What Happens Next
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Satriani, Joe
Label: Sony Music
Erscheinung: 2018
Laufzeit: 51:17
Bewertung: 4/5
Joe Satriani ist so eine Art Legende des Genres namens „Instrumentaler Gitarrenrock“. Der Mann, der fast Rekordhalter bei den Grammy-Nominierungen ist, ohne je auch nur einen davon bekommen zu haben, ist Anfang dieses Jahres fest entschlossen, uns mit seinem unverkennbar eigenwilligen Gitarrentemperament selbst mitten im Winter ordentlich einzuheizen – und meldet sich mit seinem insgesamt sechzehnten Studioalbum namens »What Happens Next« zu Wort.
Satriani hat sich entschieden, seinen Stil auf diesem Album wieder zu vereinfachen und zu seiner bekannten Elementarität zurückzukehren – oder, um es etwas „romantischer“ auszudrücken: in die Zeiten sorglosen kindlicher Naivität, wie sie auch der Rock’n’Roll einmal hatte. Ich kann mich nicht erinnern, dass Satriani im Studio jemals mit einer so reduzierten Besetzung neue Alben erarbeitet hätte. In seiner langen und reichen Karriere. Diesmal hat er nur zwei Musiker eingeladen, aber prominente Namen, die im weltweiten Rockmaßstab echte Schwergewichte darstellen. Glenn Hughes (Black Country Communion, solo, ex-Deep Purple, ex-Black Sabbath, ex-Trapeze) am Bass und Sатрianis Chickenfoot-Kollege und Schlagzeuger Chad Smith, allen besser bekannt als festes Mitglied der Red Hot Chili Peppers. Smith kennt sich auch mit Hughes sehr gut aus, da er mit Glenn an Glenns eigenen Studioalben mitgewirkt hat. Zwischen den dreien gibt es also keine Geheimnisse. Das Album entwickelt sich sehr natürlich, sehr entspannt, sehr aufrichtig. Hypermusikalisch – was bei Joe Sатрianis Gitarrenspiel ohnehin eine Konstante ist – doch diesmal hat Satriani alle Möglichkeiten des Experimentierens in seiner Autormusik beiseitegelegt.
Stimmt, der Mann sagt mit dem neuen Album nichts grundlegend Neues, aber »What Happens Next« wirkt unglaublich aufrichtig, wahrhaftig, authentisch, spricht mit sprudelndem Optimismus an, trägt echtes Sentiment unmittelbarer rockiger Feurigkeit und Glut. All das, was die musikalische Karriere dieses Gitarrengrandmeisters seit jeher auszeichnet und was die Waage immer zu seinen Gunsten ausschlagen lässt. Satriani hat auf den Stücken erneut verschiedene rhythmische Schlüssel ausprobiert, die das „typische Fahrgestell“ für neue Riffs bilden, wobei der Meister der Sechssaitentheorie wieder mit seinen spezifischen Gitarrenkapriolen begeistert, allen voran mit einem Haufen (sprichwörtlich schon fast obligatorischer Dosis) Whammy-Gewimmer. »What Happens Next« ist erneut ein bildhaftes und ideenreiches Werk, das ständig mit jener unverkennbaren Satriani’schen Haltung schelmischer Spitzfindigkeit kommuniziert, die sowieso Teil seines immer heiteren Charakters ist. Es gibt wieder viele Stücke. Wann wäre das bei neuen Satriani-Alben je anders gewesen? Ich will aber endlich präziser sein. Mit dem neuen Album nähert sich Satriani den Zeiten seiner Alben von vor zwei Jahrzehnten an, wie etwa »Crystal Planet«. Der stilistische Schwenk, den »What Happens Next« vollzieht, ist daher logischerweise näher an seinen frühen Studioarbeiten als an der Ära seiner beiden experimentell aufgewürzten Vorgänger (»Unstoppable Momentum« und »Shockwave Supernova«). Hier noch eine etwas pikante Einschätzung zur leichteren Orientierung: Das Album »What Happens Next« wäre für einen Musiker vom Kaliber eines Mike Keneally in spielerischer Hinsicht unglaublich, unglaublich langweilig. Sатрianis Gitarrensprache bekommt so eigentlich einen zu 100 % ausdrucksstarken Ausführungsraum für sein neues Statement.
Satriani bietet auf diesem Album also eine Palette von zwölf neuen Stücken, die rockmäßig pur komponiert sind, eine Note der Unmittelbarkeit bewahren und entsprechend mit dem Glanz heiliger rockiger Schlichtheit ansprechen. In dieser Hinsicht hat Satriani auch einen anderen Produzenten eingeladen. Das ist Mike Fraser, ein alter Bekannter von Satriani, genau vom erwähnten Album »Crystal Planet«. Der Gitarrensound ist dadurch wieder schärfer abgestimmt und sticht in der Produktion deutlich stärker im Klangbild hervor. Die Gitarre ist dicker, klanglich sozusagen zusätzlich „angefettet“, was dem Album eine Groove-Kinetik unmittelbarer rockiger Haltung und nahezu konzertanter Lebensfreude verleiht. Die Drums sind so schlicht gespielt, dass Satriani sie auch selbst hätte „einhämmern“ oder programmieren können. »What Happens Next« ist wieder so musikalisch wie möglich und geht sofort ins Ohr. Satriani bleibt unglaublich. Er bleibt stark fokussiert, verbissen engagiert bei der Umsetzung neuer Ideen und eines neuen Albums. An Dynamit mangelt es ihm nicht. Weder ideenmäßig noch kompositorisch. Über das Spielerische muss man keine Zeit verschwenden und keine Worte verlieren. Seine Fans haben das Album nämlich bereits zu Hause, noch bevor sie diese Rezension überhaupt im Netz gefunden haben.
Besetzung
Joe Satriani – Gitarre
Glenn Hughes – Bass
Chad Smith – Schlagzeug
Produktion
Mike Fraser
Tracklist
01. Energy
02. Catbot
03. Thunder High On The Mountain
04. Cherry Blossoms
05. Righteous
06. Smooth Soul
07. Headrush
08. Looper
09. What Happens Next
10. Super Funky Badass
11. Invisible
12. Forever And Ever