Von der Geburt von Black Diamond! (2013)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Datum des Interviews: 07.05.2013

Sommer 2005. Das Gitarristen-Duo Igor Manasijevič und Nejc Vidmar beginnt mit der Arbeit an eigenem Material und gibt der neu gegründeten Band gleich auch einen Namen: Black Diamond. Die enormen Schwierigkeiten bei der Suche nach weiteren Mitgliedern kümmern das Duo wenig – Igor und Nejc schaffen ungehindert weiterhin Material, das sie der Öffentlichkeit über MySpace erstmals irgendwann 2008 vorstellen. Bereits die ersten veröffentlichten Demo-Aufnahmen zeigten, dass dieser Juwel aus Novo Mesto das Potenzial einer erstklassigen Heavy-Metal-Band in sich birgt. Da die Suche nach den benötigten Mitgliedern in jener Phase erfolglos blieb, griff Black Diamond auf Session-Musiker zurück – unter anderem halfen Žanil Tataj Žak (Turbo, Mary Rose), der den Gesang für einige Songs einsang, sowie Schlagzeuger Robert Kovačič (Scaffold). Aufmerksamkeit haben sie damit auf jeden Fall erregt, und Igor und Nejc schliffen und bearbeiteten ihre Musik beharrlich wie einen Diamanten bis zum vollkommenen Glanz. Dieser strahlte in seiner brillanten Schwärze schließlich auf dem Debüt Last Man Standing (die Rezension dazu kannst du HIER lesen), und endlich auch live beim Release-Party am 16.5.2013 im Ljublaner Orto bar (Reportage HIER)! In die Geschichte der Band und die Hintergründe der Entstehung des Debüts haben uns die beiden Väter der Band, Igor und Nejc, eingeführt; seinen Teil beigesteuert hat auch das „dritte Mitglied im Hintergrund“, Samo Urbančič, der das Duo schon seit den ersten Schritten begleitet.

RockLine: Hinter euch liegt ein langer Weg von der Gründung bis zur Veröffentlichung des Debüts Last Man Standing. Die Anfänge der Band reichen ins Jahr 2005, die ersten Demos habt ihr 2008 auf MySpace veröffentlicht. Eine ziemlich lange Zeit – wenn man auch noch die Schwierigkeiten bei der Mitgliedersuche bedenkt. Wie habt ihr es geschafft, so lange durchzuhalten und dabei von Anfang an ausschließlich eigenes Material zu schaffen?
Nejc: So schwer war das gar nicht durchzuhalten, weil wir eh nichts anderes können (lacht). Wir wussten, dass das, was wir machen, Potenzial hat, und hatten keine andere Alternative als dranzubleiben. Wir wussten, dass sich die Crew einspielt, mit der wir weitermachen können, sobald wir die Platte aufgenommen haben.

RockLine: Ausdauer habt ihr auf jeden Fall bewiesen – wart ihr irgendwann kurz davor, das Ganze aufzugeben?
Nejc: Nein, absolut nicht und niemals.

RockLine: Samo, du hast Igor und Nejc schon von Anfang an beim Schaffen geholfen, vor allem beim Aufnehmen, der Produktion und so weiter?
Samo: Ja, stimmt, ich arbeite mit den beiden schon seit dem Anfang zusammen, als sie noch alles alleine gestemmt haben, und ich habe an sie geglaubt. Schon die ersten Rohentwürfe der Songs, die Ideen – ich fand sie so gut, dass ich die beiden in allem unterstützt habe. Ich habe ihnen Mikrofone ausgeliehen; als ich noch ein Studio hatte, haben sie bei mir die ersten Demos aufgenommen. Am Anfang habe ich sie auch in die Benutzung bestimmter Programme eingeführt, womit sie mittlerweile selbst Experten sind. Ich habe von Anfang an an sie geglaubt und bin auch bei der jahrelangen Mitgliedersuche an ihrer Seite geblieben. Dass sie durchgehalten haben, ist schon ein kleines Wunder – obwohl es eigentlich auch nicht so verwunderlich ist, weil beide stur sind und große Perfektionisten. Sie haben breites musikalisches Wissen, haben systematisch, zielstrebig und bedächtig gearbeitet.
Nejc: Du hast vergessen, dass du auch so geholfen hast, indem du einen Song beigesteuert hast.

