El Kachon : Svet dovoljenih laži
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2016
Produktion: Dejan Radičević
Albumlänge: 26.22 min
Genre: Rock / Blues
El Kachon sind eine fleißige und umtriebige Band. Der Staub vom zweiten Studioalbum »Permanently Lubricated Nuts« hat sich noch kaum gelegt, da kehren sie schon mit seiner Fortsetzung zurück, der sie den Titel »Svet dovoljenih laži« gegeben haben. Das ist eben jene Welt, in der wir leben – wer erfinderisch ist, wird erfolgreich, weil er richtig zu lügen versteht (in der »zivilisierten« Welt misst sich Erfolg an materiellem Reichtum)..
Schon auf ihren beiden Vorgängeralben haben El Kachon auf außergewöhnliches Talent aufmerksam gemacht. El Kachon sind nicht nur ein Kollektiv erstklassiger Musiker – sie besitzen auch eine verfeinerte innere Intuition für das Erschaffen von Kompositionen, die im selben Atemzug klanglich sofort mitreißend und einprägsam wirken, dabei aber eine außergewöhnliche interpretatorische Kohärenz und gegenseitige Wahrnehmung beweisen, die dieses Kollektiv auszeichnet.
Auch wenn »Svet dovoljenih laži« offiziell das neue Studioalbum ist, lässt es sich fast eher als EP verstehen. Denn es stecken gerade mal 26 Minuten Musik drin – davon sind drei Tracks überarbeitete Arrangements vom Album »Permanently Lubricated Nuts«, der Rest sind neue Eigenkompositionen. Die Band hat sich für eine teilweise Transformation ihres Images entschieden: Das Album ist komplett auf Slowenisch eingesungen, während die beiden Vorgänger noch englische Texte trugen. Das Ergebnis? Musikalisch und für die Radiofrequenzen ist »Svet dovoljenih laži« bis dato das am schönsten definierte Werk in der Bandkarriere. Vor allem, wenn du dich zum dritten Track Samo dotik und zum fünften Odpoved durchgearbeitet hast. Diese halb-balladenhaften, »plätschernden« Nummern, in denen der überaus überzeugende, gefühlvoll-sinnliche Ansatz von Sängerin Tina besonders zum Tragen kommt, gehen einem sofort ins Ohr. Sie könnten problemlos zu jeder Stunde im Radio laufen – in dieser Hinsicht hat die Band bereits die Tracks Klic und Ples zagrnjenih zaves als Vorabsingles getestet. Die Songs tragen das unverwechselbare Charisma der Band, das durch Tomis spezifisches Ausschmücken der Leitmotive mit Gitarrenharmonien definiert wird, die den Blues-Charakteristiken verschrieben sind – konkret durchdrungen vom Einsatz der »Slide«-Technik.
Der Opener Zbudi se ist eigentlich der einzige Uptempo-Track des Albums, der auf den Charakteristiken des Rock’n’Roll aufbaut. Der knackige Riff-»Drive« beider Gitarren hält den kompakten Klang der Hammond-Orgel zusammen, während das Rhythmusfundament in einen kokett-lebhaften »Groove« geworfen wird. Ein Track, der auf der Opener-Position des Albums hervorragend zündet. Überhaupt wird die rhythmische Kultur des Albums durch die Integration von Perkussion kräftig gestützt, die den Songs eine besondere Note verleiht. Die Band als Ganzes wirkt außergewöhnlich kompakt und souverän – man spürt, dass sich die Bandmitglieder einander schon sehr lange kennen und in allem als eine Einheit atmen. Das Album trägt eine außergewöhnlich warme, organische Produktion mit hoher Dynamik. Es pulsiert lebendig, als hätte die Besetzung es im Studio wie bei einem Konzertauftritt eingespielt. Die Bausteine des Klangbilds sind perfekt vereint und miteinander verwoben im musikalischen Körper der Band.
Ich kann festhalten: Der Wechsel vom Englischen ins Slowenische ist vollauf gelungen. Die Band hat mit dem neuen Album ihre unverwechselbare Handschrift bewahrt, ebenso den wiedererkennbaren musikalischen Charakter, der seine Inspiration aus dem Werk und dem Wirken von The Allman Brothers Band, Susan Tedeschi, Derek Trucks und auch Lynyrd Skynyrd schöpft. »Sved dovoljenih leži« markiert also eine Art Wendepunkt in der Bandkarriere. Die Songs zeugen von der reifenden kompositorischen Handschrift der Band, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem Schaffen alle Aufmerksamkeit des slowenischen Musikpublikums verdient.
Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 8.5 / 10
Tracklist:
1. Zbudi se
2. Črna kot noč
3. Samo dotik
4. Svet dovoljenih laži
5. Odpoved
6. Klic
7. Ples zagrnjenih zaves
Besetzung:
Tina – Gesang
Tomi Perinčič – Gitarre, Gesang
Andrej Barbič „Krt“ – Gitarre, Gesang
Mileta Grujić – Keyboards
„Sondža“ – Bassgitarre
Žiga Dobravc – Schlagzeug
Primož Malenšek „PimpS“ – Perkussion
GASTMUSIKER:
Neža Buh „Neisha“ – Keyboards auf Track Nr. 7
Nenad Patković – Keyboards auf den Tracks Nr. 2 und 6
Borut Perše „Hefe“ – Akustikgitarre auf Track Nr. 7
Mitja Novak – Lap-Steel-Gitarre auf Track Nr. 7