Duran Duran – Die Wild Boys übernehmen die rappelvollen Križanke (2012)
Location: Ljubljana / Križanke / Slowenien
Datum: Samstag, 14.07.2012
Duran Duran ist ein Name, der auch heute noch bei vielen Musikfans starke und sprühende Emotionen auslöst. Mit einer Phalanx von Hits wie »The Reflex«, »Hungry Like The Wolf«, »A View To a Kill«, »Notorious«, »Rio« und »Wild Boys« – um nur einige zu nennen – sowie über hundert Millionen verkauften Platten können sich diese New-Romantic-Legenden zu Recht den Titel der ultimativen Pop-Rock-Band der Achtziger auf die Fahnen schreiben. Dabei brauchen die britischen Meister des musikalischen Glamours und der New-Wave-Sensibilität, die im Gegensatz zu ihren ‚Kameraden‘ Spandau Ballet – die 1987 gleich zweimal bei uns auftraten – nun zum allerersten Mal bei uns zu Gast waren, eigentlich gar keine pompöse Vorstellung. Davon zeugten am besten die Legionen von Musikgourmets und etwas weniger verbissenen Konzertbesuchern, die sich inmitten der Ljubljaner Križanke eingefunden hatten, angeführt von Vierzigjährigen, denen beim Anblick von Simon Le Bon noch immer das Herz schneller schlägt. Die Križanke platzten schon vor dem Auftritt der ‚Wild Boys‘ auf der Bühne aus allen Nähten – dank einer bewundernswert großen Schar von Liebhabern qualitätsvollen Pop-Rocks, was bei uns sonst nur passiert, wenn ein Halid Bešlić oder Dino Merlin vorbeischaut.
Der Abend schien geradezu ideal für das Wiederaufleben der Achtziger-Nostalgie: Duran Duran hatten neben den Hits ihres aktuellen Studioalbums »All You Need Is Now« (2011) wie üblich in den letzten Jahren auch eine Sammlung ihrer größten Hits parat. Alles wäre beinahe perfekt gewesen, hätte nicht die völlig fehlbesetzte Vorband LeeLooJamais aufgespielt, die die meisten Pop-Rock-Fans mit hängenden Köpfen, eingezogenen Ohren und schläfrigen Augen zurückließ – obendrein mit erbärmlich schlechtem Sound, was in den Križanke leider auch Bands von weit größerem Kaliber passiert. Wie auch immer – während des übermäßig langen Wartens auf Simon Le Bon, Nick Rhodes, John und Roger Taylor sowie Begleitkitarrist Dom Brown, der das Originalmitglied Andy Taylor ersetzt hat, in Begleitung der übrigen zwei Mitmusiker, Sängerin Anna Ross und Perkussionist/Tenorsaxophonist Simon Willescroft, schien es, als würde das legendäre architektonische Werk Plečniks vor lauter Betrieb und fiebriger Eruption in seine Einzelteile zersprengt. Gleich zu Anfang sei gesagt: Alle vier Originalmitglieder sehen noch immer jugendlich aus – auch wenn man Le Bon anmerkt, dass er sich, nachdem er seine glamouröse Uniform ausgezogen hat, in den letzten Jahren ein stattliches Bäuchlein zugelegt hat. John Taylor hingegen ist am Bass noch immer so dürr wie ein Besenstiel – kein Wunder, dass die Figur Dante aus der populären japanischen Videospielreihe »Devil May Cry« auf ihm basiert –, während Nick Rhodes an den Keyboards noch immer seine obligatorische ‚Kanarienvogel‘-Frisur trägt und der zähe Roger Taylor das Schlagzeug noch genauso engagiert verdrischt wie vor drei Jahrzehnten.
Als Einstimmung wurde das düstere und langsame »Before The Rain« gewählt, ein Stück vom letzten Album »All You Need Is Now«, während dessen Aufführung auf der Leinwand Szenen der russischen Oktoberrevolution zu sehen waren. Auf ihre langjährigen Fans ließen sie zum Glück keinen langen Hunger aufkommen, denn schon im nächsten Moment sorgten sie mit dem goldenen Achtziger-Hit »Planet Earth« für die richtige, erwartete Stimmung – da atmete die versammelte Menge im Einklang mit den Bandmitgliedern und ihren Begleitern auf. Für noch mehr Delirium sorgte danach das glänzend vorgetragene »A View To a Kill«, das sich die meisten Musik- und Filmfans seit Mitte der Achtziger als Titelsong des letzten James-Bond-Films mit Roger Moore in der Hauptrolle eingeprägt haben. Le Bon begeisterte durchgehend mit seinem expressiven Gesangsansatz und sorgte stets für aktive Beteiligung des Publikums. Ein wenig grotesk wirkte allerdings, dass er erst im dritten Anlauf – nach zwei Kroaten – einen Helden aus Slowenien fand, der am Ende auf der Bühne ein bisschen kindlich deklamierte. Aber das war nicht Le Bons letzter ‚unterhaltsamer‘ Einwurf dieses Abends. Die ewigen Nostalgiker und unverbesserlichen Romantiker erhielten auch durch die glänzend gespielten goldenen Standards »The Reflex« und »Hungry Like The Wolf« eine zusätzliche Infusion New-Romantic-Brillanz. Ein leicht komischer Zwischenfall ereignete sich mitten im Konzert bei Nick Rhodes: Der Mann verwechselte die Reihenfolge ein wenig und begann, die Eröffnungstakte des Evergreens »Save a Prayer« zu spielen, als eigentlich »Girl Panic!« vom aktuellen Album an der Reihe war. Le Bon warf ihm nur einen verwirrten Blick zu mit den Worten »what the hell is goin‘ on«, woraufhin sie sich schnell fingen und eine ordentliche Version des insgesamt ziemlich durchschnittlichen Songs spielten, den witzige Projektionen glamouröser Models aufpeppten – darunter auch Simons Frau Yasmin.
