Go Betty Go – Mädchen-Rock’n’Roll unter der heißen kalifornischen Sonne

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Ort: Che bar / Ljubljana / Slowenien
Interviewdatum: 24.11.2008

Die heißen Kalifornien-Mädels von Go Betty Go trafen bereits einen Tag vor Beginn ihrer ersten Europatournee in Europa ein – und zwar direkt in Slowenien. Auf Einladung der Agentur Kurz Rock Vibe, bei der ich mich an dieser Stelle im Namen des RockLine-Teams für das ermöglichte Interview bedanke, zog ich also am Montag, dem 24.11.2008, ins Bežigrader Café Che Bar, wo Go Betty Go schon gemütlich an einem gedeckten Tischchen saßen. Die Mädels und das neue Bandmitglied, Bassist Phil, hatten derweil gemeinsam schon ein paar Biere vernichtet…

RockLine: Wie fühlt ihr euch nach dem anstrengenden Flug aus den USA nach Europa?

Aixa: Gut.

Emily: Müde, wir sind gerade hier angekommen, in Ljubljana.

RockLine: Ihr steht ganz am Anfang der Europatournee. Wie fühlt sich das an?

Emily: Ja. Morgen spielen wir zum ersten Mal.

Aixa: Wir sind ein bisschen nervös, voller Vorfreude, das Ganze fühlt sich für uns unglaublich aufregend an – und es ist auch verdammt kalt. Aber über allem: Wir sind überglücklich, dass wir hier sein dürfen. Vor 14 Stunden sind wir angekommen und gewöhnen uns gerade erst an euren europäischen Biorhythmus. Das ist so ein Entspannungsprozess.

RockLine: Genau heute ist hier der erste Schnee des Jahres gefallen – ziemlich schockierend, wenn man aus dem heißen Kalifornien kommt, oder?

Aixa: Ja. Bei uns war es in diesen Tagen so heiß, dass letzte Woche an mehreren Stellen in Kalifornien Brände ausgebrochen sind.

Phil: Noch gestern hab ich kurze Hosen getragen.

RockLine: Wie habt ihr euch gefunden, Mädels, und wie kam es dazu, dass ihr heute in dieser Besetzung hier sitzt?

Aixa:  Eine Freundin hat mich und meine Schwester, mit der ich damals schon zusammen gespielt hatte, mit Betty bekannt gemacht. Wir haben uns super verstanden. Wir haben angefangen, Musik zu schreiben und aufzutreten. Meine Schwester hat die Band dann verlassen, weil sie ihr normales Leben weiterführen wollte – sie wollte ihr Studium abschließen. Dann kam noch eine Kollegin dazu, die uns Emily vorgestellt hat, und Emily ist jetzt seit zwei Jahren bei uns…

Emily: Fast drei Jahre.

Aixa: Ja. Fast drei Jahre.

RockLine: Wenn ich mich nicht irre, habt ihr ein Album veröffentlicht?

Aixa: Eigentlich zwei, und gerade schreiben wir am dritten.

Phil: Ja. Das neue wird Emilys erstes sein.

Aixa: Wir werkeln gerade am Material für das neue Album und sind zum ersten Mal auf Tournee hier in Europa, was für uns eine riesige Herausforderung und ein echter Prüfstein ist.

RockLine: Was für eine Botschaft trägt eure Musik in sich?

Emily: Das ist ganz einfach. Sei das, was du bist, ohne Verstellung – finde darin die Freiheit, durch den Ausdruck mit Hilfe der Musik. Das Wesentliche ist, deinem Herzen zu folgen und das zu erschaffen, was du fühlst, beziehungsweise was dir dein Herz sagt.

Aixa: Unsere Songs erzählen von unseren alltäglichen Lebenserfahrungen, von verschiedenen Situationen, mit denen wir von Tag zu Tag konfrontiert sind. In den Texten steckt nichts besonders Abstraktes.

Emily: Die grundlegende Botschaft ist: „Kämpf für das, woran du glaubst“.

RockLine: Also direkter Rock’n’Roll, ohne Umschweife, oder?

Emily: Ja.

Aixa: Genau so.

RockLine: Eure musikalische Inspiration und eure Einflüsse? Woher schöpft ihr eure Inspiration, woher kommen eure musikalischen Einflüsse?

Aixa: Jeder von uns ist unter verschiedenen musikalischen Einflüssen aufgewachsen. Betty sticht dabei in unserem Team ganz besonders heraus. Betty, erzähl mal, was du hörst?