RockLine: Tears In Eyes, den du auch für die Platte gesungen hast.
Samo: Ja, stimmt. Das war eigentlich das erste Demo. Meiner Meinung nach sind dieser und alle anderen Songs jetzt auf einem viel höheren Level – sie sind gereift, die Jungs sind sehr professionell an alles herangegangen, angefangen beim Umgang mit den Instrumenten. Für den Song Tears In Eyes haben mir die Jungs gesagt, dass er eben zu meiner Stimme passt, und ich muss sagen, dass der Song schon als Demo in einem finnischen Internetradio gespielt wurde.
Nejc: Auf einer Seite zur Bekämpfung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch.
Samo: Der Song war damals noch ein rohes Demo. Aber es sieht so aus, als hätte er irgendetwas gehabt, was aufgefallen ist – eine Botschaft.

RockLine: Es gibt ja einen Unterschied zwischen dem Demo dieses Songs und der Endversion auf der Platte, der ihr noch einen Frauengesang hinzugefügt habt.
Nejc: Genau, die Version auf der Platte hat auch noch ein zusätzliches Solo.

RockLine: Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Der Song hat ja so eine Art Dialog-Charakter?
Igor: Die Geschichte selbst transportiert schon die Idee von Missbrauch, und genau dieser Frauengesang stellt das missbrauchte Mädchen »auf der anderen Straßenseite« dar. Wir haben versucht, uns wirklich in diese Geschichte hineinzuversetzen.

RockLine: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Vokalistin Sandra Tomovič (ex-Moveknowledgement) gekommen?
Samo: Sie ist unsere langjährige Freundin, sowohl aus der Musikszene als auch privat. Damit wollten wir das Balladengefühl des Songs heben. Beim Aufnehmen haben wir viele Dinge ausprobiert, die wir am Ende zusammengeführt haben – und eines davon war eben dieser Frauengesang. Es hat sich gezeigt, dass das sehr gut gelungen ist und die Entscheidung richtig war, weil es den Song aufwertet. Es war schon beim Aufnehmen super – als Sandra anfing zu singen, haben Igor und ich uns nur angeschaut (lacht). Ich hatte anfangs selbst etwas Angst, dass meine Stimmfarbe nicht zu ihrer passen könnte.
Igor: Ich nicht, denn beim ersten Versuch habe ich ihre Stimme mit Samos zusammengelegt und gesehen, dass das eine Traumkombination ist. Danach lief alles reibungslos – sie hat den Song eingeübt und auch die Aufnahme war dann ziemlich schnell erledigt. Es ist eine bewährte Stimme, sie ist eine ausgezeichnete Sängerin. Sie singt sonst Solomusik, bei der die technischen Anforderungen hoch sind, daher wusste ich, dass es kein großes Problem geben wird.
Samo: Ihre Stimme hat das Spektrum des Songs noch weiter gehoben, ihm eine Atmosphäre gegeben – und so ist er auch gesungen. Ich bin eigentlich eher ein Rock-Sänger und hatte manchmal wirklich Mühe, Igors Anforderungen bei Triolen, Aufschwüngen und Abstiegen zu folgen. Manchmal musste er mir das alles sehr anschaulich erklären. Der Song hat so eine sich ständig steigernde Atmosphäre und ist auf eine Art gesungen, die in erster Linie die Botschaft des Songs verkörpert.
Igor: Das ist sehr realistisch und macht auf etwas aufmerksam, worüber Menschen gerne die Augen verschließen oder was sie schwer zugeben können – dass Missbrauch wirklich passiert und zwar in unseren eigenen vier Wänden.

RockLine: Schon die Demo-Aufnahmen wurden mit einer starken Crew eingespielt – Žak hat einen der ersten Songs gesungen, Robi hat Opus eingetrommelt. Wie ist es überhaupt zu diesen Kollaborationen gekommen?
Igor: Žak wurde von Nejc vorgeschlagen.
Nejc: Ich habe vor einer Weile eine Turbo-CD gekauft…

RockLine: The Power of Metal oder A Glimpse of Home?
Nejc: A Glimpse of Home – das war schon in meiner Jugend ein phänomenales Ding. Ursprünglich hatten wir vorgesehen, dass Simon Jovanovič auch die anderen Songs singt, aber er hatte keine Zeit, also haben wir Žak angerufen.
Igor: Der erste Song war Tears In Eyes, der jetzt der letzte Song auf der Platte ist, weil wir die Songs nicht durchmischen wollten – die ersten acht singt Žak, dann Simon, und am Ende Samo und Sandra. Nach dem ersten Tears In Eyes folgte Mastermind, den Simon gesungen hat, der ehemalige Sänger von Prospect. Damals wollten wir noch mit ihm zusammenarbeiten, aber es hat sich zeitlich wegen anderer Verpflichtungen nicht ausgegangen. Ich habe Žak kontaktiert, wir haben vereinbart, dass er einen Song aufnimmt – und er hat uns damals schon vom Hocker gerissen. Wir waren begeistert, außerdem ist er ein super Typ, und wir haben uns gedacht, warum nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten.

