Airbourne und der Luftalarm über Lignano (2017)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Lignano Sabbiadoro / Arena Alpe Adria / Italien
Datum des Konzerts: 15.06.2017
Besucherzahl: 750
Kartenpreis: 28,75€

Obwohl sie letzten Sommer im nahegelegenen Zagreb aufgetreten sind und Mitte Juli im Rahmen der diesjährigen Ausgabe des Festivals Pivo in cvetje in Laško spielen, war es ein absolutes Muss, einen Monat früher mal eben hinzufahren und die Bühnenform der charismatischen australischen Rock’n’Roll-Rowdys und Kurzhosen-Träger Airbourne zu checken. Sie traten nämlich in der unglaublich angenehmen und sympathischen Konzertlocation des italienischen Badeorts Lignano Sabbiadoro auf, der sogenannten Arena Alpe Adria. Genau fünfzehn Jahre war es her, seit der Autor dieser Konzertstory Motörhead zum ersten Mal gesehen hatte, und zwar am 15.06.2002 im österreichischen Graz. Nebenbei: Airbourne widmen einen der Songs auf ihrer aktuellen Sommerfestivaltournee durch Europa der unsterblichen Legende, dem großartigen und einzigartigen Lemmy.

Die Band, die seit gut zwölf Jahren auf der Bühne »ihren Dienst tut«, hat im November 2016 ihr neues Studioalbum »Breakin‘ Outta Hell« veröffentlicht, auf dem sie weiterhin treu ihrer Inspiration durch Charakter und Werk ihrer älteren Landsleute bleibt – nämlich einer der Pionier-Rock’n’Roll-Bands, AC/DC. Und wo AC/DC sind, sind auch immer Rose Tattoo nicht weit. Um internationalen Erfolg zu erlangen, musste Airbourne zunächst hart schuften. Zu diesem Erfolg hat auch der Zusammenhalt der festen Truppe beigetragen, wobei sich die Besetzung durch die gesamte Bandgeschichte praktisch kaum verändert hat. Nun, diesen April hat die Band offiziell bekannt gegeben, dass der langjährige Rhythmusgitarrist David Roads durch das neue Mitglied Harri »The Riff Doctor« Harrison ersetzt wurde.

Der Auftritt der Band in Lignano war einer der wenigen für Airbourne in diesem Sommer, bei denen die Besetzung außerhalb des Festivalprogramms auftrat – also ein eigenständiges Konzert. Doch noch vor Airbourne bekamen die italienischen Rock’n’Roll-Hengste ihre Chance, die in der  Provinz Pordenone (Ort Casarsa della Delizia) beheimatet sind und sich Fake Idols nennen. Das sind dieselben Fake Idols, die auch im Rahmen des diesjährigen Rock Camp Summer Music Festivals auftreten werden, einen Steinwurf von Triest entfernt (Ort Trebče pri Opčinah). Die Band präsentierte sich als ein außergewöhnlich gut eingespieltes und abgestimmtes Quintett. Bestehend aus tief gestimmten, fett dröhnenden Gibson Les Paul-Gitarren, einem durchdringenden und klirrenden Bass, kraftvollen und soliden Rhythmusschlägen mit koketten Lead-Rhythmen sowie einem wilden, rau-kehligen und arroganten Gesang.  Die Band veröffentlichte 2014 ihr gleichnamiges Debütalbum und nutzte den Auftritt vor Airbourne in Lignano, um ihr aktuelles, 2016 erschienenes Nachfolgealbum »Witness« vorzustellen. Von letzterem hörten wir auch eine äußerst gelungene Coverversion des The Chemical Brothers-Originals namens Go sowie die Eigenkompositionen I Am Fake und Mad Fall. Man merkt, dass die Band trotz ihrer relativ kurzen Karriere hervorragend eingespielt ist und bereits auf größeren Bühnen gespielt hat, unter anderem beim Festival Gods of Metal. Im Klangbild hätten die Gitarren während des Konzerts etwas lauter sein können, was sich besonders in kaum hörbaren Soli äußerte – ansonsten aber kein Grund zur Klage. Unglaubliche Kinetik, Dynamik, das ständige Hin- und Herlaufen der Bandmitglieder über die Bühne und die Interaktion mit dem Publikum. Das Publikum kennt die Songs bereits sehr gut, und Fake Idols erhielten ordentlich Unterstützung, als das Publikum beim Mitsingen der Verse mitmachte. Ein hervorragendes Warm-up also. Auch die englischen Texte werden auf souverän hohem Niveau gesungen, was italienischen Bands seit jeher Kopfzerbrechen bereitet.

