Rival Sons – rock’n’roll, Blues und die soulige Eleganz einer neuen Ära (2017)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Majano / Area Concerti festival / Italien
Konzertdatum: 08.08.2017
Besucherzahl: 400
Kartenpreis: 28,75€

Am zweiten Tag des Sommerfestivals im friaulischen Städtchen Majano traten die heißen Losangeler Rock’n’Roll- und Hard-Rock-Revivalisten Rival Sons auf die Bühne. Die enorm populäre Band, die seit 2009 aktiv ist und bereits fünf Studioalben im Gepäck hat, hat sich steil eine weltweite Fangemeinde erobert. Und das aus gutem Grund: Die Qualität, die sie nicht nur auf Platte, sondern auch in ihren ungemein energiegeladenen und adrenalinreichen Live-Shows abliefern, spricht für sich. Diese Shows belegen eindrucksvoll den starken, zielgerichteten Fokus dieses hochgradig profilierten amerikanischen Quartetts. Als Headliner landeten Rival Sons so auch in unmittelbarer Nähe der slowenischen Grenze und präsentierten dort ihr aktuelles Studioalbum »Hollow Bones« (2016).

Im vergangenen Jahr hatten die Band gemeinsam mit den Hard-Rock-Urgesteinen Deep Purple getourt, außerdem eröffneten Rival Sons Konzerte auf der Abschlusstournee – sprich der Abschiedstournee – der Rockgiganten Black Sabbath (in diesem Jahr durch die USA). An Aufmerksamkeit mangelt es der Band also nicht, und auch die Kritiken sind durchweg begeistert – selbst von den renommiertesten Musikmedien der Welt.

Zum Auftakt betraten um zehn Uhr abends die Mailänder Rocker MotelNoire die Bühne. Das erfahrene Quintett geschätzter und etablierter italienischer Musiker hat zwar erst ein einziges Studioalbum vorzuweisen – das gleichnamige Debüt von 2014 –, aus dem der Großteil des Sets bestand. Die Band ist hervorragend eingespielt und singt ihre Songs überwiegend auf Englisch. Angenehme 40 Minuten Aufwärmprogramm mit mehr als respektablem Sound (gemessen am Status als Vorband) bestätigten, dass die Gruppe das Publikum auf ihrer Seite hat und echte Zuneigung genießt.

Der Besuch des Konzertgeländes in Majano fiel diesmal merklich bescheidener aus als am Vortag, als Amon Amarth und Arch Enemy dort gespielt hatten. Diesmal waren kaum 400 Leute da – und das Publikum merklich älter, mit dem ein oder anderen charmant ergrauten Kopf. Trotzdem ballte sich kurz nach dem Auftritt der Rival Sons im Mittelfeld und in den ersten Reihen vor der Bühne ein kleines, aber umso lauteres Grüppchen glühender Fans zusammen, das die Texte verdammt gut kannte und die Band den ganzen Abend herzlich unterstützte. Jay Buchanan und seine Leute haben das schnell gemerkt und kommunizierten fortan hauptsächlich mit diesem mittleren Teil des Publikums.

Rival Sons hatten eine Setlist zusammengestellt, die zwar dem aktuellen Studioalbum etwas mehr Raum ließ, aber auch Stücke aus allen älteren Alben beinhaltete – allen voran die Lieblinge Keep On Swinging (Album »Head Down«), Open My Eyes und Electric Man (beide Album »Great Western Valkyrie«). Vor dem sechsten Song fragte Buchanan das Publikum, ob es Where I’ve Been oder Jordan hören wolle. Die Menge entschied sich für Letzteres.

Das Quartett (plus bärtigem Tourney-Keyboarder Todd Ögren-Brooks) lieferte einen Auftritt, der von Minute zu Minute sowohl spielerisch als auch atmosphärisch an Intensität gewann. Den finalen Höhepunkt erreichte alles ganz am Ende, als die Band die fieberhafte und zugleich ungemein elegante Show mit dem lang ersehnten Keep On Swinging abrundete.

Die Truppe ist außergewöhnlich gut aufeinander eingespielt. Herausgestochen hat natürlich vor allem Jay Buchanan, der seine unglaublich charismatische und mitreißende Gesangsshow steigerte und die meiste stimmliche Power just am Ende des Auftritts entfesselte. Genau dort bezauberte er buchstäblich mit einer unglaublichen Durchdringungskraft an Emotion und Leidenschaft, die er in einem makellosen Gesangsperformance voller einfühlsamer Hingabe bündelte. Die übrigen Musiker standen dem kaum nach – wenn überhaupt. Der Sound brillant, die Performance nicht minder. Nur hätten es ruhig etwas mehr Leute sein dürfen.

Diese teuflische Mischung aus der guten alten Schule des Rock’n’Roll, durchdrungen von einer ordentlichen Dosis Blues-Testosteron und geschickt verpackt in eine musikalische Zugänglichkeit für die Generation der neuen Ära, kreiste und kreuzte durch das Material beständig und vielschichtig durch Phrasen, die mal an The Who oder Cheap Trick erinnerten, mal an Led Zeppelin, Free, Bad Company, stellenweise sogar an The Beatles (vor allem in den ruhigeren, musikalischen Passagen) – und auch an The Doors (Buchanan schuldet Jim Morrisons Geist offensichtlich ein bisschen was, was seine Bühnenbewegungen angeht, ein kleiner Tribut an den verstorbenen Morrison). Spürbar eingewoben sind auch Surf- und Rockabilly-Elemente, auf die auch der Bühnen-Outfit von Gitarrist Scott Holiday hinwies (als würde unser Magnifico versuchen, Ginger Wildheart zu imitieren).

Ein ausgezeichnetes Konzert also – und man darf hoffen, dass die Band bald wieder in unserer Nähe aufschlägt. Denn hier geht es um spielerische Spitzenqualität, die man sich in solchen Situationen keinesfalls entgehen lassen sollte. Ein Konzert von Rival Sons zu besuchen bleibt schlicht Pflicht – und ein Versäumnis wäre eine echte Sünde. Auch für Puristen, die ausschließlich auf die Originalität der Pionierzeit der Sechziger und Siebziger schwören.

Setliste

  1. Hollow Bones Pt. 1
  2. Tied Up
  3. Electric Man
  4. You Want To
  5. Memphis Sun
  6. Jordan
  7. Face of Light
  8. Torture
  9. Soul
  10. Open My Eyes
  11. Hollow Bones Pt. 2
  12. Keep On Swinging

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