Opeth : Garden of the Titans: Live at Red Rocks Amphitheater (2CD)

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Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 02.11.2018
Mix: David Castillo
Albumlänge: 88.10
Genre: Progressive Rock / Progressive Metal / Death Metal


Opeth gehören heute zu den beliebtesten Bands, die sich aus einer einstmals äußerst eigenwilligen Death-Metal-Musikgeschichte voller verblüffend gefälligen Experimentierens an die Spitze der aufregendsten Death-Metal-Bands der Neunziger gesetzt hatten und seither allmählich zu Revivalisten des Progressive Rock geworden sind. Das deuteten »Heritage« und »Pale Communion« an, das bestätigt nun endgültig das aktuelle »Sorceress«. Viele eingefleischte Fans der alten Opeth, die das frühere Werk der Band als eines der besten verstanden, was Death Metal in genre-evolutionärer Hinsicht zu bieten hatte, haben die Band also abgehakt — auf der anderen Seite aber hat die Band Scharen von Musikliebhabern mitgerissen, die nicht unbedingt Metal hören. Dazu zählt auch jener Teil des Metal-Publikums, das die neue musikalische Vision der Band »verdauen« konnte, welche auch jegliches Death-Metal-Growling ausschließt. Das wesentliche Element, das Opeth das ermöglichte, ist eigentlich Akerfeldts Gesang, der in seiner klaren Spielart für sich allein eine einzigartig charakteristische Wiedererkennbarkeit liefert. Die Band hat also ihre Fanbasis erfolgreich ausgebaut — gleichzeitig ist es interessant, dass die meisten davon wahrscheinlich gar nicht daran gedacht haben, dass die neuen Opeth eigentlich aufgewärmte Ideen-Innovationen legendärer Progrockbands vom Übergang der Sechziger zu den Siebzigern servieren. Das bedeutet, dass Opeth heute musikalisch gesehen möglicherweise sogar überschätzt werden, da ihre postmillenniale Evolution in vielerlei Hinsicht retrograd ist.

Jenseits davon und nach dem, was das neue Konzertdokument bietet, muss man den Schluss ziehen, dass Opeth auf ihren Konzerten immer noch schlechthin herausragend spielen und das Repertoire kraftvoll und mit größtem Eifer umsetzen. In jeder Hinsicht überzeugend. Klanglich, also produktionsmäßig und performancetechnisch. Ihre Konzerte sind daher immer Pflicht. Wenn Opeth in unsere Gegend kommen, meistens direkt auf das Metaldays festival, wie es (zuletzt) 2017 der Fall war (dieses Konzert war freilich von technischen Pannen begleitet), muss man Opeth unbedingt sehen. Denn sie sind und bleiben ein Konzerthighlight — ungeachtet des ersten Absatzes über die musikalisch-stilistische »retrograde« Transition, der vor allem der breiteren Diskussion darüber diente, dass die neuen Opeth heute vielleicht nur etwas überschätzt sind.

Wie auch immer: »Live At Red Rocks Amphiteater« wurde am 17.05.2017 an dem berühmten Ort in Colorado aufgenommen. Es ist das insgesamt vierte Konzertdokument der Band und damit ein echter Abdruck der kreativen Reichweite der Band in den Jahren 2017 und 2018. Eine Reflexion des musikalischen Visionarismus der Band für das Jahr 2017 also. Daher findet man im Repertoire überwiegend Material aus der postmillennialen Periode. Die Band hat die Neunziger-Ära diesmal also nur flüchtig gestreift und in evolutionärer Hinsicht den interessantesten Song ins Repertoire geliefert. Es handelt sich um Demon of The Fall vom kultigen dritten Album »My Arms, Your Hearse« (1998), einem noch vollständig (prog-)death-metal-gefärbten Album, bei dem die Band einen unglaublichen atmosphärischen Sprung auf ihrem Weg zur konzertanten Neuschöpfung eines außergewöhnlichen Death-Metal-Manövers liefert. Akerfeldts Growl bleibt erstklassig, und der Track selbst zeigt genau das, was Opeth in den Neunzigern so interessant machte, als sie damals neue Maßstäbe im Death Metal setzten. Dazu kann man bedingt noch das grandiose abschließende Deliverance zählen, das für sich allein einer der Höhepunkte des Repertoires ist, ebenso wie das vergleichsweise »jüngere« Ghost of Perdition und Heir Apparent — ansonsten aber ist dieses Repertoire vor allem auf jene Opeth-Fans zugeschnitten, die auf die Ära des klaren Gesangs des Progrock-Revivalismus und alle drei letzten Studioalben der Band schwören.

Die Konzertshow wird obligatorisch von Akerfeldts sprühender Verschmitztheit begleitet. Sein leicht nerviger und näselnder Ton, mit dem er das Publikum in den Pausen neckt — wobei man nie weiß, ob er es ernst meint oder sich einen Spaß erlaubt —, bleibt mit seinen ausgefeilten Schwarzhumoreinlagen schlicht eines der wesentlichen integralen Elemente jeder guten Opeth-Show. Aber diesmal ist davon zu viel. Wenn man berechnet, dass das Album 88 Minuten Spielzeit hat, was schon grundsätzlich eigentlich wenig ist — besonders angesichts des Alters der Band —, frisst ausgerechnet Akerfeldts ausgiebiges Gerede in den Pausen zwischen den Songs einen ganzen schönen Schwung zusätzlicher möglicher Spielminuten auf. Hier steckt also ein kleines Minus. Das zweite Minus ist natürlich, dass die Band den Geschmäckern der Fans der alten Opeth und der neuen Opeth nicht gleichwertig gerecht wird. Die Waage neigt sich natürlich entschieden zugunsten der Letzteren. Die Soundproduktion ist allerdings ausgezeichnet. Vielleicht auch deshalb, weil David Castillo für den Mix gesorgt hat, ein Mann, der als Toningenieur auch beim Klangentwurf des Albums »Watershed« die Finger im Spiel hatte. Eine außerordentliche Anordnung der Bausteine des Klangbilds. Hervorragendes Kontrastieren und »Kolorieren«. Das Klangbild ist optimal ausgefüllt. Es ist ein Genuss, dieses Werk zu hören, da sämtliche Details der Konzertaufführung glasklar erkennbar sind.

Diese Rezension bezieht sich nur auf den Audioträger, jedoch ist »Garden of the Titans: Live at Red Rocks Amphitheater« auch als Blu-ray und DVD erhältlich. Nach dem untenstehenden Video zu urteilen definitiv eine Sache, der echte Opeth-Fans nicht allzu lange widerstehen werden.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.0 / 10


Tracklist:
1. Sorceress
2. Ghost of Perdition
3. Demon of the Fall
4. The Wilde Flowers
5. In My Time of Need
6. The Devil’s Orchard
7. Cusp of Eternity
8. Heir Apparent
9. Era
10. Deliverance

Besetzung:
Mikael Åkerfeldt – Gesang, Gitarre
Martín Méndez – Bassgitarre
Martin Axenrot – Schlagzeug, Perkussion
Fredrik Åkesson – Gitarre, Hintergrundgesang
Joakim Svalberg – Keyboards, Piano, Mellotron

 

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