Amon Amarth – Tolkiens Schicksalsberg, der auch über dem Friaul aufragte (2017)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Majano / Area Concerti Festival / Italien
Datum des Konzerts: 07.08.2017
Besucherzahl: 4000
Kartenpreis: 40,25€

Das diesjährige Festivalprogramm des Städtchens Majano, das gut zehn Kilometer nordwestlich des italienischen Udine liegt, brachte am Montag, dem 07.08.2017, zwei unter Fans schwerer Klänge der neuen Generation äußerst beliebte schwedische Melodic-Death-Metal-Bands mit, die eigentlich permanent auf den Bühnen dieser Welt unterwegs sind. Kein Wunder also, dass sie auch bei den Scharen von Heavy-Fans heiß begehrt sind. Die Kombination Amon Amarth und Arch Enemy.  Ein erstklassiges Tandem also!

Obwohl die Organisatoren des alljährlichen Festivals in Majano sich auch heuer wieder für kostenpflichtige Konzerte entschieden haben (wer sich noch erinnert: der Auftritt von Anthrax letztes Jahr war umsonst!), füllte (vor allem) die Jugend die Grünfläche schön auf – einen Steinwurf entfernt vom hübschen Parkgelände im Ortskern –, in der es schon geraume Zeit vor Konzertbeginn bei reichlich Getränken fröhlich brodelte.

Die Uhr schlug neun Uhr abends, als Arch Enemy die Bühne betraten. Sie hatten gerade mal 40 Minuten zur Verfügung, also rollten sie in der kurzen Spielzeit gnadenlos Song für Song ab, und große Worte gab es kaum. Die Band steht kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Studioalbums, und dementsprechend begann auch der Konzertauftritt. Mit der frisch veröffentlichten Single The World Is Yours, die das kommende neue Studioalbum der Band ankündigt. Arch Enemy zuzuschauen ist immer ein Genuss. Es ist eine Band, die technisch bis ins kleinste Detail ausgefeilte und unglaublich aufeinander eingespielt ist. Alissa White-Gluz ist zwar ein kleines Ding, und wie man so schön sagt – in kleinen Fläschchen steckt das stärkste Gift –, sie bringt der Gruppe im Vergleich zu ihrer Vorgängerin noch etwas zusätzlichen Glam und Kitsch mit, von der sie sich erfolgreich den ausdrucksstarken und unglaublich durchdringenden sowie überzeugenden Growl „geliehen“ hat. Na gut. Wie viel davon dem Mischpult zu verdanken ist, wollen wir hier nicht weiter ausführen, aber es ist schön, eine Vokalistin zu sehen, die im Gegensatz zu so manchen Kolleginnen eben growlt und nicht singt. Der Sound war erstklassig. Ich rede vom Gesamtklangbild. Micahel Amott und Jeff Loomis brillierten erneut in haargenau dosierten Soli, die Band entwickelte einen ausgeprägten Groove, der auf einprägsamen und treibenden Gitarrenphrasen basiert – verantwortlich dafür ist das langgediente und immer noch unglaublich dynamische und mitreißende Rhythmus-Tandem Erlandsson/D’Angelo. Die vorderen Reihen wirbelten ordentlich durch bei den kanonenschussartigen Detonationen von Arch Enemy, für die dieser Auftritt ein netter, kurzer Zwischenstopp im Rahmen ihrer Sommerauftritte war, bei denen es kein Problem ist, auch mal deutlich längere Konzerte zu spielen. Sie sind eben unglaublich erfahren und routiniert. Und obendrein steigern sie ihre Form noch kontinuierlich. Die Herbsttournee rückt nämlich unaufhaltsam näher. Ein Konzert, das man unbedingt in der ausführlicheren Version erleben muss, am 30.09.2017, wenn Arch Enemy im Rahmen ihrer neuen Tournee auch als Headliner im Ljubljanaer CUK Kino Šiška auftreten werden.

