Mark Lanegan Band (plus Duke Garwood & The Faye Dunaways) Samstag, 28.02.2015, Ljubljana (CUK Kino Šiška)!
Autor: Aleš Podbrežnik
wer: Mark Lanegan Band (plus Duke Garwood & The Faye Dunaway)
wo: Ljubljana (CUK Kino Šiška)
wann: Samstag, 28.02.2015, um 21.00 Uhr
Ticketpreis: 20,00€ (Vorverkauf) / 23,00€ (an der Abendkasse)
ŠKUC Ropot und Kino Šiška kündigen an: Mark Lanegan Band wieder in der Šiška. Mit dem neuen Album ” Phantom Radio”, das Ende Oktober 2014 erschienen ist!
Mark Lanegan wird bald 50. Und jeden Moment bringt er ein neues Album namens Phantom Radio raus. Das wird sein neuntes Soloalbum – zählt man noch die Alben dazu, die in Zusammenarbeit entstanden sind, sei es mit Isobel Campbell oder Duke Garwood, oder als eine Hälfte der Gutter Twins (seiner langjährigen Partnerschaft mit Greg Dulli), oder unter dem Banner seines legendären ersten Bends Screaming Trees, kommt man insgesamt auf eine Zahl näher an 20. Dann sind da noch seine Gastauftritte bei Queens Of The Stone Age und davor bei Mad Season, der Seattler Supergroup aus Mitte der Neunziger, die sich aus Mitgliedern von Alice In Chains, Pearl Jam und Screaming Trees zusammensetzte. Und dabei haben wir noch nicht mal seine zahlreichen gelegentlichen oder einmaligen Gastgesangs-Appearances auf Platten von Musikern wie UNKLE, Martina Topley-Bird, Moby, Soulsavers, Melissa Auf der Maur und Creature With The Atom Brain mitgezählt. Insgesamt hat Mark Lanegan annähernd 50 Alben aufgenommen. Fünfzig Jahre, 50 Alben. Und was hat er in diesem Leben gelernt?
Mark Lanegan grinst breit und zuckt mit den Schultern.
»Das Leben ist noch ein bisschen mehr als jeden Tag Songs schreiben.«
Früher hat er jeden Morgen als erstes etwas geschrieben. Einen Song ließ er ein paar Stunden liegen, kam dann zurück und begann abends zu streichen. Wenn die Zeit für die Albumaufnahmen kam, hatte er einen Berg an Material, aber nur ein kleiner Bruchteil davon überlebte bis zur Endfassung. Für Phantom Radio jedoch, genau wie für seinen vielbeachteten Vorgänger Blues Funeral (2012), hat er absolut jeden Song aufgenommen, den er geschrieben hat. Für das Album brauchte er zweieinhalb Monate, aber nur deshalb, weil Mark das Ganze zuletzt sehr entspannt angeht. Hatte er also einen Song geschrieben, brachte er ihn zu seinem Produzenten Alain Johannes, der dann die Aufnahmen in seinem Studio in West-Hollywood organisierte. War der Song aufgenommen, gönnte sich Lanegan ein paar freie Tage, bevor er den nächsten schrieb. Nach eigener Einschätzung arbeitete er ein paar Tage die Woche und nie mehr als fünf Stunden täglich. Und das ist kein fauler Müßiggang, sondern die Disziplin eines echten Meisters.
Lanegan beschreibt seinen Modus Operandi für gewöhnlich mit ziemlich bescheidenen Worten.
»Ich kann immer besser einschätzen, was meiner Meinung nach einen gelungenen Song ausmacht und was nicht. Ich glaube, ich bin anspruchsvoller geworden,« lacht er, »aber gleichzeitig weniger aktiv. Was genau die richtige Balance ist, wenn man auf die 50 zugeht! Ich bin jetzt nicht mehr so besessen davon wie früher. Songs schreiben war viel schwieriger, als ich jünger war.«
Wie auch immer man es definieren will – Lanegans junge Jahre waren wild. Ein schwieriges Kind in der kleinen Ackerbaustadt Ellensburg im US-Bundesstaat Washington – ständig im Knast wegen Diebstahl und Drogenhandel – und mit 20 sagte ihm ein Arzt, er würde mit 30 tot sein, wenn er seinen Alkoholkonsum nicht in den Griff bekomme. Lanegan scherzte später, dass Heroin ihm das Leben gerettet habe. Bei den Screaming Trees, denen er 1984 beitrat, erlebte er mehr Gewalt als in jeder Besserungsanstalt, da alles um den Konflikt zwischen den beiden Brüdern kreiste, die die Songs schrieben, und die sich durch eine Reihe immer druckvoller werdender Platten bis zum Album Sweet Oblivion durchprügelten, mit dem die Screaming Trees 1992 zumindest einen Hauch von kommerziellem Erfolg erzielten – im Vergleich zu dem Ruf, den sie sich unter den Seattler Gleichgesinnten erarbeitet hatten, darunter die Jungs von Nirvana.
