Enciklopedija človeka in soljudi
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Jus, Ksenija & Grm, Blaž
Label: Eigenproduktion
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 69:43
Bewertung: 5/5
»Enciklopedija človeka in soljudi« ist ein großangelegtes Werk und eines der ambitioniertesten Musikprojekte, die nicht nur im vergangenen Jahr, sondern überhaupt jemals auf der slowenischen Musikszene erschienen sind. Es handelt sich eigentlich um vertonte Poesie von Ksenija Jus, einer anerkannten slowenischen Künstlerin und Friedensattachée. Für dieses Projekt schloss sich ihr Blaž Grm an, der als vielschichtig ausgebildeter Musiker, Multi-Instrumentalist, Arrangeur, Komponist, Produzent, Designer und noch vieles mehr gilt. Vor uns liegt also ein inhaltlich außerordentlich starkes Werk, das durch die – man kann es durchaus so sagen – perfekte chemische Wirkung des kreativen Gespanns dieser beiden entstanden ist.
Die ganze Geschichte rund um dieses Album wäre bei weitem nicht so resonant, wenn die Botschaft der Poesie von Ksenija Jus nicht so viele wertvolle Erweckungsinformationen trüge, keine Sehnsucht nach Volksversöhnung besäße, nicht diese patriotische Note und dieses Gewicht hätte, diese sozio-ökologische Ausrichtung, die nach einer Wiederherstellung des Zusammenlebens im Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur (dem Planeten) strebt. Sind das in dieser neuen (verrückten) schönen Welt, die wir erschaffen haben, alles nur Wahnvorstellungen und Illusionen? Für diejenigen, die nur nehmen (jene, die „Licht aufsaugen“), definitiv schon, denn sie werden nicht auf das künstlich erschaffene »Blendwerk des Komforts« verzichten, in das sie uns selbst hineinziehen und von uns eigentlich verlangen, dass wir es für sie erschaffen und aufrechterhalten. Für die „Überlebenden“, die noch „Licht ausstrahlen“, sind die in Ksenijas Poesie festgehaltenen Gedanken hingegen eine selbstverständliche Realität, der es nicht nur wert ist, sich zu verschreiben, sondern deren Apostolat man auch zu folgen verpflichtet ist. Nur so werden wir uns selbst und die Generationen der Nachkommen erhalten – oder der Planet Erde beziehungsweise Mutter Natur wird uns für immer von der Oberfläche spülen. Diese Einleitung ist keine Philosophie – sie ist lediglich die Ankündigung, dass dieses Dokument in seiner Schwere ausgesprochen reichhaltiger Botschaften eine Lektion für die Irrwege der Menschheit und die Lüge ist, die wir zum »Wohl« einer Handvoll leben. Da seine Mission ein allgemeiner Weckruf für die Menschen ist, lohnt es sich, die Website www.xeniaius.si aufzurufen und dich eingehend auf das Abenteuer der 17 abgeschlossenen Geschichten einzulassen.
Ksenija und Blaž haben sich also entschieden, siebzehn von Ksenijas Gedichten zu vertonen – allerdings nicht so, dass sie alles selbst gespielt und gesungen hätten. Zu diesem Zweck riefen sie eine Schar anerkannter, geschätzter musikalischer Größen auf, die unser kleines Land zu bieten hat, und teilten ihnen ihre »Rollen« zu. Den Hauptteil der Aufmerksamkeit auf diesem Werk nimmt also die vokale Interpretation von Ksenijas Poesie ein. Der anspruchsvollste Teil der Rollen fiel also auf die Leadgesänge. Zu diesem Zweck wählten Ksenija und Blaž aus einem bewährten Pool von Musikinterpreten, die mit ihrer musikalischen Tätigkeit auf die eine oder andere Weise im Laufe der Zeit den slowenischen Musikraum unwiderruflich geprägt haben. Nicht deshalb, um zufällig auf Basis der Reputation und allgemeinen Beliebtheit der ausgewählten Vokalisten in den »Mainstream« des slowenischen Musikunterhaltungsparks vorzudringen, sondern aus dem einfachen Grund der hohen Qualität der etablierten Vokalakteure. Diese erwiesen sich als des vollen Vertrauens würdig. Durch die Poesie spürten sie einen Teil ihrer inneren Essenz und verschmolzen im Glanz der Wahrhaftigkeit einmalig mit dem Kern der Botschaften, die durch ihre Interpretation bezaubernd und äußerst überzeugend wirken. Ihre Aufgabe haben sie also mit Bravour erfüllt.
