Rock n‘ Roll Animal

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Gene the Werewolf
Label: Frontiers Records
VÖ: 2012
Laufzeit: 40:18
Wertung: 3.5/5

Gene the Werewolf, das Pittsburgher Quintett notorischer Glam-Sleaze-Rocker, haut mit seinem Debüt »Rock N‘ Roll Animal« auf den Tisch. Offensichtlich hat die Phalanx skandinavischer Bands nach ein paar Jahren des schrankenlos anrollenden Revival-Lawine ihren Stempel aufgedrückt – eine Lawine, die eine Menge Bands mit erstklassigen Musikern in den Reihen hervorgebracht hat, die zwar nichts Neues erfinden, aber authentisch und aufrichtig in ihrer Neubelebung der großen Tage des Sunset Strip sind. Auch die USA erwachen (wieder).

„Rock N‘ Roll Animal“ ist ein unverhüllter Spaziergang durch das Erbe einer Mischung anrüchiger »party time«-Bands, von denen jede mit ihrem lärmigen Auftreten einen wichtigen Stein zum Aufbau der Sleaze-Glam-Szene beigetragen hat – angefangen bei der Wucht von Kiss (Firecracker) und Mötley Crüe; der gesamte Track Light Me Up zieht mit seiner Vokalharmonisierung und den Refrainmelodien unverhohlen Richtung Def Leppard, und die Schlichtheit des Gitarrenriffs liebäugelt immer wieder mit der Elementarität von AC/DC (der Titeltrack).

An unterhaltsamer Schelmerei fehlt es dem Album also nicht, doch schleicht sich auch eine willkommene Note gesunder Luzidität ein, die Parallelen zu The Darkness weckt – nicht nur in den Texten, sondern auch in den Vokallinien der tragenden Refrainmelodien sowie der (gelegentlichen) rustikalen Unterstützung eines Honky-Tonk-Klaviers, wie etwa in Ruffneck Woman (man hat das Gefühl, der Refrain könnte in der Bridge jeden Moment in Crazy Crazy Nights von Kiss kippen); besonders eng an The Darkness angelehnt sind dagegen die Vokallinien in Heart Of Steel und I’ve Got The Love. The Ballad Of Gene hingegen zieht mit etwas mehr eingefangener Symphonik und betonten Keyboards provokant genau das in seinen Ausdruck, was etwa The Darkness aus dem Ausdruck von Queen schöpft,

In erster Linie sind Gene the Werewolf so überzeugend wegen der exzellenten Gesangsperformance von Sänger Jon Belan (keinerlei Verwandtschaft mit dem mediterran-gefälligen Zuckersüß Neno Belan). Der Mann haut mit giftigem Feuer durch das Vokalregister und führt die Interpretation mit entschiedener Überzeugung und der hochansteckenden Autorität eines vollen melodischen Potenzials. Logisch, dass die Kombination aus einem stampfenden Pomp-Beat, gestützt von einem schlicht-treibenden Riff, zusammen mit  solcher Vokalpower augenblicklich ansteckend wirkt.

An erstklassigen Gitarrenmomenten mangelt es dem Album keineswegs. Von der durchdringenden Untermauerung der Songs mit exzellenten improvisierten Gitarrenparts, denen die echte Durchblutung mit treibender Solopassion nicht fehlt, bis hin zu den einfallsreichen Lösungen in den Übergängen, die mit dem richtigen Maß an gitarristischem Ornament dosiert sind (Give It Up). Mit Gene the Werewolf ist also nicht gut Kirschen essen. Sie überzeugen in ihrer bezaubernden Ansteckungskraft!

Gene the Werewolf sind exzellente Musiker, die in ihrem Handwerk genau wissen, wo ihr Platz des wirkungsvollen Exzesses liegt – und in dem sie vollblütig überzeugen. Der dreckige Rock-n‘-Roll-Riff, mit einem Pflaster aus punkiger Gleichgültigkeit und einer Fülle melodischen Pomp-Zuckers, wird euch bis zur Bewusstlosigkeit betäuben. Ein allgemein gefälliges Produkt – auch wenn wir all diese Riffs schon einmal gehört haben. Aber in den richtigen Händen zünden sie stets überzeugend. Die Frage ist nur, ob für Gene the Werewolf nicht schon alle Züge des Glam-Sleaze-Rock-Revivals abgefahren sind. Lass der Zeit ihre Zeit.

Besetzung

Jon Belan – Gesang, Gitarre
Drew Donegan – Gitarre
Aaron Mediate – Keyboards
Nick Revak – Schlagzeug
Tim Schulz – Bassgitarre, Hintergrundgesang

Produktion

Jamie Woolford

Trackliste

1. Wicked Love
2. I Only Wanna Rock N Roll
3. Superhero
4. Heart Of Steel
5. Rock N Roll Animal
6. I’ve Got The Love
7. Ruffneck Woman
8. Light Me Up
9. Firecracker
10. Give It Up
11. The Ballad Of Gene

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