Frontiers Rock festival 2014 – zweiter Tag!
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotografien: Aleš Podbrežnik
Ort: Trezzo sull'Adda (Mailand) / Live Club / Italien
Konzertdatum: 02.05.2014
Besucherzahl: 2000
Kartenpreis: 157,00€ (Dreitagesticket) / 59,00€ (Eintagesticket)
Der zweite Tag des Frontiers Rock Festivals brachte Regen! Schon der Morgen und der Vormittag, den wir als Crew damit verbrachten, durch ein riesiges Einkaufszentrum ein paar Kilometer außerhalb des Städtchens Trezzo Sull’Adda zu schlendern. In einem noch kleineren Städtchen. Namens Basiano. Erstes Ziel war natürlich der Mediamarkt und reduzierte CDs, wo wir natürlich nicht mit leeren Händen davongingen. Mit einer Tüte toller Musik, gekauft für je 4,99€, schwangen wir uns noch in den Discounter für günstige Flaschen Paulaner Weizenbier und zogen so ausgerüstet zum Veranstaltungsort.
Der erste Festivaltag hatte uns neben der hervorragenden Auswahl der Auftretenden auch mit einer außergewöhnlichen Organisation begeistert. Alles lief wie am Schnürchen. Die Bands spielten genau zu den vorgesehenen Zeiten. Keinerlei Beschwerden über die Organisation also. Höchstens Lob. So trabten wir kurz vor drei Uhr nachmittags zum Eingang der Halle! Und genau um drei betraten die Schweden Adrenaline Rush die Bühne. Die Band unterzeichnete Ende Januar dieses Jahres einen Vertrag bei Frontiers Records und hat zudem bereits die erste Vorstellungs-Single Changes veröffentlicht, die natürlich auf dem kommenden Debütalbum zu finden sein wird. Angesichts des trüben Wetters bot der Blick auf die Bühne Gründe zur Heiterkeit. Im Mittelpunkt stand die heiße kleine kokette Süße namens Tave Wannig! Sie schwang gekonnt das Mikrofon und tobte ausgelassen über die Bühne. Die Sängerin bildete vor ihrem Einstieg bei Adrenaline Rush das Teen-Pop-Duo Peaches, bei Adrenaline Rush ist natürlich kein Platz für Pop. Die Crew wird vervollständigt durch Ludvig Turner (Leadgitarre), Alexander Hagman (Rhythmusgitarre), Soufian Ma’Aoui (Bass) und Marcus Johansson (Schlagzeug). Die Band lieferte vorbildliche Kompaktheit und Geschlossenheit. Musikalisch bringen Adrenaline Rush absolut nichts Neues, aber die skandinavische Schule im Umgang mit melodischem Rock ist deutlich spürbar. Auf der einen Seite hört man die musikalischen Einflüsse älterer skandinavischer Rockbands wie Treat, Dalton, Renegade, 220 Volt, andererseits fügen sie natürlich eine leichte Prise Sleaze-Frechdachsigkeit hinzu, wobei Fans von Crazzy Lixx oder Hardcore Superstar die Ohren spitzen dürften. Die Band wird in diesem Sommer ihr Studiodebüt veröffentlichen, das unter dem Produzentenstab des außergewöhnlichen Erik Martensson (W.E.T., Eclipse) entsteht. Lassen wir uns überraschen.