RockLine: Wann ist eigentlich der Moment gekommen, an dem ihr gesagt habt, dass die Demos, die schon auf MySpace veröffentlicht waren, reichen – und dass jetzt Zeit für eine richtige Studioplatte ist?
Igor: Stimmt, die Demos waren draußen, aber das Personalproblem blieb – wir hatten keine Mitglieder für Live-Auftritte. Also haben wir lieber die Platte fertiggestellt, diese Zeit genutzt und zwischendurch nach weiteren Mitgliedern gesucht. Ende 2011 haben wir uns das erste Mal mit Simon zusammengeschaltet und den Start der Aufnahmen vereinbart. Mitte Januar 2012 haben wir mit der Aufnahme des ersten Songs begonnen und dann weiter. Am Anfang hat es ziemlich gehakt, weil jeder zunächst in eine andere Richtung gezogen hat – jeder wollte seine eigene Vision verwirklichen. Simon hatte seine Arbeitsweise, die wir respektiert haben, aber wir haben ihm auch klargemacht, dass wir bei unserem bleiben werden. Es gab ein paar Komplikationen, aber gestritten haben wir uns nie. Simon ist ein guter Freund von uns, den wir respektieren. Mit der Zeit hat er auch gespürt, was wir vom Sound wollten, und wir haben vereinbart, ihm ein paar Referenzen von Bands und Platten mit dem Sound zu schicken, den wir wollen. Damit hat es sich langsam geöffnet. Am Anfang sind wir in sein Ljublaner Studio gefahren, und dort gab es zu viele unserer Anforderungen – es war fast nicht mehr klar, wer der Produzent ist und wer die Band. Vielleicht haben wir da wirklich übertrieben, aber wir haben Simon erklärt, dass wir keine bösen Absichten hatten, wir wollten einfach das, was wir spürten. Wir hatten eine klare Vision, welchen Sound wir wollen, und dabei würden wir nicht nachgeben. Er hat gesehen, dass wir ihn nicht diskreditieren wollten, sondern einen Kompromiss finden, mit dem wir alle zufrieden sind. Als wir den Sound fertiggestellt hatten, haben wir beschlossen, nicht mehr zu ihm ins Studio zu fahren – er sollte alleine mischen und uns die Aufnahmen schicken, die wir bestätigt und dann noch angepasst, den Pegel ausgeglichen haben usw. Anfang August sind wir dann langsam endlich dem Abschluss nähergekommen.

RockLine: Wen habt ihr Simon als Referenzen vorgeschlagen?
Igor: Definitiv das Black Album von Metallica, das für mich persönlich produktionstechnisch das Nonplusultra ist – auch heute noch. Und natürlich Iron Maiden.

RockLine: Genau das ist auf der Platte auch zu hören.
Igor: Ja, das stimmt, das sind unsere Einflüsse. Das ist das, wonach Nejc und ich all die Jahre gestrebt haben.

