Politisch Korrekte Križanke mit Punčke und den „Königinnen“ (2014)
Ort: Ljubljana / Križanke / Slowenien
Konzertdatum: 09.06.2014
Besucherzahl: 3400
Kartenpreis: 35,00€
Eine überraschend gesittete Traube von Fans in den ausverkauften Križanke hatte zu Konzertbeginn ruhig den zentralen Konzertbereich eingenommen. Ein gutes Zeichen, denn allzu oft geben sich vor, während und nach dem Konzert »aufgedrehte« Einzelpersonen alle Mühe, eine sonst exzellente Bühnenperformance zu ruinieren. Das Publikum erwartete in der zuvor erwähnten »Diszipliniertheit« sitzend die Vorband in den Ljubljaner Križanke.
Als Punčke die Bühne betraten, erhob sich das Publikum von den Sitzen und begrüßte das kroatische Trio mit warmem Applaus. Mögliche Vorurteile, die man gegenüber reinen Frauen-Trios hegen könnte, zerstreuten Punčke in den ersten paar Schlägen ihres Auftritts. Punčke gingen die Queens of The Stone Age-hungrigen Križanke mit Biss und Wucht an und hinterließen ihren Stempel auf der Bühne. Ihr Auftritt war geprägt von der Verbissenheit von Post-Punk/Noise-Bands – weit entfernt von irgendetwas Zartem, Femininem. Einige Songs streiften dabei die Grenzen der frühen britischen Indie-Ära; treibende Riffs mit wildem Schlagzeug und tanzenden Basslinien – ein perfektes Rezept zum Mittrommeln. Das zähe Fundament webte eine solide Grundlage für Vocal- und Gitarrenlinien, denen es an einer ordentlichen Portion Distortion mangelte. Gelegentlich klangen manche Passagen monoton und pedantisch, was die Haupt-Gitarristin/Vokalistin mit etwas gezwungenen Bewegungen und Mimik zu überspielen versuchte. Die Momente aber, in denen die Band zu einem magisch ausgewogenen Ganzen zusammenfand, ließen das Blut definitiv durch die Adern rasen.
Nach einer kurzen Ansage und dem Verdunkeln der Bühne erwartete das Publikum in den Križanke den Hauptgang des schwülen Abends bereits ungeduldig. Das Pfeifen und Jubeln setzte schon beim Auftritt der Bühnentechnik ein, beim Erscheinen der Hauptakteure rastete das Publikum dann vollends aus. Der Countdown auf den LCD-Screens der Bühne trieb die Nebennieren erst recht ins Delirium. You Think I Ain’t Worth a Dollar,bu t I Feel Like a Millionaire startete etwas wackelig – sowohl auf der Bühne als auch über das Klangbild. Den schleppenden Auftakt machten Queens of The Stone Age mit No One Knows und dem neueren Knaller My God Is The Sun wieder wett, bei dem die Crew auf der Bühne endlich zusammenfand und die Maschine in höhere Gänge schaltete. Das gerade richtige Nachhinken der Gitarrenriffs fügte dem ohnehin schon famosen Bild des warmen Ljubljaner Abends das gewisse Etwas hinzu. Leider ging die Katharsis, der Höhepunkt von My God Is The Sun, im Klangbild aus der Anlage verloren. Die Snare sprang buchstäblich aus der Anlage heraus und hämmerte auf das aufgeheizte Publikum ein. Die Gitarren hatten nicht die Durchzeichnung, die man an einem Spielort wie den Križanke erwarten würde – die Nuancen der Improvisation verloren sich dadurch in den lautstärkeren Passagen. Klar, es hat gebrannt, und es schien, als wollten die fanatischsten Fans noch mehr. Queens of the Stone Age lieferten für die Leute in den ersten Reihen gerne ab; der erste Teil des Sets bestand aus einer gut ausgewogenen Mischung älterer und neuerer Nummern – genau die richtige Dosis Alt und Neu. Die »Transvestiten« (Queen-Transvestit) rasten so durch Smooth Sailing und Feel Good Hit of the Summer und In My Head bis zum Ruhepunkt bei …Like Clockwork. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten fand die Band zu sich und trieb alles bis zum ruhigeren Punkt mit einer Energie, die nicht gerade nach Nostalgie roch, aber eine »edlere« Qualität ausstrahlte. Nach …Like Clockwork folgten noch einige wertvolle Nummern; hier ist besonders die Ausdauer und Präzision von QoTSA hervorzuheben. Hommes Moves, Van Leeuwens Charisma, Schumans Aggression, Fertitas Präzision und Theodores Zähigkeit – all das verschmolz im Wirbel aus Schweiß, Spucke und wildem Herumfuchteln zu einem aufgeladenen Auftritt. Und was schon, wenn die Technik das Klangbild ein bisschen trübte. Die Verbindung zwischen den Križanke und der Band war greifbar. Das Publikum sang nicht nur die Texte mit, sondern auch die Riffs – wie etwa bei Burn The Witch, dem düsteren Countdown von Lullabies to Paralyze. Improvisation und krampfhafte Intensität trieben das Konzert von QoTSA mit Go With The Flow auf den absoluten Höhepunkt. Nach dem erneuten Betreten der Bühne und dem obligatorischen Aufstellen der Keyboards für Vampyre of Time and Memory, dem Song, bei dem Fertita mit jenem ersten gewundenen Ton an der Gitarre nach dem ersten Vers nie enttäuscht, schossen Queens of The Stone Age noch die letzten Schweißtropfen mit 3’s & 7’s und A Song For The Dead heraus, wo die Hemmnisse sowohl auf der Bühne als auch am Mischpult nachließen, und das Konzertgeschehen unter tosendem Applaus sein Ende fand.
Als die Menge die Križanke verließ, wehte ein Hauch frischer Luft über das Gelände und ernüchterte den Blick auf das Geschehen der vergangenen Stunden. Trotz der technischen Mängel (verwaschenes Klangbild) und der Patzer während des Konzerts (Theodore beim Übergang von Strophe zu Refrain bei Burn The Witch) hinterließ das Konzert in Ljubljana einen soliden Eindruck. Man kann »jammern« und nach Nostalgie lechzen, aber die »edlere« Version von Queens of The Stone Age hat auch ihre ganz eigenen Seiten. Die improvisatorische Souveränität (wie etwa bei Better Living Through Chemistry) erreicht ihren besonderen Höhepunkt auch in der aktuellen Besetzung – ebenso wie das besondere Prinzip des Live-Auftritts. Konzert des Jahrzehnts? Schwer zu sagen, aber in den Križanke bleiben die Bilder der brennenden Sonne, der schwülen Hitze und der Klang von Go With The Flow auf einem veralteten Radio. Aus diesem Blickwinkel ist das Konzert mehr als geglückt.
Setlist
QUEENS OF THE STONE AGE:
- You Think I Ain’t Worth a Dollar, but I Feel Like a Millionaire
- No One Knows
- My God Is the Sun
- Smooth Sailing
- Feel Good Hit of the Summer
- The Lost Art of Keeping a Secret
- In My Head
- …Like Clockwork
- Little Sister
- If I Had a Tail
- Make It Wit Chu
- Burn the Witch
- First It Giveth
- Sick, Sick, Sick
- Better Living Through Chemistry
- Go With the Flow
Zugabe - The Vampyre of Time and Memory
- 3’s & 7’s
- A Song for the Dead
Bildergalerie






















































