Elvis Jackson und Demm: Chaos in Ajdovščina (2026)
Škou Šou 2026 (Elvis Jackson, Demm, Enginetail, Gal Holly Fischer Band)
Samstag, 10. 10. 2026
Bar Hiša mladih, Ajdovščina, Slowenien
„Jebeš wrwžje!
Info: Škou Šou ist ein Benefizevent, bei dem Geld gesammelt wird, um Therapien für Jugendliche aus der Gemeinde Ajdovščina mit psychischen Problemen zu bezuschussen. Der gesamte Erlös aus Ticketverkäufen, SMS-Spenden und freiwilligen Beiträgen geht an den Fonds des Medobčinsko društvo prijateljev mladine Ajdovščina. Es war bereits die fünfte Ausgabe.
Enginetail und Gal Holly Fischer Band habe ich leider wegen familiärer Verpflichtungen verpasst (Abendessen kochen und meine bessere Hälfte davon überzeugen, dass ich nach so langer Zeit UNBEDINGT mal wieder EJ live sehen muss). Pünktlich genug, um vor dem Auftritt von Elvis Jackson noch ein kühles Bier zu zischen, war ich aber da.
Zu meiner Überraschung enterten erst mal ein paar komische Schnurrbartträger die Bühne und fingen an, humoresken Post-Punk rauszuhauen. Das waren die Steirer von Demm, junge Burschen mit einer EP und einem Album im Gepäck. Vor der Bühne stand eine ordentliche Anzahl Fans, die die Texte sämtlicher Songs auswendig konnten. Auch mich hat es schnell in den Strudel aus energiegeladenen Rhythmen, witzigen Texten und klebrigen Melodien gezogen. Endgültig ergeben habe ich mich beim Cover von Igor silni (awyea!) der Idrijaer Kuzel. Der Wirbel aus Punk-Hüpfern, wilder Meute, energiegeladener Band und kaltem Bier hat mich so aufgesaugt, dass ich völlig vergessen habe, dass in meiner Tasche meine ultra-hochwertige Foto-Ausrüstung Ajfoun SE steckt. Die Band habe ich um die Setlist und ein paar Fotos gebeten, aber bis Redaktionsschluss kam weder das eine noch das andere an. Sehr punkige Haltung, das muss man sagen – danke, Demm.
Zum Schluss und zwischendurch haben Schlagzeuger und Sänger (absichtlich oder nicht) den Gag von MRFY geklaut (Rockline-Konzertbericht aus Ajdovščina) und zwei Funk-/Rap-Nummern im Duett gesungen. Eine davon war Moja soseda je lezbijka, den Titel der anderen kenne ich nicht. Riesige Begeisterung erntete auch das umgebaute Titellied der Zeichentrickserie Grozni Gašper. Danach folgten John Lemon, V stanovanju, Btw, Sploh Nisem Mel Nobene Rože, Mlad in glup – ein Hit nach dem anderen. Die Jungs nennen ihre Musik Pussy-Punk, was gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist, aber Attitude und clevere Texte geben diesen bitter nötigen Biss, damit man diesen Punk auch ernst nehmen kann.
Der Großteil des Publikums hatte trotzdem auf Elvis Jackson gewartet. Die Band ist eine feste Größe auf den Bühnen der Region, aber es ist schon ein paar Jahre her, seit ich sie zuletzt live gehört habe – und noch nie an einem so intimen Ort.
Ab der ersten Druckwelle namens Pissing In the Wind hat der EJ-Panzer keine Sekunde mehr angehalten. Die Mischung aus Punk, Ska, Hardcore, Reggae und Metal mit einer Prise Pop-Refrains hat das Publikum so aufgeheizt, dass es das ganze Konzert über in einem durchgehenden Moshpit wogte. Auch euer liebster Reiseschreiber hat sich nicht lange geziert und nach langer Zeit mal wieder ein paar Prügel in Form von fliegenden Gliedmaßen und herumwirbelnden Zotteln kassiert. Erfrischend!
Die Band war in Topform, Sänger Buda zeigte trotz ein paar grauer Strähnen im Bart beneidenswerte Fitness mit Spreizsprüngen, Kopfstand und Crowd-Surfing. Das Chaos, das Demm vorbereitet hatten, steigerte sich gefährlich und schwappte in Wellen von den Wänden des Clubs zurück. Buda stellte fest, dass es in Wajdušna keine Skater mehr gibt, dafür aber noch den einen oder anderen Metaller.
Der Sound drückte, der Schweiß flog in alle Richtungen und die Senioren im Publikum haben sich erfolgreich gegen die Jungspunde vor der Bühne behauptet. Buda haute zwischen den Songs den einen oder anderen fetten Spruch raus und ließ auch ein paar politisch gefärbte Kommentare los, bei denen Ivan Janez bestimmt nicht begeistert applaudiert hätte. Der Slogan jebeš wrwžje fasst die Stimmung im Club schön zusammen.
Wie gesagt, ich habe Elvis Jackson zum ersten Mal in Clubatmosphäre gesehen und muss sagen, dass ihnen das deutlich besser steht als größere Bühnen. Die Energie floss ungebremster zum Publikum und wieder zurück. Persönlich haben sie mich mit der Songauswahl erfreut: Life Should Be Fun, This Time, What Took You So Long? und Window boten eine willkommene Verschnaufpause inmitten der allgemeinen Irrenanstalt aus nuklearen Schüssen der übrigen Songs.
Viel Raum bekam das letztes Jahr erschienene Album We Play 4 You (Rockline-Rezension), aber auch ein ganz ordentliches Häufchen Songs von meinem Lieblingsalbum Against the Gravity (2009) steht noch auf dem Programm.
Kurz gesagt: Das Bier war kalt mit zu viel Schaum, der Club heiß und stickig, die Band auf der Bühne wild und ungezügelt. Genau so muss ein Punk-Konzert im Club sein. Juhuu!
Setlist Elvis Jackson:
01. Pissing In the Wind
02. Let Me In
03. Any Place to Go
04. Loser
05. I believe In Love
06. Won’t Do What They Say
07. Not Here to Pray
08. You And I
09. Not Buying This
10. Pouring Rain
11. Life Should Be Fun
12. Hawaiian Club
13. Wake Me UP!
14. Morning
15. Whistle Song
16. Do It Again
17. We Play 4 You
18. Window
19. This Time
20. Go Elvis
21. Therapy?
22. Against the Gravity
23. What Took You So Long?
24. The Other Me
25. Ganđa Mon
Ehrenvolle Erwähnung: Klopapierrollen und aufblasbare Matratzen fürs bequeme Crowd-Surfen.
Text und Fotos: Igorac














































