Hymn For My Soul
Interpret: Cocker, Joe
Label: EMI Records
Veröffentlichung: 2007
Dass Joe Cocker mit seinen 63 Jahren und seiner unglaublichen Stimme immer noch Musikfans aller Generationen begeistert, überrascht heute niemanden mehr. Hymn For My soul ist sein neuestes Werk, mit dem uns der Altmeister des Rock und Soul wieder mit eigenwilligen Neuinterpretationen legendärer wie auch weniger bekannter Songs verwöhnt. Wie auf den meisten seiner Alben gibt es auch diesmal das übliche Verhältnis zwischen „Evergreens“ und eher unbekannten Stücken, mit dem Cocker seine Projekte traditionell wirkungsvoll entlastet. Seine Stimme mit ihrer gewohnten Fülle und der allgegenwärtigen, starken Sinnlichkeit erfasst erneut voll und ganz den Kern jedes einzelnen musikalischen Motivs, egal ob es aus der Feder von Stevie Wonder, George Harrison oder den unvergesslichen Creedence Clearwater Revival stammt.
Für die diesmalige Heilkur seiner Seele holt sich Joe wieder eine bunte Truppe von Musikern um sich, deren anspruchsvolle Aufgabe vor allem darin besteht, den einzelnen Songs eine freundliche (lies: passende) Atmosphäre zu verpassen – bei so einer vielfältigen Auswahl wahrlich kein Kinderspiel. Den Großteil dieser Last trägt natürlich der Hauptdarsteller auf seinen Schultern, dessen charakteristisch krächzender Gesang nach all den Jahren immer noch unglaublich frisch wirkt und, was noch wichtiger ist, absolut überzeugend. Was die Arrangements selbst angeht, wird sich beim Hören des Albums vermutlich auch diesmal bald irgendwo ein besonders hartgesottener Nörgler finden, unzufrieden mit dieser oder jener Art, sein Lieblingslied zu interpretieren. Ob Cocker mit seiner Ausdrucksweise irgendetwas verbessert, ist schwer zu sagen. Das ist aber gar nicht so wichtig, denn im Kern geht es um einen Ansatz, der den gewählten Song anders, vielleicht auch interessanter machen will. Damit bekommt der Hörer in gewisser Weise auch einen ganz neuen Blick darauf geboten. Was würde zum Beispiel ein besonders eifriger Stevie-Wonder-Verehrer sagen, wenn ihm plötzlich Cockers Version von You Haven’t Done Nothin‘ aus dem Radio um die Ohren fliegen würde? Ähnlich kann man sich beim Hören der akustischen Version von Long As I Can See The Light fragen, die sich durch die Gesangsinterpretation des Originals in einen völlig neuen Song verwandelt.
Cocker ist ein Meister seines Fachs, daran besteht kein Zweifel. Es ist wirklich unglaublich, mit welcher Leichtigkeit sich der Herr alle ausgewählten Stücke vorknöpft. Oft wirkt es, als wäre jedes Lied, das er anpackt, genau für ihn geschrieben worden. Und wenn sie nicht ohnehin seiner Fantasie entsprungen sind, dann macht er sie sich endgültig zu eigen, mit seiner charakteristisch rauen Stimme und seinem sehnsuchtsvollen Stöhnen. Ein schöneres Beispiel dafür als Don’t Give Up On Me wirst du auf diesem Album wohl nicht finden. Die Leichtigkeit seines Erzählens tränkt die Luft mit naiver Melancholie. Wenn er dem Ganzen mit seiner Weichheit dann noch ein aus dem Hintergrund flehendes Orgelsolo hinzufügt, werden wir Zeuge eines der größten Cocker-Meisterstücke der letzten Zeit. Genau das erwartet man von einem guten Interpreten, und genau das macht Cocker. Deshalb mein Tipp an dich: Vergiss all die gerade angesagten Langweiler, mach dich so schnell wie möglich auf den Weg zum nächsten Laden und gönn dir mit Hymn For My Soul deinen ganz persönlichen Moment für die Seele. Enttäuscht wirst du garantiert nicht sein.
Besetzung
Joe Cocker – Gesang
Ethan Johns – Gitarre
Greg Leisz – Gitarre
Bob Babbitt – Bass
James Gadson – Schlagzeug
Mike Finnigan – Hammond B3
David Palmer – Keyboards
Produktion
Ethan Johns
Tracklist
1.You Haven’t Done Nothin‘
2.One Word (Peace)
3.Love Is For Me
4.Don’t Give Up On Me
5.Long As I Can See The Light
6.Beware Of Darkness
7.Just Pass It On
8.River Invitation
9.Ring The Bells
10.Hymn 4 My Soul
Spielzeit: 37.27