35 Jahre Iron Maiden „World Slavery“-Tour und Album „Live After Death“
Iron Maiden haben vor 35 Jahren das Livealbum »Live After Death« veröffentlicht. Es war Mitte Oktober jenes längst vergangenen Jahres. Die Geschichte dahinter ist eine Tat auf dem Niveau der biblischen Großtaten des graubärtigen Moses. Die Geschichte von der Eddie-Mumie, aus der Feuer zischt, von pharaonischen Sarkophagen, vom Knarren des Schiffsdecks und von 189 gespielten (von insgesamt 194 angekündigten) Konzerten. All das haben Iron Maiden in gerade mal elf Monaten durchgezogen. Den vollgestopften Konzertplan und den marathonartigen Weltmarsch haben sie zwischen August 1984 und Juli 1985 reingequetscht. Eine Geschichte also, die Iron Maiden endgültig unter die größten Bands der Welt katapultiert hat. Ein Triumph, der die Band auf den Metal-Thron der Welt gesetzt hat. Die Geschichte von der Tour aller Touren, die die Welt bis dahin gesehen hatte, und nicht zuletzt ein Kreuzweg, der die Band auch ordentlich ausgelaugt hat. Dieses historische Iron-Maiden-Epos rund um den Globus ist auf der Doppel-DVD-Neuauflage von 2008 sehr gut dokumentiert, nämlich im Film »The History of Iron Maiden – Part 2: Live After Death« (RockLine Rezension).
Iron Maiden hatten ihre Position bis 1984 schon richtig gefestigt. Die ganze Welt kannte sie. Dank des Katapultstarts mit den Alben »Number of the Beast« (1982, RockLine Rezension) und »Piece Of Mind« (1983, RockLine Rezension). Nach zwei notwendigen Wechseln – der erste war ohnehin der entscheidende, als Bruce Dickinson dazustieß – trat die Band damit in ihre fruchtbarste kreative Phase ein. Nachdem Nicko McBrain 1983 auf den Posten des festen Schlagzeugers gekommen war, waren Iron Maiden bereit, die Welt zu erobern. Mit der Welttournee der »Sklaverei«, genauer gesagt der »World Slavery tour«. Der Name der Tour stammt vom Titel des Albums »Powerslave« (1984, RockLine Rezension), das heute als eines der Kronjuwelen ihrer gesamten Diskografie gilt.

Im Hintergrund stand das Label EMI Records, das in Iron Maiden schon sehr früh eine Goldgrube sah und deshalb für die Aktivitäten der Band tiefer in die Tasche griff, als es das bei irgendeiner anderen Heavy-Metal- oder Hardrock-Band jener Zeit getan hätte. Bei der Auswahl der engeren Kandidaten, in welche Band man Geld investieren sollte, tauchten damals auch Def Leppard auf, doch bei EMI Records gab man am Ende Iron Maiden den Vorzug. Die machten sich mit einer Unmenge an Equipment auf die neue Weltreise, die für die damalige Zeit – mit den Augen eines Laien betrachtet – fantastisch unvorstellbar war. Die gigantische und bis dahin ungesehene Bühnenkonstruktion mit allem drum und dran und den Details eines Vergnügungsparks hat später auch andere Acts in vielerlei Hinsicht stark inspiriert und zur Weiterentwicklung solcher Bühnenattraktionen beigetragen. In dieser Hinsicht gilt die »World Slavery«-Bühne als einer der bahnbrechendsten und mutigsten Schachzüge der Rock-’n‘-Roll-Ära. Die Bühnenkulissen lehnten sich ans Cover des damals aktuellen Albums »Powerslave« an, also an das Thema Altes Ägypten.