Es folgten anderthalb Stunden mit einem Spektakel, das auf den Namen hört? Konzert Amon Amarth. Die Band haben wir kürzlich im Rahmen der diesjährigen Ausgabe des Metaldays-Festivals genossen, wo sie über die Jahre sozusagen zur Kultband geworden sind. Der Auftritt der Band in Majano unterschied sich kaum von dem, was wir in Tolmin erlebt haben, und doch. In Italien ist der Einsatz von Pyrotechnik neuerdings verboten, weshalb das diesmalige Amon Amarth-Spektakel nur von Rauchschwaden begleitet wurde – neben der ansonsten vollständigen Bühnenkulisse, bei der die unterhaltsamen Versatzstücke nordischen Erbes und nordischer Mythologie natürlich nicht fehlten. Der zweite Unterschied war, dass Amon Amarth in Majano bei völlig trockenem Wetter auftraten, weshalb es mit der Logistik für einen optimalen Sound keine Schwierigkeiten gab und es über Majano mit voller Wucht dröhnte und brodelte. Der dritte Unterschied war, dass es natürlich deutlich weniger Besucher gab. Weniger als die Hälfte im Vergleich zum Auftritt von Amon Amarth in Tolmin. Eine Anmerkung von untergeordneter Bedeutung, aber dennoch. Und schließlich wagte die Band, die Setlist ein kleines bisschen zu ändern, und spielte statt Tattered Banners and Bloody Flags With Oden on Our Side, das sie damit erstmals seit 2011 wieder in ihr Konzertrepertoire zurückholten. Die Melodien, die sich über den Riffs spannen, sind ziemlich abgenutzt und schon oft gehört, doch die Band kompensiert dieses schamlos melodische Element ihrer musikalischen Visitenkarte mit dem Theater von Johann Hegg, der erneut bestätigte, dass er ein charismatischer und unglaublich sympathischer Showman aus echtem Schrot und Korn bleibt – auch mit dem richtigen Quäntchen Sinn für Humor. Der kolossale Sänger gewann das Publikum im Handumdrehen für sich, und es fraß ihm erneut aus der Hand. Amon Amarth sind übrigens eine hervorragend aufeinander eingespielte Konzertmaschine. Patzer waren keine zu bemerken. Das wundert einen kaum. Sie sind nämlich ununterbrochen unterwegs, und die Tournee zur Promotion des aktuellen Studioalbums »Jomsviking« hat sich aufgrund des außerordentlichen Erfolgs konsequenterweise tief ins zweite Jahr gezogen. Bei all den Wikinger-Auftritten der Schwertkämpfer, Speerwerfer und Bogenschützen, bis hin zu Heggs finalem Angriff auf den bösen Drachen im abschließenden Twilight of the Thunder God, den er natürlich mit Thors Hammer zur Strecke brachte, war eines klar. Das Amon Amarth-Konzert bleibt im Jahr 2017 eben ein besonderes Konzertspektakel und ein Garant für großen Spaß. Wenn du kein glühender Fan der Band bist – die natürlich erneut voll auf ihre Kosten gekommen sind –, bleibt dir mindestens eine erstklassige Portion Bühnenshows der Extraklasse, die eben das moderne Aufeinandertreffen mit dieser Band bietet. Wo die Zeit sie in Zukunft noch hintragen wird, weiß der Teufel allein. Dennoch wird sich die Band zunächst sicher eine ordentliche Portion Ruhe und wohlverdiente Ferien gönnen. Sie haben nämlich eine außergewöhnliche Konzertstrecke hinter sich. 

Setlist

ARCH ENEMY:

  1. Tempore Nihil Sanat (Prelude in F minor, taped intro)
  2. The World Is Yours
  3. Ravenous
  4. War Eternal
  5. My Apocalypse
  6. You Will Know My Name
  7. Under Black Flags We March
  8. As the Pages Burn
  9. Dead Eyes See No Future
  10. No Gods, No Masters
  11. We Will Rise
  12. Nemesis
  13. Enter the Machine (taped outro)

AMON AMARTH:

  1. The Pursuit of Vikings
  2. As Loke Falls
  3. First Kill
  4. The Way of Vikings
  5. At Dawn’s First Light
  6. Cry of the Black Birds
  7. Deceiver of the Gods
  8. Destroyer of the Universe
  9. With Oden on Our Side
  10. Death in Fire
  11. Father of the Wolf
  12. Runes to My Memory
  13. War of the Gods

—Zugaben—
14. Raise Your Horns
15. Guardians of Asgaard
16. Twilight of the Thunder God

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