Die Fortsetzung war nicht weniger süß. Auch bei der nächsten Band übernahm ein süßes Mädchen die Leadstimme. Die Estin Lennaa Kuurmaa, die sich neuerdings in der Melodic-Rock-Band Moon Land versucht. Natürlich steckt dahinter das A&R-Personal von Frontiers Records und der Versuch des Labels, dem Volk ein neues heißes knuspriges Brötchen zu servieren und noch die ein oder andere Münze aus seinen Taschen zu quetschen. Die Songs hat zum Beispiel Alessandro Del Vecchio geschrieben, und Lenaa schickten sie diese, damit sie ihre Stimme daran ausprobiert. Die Sache hat offensichtlich funktioniert und beide Seiten waren damit zufrieden. Lenaa Kuurmaa hat einige Meilen auf dem Buckel. Vielleicht kennt ihr sie durch die Mitarbeit im weiblichen Pop-Trio Vanilla Ninja, das Estland zweimal beim Eurovision Song Contest vertreten hat. Beide Male weniger erfolgreich, den Durchbruch schafften die Mädels aber 2005, als sie die Schweiz beim Eurovision Song Contest mit dem Song Cool Vibes vertraten. Damals führten sie noch zur Halbzeit der Abstimmung vor allen Teilnehmerländern, am Ende erreichten sie aber immerhin einen hervorragenden achten Platz. Lenaa wurde auf der Bühne von einem Quartett an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards begleitet. In gut einer halben Stunde präsentierte die Band Songs vom kommenden Debüt, das Ende dieses Jahres erscheinen soll, darunter Open Your Heart, Heaven Is Close To You und Live And Let Go. Man spürt, dass die Band noch in den Kinderschuhen steckt, dass sich für Lenaa gerade erst alles entfaltet. Ordentlich gespielt, vorbildlich, kompakt genug – über allem ragte natürlich, wie zuvor bei Adrenaline Rush, Lenna mit ihren Talenten und Reizen als großartige Vokalistin und Bühnenpersönlichkeit heraus, die ihre Hacken so zu drehen weiß, dass sie dich schnell für sich einnimmt! Das Mädchen nennt als ihre Vorbilder The Beatles, Queen, und hört gerne Heart. Die Einflüsse Letzterer waren auch im gespielten Material ihrer neuen Band Moon Land nicht zu überhören.
Noch im Sommer letzten Jahres schlossen sich unter dem Namen L.R.S. drei äußerst erfahrene Musiker zusammen. Sänger Tommy La Verdi (21 Guns), Josh Ramos (Hardline, The Storm) und Michael Shotton (Von Groove). Das Studiodebüt des Projekts mit dem Titel »Down To The Core« erschien im März dieses Jahres, unter der wachsamen Produzenten-Obhut des Frontiers-Records-Mädchens-für-alles Alessandro Del Vecchio, der auf der Bühne während des Auftritts auch die Rolle des Keyboarders übernahm. Die Entscheidung ist logisch, denn er kennt Josh Ramos zum Beispiel gut genug. Beide bilden nämlich einen Teil der aktuellen Hardline-Besetzung. Man spürte, dass dies überhaupt das erste gemeinsame Konzert des Trios war. Die Musiker zogen diesmal ihre reichen Erfahrungen und ihre Laufbahn zurate, das Repertoire füllte die Band mit der 21 Guns-Nummer Knee Deep (ganz am Ende des Setlists), dem Von Groove-Hit Once Is Not Enough, bei dem Schlagzeuger Michael Shotton den Gesang übernahm (wie auf dem Original), sowie dem The Storm-Klassiker I’ve Got a Lot to Learn About Love. Alle drei fassten sie in einem »Medley« zusammen. Die Songs des Albums »Down To The Core«, wie der Titeltrack, Our Love To Stay, Living 4 A Dream, Universal City (interessanterweise fiel die Single Almost Over You aus dem Repertoire heraus), wärmten natürlich die Herzen der Melodic-Rock-Fans. Vor allem der Journey-Fans. Das Publikum genoss es nicht weniger als zuvor bei Moon Land und Adrenaline Rush, und alle Augen blieben wie immer an den außergewöhnlichen Gitarrenkapriolen von Josh Ramos hängen, der schon am Vorabend beim Auftritt von Hardline gezeigt hatte, dass er Neal Schon bis ins kleinste Detail studiert hat. Der barfüßige La Verdi verlor während des Konzerts mehrmals den Faden, aber das ist alles eine Folge der längeren Abwesenheit von den Bühnen. Natürlich bedankte sich La Verdi während des Konzerts herzlich bei den Verantwortlichen bei Frontiers Records, dass sie ihn zurück auf die Bühnen und in die Gesellschaft der beiden anderen außergewöhnlichen musikalischen Gefährten gebracht haben. Ein Auftritt ohne Glanzpunkte, der aber gleichzeitig als exklusiv galt, denn es ist fraglich, ob dieses Projekt jemals auf eine Konzerttournee gehen wird. Eine ähnliche Geschichte also wie bei Three Lions, die am Tag zuvor beim Festival aufgetreten sind.
