David Readman (Pink Cream 69) – Engländer mit deutschem Pass seit 1994! (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik, Jernej Vene
Fotos: Aleš Podbrežnik, Jernej Vene
Ort: Salzburg / Rockhouse / Österreich
Datum des Interviews: 26.09.2013
David Readman ist ein erstklassiger englischer Sänger mit deutschem Pass. Seit 1994 singt er bei den renommierten und geschätzten deutschen Melodic-Hard-Rockern Pink Cream 69 aus Karlsruhe. Er kam zur Band, nachdem der ursprüngliche Pink Cream 69-Sänger Andi Deris einen Job bei den berüchtigten Power-Metallern Helloween bekommen hatte. Im Backstage des Salzburger Clubs Rockhouse war die gesamte Band bei der RockLine-Runde dabei, doch das große Wort führte David.
RockLine: Wie zufrieden bist du mit dem Verlauf der aktuellen Tour, und wie kam es dazu, dass ihr ausgerechnet gemeinsam mit Pretty Maids auf Tour gegangen seid?
David: Die Tour läuft für uns fantastisch. Alles geht glatt. Wir sind sehr zufrieden. Wir haben schon immer davon geträumt, mit Pretty Maids zu spielen. Wir waren überzeugt, dass das eine Killer-Kombination sein könnte und ein richtig gutes Konzertpaket. Überhaupt für Fans beider Bands. Die Idee ist alt, hat sich aber nie realisiert. Bis dieses Jahr. Gott sei Dank haben wir das auch noch erlebt! Ehrlich gesagt ist das Publikum auf dieser Tour wirklich voll fokussiert auf die Songs, die wir spielen, und macht super mit. Auch wenn die meisten in erster Linie wegen Pretty Maids kommen, kennen sie offensichtlich auch die Musik von Pink Cream 69 sehr gut. Das spiegelt sich auch in unserem Merch-Verkauf wider! Die Leute kaufen auf dieser Tour jede Menge unserer Shirts. Auch unser Teamgeist funktioniert auf hohem Niveau und wir sind eine tolle Truppe. Wie gesagt – bisher läuft alles so, wie wir es uns vorgestellt haben. Sogar über die Erwartungen hinaus.
RockLine: Du giltst als äußerst beschäftigter Musiker. Du bist auch bei Voodoo Circle dabei, vor ein paar Jahren hast du dein eigenes Solo-Studioalbum veröffentlicht, du hast auf dem Solo-Studioalbum des schwedischen Gitarristen Magnus Karlsson mitgemacht, und so weiter. Wie schaffst du es, all das gleichzeitig zu stemmen?
David: Wenn ich ganz ehrlich bin,… Alles, was sich nach viel anhört, sieht in Wirklichkeit gar nicht so viel aus. Es wirkt, als würde ein Haufen Sachen gleichzeitig passieren. Aber das stimmt nicht. Um fair zu sein: Die letzten Alben für Voodoo Circle und Pink Cream 69 habe ich eigentlich gleichzeitig aufgenommen. Meine Vocals habe ich letzten Sommer in meinem eigenen Studio eingespielt. Das sind zusammen 28 Songs. In meinem eigenen Studio. Das bedeutet, ich kann aufnehmen, wann immer ich will. Ich muss nicht irgendwo hinreisen und warten, bis mir jemand zuflüstert: »Hey David! Das Studio ist jetzt frei, du kannst aufnehmen!« So habe ich die absolute Kontrolle über diese Dinge und das ist die Art, wie ich am besten funktioniere. Ich kann jederzeit aufnehmen. Wenn ich in der Stimmung bin, natürlich. Ob nachts, morgens,… Da gibt es keine Einschränkungen. Zeit für Magnus Karlsson zu finden war daher überhaupt kein Problem, weil ich mit den Songs für Voodo Circle und das Pink Cream 69-Album sehr schnell fertig war.
RockLine: Nach all den Jahren Erfahrung, die du hinter dir hast, ist die folgende Frage vielleicht überflüssig – aber trotzdem. Hörst du manchmal noch auf Vorschläge der Mitglieder von Pink Cream 69 oder einer anderen Band, mit der du zusammenarbeitest, was das Singen von irgendwas angeht?
David: Ein bisschen schon. Auf jeden Fall. Aber nur ein bisschen. Wenn ich aufnehme, kommt es sehr selten vor, dass mich jemand im Studio besucht. Heute läuft alles über das Internet. Per E-Mail. Derjenige, der normalerweise Vorschläge macht, der Anregungen gibt, ist natürlich unser Bassist Dennis Ward, der die Texte schreibt und dann mit verschiedenen Ideen kommt, wie man einen bestimmten Song angehen könnte. Die Melodie dazu und so weiter. Auf jeden Fall gibt es zwischen uns Kommunikation über die Richtung, die das Studioalbum, das wir gerade machen, musikalisch einschlagen soll. Es gibt auch viel Austausch über aktuelle Inspirationen, viele Debatten über Sänger – vor allem über jene, die sich mit früheren Werken die vordersten Plätze in der Rockmusik, oder sagen wir Rock ’n‘ Roll, verdient haben.
RockLine: Wie hältst du deine Stimme in Form?
David: Ich trinke keinen Alkohol, nehme keine Drogen und rauche nicht. Ganz einfach. Und ich schlafe viel. Auf Tour zumindest. Und dann ist da noch was. Du musst ein harter Hund sein, um das durchzuhalten. Kein Weichei sein und nicht an dir selbst zweifeln.