Alan Chester, der Mann, der zum Chefdesigner dieser Bühnenkulisse auserkoren wurde, ist eigentlich ihr Urheber und stand damit vor einer völlig neuen Herausforderung. Eine fast zehn Meter hohe Eddie-Mumie mit riesigem Torso, aus dem Arme ragten und die von einem Räderwerk angetrieben wurde, dazu ein Haufen Sarkophage, dazu Eddie als Sphinx,…. Alles gestützt von riesigen Hebevorrichtungen im Hintergrund und verhüllt mit riesigen Vorhängen und Leinwänden. Sogar die Bühne selbst, die ein Großteil der Besucher dieser Iron-Maiden-Tour während der Konzerte gar nicht richtig zu sehen bekam, war mit einer Menge Kleinkram übersät, darunter Hieroglyphen und jede Menge weitere Symbolik des Alten Ägypten. Ihren Teil trug auch die Integration von Pyroeffekten bei. Funkengeprassel und Flammenwerfer schossen von allen Seiten, wobei natürlich Eddie am meisten abbekam. Dazu ein Haufen Nebelschwaden, bei denen sich immer wieder jenes mystische Bild in die Erinnerung brennt, wie die Jungs während der gruseligen, ruhigen Passage des Epos Rime of the Ancient Mariner bis zu den Knien in dichtem Nebel stehen. Tatsächlich war alles ungemein geschickt inszeniert. Jede Sekunde. Jeder Fetzen Spielzeit während des Konzerts war maximal ausgenutzt, und die Symbiose aus spektakulärem Lichtspiel, Bühnenkulissen und dem Repertoire selbst hätte man nicht besser optimieren können. »In jedem Moment musstest du wirklich aufpassen, wo du auf der Bühne stehst«, sagt Bruce Dickinson, der sich auch an versengte Nasenhaare erinnert. Über Eddie betont Bruce, er habe sich damals zum weltweiten »Meisterwerk des Bühnenkitschs« gemausert.
Iron Maiden starteten die Tour am 9. 8. 1984 in Polen. Als Basis, wo sie prüften, ob und wie das Ganze funktioniert, wählten sie das deutsche Frankfurt am Main. Von dort aus starteten sie einen ‚Blitzkrieg‘ auf die Staaten des Warschauer Pakts. Davor machten sie noch Halt in Köln, wo sie die Visa abholten. Im Hintergrund der Expedition gibt es auch die Anekdote, dass die Band beinahe das Team aus Journalisten und Fotografen in Deutschland vergessen hätte, die so fast in Frankfurt hängengeblieben wären, weil Warren Poppe, der damalige Tourmanager der Band, es mit Telefonanrufen verpennt hatte, sie rechtzeitig aus den Betten zu schmeißen. Rod Smallwood sparte in jenen Zeiten nicht mit seinem aufbrausenden Temperament und tobte und wütete gegen Poppe. Der Unglückliche seufzte mehrmals sauer und laut vor sich hin: „Rod bringt mich um!“. Doch er kam aus der ganzen Misere als Held raus. Er zog seine Bankkarte aus der Tasche und charterte ein kleines Flugzeug, das das Journalistenteam rechtzeitig an den richtigen Ort brachte.
Ihr habt bestimmt alle schon die Doku »Behind the Iron Curtain« gesehen, die Teil der Doppel-DVD »The History of Iron Maiden – Part 2: Live After Death« ist. Trotzdem lohnt es sich, auch bei diesem Auftakt der Tour kurz zu verweilen. Iron Maiden traten auf dieser Tour zum ersten Mal in Ostblockstaaten auf, nämlich in Polen, Ungarn und der damals noch bestehenden Tschechoslowakei. Obwohl der Vorspann dieser Doku zusätzlich auch Jugoslawien nennt, das zu den Blockfreien zählte, hält der Film hauptsächlich die Ereignisse in Polen und Ungarn fest. Beim Landen in Warschau erlebte die Band natürlich einen Kulturschock, den sie nicht mal in ihren verrücktesten Träumen erwartet hätte. Sie betrat die Welt eines anderen Jahrhunderts, einer anderen Zeit. Dem „Nightliner“ leisteten plötzlich Fahrzeuge mit Zweitaktmotor Gesellschaft. Ein „farbenfroher“ Haufen aus Wartburgs, Trabants, Saporoschez, na und auch ein paar „seriösere“ Karren, nämlich Ladas, Škodas, Wolgas und Moskwitschs. Dazu dieses weite, eintönige Betongrau, genauso wie die Leute in Klamotten heiliger Schlichtheit. Die Fans der Band halfen sich auf ihre Art und kamen in Iron-Maiden-Shirts zu den Konzerten, die sie mit etwas Improvisation und Fantasie zu Hause selbst gebastelt hatten. Und nicht zuletzt, was man nicht eigens verschweigen muss, mit Aussichten voller der schönsten Frauen der Welt. Wie auch immer, dieser Teil der Tour lief phänomenal, und die Band landete eines Abends sogar auf einer Hochzeitsfeier, wo sie vor tanzenden Hochzeitsgästen spielte, und nutzte außerdem einen freien Tag für ein Freundschaftsspiel zwischen ihrem Team und einem Team polnischer Journalisten, das sie mit sieben zu eins gewann. Bis zum Erscheinen des Albums »Powerslave« waren es noch 30 Tage, auch wenn sich in Polen niemand sonderlich damit belastete, denn dort herrschte völlige Albenzensur (mit Ausnahme einheimischer Künstler und klassischer Musik). Bis zum Fall der Berliner Mauer waren es noch fünf Jahre.