Der Verlauf des zweiten Festivaltages sprang mit dem Auftritt der außergewöhnlichen schwedischen Melodic-Rock-Revivalisten Eclipse abrupt auf ein höheres Qualitätsniveau, die neben den dänischen Pretty Maids mit zwei Alben im Gepäck eigentlich die härteste Nuss des zweiten Festivaltages darstellten. Der wesentliche Unterschied zwischen Eclipse und den anderen drei Acts, die vor ihnen auf der Bühne standen, besteht darin, dass Eclipse eine echte Band sind, die schon eine Weile als geschlossene Einheit atmet und wächst, mit einer ausgereiften und klaren musikalischen Vision. Die Zügel hält der außergewöhnliche Vokalist, Multi-Instrumentalist, Produzent und Komponist Erik Martensson in den Händen, der zusammen mit seinem Kumpel, Gitarrist Magnus Henriksson, bereits am ersten Festivaltag mit W.E.T. aufgetreten war. Das Quartett lieferte in einem dreiviertelstündigen Auftritt eine außergewöhnliche Show, bestehend aus Songs der bislang einzigen zwei Alben, die Eclipse bis zu diesem Tag veröffentlicht hatten, mit Schwerpunkt auf dem aktuellen »Bleed And Scream« (2012). Ein Song wie Wake Me Up ist zum Beispiel eigentlich perfekt komponiert und ist bereits jetzt unter Melodic-Rock-Fans ein beliebter Evergreen geworden. Bei der Aufführung sang ein guter Teil der Halle die Texte auswendig mit. Mindestens die Refrains. Eclipse sind eine ungemein ansteckende Band! Martensson ist ein Magnet. Ein außergewöhnlicher Vokalist, Bühnenkünstler, Performer. Und das Quintett spielt bravourös. Auch Henriksson verblüffte mit einigen solistischen Kapriolen! Die Band schloss den Auftritt mit Breaking My Heart Again ab und hob die Qualitätslatte des Festivaltages auf ein höheres Niveau. Eclipse galten an diesem Tag für viele in der Halle als eine der schönsten Bereicherungen des zweiten Festivaltages. Tatsächlich lieferten sie einen so starken Auftritt ab, dass er qualitativ für viele am Veranstaltungsort über den Auftritten aller anderen Acts des Tages herausragte. Sogar über dem Auftritt der Headliner des zweiten Tages, den Amerikanern Stryper!
Red Dragon Cartel ist die Band, die nach 15 Jahren Pause einen der talentiertesten und versiertesten Hard-Rock-Gitarristen der Achtziger, Jake E. Lee, zurück auf die Bühne brachte. Lee wählte als Sänger den ehemaligen Schlagzeuger der Kanadier Harem Scarem, Darren J. Smith, der seine neue Rolle mit großer Auszeichnung meisterte. Vervollständigt wurde die Besetzung durch Bassist Ronnie Mancuso und Schlagzeuger Jonas Fairley. Die »Gitarrennachtigall«, die sich mit ihrer Arbeit bei Badlands und vor allem als Ozzy Osbournes Leadgitarrist auf den Alben »Bark At The Moon« und »The Ultimate Sin« in die Herzen aller Heavy-Metal- und Hard-Rock-Fans eingeschrieben hat, begann ihre Show in großem Stil. Direkt mit einem Knaller und Ozzys Song The Ultimate Sin. Das fegte das Dach von der Halle. Das Publikum rastete aus, und das teure Bier (4 dl für 5,00€) schwappte im Nu in alle Richtungen der Halle. Jake E. Lee war in bester Stimmung. Aus der Gitarre feuerte und blitzte er unerbittlich Salven improvisatorischer Akrobatik – sein ganz eigenes unverwechselbares Markenzeichen. Es handelt sich nämlich um einen einzigartigen Gitarristen mit einem unverkennbaren Stil. Jake E. Lee entschied sich, den Großteil der Konzertzeit einigen Badlands-Klassikern zu widmen, die ihm über die Jahre besonders ans Herz gewachsen sind. So reihten sich High Wire, Shine On, In a Dream, Rumblin‘ Train und Sun Red Sun aneinander. Darunter mischte die Crew Songs des gleichnamigen Studiodebüts, nämlich Deciever, War Machine, Feeder und Shout it Out. Für das große Finale kehrte Jake E. Lee mit der Crew für eine Zugabe zurück und spielte noch Ozzys Bark At The Moon, was das durch und durch »angeölte« Publikum in der Halle vollends beglückte! Eine Bombe von einem Konzert! Wenn Red Dragon Cartel irgendwo in eurer Nähe sind, tut euch den Gefallen und geht zu ihrem Konzert. Die hauen euch die volle Energie-Ladung um die Ohren! Und Jake E. Lee ist hungrig und durstig nach Blut und Auftritten. Das hat seine Festivalshow bewiesen! Red Dragon Cartel werden in Zukunft bestimmt noch das ein oder andere Album veröffentlichen! Angesichts der gezeigten Fokussiertheit ganz sicher.