Betty:  Spanischen Rock (wahrscheinlich gemeint: texanischen und mexikanischen, Anm. d. Red.)  und Hip-Hop.

Aixa: Das hört man unserer Musik so direkt nicht an. Von Zeit zu Zeit streuen wir sowas als kleines Würzchen in einen Song ein.

Emily: Ich selbst höre sehr gerne Jazz, Nino Simone, Janis Joplin.

RockLine: Was ist mit dir, wie und wann hast du angefangen, Bass zu spielen?

Phil: Anfangs hab ich Gitarre gespielt. Wir hatten einen Sänger, der Bass spielte, aber wenn er singen wollte, vergaß er den Bass zu spielen – kurz gesagt, Singen und Spielen gleichzeitig machte ihm Probleme. Am Anfang waren wir zwei Gitarristen in der Band. Eines Tages hab ich einfach beschlossen, es mal mit dem Bass zu versuchen. Und da hab ich gemerkt, dass ich ein wesentlich besserer Bassist werden kann als jemals ein Gitarrist. Ich selbst höre sehr gerne Motown-Sounds, von James Jamerson angefangen. Sehr viel hat mir Kyle Kyle beigebracht, der Bassist von Bang Tango. Das war ein außergewöhnlicher Bassist von Bag Tango, die in der Zeit des Guns N‘ Roses-Booms aufgetaucht sind. Ich kannte den Sänger der Band, der mich mit ihm bekannt gemacht hat, und von ihm hab ich sehr viel übers Bassspielen gelernt.

RockLine: Wie funktioniert dein Bass, wenn du mit den Mädels spielst?

Phil: Nach dem ersten Gig mit ihnen haben sie mir ein großes Kompliment gemacht.   Danach war ich per E-Mail mit Aixa in Kontakt und hab sie gefragt: „Wie hat es dir gefallen?“ Und ich hab die Rückmeldung bekommen, dass sie schon beim nächsten Gig auf mich zählen und mir das gesamte Repertoire vorstellen werden.

Aixa: Er gibt unseren Songs einen besonderen Akzent, eine besondere, zusätzliche Vibration, ein extra „Feel“ und Geschmack.

Betty: Unser Ausdruck gewinnt auch im mehrstimmigen Gesang dazu. Davor waren wir strikt eine reine Mädchen-Band.  Phil ist außerdem ein sehr guter Sänger, was wir für die Backing Vocals von Emily nutzen, denn sein Tenor verleiht den Harmonien eine besondere Farbe.

Phil: Auf keinen Fall versuche ich, eine Kopie des ehemaligen Bandmitglieds, Bassistin Michelle, zu sein. Ich versuche, meinen eigenen Bassstil einzubringen.

RockLine: Habt ihr Phil noch auf Probe? Auf dem Werbeflyer seid ihr nur zu dritt auf dem Bild?

Aixa: Natürlich werden wir ihn noch ein bisschen auf die Probe stellen, ha, ha, ha…

Phil: Weißt du, wie ich mich gefühlt hab, als wir hier in dieses Café gekommen sind? Alle haben sich nur auf die drei gestürzt, alle wollten nur die drei fotografieren. Und ich, als wäre ich gar nicht dabei.

Emily: Oh, du Armer.

Aixa: Nimm das nicht zu sehr zu Herzen, das geht vorbei.

Phil: Mir geht’s gut.

Emily: Ich denke, Phil kann sich bei uns eine feste Mitgliedschaft sichern. Wir werden sehen, wie diese Europatournee läuft, wie wir zusammen funktionieren.

Phil: Diese Tournee ist für mich eine Bewährungsprobe.

Betty: Wenn er sich die ganze Zeit gut benimmt und mir vor jedem Gig sorgfältig die Saiten auf der Gitarre wechselt und die Gitarre poliert, ha, ha, ha…

Phil: Na siehst du. Wie die mich aufziehen – ich werd noch verrückt.

RockLine: Ist es heutzutage schwer für eine junge Band, sich durchzusetzen und mit ihrer Musik auf sich aufmerksam zu machen?

Emily: Früher war das nicht so, aber heute stimmt das schon. In Zeiten der digitalen Distribution und in einer Ära, in der das Internet zur wichtigsten  Einnahmequelle für Bands wird. Nicht für alle. Manchen hat das Internet heute großen Schaden zugefügt. Besonders  schwer ist es in Los Angeles.

