Boss Tweed

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Künstler: Boss Tweed
Label: Waterproof Records
Release: 2005

Das Debüt der Brooklyner Boss Tweet gehört zweifellos zum stark unterschätzten Katalog der aufregenderen Veröffentlichungen der letzten paar Jahre. Das Album, vorhersehbar schlicht Boss Tweet betitelt, ist nämlich ein für die Ohren äußerst freundlicher musikalisch-chronologischer Ausflug zweier gestandener Kater und einer sympathisch naiven Katze namens Carolyn Sills. Die Besonderheit der Band ist – zur Enttäuschung so mancher musikalischer „Kenner“ – nicht in der Physiognomie des ersten Halses von Boss Tweed zu suchen (hoppla, die Kleine zupft nebenbei auch noch den Bass!), sondern ausschließlich in der anziehenden Spontaneität des eigenen Ausdrucks, der im Kern direkt aus den düsteren Wurzeln der schwarzen Musik schöpft, vor allem aus Blues und Soul.

Boss Tweed ist das Debüt eines sympathischen Trios, dessen instrumentale Lebendigkeit vor allem als Folge des unvermeidlichen weltanschaulichen „Konflikts“ zwischen der Altbackenheit des Gitarre-Schlagzeug-Gespanns Egan/Reed und dem zeitgenössischen Gesangsbeitrag der unverbesserlichen Carolyn zu verstehen ist. An Aufregung mangelt es hier also garantiert nicht! Zwischen dem breiten Ambient-Spektrum des Openers 12th Street und dem abschließenden Adrenalin-Boom von Goes Like Nothing gibt es nämlich keinen Song, der im Groben nicht an die schon so oft gehörte, aber trotzdem noch unbesungene Kreuzung aus weichem Jazz, Soul und zeitweise sogar Country mit der scheinbar unvereinbaren Rohheit des Sumpfblues erinnern würde. Ob nun die Raffinesse des Ersteren oder die urwüchsige Würze des Letzteren – Carolyns glasklare Stimme sorgt stets für die Ausgewogenheit der gegenseitigen Kommunikation, die auf den Flügeln aufregender Genre-Vielseitigkeit jede Menge Gründe für zusätzliche Zufriedenheit liefert.

Wie bei solchen Genre-Eintöpfen heutzutage üblich, zeichnet sich auch Boss Tweed durch eine außergewöhnlich polierte Produktion aus; manchmal wirkt sie vielleicht sogar ein bisschen zu aufgehübscht. In dem Sinne würde dem Trio ein Hauch mehr spontane Zügellosigkeit sicher nicht schaden. Zum Beispiel Pretty Violent, eine hochkalorische Hormon-Zusammenstellung aus Rockabilly und Blues, verlangt zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse sichtbar viel mehr, als ihr die Engelhaftigkeit der Sängerinnenstimme im Moment zu geben imstande ist. Die entstandene Situation verrät unfreiwillig die ganze Funktionalität von Boss Tweet, die komplett auf dem außergewöhnlichen Gerard Edgan ruht. Oft scheint es, als bräuchte es für den großen Knall der Sinnlichkeit im Gitarrenspiel bloß einen handfesteren Griff um die vitalen Apparaturen des Jungen, wozu Carolyn offenbar nicht genug Mut aufbringt. Oder Onkel Gerard kapiert sie einfach nicht! Natürlich ist es wieder eine andere Frage, wie sich die Sängerin in so einem Umfeld zurechtfände, denn nach den überdurchschnittlichen Cleanin‘ Upsa Ditty und Then It Hits You hält sich die Kleine durch das fantastische Hellbent kaum noch im Sattel. In dem Sinne scheint der sogenannte Mittelweg, den der Großteil des Albums einschlägt, angeführt von der Weichheit von Done Wonders, noch am passendsten. Zu streng mit Carolyn dürfen wir aber auch nicht sein. Ihre neuzeitlichen Soul-Griffe färben die Aussage der Band nämlich ständig mit kontrastreich scharfen Stimmungsnuancen, die den Songs mit der heiteren Befragung von Gerards antiken Innovationen einen altmodisch geheimnisvollen, aber doch bis zu einem gewissen Grad trendigen Glanz verleihen. Eine aufregende Begegnung von Alt und Neu.

Besetzung

Carolyn Sills: Gesang, Bass
Gerard Egan: Gitarre, Gesang
Eric Reed: Schlagzeug

Produktion

Boss Tweed

Tracklist

1.GWB
2.12th Street
3.Pretty Violent
4.Done Wonders
5.Real Good Sell
6.Then it Hits You
7.Cleanin‘ Upsa Ditty
8.After Awhile
9.Hellbent
10.Self Made Man
11.Pontchartrain
12.Goes Like Nothing

Spielzeit: 40.40

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