Die Band spielte natürlich in verschiedensten Hallen. Mit unterschiedlichsten Dimensionen. Nicko McBrain erinnert sich an einen Zwischenfall: »Wir hatten Eddie in seinem ganzen glänzenden Glanz dabei, der jeden Abend während des Konzerts hinter meinem Rücken auftauchte. Eines Abends hat er mir mit seinen fuchtelnden Armen eine verpasst, die Becken flogen überall hin, und ich schrie: ‚Zieht ihn höher hoch!‘ Die Antwort kam: ‚Geht nicht. Wir haben keinen Platz!’«
Eddie war aber auch ein zweischneidiges Schwert. Eines Abends war nämlich eines seiner Teile verschwunden. Nicht der Kopf, nicht die Arme, sondern sein größtes Stück. Der Torso natürlich. Die »Skurrilität« dieses Diebstahls zwang die Band zu ordentlich Kreativität. Nicko McBrain sagt: »Wir sind los und haben Badehandtücher gekauft, die wir übereinandergewickelt haben, und damit einen Ersatztorso gebaut, der die Konzertabende rettete, bis der echte geschickt wurde, überzogen mit Schaum. Jeden Abend, wenn wir Eddie von der Seite beobachteten, fielen diese Handtücher ab, und wir kommentierten jedes Mal: ‚Guck ihn dir an. Da ist Ed. Kommt gerade aus der Dusche.’«
Eine westliche Band auf dem Gebiet der Ostblockstaaten. Fünf Jahre bevor die Berliner Mauer fiel. Sogar Rod Smallwood räumte die Bedeutung dieser Konzerte in Polen ein und begleitete das Ganze mit dem Satz: »Das waren phänomenale Vibes. Es war einfach unglaublich. Wir wussten, dass wir etwas Wichtiges tun, und dieses Etwas gab das Gefühl, als hätten wir die Mauer zum Wackeln gebracht!«

Ja. Iron Maiden sind aus dem Ostblock auch ins Gebiet des seligen Jugoslawien ‚eingefallen‘. Am 18. 4. 1984 traten sie zum zweiten Mal in Belgrad auf (das erste Mal im September 1981), einen Tag darauf in der Halle Tivoli in Ljubljana. Augenzeugen zufolge war die Halle Tivoli brechend voll. An diesen beiden Konzerten hätten die serbischen Heavy-Metaller The Warriors die Abende vor Iron Maiden eröffnen sollen. In Belgrad klappte das, in Ljubljana nicht, weil einer der Iron-Maiden-Sattelschlepper mit einem Teil der „Backline-Ausrüstung“ bei Slavonski Brod stecken geblieben war. So kam es zu einer zeitlichen Verzögerung beim Bühnenaufbau, und Iron Maiden gingen sogar ohne vorherigen Soundcheck auf die Bühne. Es hätte das Konzert im italienischen Pordenone folgen sollen, das für den 21. 8. 1984 angekündigt war. Doch genau das war eines von insgesamt fünf abgesagten Konzerten der gesamten Tour. Bei den übrigen Konzerten des ersten europäischen Tourteils eröffneten auf dem alten europäischen Kontinent die deutschen Accept für Iron Maiden, auf den britischen Inseln Waysted. Nach drei Monaten Herumgeziehe durch Europa schaffte die Band ein paar Tage Pause, dann zog sie schon weiter nach Nordamerika, wo sie ein noch umfangreicherer Konzertplan erwartete. Für den amerikanischen Teil der Tour passten Iron Maiden das Konzertrepertoire etwas an, und aus der Setliste flogen: das Instrumental »Losfer Words (Big ‚Orra)«, dazu »22 Acacia Avenue« und das Gitarrensolo, das vor »The Number of the Beast« eingebaut war.
