Das ist deine Offenbarung mit einer Prise Sarkasmus! (2014)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 10.04.2014
Besucherzahl: 90
Kartenpreis: 6,00€
Wenn zwei Bands wie Metalsteel und Sarcasm ihre Kräfte für einen gemeinsamen Auftritt bündeln, ist sofort klar, dass das ein Metal-Fest wird, das man nicht verpassen darf. Beide haben ein frisches Studioalbum im Gepäck. Sarcasm haben ihres mit dem Titel »Thrash« im Dezember letzten Jahres veröffentlicht, Metalsteel ihr neues Album »This is Your Revelation« vor gut einem Monat – RockLine-Rezension HIER. Die beiden Bands sind alte Freunde. Metalsteel haben schon kurz nach dem Start ihrer Karriere mit Sarcasm gespielt. Die Bruderschaft der beiden Bands hat also bereits die erste Dekade überschritten.
Ein Aufeinanderprall von rauem Classic-Heavy-Metal und Old-School-Thrash-Metal-Prinzip. Zwei Bands, die zu den angesehensten der slowenischen Metal-Szene gehören. Sarcasm dank ihres ehrwürdigen Rufs als Metal-Veteranen, Metalsteel dank ihrer Geschlossenheit und trotzigen Ausdauer, die ihnen in relativ kurzer Zeit fünf Studioalben beschert hat.
Orto bar, kurz nach halb zehn! Knapp hundert Leute warteten, als Metalsteel als Erste die Bühne betraten. Die Band entschied sich, das neue Studioalbum »This Is Your Revelation« in voller Länge durchzuspielen – absolut sinnvoll, das Album war brandneu, kaum aus der Presse. Die Band hatte es am Tag der offiziellen Veröffentlichung im Club Pri rdeči ostrigi in Škofja Loka erstmals präsentiert – RockLine-Reportage HIER!
Es war eine Freude, die Band spielen zu sehen. Sie waren perfekt eingespielt und wuchsen in ihrer Darbietung ständig weiter und reiften. So wie auch musikalisch. Beny hatte sich zu einem exzellenten Vokalisten entwickelt, der mit der Zeit noch an stimmlicher Substanz gewonnen hatte, Rok mischte sich noch kräftiger in die Soloduette mit Beny ein, während Matej Sušnik wohl als der Erfahrenste und Versierteste im Team galt – er ist auch in Musikprojekte eingebunden, in denen man sich im Spiel und in der Verschmelzung verschiedenster Genres beweisen muss, vor allem Jazz und Funk, und bei gelegentlichen Pop-Abenteuern auch ein gehöriges Maß an Weichheit zeigen muss. Am Schlagzeug hielt die stets überzeugende, unermüdliche und verlässliche Daša der Band den Takt. Die Band wirkte außerordentlich kohärent und riss einen sofort mit. Der Orto bar hatte sich ordentlich aufgeheizt. Im Publikum waren viele dabei, die die Band von Anfang an verfolgen. Anfangs zickte der Sound etwas. Vor allem dröhnten die beiden Gitarren undeutlich und entschieden zu laut, doch irgendwo um Narcissus brachten sie den Sound auf den richtigen Pegel. Die Band präsentierte eine aufgefrischte und/oder reaktivierte sowie ausgebaute Wucht und Eingängigkeit durch die düsteren Teile des neuen Albums in den ersten zwei Dritteln des Auftritts und würzte das Ganze dann ähnlich wie in Škofja Loka vor einem Monat mit Klassikern aller älteren Alben, wie White Circle (»Bad In Bed«, 2007), die Ballade Topla je Smrt (»Usoda«, 2003), den erwarteten Kracher Heavy Metal Is Our Religion (»Taste The Sin«, 2005), The Trip (»Entertainment«, 2010) und der Überraschung des Abends, einem weiteren »Taste the Sin«-Klassiker, The Lonely Man’s Revenge, in den sie meisterhaft den Black Sabbath-Klassiker Heaven And Hell verpackt hatten. Den hatten sie aus Sabbath Judas Sabbath übernommen. In diesem Teil des Songs übernahm Matej den Gesang und sang Dios anspruchsvolle Linien sehr, sehr gelungen, und die Band verblüffte einmal mehr mit Sound und Darbietung, die dem Original auf raffinierte Weise nahekommt. Erwartungsgemäß beendeten Metalsteel ihren abermals hervorragenden Auftritt mit dem Klassiker Novi svet (»Usoda« ,2003) und überließen die Bühne den slowenischen Thrash-Metal-Urgesteinen Sarcasm.