Pretty Maids, waren an diesem Tag die einzigen auf dem Festival, die mit ihrem »Nightliner« ankamen. Nicht wegen dieses Festivals, denn die Reise aus dem dänischen Horsens wäre zu teuer gewesen – vielmehr machten sie beim Festival einfach einen Abstecher. Mitten auf ihrer Headliner-Tournee, auf der sie noch immer ihr aktuelles Studioalbum »Motherland« sowie das gerade erschienene Album mit neu eingespielten Klassikern und vier brandneuen Songs »Louder Than Ever« präsentieren. Pretty Maids spielen in den letzten Jahren regelmäßig Konzerte. Noch im Herbst waren sie zusammen mit Pink Cream 69 und Bonfire auf einer ausgedehnten Tournee durch den alten Kontinent unterwegs, und im Mai dieses Jahres haben sie bereits eine neue Tournee angekündigt.
Pretty Maids gelten als eine der erfahrensten Konzertbands und gleichzeitig als eine der stärksten, was die Interpretation des Repertoires angeht. An Erfahrenheit kamen ihnen an diesem Tag unter den Auftretenden sicher keine gleich. Die Band, die bereits 1981 gegründet wurde, nahm sich auf der Bühne mehr Platz als die Gruppen vor ihnen. Das Schlagzeug stand deutlich erhöht auf einem speziellen Podest, im Hintergrund prangte ein riesiges Banner mit dem Cover des aktuellen Studioalbums »Motherland« und natürlich dem Logo der Band. Auch an diesem Abend gaben Pretty Maids erwartungsgemäß alles. Sie spielen stets auf Volldampf. Ohne Bremsen. Schon zu Beginn brachte Sänger Ronnie Atkins mit seiner bewährten, soliden Fokussiertheit und seinem charismatischen Magnetismus die Halle auf die Beine, als das neue Mother Of All Lies und dahinter I See Ghosts sowie das wieder in die Setlist aufgenommene »Pandemonium«-Stück Final Day of Innocence folgten. Neben dem aufgedrehten Atkins rannte Bassist Rene Shades fröhlich hin und her – mal zum Keyboarder Morten Sandager, mal zum Gitarristen Ken Hammer –, während das »Schlagzeug-Tier« Alan Tschikaja den Fellen erbarmungslose Schläge verpasste und gleichzeitig eine Handvoll Schlagzeugstöcke unters Publikum warf. Hervorragend funktionieren auch das brandneue My Soul To Take, das sanft an Little Drops Of Heaven heranführt – das natürlich in der zweiten Konzerthälfte gespielt wurde – sowie etwas später das ebenfalls brandneue Nuclear Boomerang, das eine gewisse vokale Erschöpftheit bei Ronnie enthüllte, was man halt in Kauf nehmen muss, da die Stimme das einzige organische Instrument ist. Und sie lässt sich nicht vollständig ersetzen. Die Band nahm sich auch Phil Lynnots Please Don’t Leave Me vor, die letzten Energiereserven presste sie dem Publikum dann mit dem erwarteten Abschlussfinale der eisernen Repertoire-Stücke Red Hot And Heavy, Future World und Back To Back heraus.
Etwas überraschend war lediglich die Tatsache, dass Pretty Maids keine der neu eingespielten Klassiker des Albums »Louder Than Ever« ins Repertoire aufnahmen, die sie live schon länger nicht mehr gespielt hatten. Vielleicht hören wir sie aber am 15.05.2014, wenn die Band in Vrba na Koroškem im dortigen Club Bluesiana Rock Cafe auftritt. Dann werden Pretty Maids nämlich ein zweistündiges Konzert spielen. Pretty Maids lieferten an diesem Tag eine der stärksten Bühnenvorstellungen ab, weshalb auf Stryper danach eine ausgesprochen schwere Aufgabe wartete!