Der vollgepackte und intensive Zeitplan begann bald, seinen Tribut zu fordern. »Es war gnadenlos«, erinnert sich Bruce Dickinson, als er den vollgepackten Zeitplan beschreibt: »Einer nach dem anderen, einer nach dem anderen, einer nach dem anderen,…«. Als sich die Kunde von den unglaublichen Konzertshows exponentiell verbreitete, brachte das der Band zusätzlichen Druck, denn sie musste ihre sprichwörtlich glänzenden Auftritte noch kräftiger rechtfertigen. Adrian Smith sagt: »Die Band wurde plötzlich wirklich sehr, sehr groß, und das war beängstigend«, und gibt zu: »Die Verantwortung, jeden Abend vor eine Menge zu treten und Monat für Monat für sie zu spielen und dabei das Beste aus sich herauszuholen, wurde für uns alle zur zusätzlichen Belastung.«
Nach dem ersten Teil der US-Tour gönnte sich die Band ein paar Tage Pause und trat dann beim einzigen südamerikanischen Konzert auf, nämlich mitten im Festival Rock In Rio, wo sie aber nicht als Hauptact auftrat. Diese Rolle gehörte Queen, und nach Iron Maiden betraten auch Whitesnake die Bühne. Iron Maiden spielten dort vor rund 350.000 Besuchern, und der Mitschnitt ist auch deshalb unvergesslich, weil er einen blutenden Dickinson aus nächster Nähe einfing, nachdem sich der Sänger bei seinen Bühnen-‚Akrobatiken‘ die Stirn aufgeschlagen hatte, aber trotzdem heldenhaft weitermachte. Der Adrenalinrausch wirkt nämlich Wunder.
Die Folgen all des Stresses während der Tour spürte natürlich Bruce Dickinson am intensivsten. Als die Band im Januar 1985 in den zweiten Teil der Nordamerika-Tour startete, standen gleich sieben Auftritte in der New Yorker Radio City Music Hall auf dem Plan (die Konzertabende eröffneten dort Queensryche). Bruce Dickinson erinnert sich: »Radio City Music Hall… da sollten wir sieben Konzerte spielen, und nach dem dritten oder vierten sagte ich zu Rod: ‚Ich fühle mich echt schlecht, ich bin krank geworden.‘ Und er erwidert: ‚Wie krank bist du denn?‘, ich wiederhole: ‚Sehr‘, und er macht weiter: »Na, heute Abend hältst du schon noch durch. Morgen haben wir sowieso einen freien Tag.’«
Der Sänger versuchte, alle Kräfte zu sammeln, um die Erschöpfung zu überwinden, aber es gelang ihm nicht: »Ich ging auf die Bühne, mir war schwindlig und ich konnte mich nicht bewegen. Ich setzte mich hin und saß den größten Teil des Konzerts. Auf dem Schlagzeugpodest.« Es war der fünfte Auftritt von Iron Maiden in Folge in der Radio City Music Hall (ohne einen Tag Pause), die nächsten vier (zwei in New York sowie die folgenden in Glenn Falls und Bethlehem) sagten Iron Maiden ab. Damit bekam Dickinson sechs Tage Zeit, um die Akkus aufzuladen und sich zu erholen. Sich zu regenerieren.
