Jernej Zoran: Romeo, Julija in tatovi sonca
Label: Menart Records
Erscheinungsjahr: 2015
Produktion: Jernej Zoran
Albumlänge: 43.20 min
Genre: Hard Rock / pop
Jernej Zoran meldet sich mit seinem vierten eigenständigen Studioalbum zurück. Nach dem Vorgänger »Stratosfera«, der vor drei Jahren erschien, bewahrt das neue »Romeo, Julija in tatovi sonca« vielleicht noch eine Spur mehr geerdte Elementarität — beeinflusst zweifellos von den Ereignissen der letzten drei Jahre, in denen wir in dieser schönen, verrückten neuen Welt leben. Auch das neue Album wartet mit Liebesbekenntnissen auf, mit Noten persönlicher Bekenntnisse und gesellschaftskritischem Engagement — ein typisches Spiegelbild des unerwartet schnellen Absturzes des jungen slowenischen Staates.
Jernej Zoran ist ein überaus starker Songwriter, sagen wir ruhig: Komponist. Seine erste und wichtigste Waffe bleibt die Gitarre. Das Talent dieses versierten Komponisten zeigen bereits seine früheren Werke, einschließlich des hervorragenden »Stratosfera« — und dieser Tradition folgt auch das aktuelle Studioalbum »Romeo, Julija in tatovi sonca«. Zehn Tracks sind durchwirkt von einer außergewöhnlich leidenschaftlichen Herangehensweise an das Gitarrenspiel und an die Entstehung gitarristischer Phrasen, die Jernej durchgehend mit vielfältigen gitarristischen Verzierungen und treffend gesetzten Übergangspassagen anreichert — wobei es nicht schwer ist, die filigrane Sorgfalt herauszuhören, mit der die einzelnen Bausteine zu einem kompakten, saftig-organisch klingenden und eingängigen Ganzen zusammengefügt werden: klassisch rockig angelegte Tracks von hohem musikalischem Wert.
Jernej hat die Gesangsrollen für neun der Album-Tracks unter fünf Vokalisten aufgeteilt; beim Stück To je ljubezen steuert er selbst seinen eigenen Gesang bei. Den Großteil der Tracks singt wie schon auf dem Vorgängeralbum auch diesmal Lara Poreber, deren Vokalcharisma einen echten Hauch von Mystik trägt. Deshalb gehört ihr diese Rolle auch auf dem fantastischen Opener, dem feierlich-erweckenden Kisik, das in Kombination mit Jernejs dynamischem und kompatiblem Gitarrenspiel das Album sofort nach oben reißt! Ein Instrumental gibt es diesmal nur eines: »Specialno švedsko jeklo«, das nostalgisch klingt und an die Achtziger erinnert, als man in Slowenien nur eine einzige Sorte Saiten kaufen konnte, auf deren Verpackung genau diese drei Worte zu lesen waren. Jernej zeigt in diesem Track auf besonders raffinierte Weise, dass er ein Musiker ist, der mit dem Blues und Rock der Sechziger und Siebziger aufgewachsen ist. In seinem Spiel ist das Sentiment von David Gilmour stark spürbar — seine feinsinnige Tonverteilung und der organisch lebendige, nackte Gitarrensound, der höchstwahrscheinlich aus irgendeiner »Telecaster« kommt, lässt sich auch mit einer Inspiration durch Jeff Beck, weiter durch Peter Frampton oder den Herrn »Slowhand« Eric Clapton in Verbindung bringen. Genau diese sinnliche Tonverteilung in Soli und Übergangsornamentik sowie die Suche nach der optimalen Verzahnung mit den Gitarrenphrasen bzw. den Leadmelodien ist es, die diesem Album ein kreatives Mehr beschert.