RockLine: Das Mastering der Platte habt ihr im Ausland gemacht, in Finnland bei Mikka Jusila. Wie seid ihr zu dieser Zusammenarbeit gekommen, und warum habt ihr euch genau für ihn entschieden?
Nejc: Wir haben eine ganze Weile abgewogen, in welches Studio wir das Album zum Mastern schicken sollen. Von Anfang an wussten wir, dass wir ein besseres Studio wollten, die es in Slowenien leider nicht gibt. Mikka war sehr günstig und hat außerdem ziemlich viele Platten gemacht, die meinem Geschmack entsprechen – das hat ihn zur richtigen Wahl gemacht.
Igor: Wenn wir das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachten, haben wir auch in dieser Hinsicht die richtige Entscheidung getroffen. Der Preis war günstig – geplant unter 1000 EUR, was für Mastering auf Weltniveau sehr günstig ist. Wegen unserer Anforderungen ist der Preis am Ende zwar etwas gestiegen (lacht). Aber das ist immer noch akzeptabel angesichts dessen, was wir am Ende bekommen haben. Außerdem war der Preis bei uns nie ein Faktor, der etwas verhindert hätte, das wir uns vorgestellt haben. Und eine Vision hatten wir auf jeden Fall. Bei den ersten Demos wussten wir noch nicht so recht, was wir tun – wir haben das Aufnehmen an sich eigentlich erst gelernt. Das musikalische Gespür hatten wir aber schon gut entwickelt, was uns auch weiterhin geholfen hat. Wenn du Musiker bist, vor allem wenn es um deine eigene Musik geht, kennst du jede Feinheit, jedes Detail – das ist definitiv ein großer Vorteil. Was uns fehlte, war das Wissen über Produktion und Recording selbst. Im Laufe der Arbeit haben wir enorm viel gelernt und hatten deshalb auch viel mitzureden beim Endmix – es muss ehrlich gesagt werden: Wir sind eigentlich Ko-Produzenten der Platte. Ich glaube, damit waren wir für manche auch ein »pain in the ass« (lacht), aber ich denke, heute wissen alle, was wir wollten und warum das so war. Ich glaube, wir waren schon so souverän, weil wir uns davor vier, fünf Jahre selbst mit Produktion beschäftigt hatten – zwar auf eher amateurhafter Ebene, aber wir hatten trotzdem schon ein gut ausgebildetes Gehör und eine Vision. Deshalb haben wir uns auch »erlaubt«, in die Arbeit des Produzenten einzugreifen – er ist natürlich trotzdem der Hauptproduzent, und das ist auch richtig so. Ohne ihn gäbe es dieses Endprodukt natürlich nicht.
Samo: In der letzten Phase ging es am Ende wirklich um minimale Korrekturen, die das Bild aber abgerundet haben. Das sind Kleinigkeiten, die für den Hörer vielleicht unwichtig sind, für das abgeschlossene Gesamtbild aber sehr wohl. Deshalb wart ihr auch nicht so ein »pain in the ass«, wie ihr sagt.
Igor: Ehrlich gesagt schon, aber mit einem klaren Ziel. Das vor allem deshalb, weil wenn du von Anfang an keine hochqualitative Aufnahme hast, ist das später in der Produktions- und Postproduktionsphase sehr schwer, wenn nicht unmöglich, zu kompensieren. Genau das war unser großes Problem – unsere frühen Aufnahmen waren qualitativ nicht auf hohem Niveau, größtenteils wegen ungeeigneter Ausrüstung. Nach dem Mastering haben wir eigentlich weitergemacht – am Ende haben wir die Tracks noch restauriert; das war der allererste abschließende »Polier«-Vorgang. Mikka hatte uns nämlich vorher schon gesagt, dass er fürs Mastering normalerweise Aufnahmen bekommt, die qualitativ um einiges höher sind. Bei ihm nehmen nämlich internationale Bands auf, die Aufnahmen höchster Qualität liefern. Deshalb haben wir uns entschlossen, am Ende alles noch einmal zu »polieren« – kleine Geräusche entfernen und Ähnliches. Simon hat das Ganze vor dem Druck noch einmal gesichtet und bestätigt. Wir haben nichts dem Zufall überlassen, und ich denke, wir können mit dem Ergebnis außerordentlich zufrieden sein.