McBrain ergänzt: »Ich weiß, dass das Ganze Bruce intensiv getroffen hat. Intensiver als jeden anderen in der Band. Dickinson dachte wegen der außergewöhnlichen Strapazen, die die Tour forderte, währenddessen sogar ernsthaft darüber nach, »das Schiff zu verlassen«.
Die Konzerte waren nicht vorbei. Aus Tagen wurden Monate. Dickinson erzählt vom Leben unterwegs: »Die ganze Realität fängt an, sich zu verflüchtigen. Du liest Geschichten und denkst dir dabei: ‚Der Typ hat sein Privatflugzeug geschickt, damit es ihm ‚Curry‘ bringt. So ein Wichser.‘ Aber wenn du dich in dieser Verschiebung der Realität komplett in der Rock-’n‘-Roll-Szene wiederfindest, packt dich eine bizarre Gedankenlogik, in der dir Folgendes passiert: ‚Ich will ‚Curry‘. Wenn ich keinen kriege, drehe ich durch. Egal, was er kostet. Besorg mir ‚Curry‘.‘ Bis zum Ende der Tour war es noch ein halbes Jahr. Dann stellst du zu Hause fest: ‚Kann es wirklich sein, dass ich so viel Geld für ‚Curry‘ verpulvert habe? Für so viel Geld hätte ich mir schon ein neues Auto kaufen können.’«
Nach dem Besuch in Japan und Australien kehrte die Band wieder in die USA zurück, wo sich die Tour noch weiter intensivierte. Dave Murray sagt: »Ich weiß nicht, ob wir überhaupt begriffen haben, worauf wir uns eingelassen hatten und wie weit wir uns selbst getrieben hatten. Die Tour begann auf unseren Schilden Kratzer und Schrammen zu hinterlassen. Wir fingen an, uns langsam zu verlieren.« Den letzten Auftritt der »World Slavery«-Tour spielten Iron Maiden am 5. 7. 1985 im kalifornischen Irvine. An diesem Punkt hatten alle die Schnauze voll. Sie waren völlig ausgepresst und erschöpft, und Harris ergänzt: »Nach diesem Konzert kam der Moment, in dem wir zum ersten Mal auf der Tour die Gelegenheit hatten zu sagen: ‚Okay. Machen wir eine kleine Pause, sonst landen wir alle in der Klapse.’« Bruce Dickinson gab später in seiner Autobiografie »What This Button Do?« zu, dass er nach der »Powerslave«-Tour sehr nah dran war, Iron Maiden zu verlassen.
Es folgte ein Jahr ohne Konzerte. Das nächste Konzertepos »Somewhere on Tour« begann im September 1986. Es startete ausgerechnet in Jugoslawien, und mit dem dritten Konzert am 12. 9. 1986 besuchten Iron Maiden wieder die Halle Tivoli in Ljubljana.

Am 14. 10. 1985 erschien das Doppel-Vinylalbum »Live After Death«. Es fasst die Aufzeichnung von vier aufeinanderfolgenden Konzerten der Band in der Long Beach Arena bei Los Angeles zusammen. Der Mitschnitt stammt von zwei Konzertabenden in Los Angeles, den restlichen Platz auf dem Album füllen Nummern, die die Band bei ein paar aufeinanderfolgenden Auftritten im Londoner Hammersmith Odeon aufgenommen hat. Nicht nur, dass dies ein Livealbum ist, an dem sich andere Heavy-Metal-Bands orientierten, als sie sich für die Veröffentlichung ähnlicher Alben entschieden, es zeigt auch Iron Maiden auf dem Höhepunkt ihrer Live-Kraft, wo es keine unnötigen Fragen und keinerlei Zweifel gab. Es zählten Taten ohne leere Gedanken voller Skepsis und mit dem Befehl: »Tu es, und tu das Beste, was du in diesem Moment draufhast.« Das können nur die Besten der Besten umsetzen, und genau das waren Iron Maiden Mitte der Achtziger im Metal tatsächlich.
