Away (EP)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Vagabunda
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 11:10
Wertung: 4/5

Hinter dem Namen Vagabunda »versteckt sich« ein Duo aus zwei erfahrenen und abgebrühten slowenischen Musikern. Vagabunda ist ein akustisches Duo! Die Chemie hat gestimmt, und die lebhaften Energiefunken, die zwischen den beiden Mitgliedern des Duos zu überspringen begannen, ließen sich nicht mehr aufhalten! Die Rede ist von Jure Jurca und Matevž Pavčnik. Die beiden Jungs mit einer echten musikalischen Bilanz – sie haben durch Studioveröffentlichungen der Bands Chaosstar und Mit sowie durch Auftritte bewiesen, dass es ihnen an Talent und durchdringender Kreativität nicht mangelt –, veröffentlichen nun also das erste offizielle Studiodokument des Duos Vagabunda.

Obwohl die Kombination der beiden Gitarristen bei Konzerten auf Reinterpretationen von Rock- und Metal-Klassikern im akustischen Gewand ausgerichtet ist, ist das noch schönere Faktum, dass die beiden Kerle gleichzeitig eigene Musik schaffen. Das Ergebnis davon ist das EP namens „Away“. Da die Jungs Perfektionisten sind, haben sie sich beim Konzipieren der EP wirklich voll reingehängt und an jedes Detail gedacht. Also machten sie sich auf den Weg zu besonders feinfühligen Produzenten – und zwar direkt ins Studio Evolucija im Rudnik-Stadtteil Ljubljanas zu Simon Jovanovič (Unspoken, ex-Prospect) und Alan Gregorin (Roadkill BBQ studio), um drei Songs  auf Band  zu bannen, die eine Trilogie der vollständigen Geschichte namens »Away« bilden.

Der Druckfehlerteufel hat dabei allerdings etwas mitgemischt und die Reihenfolge der Songs auf dem EP durcheinandergebracht. In der MP3-Reihenfolge steht Long Forever an erster Stelle, korrekt müsste das EP aber mit Morning Coffee eröffnen. Nehmen wir also die richtige Reihenfolge der Songs: 1. Morning Coffee, 2. Long Forever und 3. Slowly Waiting.  Die drei Songs geben einen vollständigen Einblick in die musikalische Wahrnehmung des Duos. Das Album eröffnet nach einem erweckenden Prinzip, unterstützt  vom rhythmischen Puls einer Folk-Polka, zu der auch ein Tontopf-Bass hervorragend passen würde, wenn das einleitende Morning Coffee erklingt (Morning Coffee enthält im Mid-Eight-Abschnitt ein Solo, das in einer anderen Geschichte einen sinnvollen Anschluss an Flamenco-Erzählungen bilden könnte). Ein verschmitzt verspielter Song mit optimistischem Feuer, der aus dem morgendlichen Sehnen nach den Idealen entsteht, zu denen das Herz ruft – doch die Schablonen des Alltags entfernen einen in der harten Realität natürlich schnell von den Träumen. Der Song trägt eine potenzielle MTV-Tauglichkeit, schon allein wegen der aktuellen Schwemme verschiedenster »banjo indie rock«-Bands, die momentan ordentlich abkassieren.  Im instrumental verlängerten Intro von Morning Coffee macht das Duo auf außerordentliche Virtuosität aufmerksam, die eine weitere wichtige Seite der Vagabunda-Geschichte enthüllt – sie verweist sogar auf den Prog-Metal-Hintergrund von Jure Jurca. Der Song macht als Ganzes in seiner Form sofort klar, dass hinter diesem Projekt zwei ausgereifte Musiker stehen, die genau wissen, wie man Dinge im Studio und arrangierungstechnisch angeht, damit das Duo sein expressives Optimum erreicht.

An zweiter Stelle folgt Long Forever, das in den Phrasen fein mit verzertem Sound kontrastiert wird. Eine Würze also, die die sonst dominante Rolle des akustischen Portfolios des Duos sinnvoll einfärbt. Sicherlich hat der erfahrene Jovanovič den Songs hier ideenmäßig geholfen, in der Kontrastierung der Arrangements das Tüpfelchen auf das »i« zu setzen und damit zur Gestaltung einer angenehmen Welle von Stimmungszuständen durch das EP beizutragen. Neben dem bereits erwähnten verzerrt surrenden Klangbeiwerk,  kommt noch ein Synthesizer-Vorhang hinzu, der irgendwo  in der zweiten Hälfte desselben Songs einschleicht und zum Aufbau des theatralischen Dramas im Ausklang des Songs beiträgt.