Parallel zum turbulenten Weg der Band begann Lanegan eine Reihe von Soloalben herauszubringen, die anfangs akustisch gehalten waren und damit das donnernde Organ und die bedrohliche Persönlichkeit offenbarten, die im überwältigenden psychedelischen Primitivismus der Screaming Trees kaum angedeutet worden waren. Sein Debüt The Winding Sheet (1990) entstand aus einem gescheiterten Versuch, mit Kurt Cobain ein Album mit Blues-Coversongs aufzunehmen. Lanegans Version von Leadbellys Where Did You Sleep Last Night überlebte (und diente Cobain tatsächlich als Vorlage für die spätere berühmte Nirvana-Version), doch seine Referenzen als wirklich einzigartiger Künstler bestätigte erst der meisterhafte Nachfolger Whiskey For The Holy Ghost (1993).
Aber es sollten noch weitere zehn Jahre vergehen, bevor er ein Album aufnahm, das an die Aura von Ghost heranreichte. Mit Bubblegum (2004) erhob sich Lanegan nämlich aus den Trümmern der Screaming Trees und seinen wiederkehrenden Suchtproblemen und schuf dabei eine neue Version des Blues, die teils akustisch, teils in Elektronik verankert ist. Den Großteil des Albums produzierte Alain Johannes, dazu kam eine wechselnde Besetzung von Mitstreitern, manche davon namhaft (Josh Homme; PJ Harvey), andere weniger. Es folgten sieben Jahre verschiedener Kollaborationen, dann schleuderte Lanegan, der zwischenzeitlich zum Vorbild eines geordneten Lebens geworden war, das grandiose Album Blues Funeral heraus, auf dem Krautrock-Ornamente dem schwer wie Melasse über eine Leinwand des Verderbens gestrichenen Klang völlig neue Texturen hinzufügen.
Auf denselben Grundlagen baut jetzt Phantom Radio auf, produziert von Alain Johannes, und dazu diese Stimme, die tiefe Wahrheiten rezitiert, herausgemeißelt aus den kargsten Welten. »I saw the feet of pilgrims bleeding,« singt Mark in Judgement Time. »I saw whole cities drowning, I saw whole armies dying.« Du glaubst ihm jedes Wort. Die Stimme keines anderen lebenden Sängers wirkt so aufgeladen mit biblischen Zeichen.
Das alles ist eine Frage seines Könnens, denn Mark Lanegan ist nicht so düster, wie er erscheint. Bei der Arbeit am Album Phantom Radio war sein wichtigstes Werkzeug das Handy – genauer gesagt die App Funk Box. »Ich hatte keine Lust, immer meine 909 und 808 anzuschließen,« sagt er, »die waren ja in der App. Die Drum-Parts hab ich in der App geschrieben, und dann hab ich mit einem Synthesizer oder einer Gitarre die Musik dazugelegt.«
Phantom Radio wuchs organisch aus diesen synthetischen Wurzeln und sog dabei Lanegans anhaltende Liebe zum Krautrock auf, ebenso wie die New-Wave-Sendung aus den Achtzigern, die auf dem Satellitensender Sirius läuft und sein liebster akustischer Begleiter ist, wenn er durch Los Angeles fährt. »Die haben mehrere gute Sendungen – die über Garagenpunk, die Little Steven macht, ist exzellent – aber besonders mag ich die, die den Achtzigern gewidmet ist,« sagt er. »Das ist Musik aus der Zeit, als ich selbst angefangen habe, Musik zu machen. Und obwohl wir bei den Screaming Trees aus den psychedelischen Nuggets-Compilations und Bands wie 13th Floor Elevators und Love geschöpft haben, haben wir eigentlich Echo And The Bunnymen, Rain Parade, the Gun Club gehört. Einen ganzen Haufen britischen Post-Punk. Diese Sachen haben wir geliebt. Aber ich hab gewartet, bis ich mich den Fünfzig näherte, bevor ich anfing, von diesen Vorbildern zu klauen.« Trip-Hop – eine spezifische britische Variante des Post-Punk aus den Neunzigern – diente als Inspiration für mindestens einen zentralen Höhepunkt des Albums, nämlich The Killing Season (“My soul’s in traction/Cops and criminals and all that crawl get into action”), an dem der niederländische Geiger Sietse Van Gorkom als Mitautor beteiligt war.