RockLine: Wie würdet ihr das Material selbst beschreiben, beziehungsweise dessen Entstehung? Schon als ihr die einzelnen Demos veröffentlicht habt, schien mir bei jedem ein deutlicher Fortschritt erkennbar – auch die Songs, die man jetzt hören kann, sind ziemlich anspruchsvoll und komplex. Startet ihr beim Schreiben vom Riff, oder geht ihr das Schreiben irgendwie anders an?
Igor:
Ja, meistens ist das Riff die Grundlage, von der dann weitergebaut wird.
Nejc: Manchmal aber auch die Gesangsmelodie. Mit dem Text fangen wir nie an. Riff oder Gesangsmelodie – und dann schöpfen wir aus dem Pool von Riffs, die wir schon haben, und setzen zusammen, was passt. Die Länge der Songs schauen wir uns nicht an.
Igor: Wir wollten uns nicht mit irgendwelchen kommerziellen Trends bei der Song-Länge belasten – wie lang ein Song sein darf, um ins Radio zu kommen. Wir wollten nutzen, was wir nutzen können. Wir sind uns bewusst, dass wir ein Genre spielen, das im Radio nicht allzu oft seinen Platz findet – warum dann nicht die Sau rauslassen und es so machen, wie wir wollen? Nejc und ich denken, die Songs sind genau so lang, wie sie sein müssen, um bestmöglich zu sein. Stilistisch weiß ich auch nicht, ob es in Slowenien eine Band gibt, mit der wir uns vollständig vergleichen könnten – wir haben unseren eigenen, eigenständigen Stil. Die Platte ist vielleicht ein bisschen konzeptuell, weil da recht viele klassische und akustische Gitarren sind; bei Edge of Sanity taucht auch eine Geige auf. Bei Dreams of Tomorrow gibt es einen Chor von Mädchen – acht Mädchen, die live in ein, zwei Mikrofone gesungen haben – und die Aufnahme war wirklich grandios. Wir haben gerne experimentiert, und ich denke, wir haben die Bedingungen, unter denen gearbeitet wurde, sehr gut genutzt.

RockLine: Es ist aber leicht, das Gefühl zu bekommen, dass die Songs ziemlich progressiv sind und ihre Struktur komplex – vor allem zum Beispiel Dreams of Tomorrow mit zwei verschiedenen Refrains.
Igor: Ich würde sagen, dass die Musik arrangementmäßig wirklich progressiv ist, die Riff-Idee selbst aber vollständig Heavy-Metal ist. Wir kommen beide aus dem Heavy Metal und Rock, also würde ich sagen, dass wir im Grunde klassischen Heavy Metal spielen, der stellenweise von Elementen des Progressive und Rock begleitet wird. In den Songs finden sich auf jeden Fall mehrere verschiedene Einflüsse, die ziemlich variieren. Vor allem ist die Frage interessant, bis wohin Musik führen kann – nach meiner Meinung ist sie grenzenlos. Deshalb würde ich auf die Frage, wie die zweite Platte werden wird, auch antworten: keine Ahnung. Das werden wir sehen, wenn wir an dem Punkt sind, die neue Platte aufzunehmen, und was wir dann spüren.

RockLine: Ein interessanter Aspekt der Songs, der mich persönlich sehr fasziniert, ist das Zusammenspiel der Texte mit der Musik selbst – umso mehr, weil die Texte separat entstanden sind.
Igor: Ja, die Texte sind immer in der Abschlussphase entstanden, während die Gesangslinien schon früher geformt wurden. Die meisten Songs sind aus einem Riff entstanden – dann Struktur, Arrangement, die anderen Instrumente, die Gesangsmelodie, und am Ende der Text. Eine Ausnahme ist The Thing That Couldn’t Die, wo der Song aus der Gesangsmelodie entstanden ist und erst dann die Riff-Grundlage und alles andere dazukam. So arbeiten eigentlich die meisten Bands – wie die schon erwähnte Metallica, die seit dreißig Jahren so Songs schreibt. Songs haben wir aber eigentlich nie strikt zusammen geschrieben. Normalerweise hat einer von uns ein Riff gebracht, und dann haben wir hauptsächlich gemeinsam am Arrangement gearbeitet.
Samo: Aber immer haben sie so gearbeitet, dass Text und Musik zusammen atmen, dass die Geschichte funktioniert. Dass der Hörer beim Hören des Albums den Raum hört und spürt – und das, was die Band sagen will. Es ist ihnen tatsächlich in allen Songs gelungen, Text und Musik zu verschmelzen.
Igor: Es ist nicht einfach, die Sphäre der Musik zu treffen und gleichzeitig die Botschaft. Edge of Sanity ist der Song, bei dem man das besonders deutlich spürt – die Düsterheit der Melodie und gleichzeitig die Aussagekraft des Textes.

RockLine: Und Black Diamond mit der Doppelrolle Vater-Sohn. Aber auch sonst befassen sich die Texte mit dunklen, realen Themen und tragen eine tiefere Botschaft.
Igor: Leider haben wir das so gefühlt, und da können wir uns nicht helfen (lacht).