Konzerte der »Weißen«, oder anders gesagt der »christlichen Rocker« Stryper, sind in Europa nicht gerade an der Tagesordnung. Obwohl die Band im November letzten Jahres das neue Studioalbum »No More Hell To Pay« veröffentlichte, hatte sie in Europa noch keine richtige Gelegenheit, es konkret vorzustellen. Die erste echte Gelegenheit bot sich so ausgerechnet beim Frontiers Rock Festival. Stryper haben zwar noch einige bestätigte Auftritte auf europäischen Festivals in diesem Sommer, unter anderem beim Bang Your Head!! Festival im deutschen Balingen, aber Tatsache bleibt Tatsache. Stryper spielen nicht viel in Europa, weshalb sie sicherlich als besondere Attraktion des Festivals galten. Schon beim Betreten der Bühne warf Michael Sweet einige »Stryper-Bibeln« unters Publikum, als die Band mit dem eingespielten Intro Battle Hymn of the Republic auf die Bühne kam. Sing Along Song riss mit seiner pompösen Ansteckungskraft sofort das Publikum mit, das sofort anfing mitzusingen. Der ultimative Anführer und Chef der Band, Sänger und Gitarrist Michael Sweet, hält sich vokal gut. Trotzdem sparte er stellenweise an Energie und wich den extrem hohen Lagen aus, die er zwar noch singen kann (das letzte Studioalbum beweist es zumindest), sonst hätte er vor Jahren nicht als einer der Hauptvokale der legendären Boston mitgewirkt. Stryper stellten das Repertoire aus ihren Hits zusammen, einen Teil des Konzerts widmeten sie der Präsentation des neuen Studioalbums »No More Hell To Pay« (nur drei Songs), etwas Zeit sogar dem Coveralbum »The Covering« (2011), von dem sie den Judas Priest-»Gassenhauer« Breaking The Law und den Kiss-Standard Shout It Out Loud spielten.
Das Konzert von Stryper ist ein Erlebnis der besonderen Art. Eingebettet darin ist das Predigerritual von Michael Sweet. Genau im letzten Teil des Konzerts war so die Ballade Honestly an der Reihe. Schon davor hat er »brav« geredet und geredet. Nicht schlimm. Das ist Klassik, Standard. Eine erwartbare Sache – Jedoch sang Sweet diesen Song im balladischen Teil völlig allein auf der Bühne, mit eingespielten Keyboards (die Band half sich während des Konzerts auch mit Playback-Begleitvokalen), was die Energie und Spannung des Konzerts ein wenig abwürgte. Vor dem Teil, wo die ganze Band in den Song einstieg, verschwand er kurz von der Bühne, diese wurde dann völlig abgedunkelt, danach spielte die Band den Song zu Ende. Ebenso konnten die längeren Ansprachen zwischen den Songs jemanden leicht nerven, vor allem wenn man für eine kompromisslose Dosis Rock-’n‘-Roll-Party gekommen war. Das muss man halt in Kauf nehmen. Stryper sind eben eine besondere Band. Eine ganze Menge Stryper-Bibeln wurde verteilt, wir aber kamen vor allem wegen der Musik, und die Band löste sich spätestens mit den hervorragenden Riff-Strukturen ein, die in All For One, The Way und erwartungsgemäß am Ende des regulären Teils in Soldiers Under Command donnerten. Auch die Zugabe war erwartet. Nicht erwartet war nur ihre Kürze. Eingespieltes Intro (Abyss) und dann direkt in To Hell With The Devil – und tschüss.