Lanegan hat mit seinem großzügigen Ansatz bei Kollaborationen eine weitere geteilte Autorenschaft beigesteuert, nämlich mit dem britischen Gitarristen Duke Garwood, mit dem er 2013 das wie nach einem Sandsturm verödete Black Pudding aufnahm; Garwood steuerte nun auch die Musik für I Am The Wolf bei, einen durch und durch typischen Lanegan-Song. Ansonsten ist Lanegans persönlicher Lieblingstrack vom Album Torn Red Heart, eine außerordentlich zarte Meditation über ein gebrochenes Herz, die genau wie Pale Blue Eyes der Velvet Underground von Angelo Badalamenti arrangiert wurde. Letzterer hat sich auch bei Floor Of The ocean einen besonderen Eintrag verdient, einem eingängigen Track, der zugleich eine trügerisch karge lyrische Betrachtung des Lebens auf dem Abstellgleis bietet: »Clear eyes, can’t avoid the searchlight/Hope that they don’t find me/ Find me where I’m lying.« Als Gastsängerin gesellte sich hier Shelley Brien zu Lanegan, die seit zehn Jahren seine Freundin ist. Nach einigem Nachdenken über den Song kommt sie mit einer treffenden Bemerkung: »Es ist selten, dass mich ein eigener Song berührt, aber in diesem Track steckt eine Traurigkeit, die mich beim Hören wirklich getroffen hat. Ich liebe ihn sehr.«
Der Albumtitel stammt aus dem Songtext zu Smokestackmagic, das bereits vor dem Album auf der EP No Bells On Sunday erschienen war. Letztere enthält fünf Songs, die im gleichen Zeitraum entstanden, Lanegan aber zu »albern« erschienen, um aufs Album zu passen. »Heutzutage bin ich nicht mehr so schnell bereit, einen Song zu verwerfen, der vielleicht ein bisschen seltsam ist. Irgendwie füge ich ihn dann in etwas ein, woran ich gerade arbeite.«
Mitten in dieser beunruhigenden Gedankenwelt aus Lanegans Album, das in jedem Song zwischen Schönheit und Gefahr pendelt, wirkt es so, als würde Phantom Radio bis ans Ende der Zeiten eingeschaltet bleiben. Sein Schöpfer, bekannt dafür, dass er schier unmöglich zufriedenzustellen ist, erklärt, er könnte nicht glücklicher sein. »In den lyrischen Prozess habe ich nie wirklich gezweifelt,« sagt er. »Ich bin mit allem zufrieden, was dabei herauskommt. Und was dabei auftaucht, gilt oft als düster oder griesgrämig. Manchmal höre ich allerdings tatsächlich etwas, das man auch in der Musik anderer hören kann. Das ist definitiv keine angenehme Erfahrung.«
The Faye Dunaways
The Faye Dunaways wurden von Fred ‘Lyenn’ Jacques (LYENN, Dans Dans) und Aldo Struyf (Creature With The Atom Brain, Millionaire) ins Leben gerufen, die ihre musikalischen Verbindungen entdeckten, als sie gemeinsam auf Tour waren – als Mitglieder von Mark Lanegans Begleitband. Den Bend gründeten sie im Herbst 2014 und machten sich sofort daran, ihre erste EP aufzunehmen, die im Frühjahr 2015 erscheinen soll. Stellt euch dunklen psychedelischen Kraut-Blues mit reichlich elektronischen Elementen vor. The Faye Dunaways werden ihre ersten Live-Auftritte als Support für The Mark Lanegan Band bei einer Reihe von Europakonzerten absolvieren, von Januar 2015 bis in den Frühling hinein.