RockLine: Biff Byford hat mir einmal auf eine ähnliche Frage geantwortet, dass er auf Tour zum Beispiel nicht viele Interviews gibt… vielleicht hat er damit angedeutet, ich soll mich endlich aus seinem »Nightliner« verziehen…
David: Ha ha ha… Stimmt! Von jetzt an werde ich versuchen, auf alle eure weiteren Fragen sehr leise zu antworten.
RockLine: Pink Cream 69 haben diesen Februar das neue Studioalbum »Ceremonial« veröffentlicht. Wie kommt es, dass ihr ganze sechs Jahre gebraucht habt, die seit dem Vorgänger »In10sity« (2007) vergangen sind?
David: So lange haben wir trotzdem nicht zum Aufnehmen gebraucht. Zuerst redest du mit den Leuten gut ein halbes Jahr lang nur darüber, dass du ein neues Album mit ihnen aufnehmen wirst. Viele Songs, an denen wir für das neue Album gearbeitet haben, sind ursprünglich vor mehr als zehn Jahren entstanden. Wir schreiben alle. Dennis schreibt, Alfred (Alfred Kofler, Gitarre Pink Cream 69, Anm. d. Red.) schreibt, ich schreibe. Wir alle komponieren und schmeißen dann das Material zusammen. Dann wird diskutiert, welche Songs wir für das Album auswählen. Wie gesagt – manche Songs sind ganz frisch entstanden, andere können über 10 Jahre alt sein. Bei manchen älteren Songs passen wir normalerweise die Arrangements an, das heißt wir überarbeiten oder aktualisieren sie ein bisschen, damit der Song dann noch wuchtiger zündet.
RockLine: Wie entstehen eure Songs? Kommt zuerst der Text oder die Melodie?
David: Ich selbst habe nie vorher fertige Texte bereit. Immer kommt zuerst die Melodie. Der eigentliche Ursprung der Musik basiert in erster Linie auf der Melodie. Schon allein mit der Stimme kannst du eine Melodie formen. Du kannst eine wirklich wunderschöne melodische Linie kriegen. Und die Texte müssen diese Melodie spüren. Sie müssen ihr folgen. Der Entwicklung dieser Melodie folgen. Die Wörter müssen sehr sorgfältig in die Verse gesetzt werden. Manche Wörter können Kopfzerbrechen bereiten und sind unhandlich beim Optimieren melodischer Linien. Meistens passiert es aber so, dass bei uns ausgerechnet Dennis als erster die richtigen Worte, die Lyrik, findet. Ich bin dann nur noch dafür zuständig, das Ganze mit meinen Vocals aufzunehmen. Wenn die anderen warten würden, bis ich selbst die Texte, die Verse schreibe, dann würden sie noch länger auf das Album warten ha, ha, ha,…
RockLine: Kürzlich habt ihr euren Schlagzeuger gewechselt. Gründungsmitglied Kosta Zafiriou hat die Band verlassen. Wie kam das, und wie habt ihr das überstanden?
David: Die Entscheidung hat natürlich Kosta getroffen. Ganz einfach. Er hat gleichzeitig so viele Dinge gemacht, dass er sich nicht mehr vollständig auf Pink Cream 69 konzentrieren konnte. Im Moment hat er auch viele Verpflichtungen gegenüber seiner Familie. Wir haben ihm die volle Freiheit bei der Entscheidung gelassen. Neben Pink Cream 69 hat er auch angefangen, für Unisonic zu trommeln, er hat den Schweizern von Krokus ausgeholfen, er hat auch als Helloween-Manager gearbeitet. All das gleichzeitig hat er nicht mehr gut genug in den Griff gekriegt. Also sind wir auf Kostas Drum-Techniker, Chris Schmidt, zugegangen. Mann am richtigen Platz. Im Nu konnte er einen Platz in unserem Team einnehmen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Chris ist also eine super Lösung für uns. Er kannte alle Feinheiten von Kostas Drumming, sodass diese Veränderung musikalisch kaum merklich, kaum spürbar ist, was den musikalischen Charakter von Pink Cream 69 betrifft. Letzte Woche haben wir im deutschen Ludwigsburg gespielt. Und Kosta war auch im Publikum. Er ist gekommen, um uns zu sehen. Pink Cream 69 bedeuten ihm definitiv immer noch sehr viel. Und das wird immer so bleiben.
RockLine: Wie viele Songs bereitet ihr vor, bevor die Albumaufnahmen beginnen?
David: Wir haben zwischen 30 und 40 Songs bereit. Diese Songs sind nicht vollständig ausgearbeitet. Es sind Entwürfe. Die melodische Linie bis zum ersten Refrain. Das war’s. Bestimmte Entwürfe kann man in den Kern einer ausgewählten Komposition einfügen und so weiter. An Variationen mangelt es nicht. Da gibt es keine festgelegten Einschränkungen. Das Hauptziel ist, die richtigen Lösungen zu finden, um eine Melodie zu erreichen, die garantiert zündet.
RockLine: Wie schreibst du Songs? Begleitest du den Gesang mit Klavier oder Gitarre?
David: Dafür benutze ich Gitarre. Die Ausnahme sind Balladen. Bei denen nehme ich Klavier.
RockLine: Aha, Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Man schmeißt uns raus. David, danke für deine Zeit, wir wünschen dir jede Menge Erfolg auf der Tour und auch viel Spaß heute Abend auf der Bühne hier in Salzburg.
David: Hey! Ich hoffe, das war so okay, und ich hoffe, dass auch ihr beiden heute Abend beim Konzert Spaß habt. Danke euch für die Unterstützung.
Interview geführt von: Jernej Vene & Aleš Podbrežnik
übersetzt und redigiert von: Aleš Podbrežnik
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