Bei Sarcasm funktionierte der Sound im Gegensatz zu Metalsteel von Anfang an ausgezeichnet. Man stellte Mucy etwas lauter und die Sache war erledigt. Zu Beginn fand die Band ein etwas ausgedünntes Publikum vor – alle waren in der Pause nach draußen zum Rauchen und Bierholen geflogen. Aber es dauerte nicht lange, bis sich der Orto wieder ordentlich gefüllt hatte. Ich sage »ordentlich«, denn bei so einem Event hätte man normalerweise ein ausverkauftes Konzert oder zumindest 150 Besucher erwartet. Aber die Zeiten ändern sich und das Interesse an Konzerten, vor allem bei Jüngeren, lässt generell nach.
Sarcasm lieferten ebenfalls eine außerordentliche Eingespieltheit. Mucy war wieder bestens aufgelegt und zog sein bewährtes Bühnen-Show-Theater durch, während die Blicke immer wieder auch an dem außerordentlichen Austausch solokünstlerischer Akrobatik zwischen den Gitarristen Aleš Blaznik und Klemen Renk hängenblieben (die beiden haben im Laufe der Jahre ihr Zusammenspiel und gegenseitiges Gespür so weit entwickelt, dass sie auch Riffs in Terzen harmonisieren, nicht nur Soli und Übergänge). Auch die Rhythmussektion biss unerbittlich und blieb bestens geölt. Dime ist eine echte Maschine! Überzeugend und hochpräzise auch bei den schnellsten Songs, während der neue Bassist Vito mit seinem entschlossenen, rasselnden Wühlen auf dem Bass zeigte, dass er sich als neues Mitglied bereits vollständig in die Besetzung von Sarcasm integriert hatte.
Erwartungsgemäß nutzte die Band den Eröffnungs- und Schlussblock für die schwindelerregende Raserei ihrer Thrash-Metal-Präsenz – sie schlug mit den Klassikern Thrash Tonight und Divja kri direkt und blutrünstig los bzw. beendete das Konzert mit Road Warrior (eigens als Widmung an den unerschütterlichen Gorjanec gespielt) und Crematory. Die Setliste bereicherte der Song Revolt (»Revolt«, 2006), der nach langer Abwesenheit wieder zurückgekehrt war, und die Band spielte erstmals auch den brandneuen Song Thrasher vom neuen Album »Thrash« (2013). Eine geschärfte Bühnenpräsentation, Spielen mit voller Kraft und große performative Kompaktheit. Stärke, Erfahrung, Glaube, Sarcasm! Die Jungs sind trotz ihres »Fossilwerts« noch immer brennend durstig und blutgierig. Das Thrash-Metal-Monster wütet und trampelt mit voller Kraft weiter! Ein deutlich intensiveres, mit echter Bühnenspannung aufgeladenes Konzert als vor einem Monat in der fast leeren Kamnik Kotlovnica – RockLine-Reportage HIER!
Der Abend des slowenischen Metals war ein Erfolg! Getrübt wurde das Bild nur durch die Besucherzahl, die eigentlich noch ca. 60-70 Leute mehr hätte anziehen müssen. Aber wie bereits erwähnt. Der Trend geht dahin, dass die Besucherzahlen auf der Club-Szene sinken. Nicht weil die Leute kein Geld oder keine Zeit hätten (der Eintritt ist minimal, die Bierpreise angepasst, aber nichts davon hilft irgendwas). Es ist schlicht eine Generationenkluft. Junge Konzertbesucher werden immer weniger. Wie auch immer. Im Orto bar herrschte diesmal eine außerordentlich gute Atmosphäre der Hingabe an die Metal-Musik. Eine Schar alter Bekannter und Freunde fand sich zusammen, das Bier floss, die Debatten entbrannten! Bei großartiger Musik und großartigen Auftritten. Und genau das ist es, wofür man abends ausgeht – um für einen Augenblick den alltäglichen Strapazen dieser verrückten Gegenwart den Rücken zu kehren.
Setliste
METALSTEEL:
1. New Way Of Thinking
2. Taboo
3. Narcissus
4. New Messiah
5. This Is Your Revelation
6. Godfather Of Nothingness
7. Man Of !000 Faces
8. Long Time Ago
9. White Circle
10. Topla je smrt
11. Heavy Metal Is Our Religion
12. The Trip
13. The Lonely Man’s Revenge (incl. Heaven And Hell)
—Zugabe—
14. Novi svet
SARCASM:
1. Thrash Tonight
2. Divja kri
3. Something To Believe In
4. Z mano je slabo
5. Revolt
6. Thrasher
7. Vitez teme
8. Thrash
9. Slovenski genocid
10. Lit’r na mizo
11. Sarcasmatron
12. Terrorist
13. Dej mi, Sarcasm
—Zugabe—
14. Creamtory
15. Road Warrior
16. Zdravljica
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