The Redemption of William Black
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Bayley, Blaze
Label: Blaze Bayley Recordings
Erschienen: 2018
Bewertung: 3/5
Auch der berühmte ehemalige Iron Maiden »Kreischer« Blaze Bayley gibt nicht nach. Hand aufs Herz: Ohne seine Präsenz auf der Rock’n’Roll- und Metal-Landkarte wäre die Welt um einiges langweiliger. Der Mann bleibt in allem, was er tut, nach wie vor verbissen und fokussiert. So fokussiert, dass ihm dieser neu entdeckte Ehrgeiz mehr schadet als nützt, denn all seine Ideen und sein Visionärdenken, die er auf neuen Werken realisieren will, übersteigen schlicht seine Möglichkeiten. Aber hier muss ich kurz innehalten. Wer die ersten drei Studioalben aus Bayleys Solokarriere kennt und dazu noch »The Man Who Would Not Die« und »Promise And Terror« zählt, weiß, dass dieser Musiker durchaus mit großem Können aufwarten kann.
Nun, dieses Können ist im letzten Jahrzehnt von Bayleys Karriere allzu oft abwesend. Nicht etwa, weil Blaze es nicht könnte oder draufhätte, oder weil ihm eine hervorragende Begleitband fehlen würde (sein Vorgänger „Endure And Survive“ ist ihm besser gelungen), sondern schlicht und einfach, weil Bayley um jeden Preis immer ein »etwas anderes« Album als sein Vorgänger abliefern will. Bei der Suche nach dieser Andersartigkeit verkomplizieren sich dann die Dinge ein wenig. So bleibt es nach wie vor unumstößlich klar, dass Bayley nur dann am besten ist, wenn er seinen kompositorischen Ambitionen aus der Iron Maiden-Zeit und der ersten Ära seiner Solokarriere zu 100 % folgt.
Zwar ist das neue Album »The Redemption of William Black« der letzte Teil der Science-Fiction-Trilogie »Infinite Entanglement«, also das Abschlusskapitel des Konzepts, das daher etwas mehr Feingefühl und Bedachtheit erfordert – doch führt das Folgen des Konzepts in einen neuen »experimentellen« Abweg. Bayley ist nämlich deutlich stärker, wenn er sich persönlicher Aussagekraft widmet. Wenn er am direktesten ist. Am wütendsten, verletzt, niedergeschlagen, beengt. Dann erreichen seine Werke auch den richtigen Griff von Düsternis und »metallischer Verdammnis«! Also. Besser, er kopiert sich selbst und seine Werke, die er mit Iron Maiden geschaffen hat, als dass er sich musikalischen Experimenten hingibt (einschließlich Vokalduelle, übermäßiger Rückgriff auf akustische Passagen usw…)
»The Redemeption of William Black« ist zwar ein solides Album, das jedoch ähnlich wie seine Vorgänger einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt – es hätte deutlich besser sein können. Das bestätigen bereits Eröffnung und Schlussteil des Albums. Gerade das Eröffnungsstück Redeemer und das abschließende Eagle Spirit sind die stärksten Momente des neuen Albums. Redeemer ist ein harter, aufgedrehter Opener – ein unaufhaltsamer Sturmlauf –, der natürlich an das erinnert, was Bayley bei Iron Maiden komponiert hat; und dasselbe gilt für die Mini-EP Eagle Spirit. Ersteres ist ein entfernteres Man on the Edge, Letzteres ein entfernteres The Clansman. Alles dazwischen ist stellenweise ungemein vielversprechend, fällt aber allzu oft wegen des Experimentierens in Mittelmäßigkeit ab. Bayleys Stimme ist äußerst spezifisch, und der Mann muss sich schließlich damit abfinden, dass ihm nicht jedes vokale Umfeld für eine optimale gesangliche Darbietung geeignet sein kann. Bayley greift dem Konzept entsprechend wieder auf fast narrative Gesangslinien zurück, bei denen die instrumentale Begleitung nahezu null ist. Und diese Momente zerhacken den Fluss des Werks. Sie nehmen ihm die Direktheit – also die Energie – und letztlich (leider) auch den angenehmen Hörgenuss. Und das ist auch auf »The Redemeption of William Black« keine neue Erkenntnis, sondern ein Kompositionselement, an dem der Mann seit Jahren krampfhaft festhält – während in Bezug auf Stimmigkeit und Kohärenz sowohl die atmosphärische als auch die druckvolle Energie der neuen Werke leidet.
Die Band, die Bayley begleitet, ist ausgezeichnet, und der Mann könnte aus den Qualitäten, die ihm damit zur Verfügung stehen, deutlich mehr herausholen, als ihm derzeit gelingt. Appleton ist ein fantastischer Solist, der Riffs äußerst geschickt mit dekorativen Terz-Harmonien ausschmückt. Der Mann hat ein außergewöhnliches Gespür. Doch in einem etwas anderen musikalischen Umfeld könnte Bayley aus seinen Gitarren-Eskapaden noch mehr herausholen. Warten wir also auf das nächste Album – und hoffen wir, dass es kein Konzeptalbum sein wird und dass Bayley darauf wieder mit dem unverfälschten Einsatz des Grundaxioms der „heiligen Schlichtheit des Kompositionshandwerks“ aufwartet.
Besetzung
Blaze Bayley – Gesang
Chris Appleton – Gitarre, Hintergrundgesang
Karl Schramm – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Martin McNee – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Chris Jericho – Gesang auf Track Nr. 6
Luke Appleton – Hintergrundgesang
Michelle Scariotta – Akustikgitarre, Hintergrundgesang, Erzählungen
Jo Robinson – Hintergrundgesang
Mel Adams – Hintergrundgesang
Liz Owen – Hintergrundgesang
Aine Brewer – Erzählungen
Rob Toogood – Hintergrundgesang
Produktion
Blaze Bayley & Chris Appleton
Trackliste
01. Redeemer
02. Are You Here
03. Immortal One
04. The First True Sign
05. Human Eyes
06. Prayers Of Light
07. 18 Days
08. Already Won
09. Life Goes On
10. The Dark Side Of Black
11. Eagle Spirit