Stahlschleifen und Schwertkampf in der Gala Hala (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Gala Hala / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 23.03.2015

Vor fast elf Jahren, genauer gesagt am 25.05.2004, trat in Ljubljana zum ersten und wahrscheinlich auch zum letzten Mal in seiner Karriere U.D.O. Udo Dirkschneider, das einstige Aushängeschild von Accept, mit seiner Band auf. Bei diesem Konzert fungierten die Schweizer Crystall Ball und die aufstrebenden Metalnachwuchshelden Majesty als Vorgruppen. Dass eine Band, die damals noch in den Kinderschuhen steckte, über die Jahre hinweg mit einer Reihe von Studioalben Bestand haben und sogar eigenständige Headliner-Touren bestreiten würde, hätte damals niemand gedacht. Aber man soll nie nie sagen. Und genau diese Majesty sind nun nach mehr als einem Jahrzehnt zum zweiten Mal in der slowenischen Hauptstadt angekommen. Mit dem neuen Album »Generatuion Steel« im Gepäck und der Unterstützung zweier Vorgruppen – den Schweden Bloodbound und den Belgiern Evil Invaders.

Um halb neun springen die belgischen Evil Invaders auf die Bühne. Die Band, die seit 2007 kreativ tätig ist und neben einem 2009 veröffentlichten Demo auch eine gleichnamige EP aus dem Jahr 2013 sowie das gerade erst erschienene Debütalbum »Pulses of Pleasure« – veröffentlicht Ende Februar dieses Jahres – im Gepäck hat. Das Quartett, vertreten durch Joe (Gesang, Gitarre), Sam Lemmens (Gitarre), Max Mayhem (Bass) und Senne Jacobs (Schlagzeug), lieferte eine gewaltige Eröffnungsüberraschung, die letztlich den Höhepunkt des gesamten Konzertabends darstellte.

Nimm das Iron Maiden-Album Killers, spiele alle Riffs in extremem Tempo und lege sie mit einem doppelten Bass-Pedal unter. Schon in der eröffnenden Gitarrenphrase von Stairway to Insanity blitzte die Ähnlichkeit mit dem Gitarrenriff des Iron Maiden-Klassikers Purgatory auf. Evil Invaders haben von der ersten bis zur letzten Sekunde in guten dreißig Minuten alles vor sich niedergewalzt. So viel Energie haben sie aus sich herausgespeien, wie sie an diesem Abend keine der beiden folgenden Bands mehr aufbringen konnte. Die ungemein engagierte Band, die ihrer Vision mit Hingabe folgt, überraschte schon allein mit den Mikrofonständern aus Stahlketten, an denen die Mikrofone befestigt waren. Sänger und Gitarrist Joe haute mit seinem extrem hohen Gesang dem Publikum ein ums andere Mal ordentlich auf die Ohren – bei aller extremen Geschwindigkeit, die die Band entwickelte, unterliefen ihr aber auch einige Patzer, vor allem Sänger Joe war in den seltenen Soli, die er spielte, etwas unachtsam. Aber das zählt kaum. Eine Band, die klassische Heavy-Metal-Inhalte und die NWOBHM-Bewegung mischt und als rechtmäßiger Nachfolger altehrwürdiger belgischer Metalbands wie Ostrogoth gilt, kreuzt diese europäische Klassikschule gerne mit amerikanischem Old-School-Speed-Metal à la Agent Steel. Joes Gesang zieht manchmal sogar Richtung John Cyriis. Evil Invaders haben Schlag um Schlag ausgeteilt, und die einleitenden dreißig Minuten vergingen wie im Flug. Eine außergewöhnliche Eröffnungsbombe!

