimmungsumschwünge bietet, die den Hörer durchgehend in einem erstklassigen Spannungszustand halten. Von der ersten bis zur letzten Sekunde in wahrer Ekstase. Gewürzt ist es mit einer Reihe außergewöhnlicher Brecher (King At A Prize, Three Voices of Fate, Hell To Pay, …), die von instrumentalen Interludien und atmosphärischen Schauderstücken wie etwa Fall of Dunsinane unterbrochen werden, während das Album der großartige melancholische Epos Tragedy of MacBeth abschließt. Mit »Thane to the Throne« trugen Jag Panzer ihre musikalische Formel auf den kreativen Gipfel. Es handelt sich um eines der besten Werke im Power Metal überhaupt. Von einer Band, die bis heute zu Unrecht übersehen und dazu verurteilt ist, in Clubs vor 100-köpfigen Massen zu spielen.
Autor: Aleš Podbrežnik
