Auf einer neuen Séance des Wohlklangs von Tilen Pusars Gitarrenmagie (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Gostilna Pečarič / Slowenien
Konzertdatum: 03.07.2014
Besucherzahl: 40
Eintrittspreis: 0,00€ (freier Eintritt)
Tilen Pusar ist für die slowenische Musikszene zweifelsohne ein Phänomen. Ein ungeschliffener Brillant! Ein echter Autodidakt durch und durch. Seine gesamte Begleitband verstaut er im Laptop. Sein eigener Meister. Sowohl im kompositorischen als auch im darstellerischen Sinne. Ein Mann der totalen Kontrolle über die jeweilige Situation. Seine Wirtshaus-Tournee, die sich bereits seit Januar dieses Jahres hinzieht, erreichte Mitte des Jahres ihren Höhepunkt mit einem Zwischenstopp im Ljublaner Stadtteil Vrhovci – genauer gesagt im ehemaligen berüchtigten Billardlokal, der Gostilna Pečarič. Es war noch hell, die Uhr hatte gerade mal kurz nach acht geschlagen, da bestieg Tilen bereits die reizvolle Bühnenimprovisation, die mitten auf einer sorgfältig gemähten Rasenfläche aufgebaut war – kombiniert mit Kinderspielgeräten, die den Gastgartens schmücken –, wo ihn rund 30 Gäste begrüßten, die es sich bequem an den Tischen gemacht hatten.
Während er seine cremefarbene Fender Stratocaster-Replik der Marke Squire wieder liebevoll in den Händen hielt, entführte uns Tilen im Nu in seine zauberhafte musikalische Welt, die sein Studiodebüt »Inner Strength« verkörpert – ebenso wie bereits neues Material. Instrumentalmusik, in der die Rolle des Gesangs von der prägnant gemeißelten Sprache der Gitarre übernommen wird, fein austariert durch Tilens geschärften Sinn für musikalischen Wert und improvisatorische Freiheit, wirkt eigenartig und ungemein anziehend. Um die Einflüsse des »Großen Mark« (Knopfler) und der Dire Straits auf seinen Gitarrenstil zu erkennen, braucht man keinen Einstein – und genau darin liegt der Schlüssel, der erklärt, warum Konzertbegegnungen mit Tilen Pusar so spannend sind!
Der größte Reiz liegt darin, den Meister zu beobachten, wie er ohne jeglichen Einsatz eines Plektrums mit großer Perfektion die »Betonung« der Töne kontrolliert und damit seine Emotionen und Leidenschaften in ein einzigartiges musikalisches Material künstlerischer Authentizität übersetzt. Tilen hat das gewisse Händchen. Eine magische Berührung. Daran besteht keinerlei Zweifel. Auch an diesem Konzertabend entfaltete dieses Attribut seiner Bühnenpräsenz seine volle Wirkung. Der Mann schließt die Augen und gibt sich vollkommen den Empfindungen hin, die er durch sein Instrument in den Raum strömen lässt und mit dem Publikum teilt. So genossen wir »Inner Strength«-Songs (RockLine-Rezension HIER) wie Hope, Snowgirl, I Love Her, Memories, Inner Strength, Happiness, Dancing Hearts, Freeman, Waiting, Coffee Break, Calling Her, sowie die brandneuen I’m Survivor, New Life, Her Way.
Auch diesmal war der Auftritt in zwei Teile gegliedert. Im zweiten Teil ereignete sich eine Panne mit einer gerissenen Saite, worauf ein langwieriger Prozess des Saitenwechsels folgte, der sich eigentlich in ein »Flicken« der gerissenen Saite verwandelte – man glaubt es kaum. In diesem Fall könnte man die Schuld klar dem Saitenhersteller der Marke Fender anlasten, der in die Tüte zu kurze Saiten gepackt hat. Nein, darauf stand nicht »Ukulele-Saiten«, keine Sorge. Offensichtlich handelt es sich um einen Serienfehler. Liest sich jedenfalls äußerst ungewöhnlich. Aber auch das passiert. Auch den Besten natürlich!
Das völlig entbehrliche Missgeschick wurde freilich von der Erkenntnis überdeckt, dass hier ein Musiker eine außerordentlich schöne Vorstellung abgeliefert hatte – einer, der die Handvoll Anwesenden mit der Erschaffung einer reizvollen organischen Klanglandschaft in seinen Bann zog. Damit bestätigt der Künstler, dass er ein achtsames Ohr besitzt und eine filigrane Akte der Feinmechanik jener beständig verlockenden Versuchung, zwischen melodischer Anziehungskraft und der Freiheit solistischer Eskapaden zu reiten. Der eine oder andere nicht ganz treffsicher getroffene Ton schleicht sich natürlich ein, was ein Zeichen dafür ist, dass Tilen die Gitarre nicht gerade acht Stunden täglich übt – doch trotz alledem ließ die einzigartige Ausdruckskraft des Wohlklangs seiner Spielweise solche Anmerkungen schlichtweg in den Hintergrund treten. Die Impressionen von Tilens einzigartiger Verschmelzung von Blues-, Country- und Rock-Einflüssen, gewürzt mit einer ordentlichen Portion melodischer Eingängigkeit, strahlten an diesem Abend in vollem Glanz. Wenn du empfänglich bist für die Dire Straits-Musik aus der Ära des Albums »Love Over Gold«, wirst du auch Tilen Pusars musikalisches Werk im Handumdrehen knacken und mit Freude als deins erkennen!
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