Stevie Salas und das Funk-Rodeo in der Bluesiana (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 22.11.2014
Besucherzahl: 70
Es vergeht eigentlich kein Jahr im Konzertprogramm des legendären Blues-Tempels in Velden am Wörthersee namens Bluesiana Rock Cafe, ohne dass der famose Gitarrenzauberer mit Apache-Wurzeln Stevie Salas dort vorbeischaut. In den letzten Jahren sehr oft in Begleitung des nicht minder bekannten Vocal-Sidekicks der berühmten Rolling Stones, Bernard Fowler – der diesmal jedoch zu Hause blieb. Für seine neue Tournee entschied sich Salas, im Repertoire vorwiegend eigenes Material zu spielen. Dieser Schritt verlangte andere taktische Überlegungen und Lösungen. Salas formierte für die Tournee, auf der er wieder ausgiebig sein Studiodebüt »Colorcode« (1990) ins Programm aufnahm, ein Trio. An den Gagen lässt sich so mehr sparen, wobei gleichzeitig weniger verdient wird (dazu aber später mehr). So stand an seiner rechten Seite auf der Bühne wieder Bassist Jara Harris, Salasʼ treuer Weggefährte, der den Gitarristen schon seit Jahren auf den Bühnen begleitet, und hinter dem Schlagzeug rekrutierte Salas seinen »indianischen Bruder« Michel Bruyere, der seine Wurzeln im Volk der Mohawk hat.
Der Samstagabend lockte leider keinen großen Andrang in die Bluesiana, weshalb das Trio den Auftritt etwas hinauszögerte, in der Hoffnung, dass noch der ein oder andere Musikenthusiast auftaucht. Punkt zehn Uhr abends pilgerten Stevie, Jara und Michel zu ihren Instrumenten. In einer schelmischen Ansprache an das zahlenmäßig überschaubare Publikum bewies Salas großes rhetorisches Talent, gespickt mit einer amüsanten Dosis schwarzen Humors und der guten Laune, die diesen Musiker schon seit jeher begleitet. Nach einigen »theatralischen« Momenten beim Stimmen der Framus-Gitarre legte die Band mit dem »Colorcode«-Klassiker Tell Your Story Walkin‘ los und entfachte im Raum schnell das Feuer.
Die außergewöhnliche Rhythmussektion aus Bruyere und Harris deckte enorm viel Raum im Klanghintergrund ab und glänzte dabei mit einer Abfolge von tugendhaften, filigranhaft präzise dosierten rhythmischen Impulsen! Stevie Salas, der rasch anfing, seine Finger konkret aufzuwärmen, hatte an diesem Abend kein besonderes Glück mit der Klangkalibrierung seines Instruments. Die Gitarre verstimmte sich die ganze Zeit, was sich bereits in der ersten Pause nach dem Eröffnungsstück andeutete. In diesen Momenten übernahm Jara Harris das Steuer und füllte mit seiner Geschmeidigkeit, einem ungemein geschickten Umgang und der außergewöhnlichen Wärme des samtigen Klangs seiner Bassgitarre den Raum der Bluesiana.
Stevie Salas und seine Mitstreiter entfalteten im Laufe von einer Stunde und zehn Minuten (Zugabe eingerechnet) ein höllisches Konzerterlebnis. Teuflisch gut würzten sie eine aufgefunkte Rock-Extravaganza, bei der die hochgradig ansteckende rhythmische Kinetik das Publikum spontan zum Wippen und Tanzen verleitete. Salas kann laut sein, dosiert seine verzerrten Momente aber geschickt mit dem Zupfen sauber gesetzter, funkig angeschärfter Akkorde, wo die Rhythmuslinie einen fetten Groove gewinnt! Kein Wunder also, dass dieses Feeling, das der Gitarrist im Blut hat, bei seiner Zusammenarbeit mit Namen wie Mick Jagger, Buddy Miles, Rod Stewart, Steve Vai, Zakk Wylde, George Clinton, Bootsy Collins, Duran Duran, Terence Trent d’Arby und Jordin Sparks so gut ankam.
An diesem Abend fanden sich gerade mal zwei Jimi Hendrix-Covers im Repertoire. Hendrix gilt als großes Vorbild für Salas, was man auch in der Technik spürt, aber ebenso in den eigenen Phrasen seines Spiels. Trotzdem, dass Salas sich während des Konzerts nicht vollends entspannen und das Unbehagen wegen der widerspenstigen Framus-Gitarre nicht ganz abschütteln konnte, ist das Trio doch zu gut und zu abgebrüht, als dass irgendetwas ernsthaft schiefgehen könnte. Salas erzeugte das Gefühl einer einzigartigen Magie, die den Artismus dieses Funk-Handwerkers auf einen besonderen Platz im Rock-Universum hebt – und genau das war es, wofür die Besucher gekommen waren! Überraschend war einzig die Tatsache, dass das Trio das Konzert so schnell abschloss. Das dürfte sicher dem Unbehagen wegen des schlechten Gitarrenklangs geschuldet sein, der zweite Faktor war zweifellos der schwächere Clubbesuch.
Salas beim Spielen von eigenem Material zuzuschauen und die Vorzüge seines Albums »Colorcode« zu genießen, ist eine echte Wonne. Auch wenn Salas bei früheren Konzerten (in Kombination mit Fowler) meist Covers von Künstlern spielte, mit denen er in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte, zählt am Ende sein eigenes musikalisches Werk am meisten – denn nur das liefert auf die schönstmögliche Weise einen authentischen Einblick in die künstlerische Essenz dieses brillanten Musikers. Im Konzert waren Reserven spürbar, das ist unbestreitbar. Hoffen wir, dass Salas beim nächsten Besuch in der Bluesiana auf mehr Publikum trifft. Dass der Meister der Gitarre das mehr als verdient hätte, muss man wohl nicht extra betonen.
Setlist
1. Tell Your Story Walkin‘
2. Stand Up
3. Bring It Easy
4. Crack Killed Applejack
5. Indian Chief
6. Sex Machine
7. Power of Soul
8. Pumpin‘ It Up
9. Nichi Girl
10. Start Again
—Zugabe—
11. Little Wing
12. Two Bullets And A Gun
Bildergalerie































