Pretty Maids im österreichischen Kärnten – kurz, aber fein! (2014)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 15.05.2014
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 35,00€

In ihrer mehr als dreißigjährigen Karriere hatten die dänischen Heavy-Rock-Veteranen Pretty Maids noch nie so nah bei uns gespielt wie im Rahmen ihrer aktuellen europäischen Clubtournee, als die Dänen in Velden am Wörthersee Halt machten – genauer gesagt im dortigen Club Bluesiana Rock Cafe, der uns seit Jahren mit Auftritten großer Musikgrößen verwöhnt. Rockline hatte die Pretty Maids zuletzt vor drei Wochen beim Mailänder Frontiers Rock Festival getroffen (Bericht hier), und direkt nach ihrem bombastischen Festivalauftritt stand die Entscheidung fest, sie im Rahmen der Tournee noch einmal zu erwischen.

Der Tatort war bekannt: die intime Clubatmosphäre der Bluesiana. Pretty Maids sind große Bühnen gewohnt, daher war die Enge der Bluesiana wohl auch für sie ein echter kleiner Schock. Um neun Uhr abends hatten sich im Club rund 150 Köpfe versammelt – eine kleine Zahl, die dem Ruf der Band natürlich nicht gerecht wird, dafür verhießen die Umstände echten Kontakt mit der Gruppe. Genau die Suche nach einem hautnäheren Konzerterlebnis hatte so manchen slowenischen Konzertfan an den Wörthersee gelockt, sodass das Herumstrolchen durch die Bluesiana an jenem Donnerstagabend noch heimeliger war.

Pretty Maids gingen den Donnerstagsauftritt an wie eine öffentliche Probe – an spaßigen Bühnengesten und allerlei rockigen Einlagen mit gutmütigem Flair fehlte es nicht, dafür war die Intensität des Auftritts nicht auf dem Niveau, das wir von Pretty Maids an größeren Konzertorten gewohnt sind. Die Hauptakteure Ronnie Atkins am Mikrofon und Ken Hammer an der Gitarre sind erfahrene Musiker, die aber trotz all ihrer Routine nicht den nötigen professionellen Biss aufbrachten, um genauso viele Schweißtropfen zu vergießen wie vor einem riesigen Publikumsmeer. Den besten Beweis dafür liefert die gekürzte Setlist, die gegenüber den Terminen des vorangegangenen deutschen Tourneeabschnitts um zwei bis drei Songs – also rund zehn Minuten Spielzeit – zusammengestrichen war, was die Besucher für gezahlte 35€ Eintritt keinesfalls verdient hatten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Trip ins österreichische Kärnten vergebens war! Pretty Maids servierten eine Mischung aus ihrem klassischen Material und dem Schaffen der letzten Jahre, seit sie ab dem Album »Pandemonium« (2010) aktiver daran gegangen sind, ihre musikalischen Erkenntnisse zu präsentieren. Interessant bei den Dänen ist, dass sie sich – im Gegensatz zu den meisten ähnlichen Heavy-Metal- und Hard-Rock-Institutionen aus den Achtzigern – der kommerziell glücklosen Neunziger nicht schämen; so füllten sie das Repertoire erneut mit zwei Songs aus Alben auf, die ewig im Schatten der ersten drei stehen werden. Psycho-Time-Bomb-Planet-Earth (»Scream«, 1995) und Sykes‘ Coverversion von Please Don’t Leave Me (»Sin-Decade«, 1992) zeugten eindrucksvoll davon, dass ihr Kompass auch in der Blütezeit des Alternative Rock in die richtige Richtung zeigte.

Das Bühnengeschehen ruhte auf den Schultern des blonden Frontmanns Ronnie Atkins und Gitarrist Ken Hammer. Die Jahre sind nicht gnädig mit den beiden. Während das Haupthaar des Einen bereits ziemlich schütter geworden ist, macht sich die Kilometerleistung des Anderen in immer üppigeren Ringen zusätzlicher Kilos auf Bauchhöhe bemerkbar. Schöner Beweis dafür, dass Bier wirklich dick macht! Atkins pflegte seine Rolle als zentraler Motivator sorgfältig durch das gesamte Konzert und überließ den restlichen Musikern auf der Bühne dabei nur Brosamen in Form des obligatorischen Publikumskontakts. Während Pretty Maids bei ihren Auftritten sonst richtig aufdrehen, stutzte ihnen diesmal die winzige Bühne die Flügel – davon betroffen war vor allem das jüngere Trio der Musiker mit dem quirligen Bassisten René Shades an der Spitze. Die Dänen vertrauen voll auf ihr neueres, moderner arrangiertes Material, das sich bei treuen Fans schnell ins Ohr gearbeitet hat; entsprechend laut wurde Atkins in den Refrains von Little Drops Of Heaven oder Mother Of All Lies mitgesungen – genauso intensiv wie bei älteren Klassikern wie Red, Hot & Heavy oder Yellow Rain. Den Einstieg in I.N.V.U. würzten Pretty Maids mit einer motivischen Verbeugung vor dem Pink-Floyd-Klassiker Another Brick In The Wall, und auch der neuerdings bärtige Drummer Allan Tschicaja kam mit einer kurzen Solonummer in der Konzertmitte auf seine Kosten. Die Stimmung steigerte sich, Feuerzungen erfassten den Club von allen Seiten, bevor das Beisammensein (zu früh) mit dem theatralisch-bombastischen Klassiker Future World endete.

Die Pretty-Maids-Maschine lief diesmal nicht mit allen verfügbaren Oktanen auf vollen Touren, was das Publikum beim Erreichen der Konzertekstase aber kein bisschen hinderte. Der zurückhaltende Start der Dänen verwandelte sich im Laufe des Abends in eine ordentliche Rocker-Party der besonderen Art – denn das Konzert aus unmittelbarer Nähe von einem oder zwei Metern zu verfolgen war zweifelsohne ein exklusives Erlebnis.

Setlist

1. Nuclear Boomerang
2. Psycho-Time-Bomb-Planet-Earth
3. Final Day Of Innocence
4. Red, Hot & Heavy
5. My Soul To Take
6. Pandemonium
7. I.N.V.U.
8. Drum solo
9. I See You Ghosts
10. Sad To See You Suffer
11. Yellow Rain
12. Rodeo
13. Little Drops Of Heaven
14. Back To Back
—Zugabe—
15. Mother Of All Lies
16. Please Don’t Leave Me
17. Future World 

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