Sie spielten eine für die damalige Zeit moderne Version von Metal, die die beste Kombination aus Schlagkraft, Musikalität und kreativen Einfällen mit perfekter Auflockerung der Kompositionen und der Stimmung vereinte, und popularisierten dabei indirekt Spandex und High-Tops, was bald Metallica und die übrigen Nachahmer ansteckte, die allerdings noch mehr kompromisslosen Ausdruck suchten.
Nicko McBrain beschloss bei einem der Konzerte mitten im amerikanischen Teil der Tour, die lange instrumentale Passage im Epos Rime of the Ancient Mariner für eine besondere Auflockerung zu nutzen. Nachdem er die Bühne verlassen hatte, wie er das jeden Konzertabend tat, entschied er sich entgegen den üblichen Ritualen, sich diesmal lieber im nahen Pool abzukühlen. Er stieg einfach angezogen hinein. Kurz nachdem er sich darin eingerichtet hatte, hörte er Geschrei, er solle sofort zurück auf die Bühne. Er sprintete los, so schnell ihn die Beine trugen, direkt aus dem Pool. Vom Drummer tropfte es. So setzte er sich ans Schlagzeug. Plötzlich war alles voller Pfützen. Wohin er auch schaute. Kaum konnte er die glitschigen Becken fangen, den Rhythmus halten und sich auf dem Hocker halten, während ihm der Techniker von hinten Handtücher reichte.
In Quebec verunglückte während einer Konzertshow ein 18-jähriger Fan der Band tödlich, nachdem er aus fast 30 Metern Höhe von einem Laufsteg gestürzt war, der im Pressebereich angebracht war. Iron Maiden erfuhren das erst nach dem Konzert.
Im amerikanischen Teil der Tour eröffneten die Konzertabende meistens Twisted Sister. Darunter auch alle vier Abende in der Long Beach Arena, woher das Livealbum stammt. In kleinerem Umfang füllten die Rolle der Vorbands im amerikanischen Teil der Tour auch W.A.S.P., Mötley Crüe und die bereits erwähnten Accept sowie Queensryche aus.
Beim Standardrepertoire auf der Erstausgabe dieses Konzertdokuments, also der Doppel-Vinylplatte, gehören die erste Platte und die erste Seite der zweiten Platte komplett zu den Aufnahmen aus der Long Beach Arena, wobei die Band die Version von »Sanctuary« nicht aufnahm, mit der sie auf der gesamten »World Slavery«-Tour die Konzerte beschloss. Auf der zweiten Seite der zweiten Platte finden sich Songs, die Iron Maiden im Rahmen dieser Tour ebenfalls spielten, aber nur im ersten Teil der Europatour, also zwischen August und November 1984.
Die Versionen von »Wrathchild«, »22 Acacia Avenue«, »Children of the Damned«, »Phantom of the Opera« und »Die With You Boots On« stammen aus vier aufeinanderfolgenden Konzerten der Band im Londoner Hammersmith Odeon, die im Oktober 1984 gespielt wurden. Dort spielte die Band auch »Murders in a Rue Morgue« und »Losfer Words (Big ‚Orra)«. Die in der Long Beach Arena gespielte Version von »Sanctuary« erschien als B-Seite der Sieben-Zoll-Vinylsingle für die Livesingle „Running Free“ (erschienen im August 1985), die Zwölf-Zoll-Version derselben Vinyl-Livesingle enthielt auf der B-Seite neben derselben Liveversion von „Sanctuary“ auch noch »Murders in a Rue Morgue« aus dem Londoner Hammersmith. Die zweite Single vom Album »Live After Death«, zum Song »Run to the Hills« (erschienen im Dezember 1985), enthielt in ihrer Sieben-Zoll-Version auf der B-Seite die Darbietung des Songs »Phantom of the Opera« aus dem Londoner Hammersmith Odeon. Die Zwölf-Zoll-Vinylversion dieser Single enthielt neben Phantom of the Opera auch noch die Liveversion des Instrumentals »Losfer Words (Big ‚Orra)« – ebenfalls aus dem Londoner Hammersmith Odeon.