Aixa: Dort hat jeder Block seine eigene Band.

Emily: Was Block? Jeder Meter Parkstreifen an der Straße. Deshalb ist es umso schwerer. Du musst etwas Eigenes vorweisen, etwas Anderes. Anderes als das, was die meisten machen. Wir sind schon eine ganze Weile zusammen und werden sehen, wohin uns der Weg führt. Aber es ist schwer, das zu tun, was man mit Leidenschaft macht, und gleichzeitig zu versuchen, damit durchzukommen und eine größere Band zu werden. Beides gleichzeitig zu verbinden ist schwer. Aber nur so kann die Sache gesund funktionieren. Das ist nicht einfach.

Aixa: So ist es. Die Leute denken oft, dass man da nicht so viel Arbeit reinstecken muss, wenn du auf die Frage nach deinem Beruf antwortest, dass du Musiker bist. Sie haben keine Ahnung. Es gibt jede Menge Herausforderungen, Entbehrungen, auch Enttäuschungen. Das ist harte Knochenarbeit.

Emily: Du widmest dem immer mehr und steckst mehr rein, als du zurückbekommst. Ein Arzt zum Beispiel strengt sich auch an, schuftet – wird aber dafür anständig bezahlt.

RockLine: Ich nehme an, dass ihr hauptsächlich selbst für eure eigene Promotion und den Schutz eurer Interessen als Band sorgt?

Aixa: Wir haben zwar einen Plattenvertrag abgeschlossen, aber in der Tat machen wir alles selbst. So sind wir von Anfang an gewohnt. Auch mit dieser Europatournee. Wir haben keine Agentur, die für uns sorgt und uns Konzerttourneen organisiert. Genauso haben wir unsere letzte USA-Tournee komplett selbst organisiert. Die Sache ist einfach: Wenn du willst, dass du gut dastehst und die Dinge so laufen, wie du es dir wünschst, musst du alles selbst machen. Wenn du von anderen abhängig wirst, dass andere für dich sorgen, dann kommst du kaum weit.

RockLine: Was erwartet ihr von dieser Europatournee?

Betty: Neue Bekanntschaften mit ähnlichen Bands wie uns zu schließen.

Phil (zynisch): Große Hallen und große Städte.

RockLine: Wie nimmt das Publikum in den USA eure Musik wahr? Wie reagieren die Leute bei euren Konzerten zuhause?

Emily: Sie genießen es – es ist nicht schwer, sie auch in den „Moshpit“ zu bringen. Generell kann man spüren, dass die Leute in den USA unsere Musik und unsere Bemühungen wirklich schätzen. Das Publikum reagiert zwar an verschiedenen Ecken der Welt unterschiedlich, aber nirgends lassen wir das Publikum bei unseren Gigs kalt.

Phil: Auf diese Frage kann ich nicht ganz objektiv antworten, weil ich praktisch kaum mit Go Betty Go aufgetreten bin. Aber ich erinnere mich, als ich noch Teil des Publikums vor einem Go Betty Go-Konzert war. Vor dem Konzert hat sich eigentlich niemand darum gekümmert, dass sich ein Auftritt ankündigt. Doch als die Mädels auf der Bühne loslegten, tauchten die Leute wie „aus dem Nichts“ auf. Vorher war der Raum völlig leer. Danach standen sie in den vorderen Reihen und drehten richtig fanatisch durch. Vor vier Tagen hatten wir genauso ein Konzert. Die Situation war haargenau dieselbe, aber als wir anfingen zu spielen, füllte sich der Club bis in den letzten Winkel.

Aixa:  Das gibt dir definitiv die Motivation und den zusätzlichen Antrieb, wenn du siehst, dass nach harten Jahren des Durchhaltens im Business immer noch so viel Interesse an deinen Konzerten besteht.

RockLine: Dieser Energiefluss zwischen Publikum und Band, oder?

Aixa: Ja. Genau das

Emily: Das finde ich am wichtigsten. Diesen Vibrationsfluss zu erschaffen.

RockLine: Habt ihr Angst, wie Europa auf Go Betty Go und eure Konzertauftritte reagieren wird?

Emily: Überhaupt nicht. Ich bin überzeugt, dass es eine energiegeladene und intensive Konzerttournee wird. Ich weiß, dass die Leute hier in Europa uns schätzen und dass Interesse an unserer Musik besteht. Und das schätzen und respektieren auch wir.

Fotos: Aleš Podbrežnik

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