Um neun stehen Bloodbound auf der Bühne. Es handelt sich um ein Sextett, das jedoch nur mit fünf Mitgliedern auftrat. Wo haben die eigentlich einen der Gründer der Band gelassen, Keyboarder Fredrik Bergh (ex-Street Talk)? Zu Hause. Bloodbound spielten mit Vokalharmonien und Keyboards vom Band. Die beiden Brüder Olsson an den Gitarren, Schlagzeuger Perre Akerlind, Neusänger Patrik Johansson und Bassist Anders Broman vertreten heute – in Berghs Abwesenheit – Bloodbound, die ebenfalls schon einen Auftritt auf slowenischem Boden absolviert hatten. Das war am 7.4.2009, als sie das Konzert für Sabaton und die damaligen Headliner HammerFall in Maribor eröffneten. Wo wir schon bei Sabaton sind: Bloodbound haben sich auf dem neuen Album »Stormborn« (2015) dem Pomp und Kitsch von Sabaton geradezu absichtlich angenähert und angesteckt. Das neue Album war im Repertoire massiv vertreten, und so mancher Track erinnerte vor allem in den Refrains und beim Synthie-Sound an die Bombastik von Sabaton. Man kann sagen, dass Bloodbound in künstlerischer Hinsicht in der neuen Zeit etwas an Interessantigkeit eingebüßt haben. Ihrem Auftritt selbst ist jedoch nichts vorzuwerfen. Die Schweden gingen ihren Auftritt mit Biss an. Sänger Patrik hielt durchgehend intensiven Blickkontakt mit dem Publikum, ebenso die beiden Gitarristen in der vorderen Frontlinie. Extrem präzise in der Ausführung und kompakt. Bloodbound präsentierten sich als eine Entität, die ausgezeichnete Konzert-Sets abliefert – wobei man dabei auch die respektable Erfahrung nicht außer Acht lassen sollte, die die Jungs seit der Gründung im Jahr 2004 bis heute gesammelt haben.

Majesty gebührte als Hauptact des Abends die längste Bühnenzeit. Der große Anführer und nach all den Jahren einzige originale (wenn auch nicht Gründungs-)Mitglied, Sänger Tarek Maghary, verdankt der Formung seines Bühnenausdrucks und seines Gesangs viel Eric Adams (Manowar). Auch sonst haben sich Majesty über die Jahre hinweg nicht allzu weit von der klanglichen und stilistischen Anlehnung an Manowar entfernt. Gerade wegen dieser klang- und stilistischen Ähnlichkeit – nicht nur mit Manowar, sondern auch innerhalb des Repertoires, das einen Querschnitt durch die Diskografie bot – wirkte der Konzertauftritt oft so, als würde die Band ein und denselben Track spielen. Durchgehend extrem korrekt und engagiert, mit Frontmann Tarek, der seine gute Laune und Spielfreude nicht verbarg. Die Bühne, die auch in der Tiefe maximal ausgenutzt wurde, war mehrfach von einem Nebelvorhang geflutet, und Tarek versuchte das Spektakel zusätzlich durch Kostümwechsel aufrechtzuerhalten.

Den Konzertabend retteten zu einem großen Teil die Besucher aus dem südlichen Nachbarland Kroatien. Etwa zehn von insgesamt vierzig Köpfen rasteten vor der Bühne aus und beherrschten die Texte aller drei Bands. Die sorgten für so viel Krawall und pumpten so viel Energie raus, dass es den Bands nicht allzu unangenehm war, fast vor einer leeren Gala Hala zu spielen. Genau diese kroatische Metal-Unnachgiebigkeit und dieser Fanatismus hielten auch die Bands durchgehend fest im Sattel und fokussiert auf ihre Arbeit. Die Bands zeigten also keine Anzeichen nachlassender Motivation aufgrund des schwachen Besuchs. Ein überbordender Haufen Spaß diesmal in der Gala Hala – auch wenn der Auftritt von Evil Invaders als Höhepunkt des Abends zu werten ist. Keine Frage. Evil Invaders haben nämlich die Show sowohl Bloodbound als auch Majesty gestohlen.

Setliste

EVIL INVADERS:
1. Intro
2. Stairway to Insanity
3. Driving Fast
4. Shot to Paradise
5. Sirens
6. Fast, Loud ’n‘ Rude
7. Victim of Sacrifice
8. Master of Illusion

BLOODBOUND:
1. Bloodtale
2. Satanic Panic
3. When Demons Collide
4. Stormborn
5. In the Name of Metal
6. Iron Throne
7. When The Kingdom Fall
8. Moria
9. When All Lights Fail
10. Metalheads Unite
11. Book of the Dead
12. Nosferatu

MAJESTY:
1. Intro
2. Hawks Will Fly
3. Fields of War
4. Time for Revolution
5. Shout At The World
6. Drum Solo
7. Hellforces
8. War For Metal
9. Generation Steel
10. Guitar Solo
11. Into the Stadiums
12. The Last Reward
13. Thunder Rider
14. Circle Of Rage
15. Sword and Sorcery
—Zugabe—
16. Metal Law
17. Metal Union

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