Russische Eigenbrötler The Grand Astoria wieder in der Gromka (2016)
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Gromka, Ljubljana
Konzertdatum: 24.02.2016
Kartenpreis: 6€
Die Konzertsaison im Club Gromka auf der Metelkova ist zweifellos abwechslungsreich. Unter der Organisation von KiborgSpužva Büking finden ziemlich ungewöhnliche Konzerte statt – von obskurem Grind und Stoner bis hin zu Progressive und Psychedelic Rock. Diesmal war Progressive Rock an der Reihe, und zwar mit den russischen Eigenbrötlern The Grand Astoria, die uns schon mehrmals besucht haben.
Ohne ordentliches Aufwärmen läuft kein Konzert. Als Vorband betraten die jungen slowenischen Blues-Rocker Bad Notion die Bühne, die mit ihren Songs wie eine Zeitmaschine wirkten. Bei den Eigenkompositionen merkt man, dass sich die Band die Meisterwerke der Blues-Klassiker zum Vorbild genommen hat. Vor allem beim Spiel auf den Instrumenten wie auch beim Gesang ist der Einfluss von Jimi Hendrix spürbar. Als Überraschung servierte die Gruppe noch zwei Coverversionen von Stevie Ray Vaughan, womit sie einen weiteren wichtigen Einfluss unterstrich. An der Eingespieltheit der Band gibt es nichts auszusetzen, besonders hervor stach Gitarrist Grega Smola Crnkovič, der beim Solieren viel Geschick und vor allem Präzision zeigte. Bei Bad Notion zeigt sich zweifellos Potenzial. Und es verdient allen Respekt, dass eine junge Band sich dem Blues widmet, anstatt die abgedroschenen Rocknummern aus den Achtzigern und Neunzigern zu spielen.
Nach einer halben Stunde betraten The Grand Astoria die Bühne, ein junges russisches Quintett aus Sankt Petersburg. Die Gruppe hat in ihrer kurzen Karriere eine ganze Reihe von Alben herausgebracht. Eigentlich vergeht kein Jahr, in dem die Band nicht irgendwas veröffentlicht. Es handelt sich jedenfalls um eine äußerst kreative Gruppe, die von Kamille Sharapodinov angeführt wird, der wie eine Junior-Version von Steven Wilson wirkte. Die Band überraschte in ihrem über einstündigen Set konstant. In den langen Songs passierte allerhand. Zunächst fiel vor allem auf, dass sich die Gruppe am Progressive Rock der Siebziger orientiert – doch schnell machte die Band klar, dass sie nicht nur einen Stil spielen will. So sorgte sie für unzählige Stilwechsel. In einem Song konnte plötzlich ein Thrash-Metal-Teil im Stile von Metallica auftauchen, dann Grunge, Psychedelic Rock und noch vieles mehr. Einerseits könnte man das alles als Spaß abtun, andererseits zeigte die Band damit eine unglaubliche Breite und Grenzenlosigkeit.
Die Band war solide eingespielt. Der Sound war allerdings nicht gerade der beste – einige Instrumente waren schlicht nicht zu hören. Der Keyboarder, der nebenbei auch hohe Backing Vocals beisteuerte, war anfangs überhaupt nicht eingestöpselt. Auch die übrigen Mitglieder stachen nicht besonders hervor. Bei Sharapodinov sah man, dass er einige Konzertkilometer auf dem Buckel hat. Der Schlagzeuger fiel trotz eines extrem kleinen Setups ziemlich auf, der Bassist etwas weniger, während der zweite Gitarrist, der einige Zweistimmigkeiten beisteuerte, statisch und ziemlich kalt wirkte. Mit ihren langen, überraschungsreichen Songs haben The Grand Astoria zweifellos begeistert. Doch bei langen Songs hakt es auch schnell – es tauchen nämlich Abschnitte auf, die sich zu sehr wiederholen, sodass bestimmte Songs unnötig in die Länge gezogen wurden. The Grand Astoria haben dennoch genug Innovationsgeist gezeigt, und wenn sie so weitermachen, werden sie schon bald ein bekannter Name in der Progressive-Rock-Szene sein. Sie müssen sich nur etwas mehr Zeit nehmen und ihren Arrangements etwas mehr Sinn verleihen.
Alles in allem fand an einem angenehmen Mittwochabend im Club Gromka ein weiteres außergewöhnliches Konzert statt, bei dem The Grand Astoria und Bad Notion gemeinsam ein breites Spektrum an Progressive- und Blues-Rock abdeckten.
Setlist
THE GRAND ASTORIA:
1. The Grasshopper Lies Heavy
2. Deathmarch
3. Serpent and the Garden of Eden
4. The Man. The Sun. The Desert.
5. Pale Blue Dot
6. (Nine Lives of) Dersu Uzala (var. 2)
—Zugabe—
7. Masterplan
Bildergalerie
