RockLine: Ihr habt Themen wie Krieg mit Opus 91-96, Wahnsinn mit Edge of Sanity und Missbrauch mit Tears In Eyes angesprochen. Schwere Themen, die einen ganz schön erschöpfen.
Nejc: Stimmt, aber was ist die Alternative? Du kannst über Frauen singen, bei denen es nicht geklappt hat, du kannst über Drachen und Ritter singen, oder du singst über Dinge, die du um dich herum siehst. Genremäßig ist diese Musik nicht so, dass man über irgendwelche abstrakten Themen singen könnte – und so bleibt einem auch keine andere Thematik mehr.

RockLine: Vielleicht kann sich der Hörer auch leichter mit diesen Themen identifizieren, und deshalb wirkt die Musik auch besser?
Nejc: Ja, als wir die Texte geschrieben haben, haben wir sie so geschrieben, dass sich möglichst viele Menschen mit ihnen identifizieren und ihre eigene Erfahrung darin finden können.
Igor: Genau – im Heavy Metal kannst du nicht über Blümchen singen und wie alles super schön ist. Das ist rebellische Musik, deshalb wollten wir so konkret wie möglich sein, manchmal vielleicht auch bissig und zynisch – aber wir haben gesagt, was wahr ist, weil wir kein Blatt vor den Mund nehmen. Der Song Black Diamond hat eigentlich vorweggenommen, was heute in Slowenien passiert – dass Leute auf die Straße gehen und die Schnauze voll haben. Wir haben geschrieben, was wir langsam entstehen sahen und was sich zu brodeln begann. Es geht hier um keinerlei politische Option, sondern einfach darum, dass die Menschen eine bessere Zukunft wollen. Leider ist genau diese Form des Kapitalismus gekommen, vor der wir am meisten Angst hatten. (An dieser Stelle entbrennt eine zehnminütige, hitzige Debatte über aktuelle politisch-soziale Ereignisse, Anm. d. Red.).

RockLine: Jahrelang habt ihr nach geeigneten Mitgliedern für die Band Black Diamond gesucht – und sie jetzt endlich vervollständigt.
Igor: Genau, die Live-Besetzung steht – Žak hat sich entschieden, der Band als reguläres Mitglied beizutreten, und auch die Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Klemen Markelj hat begonnen. Was sein Status sein wird, werden wir noch sehen – die Entscheidung, ob er reguläres Mitglied wird, liegt hauptsächlich bei ihm. Er ist aber eine sehr fähige Person, und wir werden uns sehr über seinen Beitrag freuen. Am Bass gesellt sich uns derzeit Urban Medič dazu.
Nejc: In diesem Fall wird es auch viel leichter sein, eine neue Platte aufzunehmen, weil jeder sich auf seine Aufgabe konzentrieren kann.

RockLine: Und noch zum Schluss: Da die Platte Last Man Standing eine Art Querschnitt eurer bisherigen Arbeit ist – macht ihr vielleicht schon Material für eine Fortsetzung, für eine zweite Platte?
Igor: Aktuell haben wir gesagt, dass wir uns damit nicht befassen werden – obwohl wir schon eine ganze Menge grober Arrangements fertig haben. Es sind auf jeden Fall genug Arrangements mit Basis-Riffs und Gesangsmelodien für zwei Platten – das sind etwa zwanzig Songs.
Nejc: Das sind aber noch keine fertigen Songs – es fehlen noch Melodien und das Übrige. Es ist aber auf jeden Fall ein guter Anfang, weil es viel leichter ist, von einem guten Basis-Riff weiterzumachen.
Igor: Genau, das Arrangieren der Musik nimmt immer am meisten Zeit in Anspruch.
Samo: In dieser Phase ist es am wichtigsten, dass diese Platte promotet wird. Auch wenn die Jungs schon jede Menge Material für die Zukunft haben – das kann warten. Die Hauptsache ist, dass diese Platte mit Konzerten promotet und einem breiteren Publikum vorgestellt wird. Es ist das Ende einer Ära, aber erst der Anfang einer anderen.
Igor: Wir haben entschieden, dass wir uns eine bestimmte Zeit sicher nicht ums Musik-Machen kümmern werden, sondern uns darauf konzentrieren, wie wir diese Platte so gut wie möglich promoten. Wenn es ein ernsthaftes Projekt ist, muss man sich mindestens ein, zwei Jahre für eine wirklich intensive Promotion nehmen – Metallica hat das Black Album weltweit ganze vier Jahre lang promotet! Und es sieht so aus, dass es, basierend auf den Reaktionen, auch aus dem Ausland Interesse und positive Reaktionen auf die Platte gibt – das freut uns sehr.

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