Die Herren von Duran Duran schwören also noch immer auf den gelegentlich etwas kitschigen Glam und Pomp der Modewelt, während die Nachkonzert-Eskapaden mit dem Eintritt in die reifen Jahre offenbar der Vergangenheit angehören. »Save a Prayer«, das gleich danach folgte, war ein weiterer Glanzmoment des Abends, der viele der Anwesenden im Geiste in die Achtziger zurückversetzte. Der Sound war in der Nähe des Mischpults durchgehend auf einem würdigen, soliden und zufriedenstellenden Niveau – für die Križanke durchaus eine beachtliche Leistung. »Come Undone« und »Ordinary World«, die einzigen Duran Duran-Hits aus den Neunzigern, erinnerten uns an »The Wedding Album« (1993), das einen seltenen kommerziellen Erfolg nach dem Ende der Achtziger darstellte. Der souverän dargebotene »Astronaut«-Klassiker (2004) »(Reach Up For The) Sunrise« erinnerte das Publikum ebenfalls an einen jener seltenen, erwähnenswerten Duran Duran-Standards, die nach dem Ende der goldenen Ära entstanden.
Das pompöse »Notorious« gehörte ebenfalls zu den besser vorgetragenen Klassikern dieses Abends. Das Konzert erreichte erwartungsgemäß seinen Höhepunkt mit dem stets feurigen Standard »Wild Boys«, in den die alten Füchse auf raffinierte Weise das Hauptmotiv des Klassikers »Relax« von Frankie Goes To Hollywood einbauten – was am Ende überraschend gut funktionierte. Schön zu hören war, dass Duran Duran dieser Kulttruppe Tribut zollten, die heute außer bei einer Handvoll Gourmets und Nostalgikern fast vollständig in Vergessenheit geraten ist und in ihrer Karriere nur zwei Alben veröffentlicht hat. Der einzige große Kritikpunkt betrifft das absolut zu sehr in die Länge gezogene »Girls On Film« im Zugabenteil, das völlig unnötig zu einem Mitgrölzirkus für das Publikum und langwierigen Vorstellungsrunden der Bandmitglieder und Gäste ausgedehnt wurde. Für den endgültigen Triumph der Achtziger-Nostalgie sorgte dann das große Konzertfinale »Rio«, ein Mega-Hit, dessen Erscheinungsjahr in diesem Jahr genau dreißig Jahre zurückliegt. Während seiner Aufführung liefen im Hintergrund Raketenexplosionen und allerlei Karnevalsbilder, die den Abschluss eines hervorragenden Konzertabends auf temperamentvolle Weise würzten.
Der Auftritt der New-Romantic-Legenden inmitten der Križanke gelang trotz nicht allzu vielversprechender Erwartungen in jeder Hinsicht und überraschte selbst die größten Skeptiker, die vielleicht fälschlicherweise angenommen hatten, dass das legendäre Kollektiv sich für die ’subalpinen Balkaner‘ nicht optimal ins Zeug legen und das Beste aus sich herausholen würde. Duran Duran waren also bei ihrem ersten Auftritt vor slowenischem Publikum – dem es an kroatischen und italienischen Fans nicht mangelte – hervorragend aufgelegt, und die paar technischen Patzer, die sich während des Auftritts ereigneten, insbesondere bei bestimmten Gesangsinterpretationen, erwiesen sich am Ende als kaum der Erwähnung wert. All jene, die ihre schönsten Jugendjahre in den Achtzigern verbracht hatten, erlebten schließlich das lang ersehnte erstklassige Wiedersehen mit einigen ihrer wichtigsten musikalischen Helden, die sie noch einmal an eine weitaus unschuldigere, längst vergangene Zeit erinnerten.
Autor: Peter Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist:
1. Before the Rain
2. Planet Earth
3. A View to a Kill
4. All You Need Is Now
5. The Reflex
6. Come Undone
7. Safe (In the Heat of the Moment)
8. Girl Panic!
9. Save a Prayer
10. Notorious
11. White Lines
12. Ordinary World
13. Hungry Like the Wolf
14. (Reach Up for the) Sunrise
15. Wild Boys / Relax / Wild Boys
—Zugabe—
16. Girls on Film
17. Rio







