Alle drei Songs besitzen auch eine organisch kompatible rhythmische Federung, die meistens einfaches rhythmisches Klopfen auf Holzobjekte umfasst (meistens auf den Gitarrenkorpus). Da beide Musiker dem Purismus des »Organischen und natürlich klingenden Akustischen« verschrieben sind, wurden auch die Vocals in einem Zug eingespielt, während die Gitarren dabei einen kernig atmenden, warmen und tiefen, natürlichen Glanz tragen – wobei das Holz der Gitarren der Marken Takamino und Yamaha natürlich Wunder wirkt!

Slowly Waiting trägt die meiste theatralische Dramatik dank des Melos im Refrain-Motiv. Auch hier holt das Duo das musikalische Optimum einprägsamer Eingängigkeit heraus. Angeblich entstanden die Keimzellen der Songs in der Zeit, als Jure für Chaosstar »im Dienst« war, doch zu ihrer Realisierung kam es nie. Besonders die Refrains könnten mühelos die Form eines der potenziellen Songs seiner ehemaligen Band bilden. Slowly Waiting besitzt einen Übergang, der ein »umverpackter« Übergang in den RHCP-Evergreen Under the Bridge ist. Diese Zuneigung, die sich im Hintergrund der Essenz des Songs Slowely Waiting entfaltet,  zur Figur und zum Werk einer der markantesten Bands, die die Rockgeschichte der Neunziger hervorgebracht hat und die mit ihrem Erscheinen auf der Szene die Neunziger mitdefiniert hat,  ist in den Teenagerjahren zu suchen, die beide Mitglieder des Duos in den Neunzigern erlebt haben. Das ist die Zeit, in der du am empfänglichsten für den aktuellen musikalischen Puls bist, der dich auch persönlich prägt.  Jeder von uns trägt einen Satz solcher Bands in sich, bei denen die Gefühle immer wieder aufwallen, wenn man auf diese Bands stößt. Noch lange, nachdem du die Teenagerjahre längst hinter dir gelassen hast!

Vagabunda haben dieses EP in Form eines USB-Sticks veröffentlicht, der sich mit einem echten Unikat rühmen kann. So wie ihre Musik ein Unikat ist. Der Holz-Stick steckt in einem hölzernen Schächtelchen. Holz verleiht dem Klang von Vagabunda seine charakteristische Farbe – wir sprechen von der Organik des Holzes als Material, das für die Klangerzeugung eines Instruments wie der Folk-Gitarre essenziell ist. Deshalb könnte diese Idee für die gewählte Verpackung  des USB-Sticks auch gar nicht besser zur musikalischen Visitenkarte des Duos passen. Dieser Schritt bringt auch eine kleine Revolution auf die Szene, was zeigt, dass Vagabunda auch dort innovativ agieren. Diese Idee kann anderen Künstlern in Slowenien als nützlicher Wegweiser dienen, wie man Dinge so attraktiv und effektiv wie möglich angeht und dabei finanzielle Belastungen vermeidet.

»Away« ist ein außerordentlich mutiger und schöner Auftakt der Geschichte von Vagabunda. Dem wird ein Studiodebüt folgen. Das EP ist ein Dokument, das die künstlerischen Besonderheiten des akustischen Duos Vagabunda wirkungsvoll ankündigt – eine schöne Wegzehrung für die zukünftigen künstlerischen Unternehmungen des Duos. Das Dokument ist wunderschön getragen von einem Hauch Virtuosität sowie arrangierter Kompaktheit, eingeschrieben in das kühne Gespür des Duos für beständige musikalische Greifbarkeit. 

Besetzung

Jure „J.J.“ Jurca – Gesang, Gitarre
Matevž Pavčnik – Gitarre 

Produktion

Vagabunda

Tracklist

1. Morning Coffee
2. Long Forever
3. Slowly Waiting 

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