bHC

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Künstler: BHC
Label: Multi Records
Veröffentlichung: 2008
Bewertung: 3/5

BHC, die aufstrebenden Youngster aus Novo Mesto, pflegen ihren musikalischen Ausdruck auf den Grundpfeilern von Funk, Rock, Soul, Blues und ihr werdet es nicht glauben. Punktuell eingestreute, schwerere, metallisierte Riffs, vor allem in den Kernen der Refrains, auf der einen Seite, dazu als Kontrast ein sattelfestes Kokettieren mit leichtem (sogar tanzbarem) Pop-Rock auf der anderen. Der Mix kennt aber auch sanfte Jazz-Experimente in den Übergängen oder in den instrumentalen Mittelteilen der Songs.

Die Jungs beherrschen ihre Instrumente technisch aus dem Effeff und haben außerdem ein Gespür dafür, klar erkennbare Motive zu bauen, die dem Hörer mühelos unter die Haut gehen. Der Kern des Ganzen ist ein verführerischer Funky-Groove-Charme in den Grundrhythmen, der sich über die komplette Laufzeit des Albums „bHC“ hinweg hält.

Die Gitarre bedient sich aller möglichen Tricks, von überwiegend halbakustisch cleanem Dribbeln von Funk-Akkorden über wuchtige Metal-Riff-Wände bis hin zu ruckartigem Wah-Wah, das dem erwähnten „Groove“-Charme noch mal ordentlich was draufpackt. Die Basslinie ist melodisch, forschend und – im Zusammenspiel mit dem witzigen Schlagzeug – dick in den Vordergrund gemischt, produktionstechnisch sauber abgetrennt, und pulsiert so intensiv durch die Klangkulisse.

Der Gesang ist clean, weich, mit passender Klangfarbe, ohne irgendwelche extravaganten, deliriös kreischenden Ausraster. Im Gesang steckt noch einiges an Reserven. Entscheidend ist nämlich, wohin die Band in Zukunft steuert. Bleiben sie auf dem Level des Debüts „bHC“, ist der Gesang völlig ausreichend. Bewegt man sich in härtere oder experimentellere Gewässer, braucht es auch im Gesang mehr Energie und Variabilität, dazu den Wechsel auf ausschließlich englische Texte. Aber das sind alles nur Andeutungen, Andeutungen, Andeutungen, wenn die Zwiebel eine Beule wär… kommen wir lieber zum Wesentlichen!

BHC schaffen eine reizvolle Balance beim Verschmelzen ihrer musikalischen Einflüsse, die ausgesprochen gut reinläuft und für den Hörer trotzdem die ganze Zeit spannend bleibt. Als grobe Orientierung werfe ich mal Living Colour und T.M. Stevens Shocka Zooloo in den Raum. Wo diese beiden Namen fallen, könnt ihr sicher sein: Die Gitarre macht keinen Hehl aus ihren Jimi-Hendrix-Einflüssen, nur steckt der hier im Tarnanzug des neuen Jahrtausends. Die Band webt leise ihre Fäden und steigert die Stimmung in den Vorrefrains dynamisch, und baut so die Sprungschanze für ihre Ausbrüche in den Refrains, die auf dem Album dann auch erfolgreich dem Grundgedanken und Wunsch trotzen. Bravo. Die Texte befeuern die musikalische Saftigkeit, die Funk und Blues im Rock-Schuhwerk mitbringen. Sie berühren Erotik, hübsche Mädels, Bettgeschichten, Nachtleben… Klar, BHC sind keine eingebildeten „Stallions of a Highway“-Glam-Rock-Helden. Sie sind in ihrem Ausdruck da deutlich subtiler, aber unnachgiebig. Wenn sie im echten Leben auch so erfolgreich spöttisch, witzig und ausgelassen sind wie in ihrer sexgetränkten Predigt auf dem Album, kann ich ihnen nur gratulieren!

Die Songs haben keine Highlights, die ich besonders hervorheben würde. Sie sind gleichwertig, motivisch abwechslungsreich, kompositorisch auf überdurchschnittlichem Niveau (vor allem für slowenische Verhältnisse), und BHC beweisen damit, dass sie nicht bloß eine weitere Band sind, sondern mit ihrem Debüt zeigen, dass am slowenischen Horizont eine neue Energie aufgetaucht ist, wie wir Slowenen sie noch nicht hatten. Die hat Talent, Witz, kreative Ideen und Inspiration, die den BHC-Karren in seiner Entwicklung noch verdammt weit bringen können. Der künstlerische Ausdruck der Band, der all die genannten Einflüsse vereint, gibt ihr breiten Spielraum, sowohl im aktuellen Schaffen als auch in der langfristigen Entwicklung. Wie gesagt: kurz, knackig und rund, subtil gekreuzt mit Kniffen aus der anspruchsvolleren Branche, was BHC das Vorzeichen intelligent, besonders und reizvoll verpasst. Das gilt für alle Ladys, die auf süßen Gesang und Tanzrhythmen stehen, für alle, die sofort Feuer und Flamme sind, und für Musikpuristen, die gern unter die Haut gehend das sublunare Niveau unseres Daseins sezieren. BHC sind ein Prachtstück, das ideal wäre, um einen gesunden (wann endlich?) gesamtslowenischen Rock-Mainstream aufzubauen, der heutzutage ziemlich traurig lächerlich, unoriginell und voll von “Copy-Paste“-Klonen ist.

Besetzung

Jernej Darovec – Gesang
Borut „Hefe“ Perše – Gitarre
Uroš Turk – Bass
Jaka Darovec – Schlagzeug

Produktion

Miha Arnuš – Arni

Tracklist

1. Sladko(r)laže mi
2. Night Bird
3. Muza
4. Rdeče oči
5. Dah
6. Mene glej
7. Manifest
8. Twisty Mixer
9. UI
10. The Contemporary Love Ballad
11. Shagland
12. San san

Albumlänge: 46.01

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