»Live After Death« erschien später in verschiedenen Varianten. Die originale VHS-Kassette hält den kompletten Mitschnitt aus der Long Beach Arena fest, einschließlich des abschließenden »Sanctuary« (2008 erschien er in der Doppel-DVD-Neuauflage). Die erste CD-Auflage von »Live After Death« war einfach (ohne die Londoner Aufnahmen). Statt der originalen – also verlängerten – Version von »Running Free« findet sich auf der ersten CD-Version des Albums „Live After Death“ eine editierte, zweieinhalbminütige Version, die als Single herausgekommen war. 1995 wurde das Album in mengenmäßig limitierter Auflage neu aufgelegt, wobei die erste CD gleich blieb, auf der zusätzlichen zweiten CD aber alle Songs lagen, die als B-Seiten beider Livesingles dieses Albums erschienen waren, also »Sanctuary«, »Losfer Words (Big ‚Orra)« und »Murders in a Rue Morgue« (also jene, die die Originalauflage der Doppel-Vinyl nicht enthält). Na ja, die erneute CD-Neuauflage des Albums von 1998 beseitigt das lästige Zeitexperimentieren und liefert das Album auf zwei Discs, die endlich korrekt die Originalversion der Doppel-Vinyl zusammenfassen.
»Live After Death« erreichte eine Woche nach Erscheinen in den heimischen britischen Charts Platz fünf der meistverkauften Platten, in den amerikanischen Platz neunzehn. Die Veröffentlichung dieses makellosen Livealbums, das als eines der besten, wenn nicht zumindest als eines der wichtigsten in der Geschichte des Heavy Metal gilt, verschaffte der Band enorm viel Zeit, um in Ruhe die Akkus aufzuladen, sich zu regenerieren und sich ans Aufnehmen eines neuen Studioalbums zu machen, das 1986 zu »Somewhere in Time« wurde (RockLine Rezension).
Autor: Aleš Podbrežnik

Posebna plošča vsekakor. Če me spomin ne vara, gre za enega redkih, morda celo edini rock album, ki je v Jugoslaviji izšel na isti dan, kot v svetu. Običajno so albumi v Jugoslaviji izšli z vsaj nekaj mesečno zamudo, včasih celo večletno, če sploh.
No, Jugoton je bil vsekakor korak pred drugimi in je poleg kakovostnejše same plošče solidno poskrbel tudi za ovitke, in nas običajno ni prikrajšal za notranje ovitke in barvne fotografije, kot so to imeli navado početi drugi založniki. Live After Death je bil precej na nivoju, manjkala je samo knjižica s podatki o turneji, ki je bila sicer priložena v originalnih izdajah.
Hej Matija. Mam original Jugotonov. Dela kot šus. Še vedno. En prvih vinilov, ki sem si jih kupil, potem ko se prišparal dovolj denarja za gramofon, zvočnike in ojačevačlnik, sicer sem ga kupil šele poleti 1987. Hitachi-jevi zvočniki so še kar isti, stari preko 40 let. To je krasen podatek – da je plata izšla na dan uradnega izida tudi pri Jugotonu. 😀
Spominjam se moje navdušenosti nad Iron Maiden. Vse komade sem skinu potem kasneje, v devetdesetih tako da sem dal ta album za ozadje, vse prehode, rife, celo kako lažjo solažo (taping pri Children of the Damned npr.) – s tem albumom sem postal obseden z Maiden.
Upam, da ne širim fake news, tole sem takrat prebral v naših medijih, srbskih seveda, v slovenskih revijah o težkem rocku tako ali tako že takrat ni nihče pisal. Tako, da je zgodba lahko tudi wannabe novica, ampak verjamem, da je res – prvič zato, ker sem tudi sam bil presenečen, da sem zagledal plato na policah (Pyromanio, 1984 ali Love At First Sting so dejansko izdali skoraj eno leto po uradnem izidu), pa tudi zato, ker je najbrž šlo za globalno voden marketniški pristop – kar bi kar sovpadalo s celotno podobo turneje, o kateri pišeš zgoraj).