Ein Abend alternativer Nostalgie mit Jesus and Mary Chain (2017)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: CUK Kino Šiška
Konzertdatum: 05.07.2017

Das Zentrum für urbane Kultur Kino Šiška ist in die zweite Hälfte der jährlichen Konzertsaison mit einem ziemlich klangvollen Namen eingetreten. Nach dem Konzert von My Dying Bride vor einiger Zeit hat die Kathedrale bereits die zweite legendäre Band des Shoegaze-Genres gestürmt: Jesus and Mary Chain.

Für eine passende Eröffnung des Abends voller Indie/Alter-Klänge sorgten die einheimischen Urgesteine der Shoegaze-Szene, Haiku Garden. Bemerkenswert, dass sie 2017 noch immer die Pioniere dieses Genres auf slowenischem Boden sind. Das junge Lineup, das seit 2015 auftritt und seine Songs ausschließlich auf Englisch spielt, war damit mehr als offensichtlich die einzige und – Hand aufs Herz – die richtige Wahl zum Aufwärmen der Fans der Kult-Briten. Geehrt, von CUK Kino Šiška für diesen Abend eingeladen worden zu sein, haben sie sich entsprechend bewiesen. Vielleicht lässt sich das Gefühl nicht ganz vermeiden, dass sie manchmal die Nervosität verraten hat, was aber bei einem Konzert dieser Kalibers und beim Sammeln von Konzerterfahrung völlig verständlich und auch verzeihlich ist. Trotz allem ein hervorragender Auftritt, der Lob verdient. Wir hoffen, dass sie in diesem Stil weitermachen, denn sie versprechen viel.

Mit einer leichten fünfminütigen Verspätung betraten um 21:35 Uhr die Lieblinge der slowenischen Alter-Szene Jesus and Mary Chain die Bühne des Kino Šiška. Mit dem ersten Song “Amputation” bewarben sie sofort ihr aktuelles Album “Damage and Joy”. Genau der Titel des aktuellen Albums wird noch ein passender Satz für das Konzert der Briten sein – warum, erklären wir am Schluss. Das fünfköpfige Lineup, in dem von den Originalmitgliedern nur noch die Gründer auftreten – die Brüder Jim (Gesang) und William (Gitarre) Reid.  Die übrigen Bandmitglieder (Scott Von Ryper, Brian Young, Mark Crozer) sind in der Band mit 34-jähriger Geschichte noch völlige Neulinge. Es liegt also auf der Hand, dass das Publikum an diesem Abend am meisten genau von den Brüdern Reid erwartet hat. Hat es das bekommen? Auf jeden Fall. Vor allem vom Frontmann Jim, der die Dynamik des Konzerts energisch den ganzen Abend über steigerte. Etwas weniger zwar von William, obwohl er wohl die markantere Persönlichkeit der Band bleibt. Die etwas ungewöhnliche Aufstellung der Band auf der Bühne wirkte so, als wären Gitarrist und Bassist von der dynamischen Bühnenpräsenz isoliert – dieses Privileg bleibt dem Sänger vorbehalten. Interessant, aber sympathisch.

Wie klingt eine Band, die nach 34 Jahren und einer Pause zwischen 2000 und 2007 heuer nach neunzehn Jahren wieder ein Album veröffentlicht hat? Problemlos – man kann sagen: hervorragend. Der raue Sound der Gretsch-Gitarren kontrastiert perfekt mit dem starken Gesang. Die Band, die in ihren ersten Jahren sehr viel versprach und der Kritiker sogar eine hellere Zukunft voraussagten, als die Realität es hergab, wirkt freilich nicht mehr so jugendlich – das ist klar. Der eher statische William sowie die übrigen Mitglieder der Rhythmus- und Soloabteilung stehen leider wirklich ein bisschen im Schatten des Sängers Jim. Trotzdem boten sie in knapp einer Stunde Spielzeit eine hervorragende Setlist – von den meisten Hits fehlte praktisch nichts. Damit haben sie die Ohren der slowenischen (und ziemlich vieler kroatischer) Alter-Nostalgiker gefüttert, die bekamen, weswegen sie gekommen waren. Dem Toningenieur können wir keine Fehler vorwerfen – trotz der verzerrten Sounds hat die gesamte Klangkulisse des Konzerts nicht enttäuscht. Jesus and Mary Chain beendeten das Konzert nach knapp zwei Stunden mit einer Zugabe und dem Song “I hate rock˙n˙roll”.

Noch zum abschließenden Gedanken. Warum haben wir Damage and Joy erwähnt? Zweifellos haben die Jahre an der einst so energiegeladenen Band ihre Spuren hinterlassen. Wir hätten uns mehr Dynamik gewünscht. Dennoch haben Jesus and Mary Chain einen hervorragenden Alter-Abend mit Shoegaze-Musik hingelegt. Möge es so bleiben!

Text und Fotos: Klemen Udovč

Setliste

  1. Amputation
  2. April skies
  3. Head on
  4. Far gone and out
  5. Between planets
  6. Blues from a gun
  7. Always sad
  8. Mood rider
  9. Teenage lust
  10. Cherry came to
  11. The hardest walk
  12. All things must pass
  13. Some candy talking
  14. Halfway to crazy
  15. Nine million rainy days
  16. Reverence
  17. Just like honey
  18. You trip me up
  19. The living end
  20. War on peace
  21. Taste of cindy
  22. I hate rock´n´roll 

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