Eclipse: Paradigm
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 11.10.2019
Produktion: Erik Mårtensson
Albumlänge: 45.11 min
Genre: Melodic Rock
Wertung: 8.0 / 10
Eclipse, der schwedische Melodic-Rock-Wirbelsturm, sind eine unglaubliche Institution. Die Flammen in den Herzen erlöschen nicht. Das Feuer der Inspiration, das den unaufhaltsamen Wagen antreibt, wird befeuert von dem außergewöhnlichen Erik Mårtensson, der nicht nur der hervorragende Leadsänger der Band ist, sondern auch ihr erster und wichtigster Visionär, Multi-Instrumentalist, Hauptkomponist und Produzent. Die Band hält nämlich in einem relativ kurzen Zeitraum — generell gilt das für die zweijährigen Abstände zwischen zwei Alben — wilder Aktivitäten mit einer Reihe regelmäßiger Albumveröffentlichungen und außergewöhnlicher Konsistenz durch, auf deren Grundlage Eclipse nach und nach eine konkrete Fangemeinde überzeugt und gewonnen hat, und das nicht nur in Europa, sondern darüber hinaus. Angesichts der Tatsache, dass sie einem Stil angehören und ein Genre wiederbeleben, das heute völlig archaisch ist, können wir nur von einem sehr tugendhaften Revivalismus sprechen — wobei man viel Glück haben muss, damit der überhaupt zündet.
Im Laufe der Jahre haben Eclipse die Welt mit ihrer Verve und Qualität überzeugt. Hochwertige Studioalben haben sie auf die Bühnen Japans, Australiens und Nordamerikas getragen — Europa ist natürlich immer gesetzt. Sie haben sogar Konzerte vor Scorpions und Aerosmith eröffnet, und die Streams ihrer Alben auf digitalen Plattformen haben die Millionenmarke überschritten, weshalb die Alben in einigen europäischen Ländern auch die Charts der meistverkauften Platten aufgemischt haben. In Schweden erreichte das letzte Album »Momentum« eine Platzierung unter den zwanzig meistverkauften Platten.
Trotzdem ist »Paradigm« ein Album, auf dem Eclipse lediglich das erreichte Niveau des Songwritings halten, ohne sich in irgendeiner Hinsicht weiterzuentwickeln. Daher schafft es »Paradigm« in keiner Weise mehr zu überraschen. Die Produktion ist erneut perfekt, die Gitarren stehen wieder konkret im Vordergrund — was seit jeher ein Merkmal der Band ist (insbesondere seit dem Album »Bleed«), die sich auf diese Weise in ihrer Karriere mehrfach auch Elementen des Heavy Metal angenähert hat. Das verbirgt das neue Album an einigen Stellen nicht.
Die Musikalität des Albums ist erneut außergewöhnlich. Bombastische Refrains liefern regelmäßig die Höhepunkte in der Schöpfung dieses ansteckenden Pomp-Theaters. Den ersten Platz beim Erschaffen von Pomp innerhalb der Refrain-Melodien belegt zweifellos Delirious. Definitiv ein Album für begeisterte Fans nicht nur von Eclipse, sondern generell eines breiteren Kreises skandinavischer Revivalbands, die mit ihrem Revivalismus auch mit Elementen des Glam Metal und Sleaze flirten. Wenn man auf eine Komposition wie Blood Wants Blood stößt, die zu den schärfsten auf dem neuen Album zählt, sind die Assoziationen zum Kompositionsansatz eines CrashDiet völlig angebracht. Da wollen wir nicht drumherumreden. Generell muss man den Einfluss woanders suchen, bleibt dabei aber in Schweden. Denn für alles ist ABBA „verantwortlich“ — ich hoffe, ihr versteht diese Anmerkung als großes Kompliment an Eclipse. Das Album eröffnet das äußerst bombastisch-stürmische Viva La Victoria, das in einem anderen Produktionsrahmen einen schönen Ausgangspunkt für einen Sabaton-Song darstellen könnte. Ein angespitzter und optimistisch ausgerichteter Track, der einen bereits im Refrain absolut „packt“. Interessant ist, dass das nachfolgende Mary Leigh keinen besonderen Bruch in der Gestaltung des Refrains bringt, was ein leichtes Minus des Albums ist — schon allein deshalb, weil die beiden Tracks in der Albumreihenfolge direkt aufeinander folgen. Das oben Gesagte über die ausgebliebene Weiterentwicklung der Band unterstreichen das recht klischeehafte (power-metalisch oder leicht „Edguy-mäßig“ gestaltete) The Masquerade und Never Gonna Be Like You mit allzu oft „verkauften“ Refrain-Tricks — doch Eclipse lösen sich absolut ein mit dem Rest des Albums, auf dem sie zwar ein sehr hohes Niveau allgemein befriedigender kompositorischer Ausgangspunkte liefern, was die geforderte Variabilität zwischen den Tracks garantiert. Gitarrist Magnus Henriksson, die andere Hälfte des schlagkräftigen Tandems der Band mit Mårtensson, bleibt weiterhin ein großer Fan von Gary Moore und schmuggelt einige Harmonien eines „keltisch“ klingenden Hauches ein, wie etwa im etwas düstereren Shelter Me und besonders im abschließenden Take Me Home. United erinnert mit seinem akustischen Intro und dem einleitenden Rhythmus flüchtig sogar an den Uriah Heep-Klassiker Lady In Black — allerdings nur am Anfang —, da das Motiv schnell von einer verzerrt-gezackten Flut elektrischer Gitarrenphrasierung ausgefüllt wird.
Ein neues Album, das das kreative und qualitative Niveau des Vorgängers »Momentum« hält. Es ist tatsächlich dessen Fortsetzung auf dem sehr mutigen und erfolgreichen Weg einer Band, die mit ihrem Erscheinen — natürlich im Sinne moderner Produktionsmanöver — einen wichtigen Faktor für das Lebendighalten der Erinnerung an die archaischen Genres der Achtziger darstellt. Kurzum: Wer auf absolut dominante, erstklassige Musikalität steht, die beim Hören sofort packt, sollte so bald wie möglich Eclipse checken — denn deren Fans haben das neue Album »Paradigm« schon längst zuhause, und die CD mit dem neuen Eclipse-Stoff steckt ihnen sicher noch heute im Player.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Viva La Victoria
2. Mary Leigh
3. Blood Wants Blood
4. Shelter Me
5. United
6. Delirious
7. When The Winter Ends
8. .38 Or .44
9. Never Gonna Be Like You
10. The Masquerade
11. Take Me Home
Besetzung:
Erik Mårtensson – Gesang, Gitarre
Magnus Henriksson – Gitarre
Magnus Ulfstedt – Bassgitarre
Philip Crusner – Schlagzeug