Obwohl es sich im Grunde um ein Pop-Album handelt, ist »Enciklopedija človeka in soljudi« ein Werk, das im genretechnischen Sinne facettenreich wirkt. Es verwischt auch die Genregrenzen. Vom kabarettistischen Chanson über rockig in den Vordergrund gestellte Gitarren und jazzartig bezaubernde Inhalte bis hin zu Weltmusik und Folk, dem man den geografisch unverkennbaren Melos nicht nehmen kann, der charakteristisch für die Sonnenseite der Alpen ist. Eine Mischung aus Melancholie und ewiger Sehnsucht. Eine altbekannte Geschichte, aber wieder einmal »verpackt« auf höchst einzigartige und unverkennbare Art. Slowenisch – slowenischer geht’s nicht.
Das Geflecht aus Leidenschaft und Emotionen des nachempfundenen Erlebens der Akteure bei der Interpretation der 17 Kompositionen ist voll von farbigen Übergängen – sonst könnte es nicht wirken. Die Poesie fordert das von der vokalen Interpretation schlichtweg. Deshalb ist dies ein Werk, das in seiner feinsinnigen arrangierenden und interpretatorischen Nachempfindung wirksam viele verschiedene Stimmungslagen erzeugt. Diese wiederum locken vielfältige Gefühle hervor, die sich letztendlich eigentlich im Hörer spiegeln, als echter Abdruck der durch Musik und Poesie vermittelten Information. Ein auf den ersten Blick schwieriges Konzept beziehungsweise ein facettenreicher gedanklicher Bissen, den Ksenija und Blaž in Zusammenarbeit mit den Musikern meisterhaft umgesetzt haben. Siebzehn Stücke, siebzehn separate Geschichten – inhaltlich klar spürbare Charismatik einer ausgefeilten künstlerischen Handschrift.
»Enciklopedija človeka in soljudi« ist ein außerordentlich schönes Musikwerk, das unaufhaltsam die Schönheit der emotionalen und spirituellen Reife beziehungsweise Intelligenz seiner zwei Schöpfer ausstrahlt. Es ist die Geschichte von uns allen. Eine Geschichte, die uns wachrüttelt, mit Energie füllt, erleuchtet und die Herzen klärt. Ein Album, das aufweckt, und ein Album voller lebensnotwendiger Wegweiser, damit wir unsere Lebensprinzipien vereinfachen, uns von den Fesseln der Versklavung an den Materialismus befreien und im originellen Unikat unserer Berufungen erstrahlen. Berufungen, so viele, wie es uns (guten) Menschen gibt.
Besetzung
Rudi Bučar – Gesang, Akustikgitarre
Irena Preda – Gesang
Sergej Ranđelović – Runjoe – Gesang, Begleitgesang, Maultrommel
Eva Hren – Gesang
Damjan Zorc – Gesang
Katja Stare – Gesang
Drago Mislej „Mef“ – Gesang
Severa Gjurin – Gesang
Tone Kregar – Gesang
Pavel Kavec – Gesang, Gitarre
Katja Stare – Gesang, Begleitgesang
Simona Kropec – Gesang
Jani Kovačič – Gesang
Mojca Krevel – Gesang
Anika Horvat – Gesang
Žiga Murko – Gesang, Posaune
Melee – Gesang
Tinkara Kovač – Gesang
Vanja Novak – Keyboards
Marko Brdnik – Akkordeon
Robi Pikl – Gitarre, Begleitgesang
Andraž Mazi – Gitarre
Klemen Kotar – Bassgitarre, Saxofon, Klarinette, Flöte, E-Piano
Blaž Grm – Schlagzeug, Perkussion, Keyboards, Klavier, Bassdrum, Gitarre, Begleitgesang
Ksenija Jus – Begleitgesang
ŽPZ Kombinat – Begleitgesang (Chor)
Produktion
Blaž Grm
Trackliste
1. Sence vzporedenega sveta (Gesang Rudi Bučar)
2. Planet hrepenenja (Gesang Irena Preda)
3. Mavrična cesta (Gesang Sergej Ranđelović – Runjoe)
4. Le jaz letim (Gesang Eva Hren)
5. Pir za mir (Gesang Damjan Zorc)
6. Ne ni prav (Gesang Katja Stare und Sergej Ranđelović – Runjoe)
7. Moji ljudje (Gesang Drago Mislej Mef)
8. Kot trenutek (Gesang Severa Gjurin)
9. Električne noči (Gesang Tone Kregar)
10. Na odru življenja (Gesang Pavel Kavec und Katja Stare)
11. Najin zadnji ples (Gesang Simona Kropec)
12. Zlatopat (Gesang Jani Kovačič)
13. Poglej v temo (Gesang Mojca Krevel)
14. Morda te srečam (Gesang Anika Horvat)
15. Človeško blago (Gesang Žiga Murko)
16. Moram stran (Melee)
17. Svoboda novega dne (Gesang Tinkara Kovač)