Skid Row ließen den Regen beim Mariborer Lent verstummen (2014)

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Autor: Urban Bolta

Ort: Festival Lent (Večerov oder) / Maribor / Slowenien
Konzertdatum: 23.06.2014
Besucherzahl: 500
Kartenpreis: 25€

Lange Zeit sah es so aus, als würde die steirische Hauptstadt dieses Jahr ohne ihr größtes Kulturereignis bleiben, das Festival Lent, das der Stadt an der Drau jedes Jahr mehrere Wochen unbeschwerten Spaß bringt. Am Ende lief es dann doch so, wie wir es gehofft hatten – es fanden sich genug Sponsoren, sodass die Veranstalter auch 2014 ein dem Anlass gerechtes Kulturprogramm auf die Beine stellten, das unter anderem aus Inner Circle, Rade Šeberdžija, Đorđe Balašević, Elvis Jackson, Divlje jagode und vielen anderen bestand (bzw. noch bestehen wird). Und unter diesen anderen auch Skid Row!

Zahlreiche Online-Kommentatoren monierten bei der Ankündigung des Gastspiels der (einst) renommierten amerikanischen Hard-Rocker, dass es sich heute nur noch um ein »tribute to« Projekt handle. Ist das wirklich so? Der Zankapfel unter den Fans der Band ist die Abwesenheit des einstigen Leadsängers Sebastian Bach, einer charismatischen Frontfigur und gleichzeitig einer ausgesprochen schwierigen Persönlichkeit, weshalb er sich Mitte der Neunziger (für immer?) die Türen der Band verschlossen hat. Bach bettelt heute und bittet seine alten Musikerkollegen über die Medien, ihn wieder aufzunehmen – doch die wollen davon nichts hören. Geld ist nicht immer der Herr der Welt,  und solange Gitarrist Dave »The Snake« Sabo und Bassist Rachel Bolan so denken, verdient die Band für ihre prinzipientreue Haltung und das Verfolgen ihrer Ideale  jede Unterstützung.

Der Montagabend brachte Maribor ein heftiges Unwetter mit starken Regengüssen, weshalb sich die Lent-Besucher größtenteils unter einem der überdachten Zelte an der Drau in Sicherheit brachten. Aufgrund der späten Abfahrt aus Zentralslowenien wegen beruflicher Verpflichtungen kam unser kleines Team erst um zehn Uhr abends in Maribor an – wir verpassten leider den Auftritt der Rocker Tide, auf den eine lange Pause und das Warten auf Wetterbesserung folgten. Der Himmel begann sich langsam zu schließen, der Regen ließ nach, und die Menschenmenge unter dem Večerov oder wurde immer dichter. Alles war bereit für den Auftritt von Skid Row!

»Wenn ihr geglaubt habt, dass wir euch wegen des Regens im Stich lassen, habt ihr euch geirrt«, sagte Johnny Solinger, Frontmann der Band seit Ende der Neunziger,  vor dem aufgedrehten Publikum. Skid Row, die gerade zwei Tage zuvor vor einem riesigen Meer von Menschen beim französischen Festival Hellfest gespielt hatten, brachten nach Maribor den Geist des guten alten amerikanischen Rock’n’Roll, der die vorderen Reihen trotz des schlammigen Bodens zum Tanzen brachte.

Obwohl ihr kommerzieller Schwung seit zwei Jahrzehnten nachgelassen hat, bleiben Skid Row ein Begriff für ein eingespieltes Kollektiv, das auf der Chemie des klassischen Instrumentaltrios Dave Sabo / Scott Hill / Rachel Bolan basiert. Ins reguläre Repertoire der Band flossen zwei neuere Stücke ein, Let’s Go und Kings of Demolition, doch die bis auf die Haut durchnässte Menge spendete in der Regel den lautesten Applaus dem älteren Material – davon spielten sie in der Anfangsphase des Auftritts Big Guns und die unvergessliche Ballade 18 and Life. Die abwechselnden Solo-Duelle zwischen Hill und Sabo waren im Klangbild nicht in die Mitte gelegt, sodass die Ohren auf jeder Seite in der ersten Reihe hauptsächlich die Klänge der einen oder der anderen Gitarre beschäftigten, nicht aber beider gleichzeitig.

Das Ruder der Bandkommunikation mit dem Publikum lag in den Händen von Frontmann Johnny Solinger. Der Typ kämpft schon lange mit der undankbaren Rolle als Bachs Nachfolger, und Vergleiche mit ihm tauchen auch noch in einer Zeit auf, in der seine Amtszeit bei Skid Row bereits doppelt so lang ist wie die von Bach. Solinger, den Hut tief in die Stirn gezogen, erinnert sogar optisch an seinen Vorgänger, pflegt zum Publikum aber eine weitaus respektvollere Beziehung – auch wenn diese gelegentlich mit leicht pathetischen Ansprachen typisch amerikanischer Rhetorik gewürzt ist. Aber macht das was! Die gut mit Bier versorgten ersten Reihen, fest an die Absperrung geklammert, versorgten das Konzertpublikum mit Energie und halfen der Band beim abschließenden Teil des regulären Sets – I Remember You und dem obligatorischen Monkey Business – mit lautem Gesang. Die Abendparty war auf ihrem Höhepunkt, sodass nach der metallisierten Version von Slave to the Grind beim Abschlussstück Youth Gone Wild eine Euphorie der absoluten Extraklasse herrschte – egal dass die meisten Besucher am nächsten Morgen wieder einen Arbeitstag vor sich hatten.

Skid Row spielten zum allerersten Mal in ihrer Karriere in Slowenien und schenkten unserem Ländchen damit einen neuen kurzen Aufblitz des amerikanischen Glam Rock der Achtziger. Trotz der erwartungsgemäß kurzen Set-Zeit lieferten Skid Row in der steirischen Hauptstadt ein Stück ihres einstigen Glanzes und brachten an einem Ort wieder Alt und Jung zusammen, die für dieses musikalische Erbe leben.

Setlist

1. Let’s Go
2. Big Guns
3. Makin‘ a Mess
4. Piece of Me
5. 18 and Life
6. Thick Is the Skin
7. Riot Act
8. In a Darkened Room
9. Kings of Demolition
10. Psycho Therapy
11. I Remember You
12. Monkey Business
————-
13. Slave to the Grind
14. Youth Gone Wild

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