Ansonsten agiert die Crew kompakt, abgestimmt, hervorragend eingespielt. Die Erfahrung ist da. Die Reife, die mit den Jahren kommt, nicht weniger. Oz Fox und Michael Sweet ergänzen sich in Soli wunderbar, ebenso in Terzen – Michaels ewig kraftstrotzender Bruder Robert Sweet steht natürlich wieder mit dem Gesicht vom Publikum abgewandt am Schlagzeug, was seit Menschengedenken der Standard der Band ist, aber auf diese Weise immer wieder nicht wenig Staunen hervorruft. Wenige Schlagzeuger treffen die Entscheidung, beim Konzert nicht zum Publikum hin zu stehen. Vielleicht fehlte noch das Tüpfelchen auf dem »i« in Form eines weiteren feurigen Stryper-Granatsplitters, damit das Maß voll gewesen wäre – ansonsten aber ohne Murren. Die Band spielt hervorragend, und das zählt. Auf jeden Fall ein Muss für alle echten Fans der Band. Stryper rechtfertigten die Headliner-Rolle, trotz der außergewöhnlichen Pretty Maids und Eclipse vor ihnen, die für viele den Höhepunkt der Festivalauftritte des zweiten Tages darstellten.
Erfüllt vom Genuss neuer Konzerterlebnisse machten wir uns auf den Weg zum Auto. Der Regen hatte aufgehört. Doch der Teufel ließ uns keine Ruhe! Jernej begegnete nämlich in der Halle Brad Gillis (Night Ranger)! Offensichtlich war Night Ranger bereits einen Tag vor ihrem Auftritt in Trezzo sull’Adda angekommen! Wir drehten uns zur Halle um. Zunächst stießen wir auf Gitarrist Joel Hoekstra, der freundlich ein paar Worte wechselte und sich auf Wunsch der Betreffenden vor einigen Kameras positionierte, gefolgt von der Begegnung mit dem Original- und Gründungsmitglied von Night Ranger, Gitarrist Brad Gillis, der im Außenbereich der Halle eine Schar aufgeheizter Fans empfing, die ihn wie Fliegen belagerten. Ein wunderschöner Abschluss des Festivaltages und ein Vorgeschmack auf seinen letzten, dritten Tag!
Setlist
ADRENALINE RUSH:
1. Black N Blue
2. Change
3. Mellansnack
4. No No No
5. mellansnack
6. When We’re Gone
7. Want It All
8. Generation Left Behind
9. Oh Yeah!
10. Hit You Like A Rock
11. Long Live Rock ’n‘ Roll (Rainbow)
L.R.S.:
1. Our Love to Stay
2. Livin 4 a Dream
3. Down to the Core
4. Universal Cry
5. I’ve Got a Lot to Learn About Love (The Storm)
6. Once Is Not Enough (Von Groove)
7. Knee Deep (21 Guns)
ECLIPSE:
1. Wylde One
2. Wake Me Up
3. Battlegrounds
4. A Bitter Taste
5. Bleed & Scream
6. Under the Gun
7. S.O.S.
8. About to Break
9. Breaking My Heart Again
RED DRAGON CARTEL:
1. The Ultimate Sin (Ozzy Osbourne)
2. Deceived
3. War Machine
4. High Wire (Badlands)
5. Shine On (Badlands)
6. Shout It Out
7. In a Dream (Badlands)
8. Rumblin‘ Train (Badlands)
9. Sun Red Sun (Badlands)
10. Feeder
—Zugabe—
11. Bark at the Moon (Ozzy Osbourne)
PRETTY MAIDS:
1. Mother of All Lies
2. I See Ghosts
3. Final Day of Innocence
4. My Soul to Take
5. Yellow Rain
6. Rodeo
7. Please Don’t Leave Me (Phil Lynnot)
8. Another Brick in the Wall Part 2 (Pink Floyd)
9. I.N.V.U.
10. Nuclear Boomerang
11. Little Drops of Heaven
12. Fortuna Imperatrix Mundi (Carmina Burana)
13. Back to Back
14. Red, Hot and Heavy
—Zugabe—
15. Future World
16. Outro (Sit on My Face – Monty Python)
STRYPER:
1. Intro (Battle Hymn of the Republic)
2. Sing-Along Song
3. Loud ‚N‘ Clear
4. Reach Out
5. Calling on You
6. Free
7. More Than a Man
8. Legacy
9. No More Hell to Pay
10. Marching Into Battle
11. Breaking the Law (Judas Priest)
12. Shout It Out Loud (KISS)
13. All for One
14. Honestly
15. The Way
16. Soldiers Under Command
—Zugabe—
17. Intro (Abyss)
18. To Hell With the Devil
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