Ungeachtet dessen, dass alles so schön auf den Schienen retro-rustikaler Seventies-Rock-Impulse läuft, ist die außerordentlich kompakte Eingängigkeit der Leitmotive — mit ihrer hervorragenden atmosphärischen Steigerung von Strophe (und Pre-Chorus) in den Refrain — der Garant für die außergewöhnliche Hörbarkeit des Albums. Deshalb gibt es auf dem Album einige Tracks, die problemlos mehrfach täglich im Radio laufen könnten. So etwa Kisik gleich zu Beginn des Albums, dann das sehnsüchtig-mystische Zakaj, das besonders eingängige Nov dan und etwas weiter hinten auf dem Album das in einem rockigen Riff aufgebaute Moj svet, bei dem der Gesang von Matevž „Hamo“ Šalehar äußerst kompatibel funktioniert. Letzteres trägt ein schalkhaft-luzides Sentiment dank Hamos Interpretation und des Aussagegehalts der Verse — typisch für das Rock’n’Roll-Format des Tracks ist außerdem die effektive Steigerung zu einem veritablen Boogie-Pulsgeber. Ein herausragender Track. Tatovi sonca ist ein düsterer Track mit starker Verwurzelung im Blues. Hier springt Tina Gerbec Radakovič von EL Kachon ans Mikrofon, da der Track eine Atmosphäre verlangt, in der die Riffs auch mit Hammond-Sound gewürzt sind und der Gesang stärker mit Soul aufgeladen ist — in diesen Gewässern ist Tina schlicht zuhause, und auch diesmal lässt sie bei der Darbietung nichts anbrennen. Tatovi sonca und das folgende Bruseljski predpražniki sind besonders gesellschaftskritisch engagiert; Letzteres trägt etwas »Mi2«-Energie dank des Leadgesangs von Zlatko Petković, der vor allem im Refrain an Tone Kregar erinnert — und auch wegen des Rock’n’Roll-Formats des Tracks.
Genau wie im Fall des Albums »Stratosfera« ist auch das neue Album »Romeo, Julija in tatovi sonca« wieder ein Dokument im diskografischen Werk Jernej Zorans, das keinen einzigen Track enthält, den man als Lückenfüller bezeichnen könnte. Die Songs stehen qualitativ gleichwertig nebeneinander, und zwischen ihnen gibt es keine Schwankungen in der Aussagekraft. Allesamt bewahren eine solide inhaltliche Greifbarkeit des expressiven Fokus. Das Album verkörpert eine verführerische klangliche Herzlichkeit, die der Suche nach organischer Authentizität verschrieben ist. Die Hingabe und das Engagement beim Feinschliff der Arrangements werden reichlich belohnt. Das neue Album von Jernej Zoran ist in seiner musikalischen Kompaktheit der Tracks und seinem feinsinnigen Gitarrenspiel ein wunderschönes Werk — dem Erbe des Rocks verpflichtet, im klassischen, rustikalen Ursprungssinn des Wortes, das den Begriff Rock in den Vordergrund stellt. Es ist ein Album, von dem wir hoffen, dass Jernej dafür die gebührende Anerkennung der heimischen Musikszene bekommt — denn für seine Kreativität und seine Inspiration hat er das mehr als verdient!
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.0 / 10
Trackliste:
1. Kisik
2. To je ljubezen
3. Specialno švedsko jeklo
4. Zakaj
5. Nov dan
6. Moj svet
7. Tatovi sonca
8. Bruseljski predpražniki
9. Najine barve
10. Čutim te bolj (kot si upam priznati)
Besetzung:
Jernej Zoran – Gitarre, Keyboards, Bassgitarre, Perkussion, Gesang auf Track Nr. 2
MITWIRKENDE MUSIKER:
Lara Poreber – Gesang auf Tracks Nr. 1, 4, 5, 9.
Matevž „Hamo“ Šalehar – Gesang auf Track Nr. 6
Tina Gerbec Radakovič – Gesang auf Track Nr. 7
Zlatko Petković – Gesang auf Track Nr. 8
Marijan Novina – Gesang auf Track Nr. 10
Mojca Saje – Backgroundgesang auf Tracks Nr. 3, 5, 8, 9
Saša Đukić – Backgroundgesang auf Tracks Nr. 3, 5, 8, 9
Jernej Šušteršič – Keyboards auf Tracks Nr. 1, 3, 4, 5, 7
Sebastjan Podlesnik – Bassgitarre auf Track Nr. 1
Miha Recelj – Schlagzeug auf Tracks Nr. 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
Miro Tomšič – Schlagzeug auf Track Nr. 2
Luka Pate – Schlagzeug auf Track Nr. 10