A Million Faces 20 HIts – 10 Years

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Künstler: Watershed
Label: EMI Records
Erschienen: 2010
Laufzeit: 88:34
Bewertung: 2.5/5

Man würde sich wünschen, dass die Südafrikaner Watershed eine intelligente Art Allegorie auf das gleichnamige Album der schwedischen experimentellen Prog-Metal-Heroen Opeth wären. Träum weiter, Schatz, aber bitte in einem anderen Film.  Nach 4 Alben kassieren die kosmetisch aufpolierten Leichtrocker und Jungs mit tadellos gestylten Frisuren bereits ihre erste Best-of-Kompilation. Wie fliegen die Jahre! Früher hatten Bands in 10 Jahren bis zu 8 Alben rausgehauen und bekamen dann ihre erste Kompilation. Die Zeiten haben sich geändert, beim Geld geht man seit einem ganzen Jahrzehnt schon viel lieber auf Nummer sicher. Kreativität ist unerwünscht, weil sie das Investitionsrisiko erhöht. Watershed sind ebenfalls ein Produkt dieser verheerenden „Auf-Nummer-sicher“-Politik der Labels. Hier findet sich weniger Originalität, als ein Frosch Federn auf dem Kopf hat. Und trotzdem werden sie belohnt. Sie sind Stars unter dem Dach von EMI Records, mit einem Sack voll Hits. Wenn das gerecht ist, soll mich der Blitz auf der Stelle treffen.

Leicht orientierter Gitarrenrock mit wunderschönem Jungsgesang. Alles schön verpackt und zurechtgestutzt, damit ja nichts aus den Normen des Konformismus heraussticht. Die Band wurde 2002 auch in Deutschland mit dem Hit Indigo Girl bekannt, und seitdem sind Watershed, neben dem Erfolg in der Heimat, auch eine europäische Band geworden. Wenn man sich ähnliche deutsche Bands anschaut, aber mit deutschen Texten, wird es logischer, woher der Watershed-Erfolg in Deutschland kommt.

Die Songs auf der Kompilation sind nach Entstehungszeit durchgemischt. Sie folgen nicht der chronologischen Reihenfolge der Albumveröffentlichungen. Interessanterweise sind zwischen ihnen in Arrangement und Stil kaum große Unterschiede auszumachen. Sie sind in eine vorhersehbare Struktur gegossen, in der die Grundmotive auf 4–5 Akkorden basieren. Die Trivialität des Ausdrucks unterstreicht die vorhersehbare Kombination schöner Dur-Motive, die die dominante Stellung einnehmen. Interessant ist zum Beispiel, dass der brandneue Song A Million Faces (der Titelsong), der in jüngster Zeit entstand, sich kaum von Shine On Me vom Studio-Debüt aus dem Jahr 2002 unterscheidet. Der Gesang ist anspruchsvoll und wie in die Form der Songs gegossen. Etwas leidend, etwas jammernd, ein bisschen die Rolle des zerrissenen Herzens spielend –  so kommt er am besten bei den blindgläubigen Fangirls an, die ihren ersten Ausflug ins Nachtleben ohne Elternaufsicht gewagt haben.

Am Ende der zweiten Scheibe befinden sich zwei Songs, die von Live-Auftritten stammen. Der erste ist eine Reprise des Mega-Hits Indigo Girl, der dazu beigetragen hat, den Namen Watershed auf die Weltkarte zu setzen. Er trägt in seiner zweiten Hälfte einen ausgedehnten, lebhaft rockigen Instrumentalteil, der darauf aufmerksam macht, dass sich hinter dem Namen Watershed exzellente Musiker verbergen, hinter denen auch eine lange Jam-Geschichte steckt und nicht nur kosmetisches Pudern mit dem Ziel, die Massen zu bedienen.

Der zweite der beiden Live-Songs ist United By The World. Der ist komplett neu und zeigt, dass Watershed auf der Bühne deutlich härter und rockiger aufgedreht sind, als die polierte Studioalbum-Produktion vermuten lässt. Das vorhersehbare und altmodisch verpackte Bild der Hits braucht dringend solche Energieschübe.

Ich nehme kein Blatt vor den Mund: Watershed sind gute Musiker. Deutlich besser, als das Studio es zeigt. Die Songs sind schön strukturiert, haben erkennbare und ausgereifte Hauptmotive sowie ein angemessen dosiertes Arrangement-Geflecht, besonders im Zusammenspiel von begleitendem Gitarren-Teppich und Keyboards. Aber mit kaum oder gar keiner kreativen Ader, die irgendeiner artistischen Besonderheit des Watershed-Contents Kontur geben würde.

Die drei neuen Tracks dämpfen also zumindest ein kleines bisschen das Gefühl, dass „A Million Faces 20 Hits – 10 Years“ eine neue Melkkuh ist, auch wenn der Hintergrund bekannt ist. Aber auch das wird wahrscheinlich die Massenentlassungen bei EMI Records nicht aufhalten. Persönlich bin ich der Meinung, dass Best-of-Kompilationen von Bands, die es in vier Studioalben zu keiner grundlegenden Selbstevolution bringen, Sand in den Augen und ein perfekter Marketingtrick sind – der im Fall einer Band wie Watershed das Geld aus den Taschen schwärmender Teenagerinnen fischt, denen die Hormone gehörig den Kopf verdreht haben. „A Million Faces 20 Hits – 10 Years“ ist eine Kompilation strikt für Fans der Band. Die mit Platin und unzähligen Preisen als heißeste Band des Erdballs dekorierten Watershed laden sie also erneut ein, wegen drei neuer Songs in die Tasche zu greifen. Alles zum Wohle der korrupten Label-Politik à la EMI Records. Der große Tag für die Kultur und den Aufstieg des Rocks ist also da. Ihr glaubt’s doch selbst nicht, oder?

Besetzung

Craig Warren Hinds – Gesang, akustische Gitarre, Klavier, Mundharmonika
Nic Rush – Gitarre
Hylton Brooker – Keyboards
James Sunney – Bassgitarre
Peter Auret – Schlagzeug

Trackliste

CD1.:
1. The World Needs You*
2. Indigo Girl
3. Breathing
4. Shine On Me
5. Letters
6. A Million Faces*
7. Live Another Day
8. Southern Cross
9. Close My Eyes
10. Love It
11. Thank You

CD2.:
1. Train Ride
2. Lovely Day
3. Angel
4. Crazy
5. Yesterday Again
6. Future Sunshine
7. Fine Way
8. In The Meantime
9. Closing Down
10. United By The World* (live)
11. Indigo Girl (live)

*… neue Songs

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