Um halb zehn Uhr abends beschlossen Airbourne dann, die Bühne zu verwüsten. Diese Band ist nicht nur Botschafterin einer neuen Rock’n’Roll-Generation, sondern auch ein verdammt guter (zumindest teilweiser) Trost für alle, die AC/DC live erleben möchten – und das leider (sehr wahrscheinlich) nie mehr erleben werden. Auch eine stattliche Abordnung aus Slowenien, besonders aus der Gegend um Görz, begrüßte die kernigen Australier beim Betreten der Bühne. Natürlich waren alle Augen auf den unglaublichen Joel O’Keeffe gerichtet. Dabei überraschte es nicht, dass der Hauptscheinwerfer mit weißem Licht ihn während des gesamten Konzerts verfolgte. Er ist tatsächlich das wichtigste Bindeglied der Truppe, das Airbourne zusammenhält. Ein echter Bühnenteufel, der durchgehend unglaubliche Mengen an Energie herausschleudert! Er hat geschwitzt, was das Zeug hält. Er lieferte wieder ein Konzert auf extrem hohem Niveau, mit federleichter Lockerheit und durchdringender Schreikraft – wobei er ein paar tiefere Linien aus sich herauspressen kann als seine Vorbilder Bon Scott und Brian Johnson. Der aufgewühlte und aufgepeitschte Mann solierte dabei und hielt das Publikum mit ständigen Kommentaren fest im Griff. Tatsächlich drehte sich absolut alles um ihn. Die Arena Alpe Adria war an diesem Abend kaum zur Hälfte gefüllt – sagen wir, es waren etwa 700 Besucher da –, dennoch ein schöner Haufen der heißesten Fans, die die Band lautstark unterstützten. Dementsprechend bebten die ersten Reihen besonders bei den unzerstörbaren Hits der Band, nämlich dem abschließenden Runnin‘ Wild, Live It Up, It’s All For Rock’N’Roll (das widmete Joel dem Lemmy –  Letzterer hatte nämlich im Musikvideo zu diesem Song der Band mitgewirkt), No Way But The Hard Way und Stand Up For Rock ‚N‘ Roll. Ebenso durfte die Theater-Einlage mit dem riesigen Scheinwerfer nicht fehlen, mit dem Joel ins Publikum leuchtete, sowie das Heulen der Luftsirene beim Intro zur obligatorischen Zugabe, für die Joels Bruder und Banddrummer Ryan O’Keeffe sorgte.

Was soll man sagen! Ein ausgezeichnetes Konzert. Von Anfang bis Ende auf dem Höhepunkt einer gewaltigen, vulkanischen Eruption urwüchsiger Rock’n’Roll-Riffs durchgezogen – natürlich sekundär adaptiert und wieder souverän serviert. So, wie es die neue Generation der Rock’n’Roll-Revivalisten macht, darunter Airbourne. Das war’s. Man hätte zwar gerne noch den einen oder anderen Song mehr gehabt – aber trotzdem. Eine Einladung an alle: Geht die Band Airbourne unbedingt Mitte Juli beim Festival Pivo in cvetje sehen. Nach Laško, natürlich!

Setlist

AIRBOURNE:
1. Ready To Rock
2. Too Much, Too Young, Too Fast
3. Rivalry
4. Down On You
5. Cheap Wine And Cheaper Women
6. Girls In Black
7. It’s All For Rock ‚N‘ Roll
8. Breakin‘ Outta Hell
9. No Way But The Hard Way
10. Stnd Up For Rock ‚N‘ Roll
—Zugabe—
11. Live It Up
12. Runnin‘ Wild 

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